Es gibt viel Applaus für die Neuausrichtung der Sozialpolitik, für den Fokus auf den «Capability-Ansatz», der das Gewicht auf Hilfe zur Selbsthilfe legt. Aber vom Applaus hat der Künstler bekanntlich nicht gegessen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf heisst eine der Strategien. 81 Prozent der Vernehmlassungsantworten befanden das für richtig. Umgesetzt wird die Strategie mit der Regelung für Tagesstrukturen zur familienergänzenden Kinderbetreuung.

Wir kennen die Geschichte: Den ersten Vorschlag hat das Parlament 2012 versenkt, den zweiten letzten November, nach den Sommerferien folgt ein letzter Rettungs-versuch – Erfolgsaussichten äusserst vage.

Die Sozialplanung weist in eine vielversprechende Richtung. Aber wenn der Wille zur Umsetzung fehlt, bleibt sie ein Papiertiger. Ein Debakel nach dem anderen wie beim Krippengesetz wäre wirklich das Letzte, was der Kanton braucht – und sich leisten kann.

Wer nun also applaudiert, soll sich auch darauf verpflichten, später konkrete Taten folgen zu lassen. Das braucht in der aktuellen Lage Mut, denn es wird etwas kosten, da darf man sich keine Illusionen machen.

Von der SVP kam die Ansage zur Sozialplanung postwendend: «Übung abbrechen!» Das wäre falsch. Aber immerhin ehrlicher, als jeden Vorschlag mit dem Killerargument Bürokratie zu verwerfen, wenn es konkret wird.