Meiereien

Am Waldrand

Der Lenz zieht ins Land. Das macht Freude. Aber nicht nur ...

Ein vorfrühlingshafter Sonntagnachmittag. Der Föhn hat allen Dunst vertrieben. Die Berge sind zum Greifen nah. Da gibt es kein Halten. Raus an die frische Luft.

Wer jetzt den Sonntagnachmittag nicht für den Spaziergang nutzt, dem ist nicht zu helfen.
Man strebt den Höhen über dem Dorf zu, flaniert den Waldrand entlang, blinzelt in die wärmende Frühlingssonne. Die Welt ist in Ordnung. Man grüsst einander freundlich. Nicht einmal die freilaufenden Hunde stören.

Aus dem leeren Holz tönt fröhlicher Kinderlärm. Es riecht nach Feuer. Offensichtlich werden da irgendwo in der Nähe bereits die ersten Würste gebraten.

Erinnerungen an die Walderlebnisse der Kindheit werden wach, aber auch Erinnerungen an Walderlebnisse mit den eigenen Kindern. Und man freut sich leise, dass es noch immer Kinder gibt, die im Wald spielen dürfen, dass es Eltern gibt, die den Wald als wilden Spielort zulassen.

Dann erreicht man die Feuerstelle am Waldrand, wo die Kinder spielen. Vom Feuer ist nur die Glut übrig geblieben. Die Erwachsenen sitzen am hölzernen Tisch. Es scheint, als wollten sie langsam aufbrechen. Doch die Kinder sind etwas abseits noch ins Spiel vertieft und wollen sich nicht stören lassen. Sie stehen im Halbkreis um eine menschengrosse Puppe, die sie aus allem, was der Wald hergibt, geformt haben.

Als Kopf dient ein silberner Luftballon. Die Puppe liegt am Boden. Abwechslungsweise prügeln die Kinder mit einem stecken auf die Puppe ein. Als der Ballon zerplatzt, jubeln die Kinder.
«Was macht ihr da eigentlich?», ruft eine Mutter vom Tisch aus in Richtung Geheul. «Wir schlagen einen Afrikaner», antwortet ein Mädchen und man hört, wie sie lachen.

Die Berge scheinen so nah, dass man sie berühren möchte.

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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