Meiereien

Der Geissen-Thomas

Geissen. Nur ohne Thomas.

Geissen. Nur ohne Thomas.

In dieser Meieren-Kolumne philosophiert der Redaktor über Menschen, die sich als Geissen ausgeben.

Kinder spielen gerne Rollenspiele. Manchmal werden sie dabei zu ihren eigenen Eltern, manchmal zu Helden oder Bösewichten – oder zu beidem. Und gern spielen sie auch Tiere: Elefanten, Löwen, Hunde.

Der britische Designer Thomas Twaites ist zwar kein Kind mehr, aber auch er liebt ausgedehnte Rollenspiele. Er beschloss, er sei nun eine Geiss. Er bastelte sich Prothesen, die Ziegenbeinen nachempfunden sind, montierte sich die neuen Beine und mischte sich für eine Woche unter echte Schweizer Geissen.

Das gefiel ihm: bei Wind und Wetter mit den Geissen über Stock und Stein zu hüpfen. Etwa einen Kilometer lang habe er jeweils mit der Herde mithalten können, dann hätten sie ihn abgehängt. Überhaupt – mit der Akzeptanz innerhalb der Herde hat es nicht so richtig geklappt; die Geissen haben die fremde Prothesengeiss einfach nicht richtig als eine der ihren aufgenommen.

Twaites hingegen hat sich bei den Ziegen relativ wohlgefühlt. Medienwirksam hat er sein Leben als Geiss dokumentiert und veröffentlicht.
Das ist der vielleicht entscheidende Unterschied zum kindlichen Rollenspiel: Kinder spielen für sich. Ohne Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Öffentlichkeit stört, ja zerstört das Spiel.

Solchermassen inszenierte Rollenspiele zur Unterhaltung eines Publikums, das zwar vorgibt zu wissen, dass alles nur inszeniert ist, es aber ständig wieder zu vergessen scheint, sind immer noch sehr beliebt.

Obschon die Mechanismen seit Jahren bekannt sind. Egal, ob es sich um die falsche Geiss oder um die drei Eingeschlossenen vom Fressbalken handelt, klar ist: Den kreativen Fernsehmachern gehen die Ideen nicht aus. Vielleicht schaut der Geissen-Thomas mal im Fressbalken vorbei? Eine Bundesrätin war ja auch schon dort.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1