Der Beitrag zum Kommentar

Neulich auf einer Autobahn. Ein schneller Zürcher fährt dicht auf, gibt Lichthupe und überholt mich dann rechts. Er sitzt, wie ich, alleine im Fahrzeug. Ich müsste nun nur sein Autokennzeichen aufschreiben, ihn anzeigen – und der Fahrer ginge wohl recht lange zu Fuss. Es sei denn, er bestreitet, zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort gewesen zu sein – im Klartext: Er lügt – oder er reicht eine Gegenanzeige wegen Verleumdung ein. Dann – und nur dann – muss ich mich rechtfertigen. Sonst muss der Beschuldigte belegen, dass er die Verkehrsregeln nicht verletzt hat. Ohne Zeugen ist dies ein Ding der Unmöglichkeit.

Treiben wir es ad absurdum: Wäre ich ein unverfrorener, kaltblütiger, frustrierter Lügenbaron, könnte ich nun jemanden, der mich auf der Autobahn nervt, dessen Nase mir ganz einfach nicht passt, anzeigen.

Reagiert die «Nase» falsch (was in der ersten Verblüffung durchaus der Fall sein könnte), habe ich gewisse Chancen, durchzukommen. Der Fahrer könnte, wie es ein Fricktaler tat, noch so lange beteuern: So war es nicht, ich überhole nie rechts – er fiele auf die Nase. Mein Risiko dabei: Geht es schief, sieht meine Nase Gitterstäbe.

Zurück zu meiner Fahrt. Weshalb habe ich ZH 43. ... nicht aufgeschrieben? Weil es mir gegen den Strich geht, Polizist zu spielen, weil ich es erbärmlich finde, andere wegen Verkehrsdelikten zu denunzieren. Jeder macht einmal einen Fehler – und ist froh, wenn da nicht einer ist, der sich berufen fühlt, als Privatmann Sheriff zu spielen. Es reicht, wenn die echten Polizisten hinter den Büschen lauern. Leben und leben lassen. Wenn wir dieses Prinzip aus den Augen verlieren, dann wird es bedenklich.