Zwischenruf

Wenns beim Billettlösen pressiert – und ein Bub die Münzen einwerfen darf

Ein Billet zu lösen, ist nicht einfach

Ein Billet zu lösen, ist nicht einfach

Rasch ein Billett lösen, kurz bevor der Zug einfährt – und dann warten müssen, weil ein Mami ihren Bub am Automaten die Münzen einwerfen lässt. Solches hat az-Redaktorin Katja Schlegel erlebt, wie sie in der «Zwischenruf»-Kolumne schildert.

Kürzlich am Bahnhof Aarau. Die Zeit drängt, der Bus hat sich mit Ach und Krach durch das städtische Verkehrsgewühl gemostet. Noch drei Minuten bis der Zug fährt.

Rasch noch ein Billett lösen. Ich entscheide mich für die hintere Unterführung mit nur zwei Automaten, aber weniger Leuten.

Eine schlechte Idee: Der eine Automat ist futsch, am anderen steht eine Mutter mit Bub, vielleicht zwei Jahre alt. Auf Höhe des Münzschlitzes hängt er in ihren Armen, klaubt ihr ein Rappenstück nach dem andern aus der Hand und zwängt es umständlich in den Schlitz.

So herzig und pädagogisch sicher äusserst wertvoll, dieser Umgang mit dem Geld, und erst recht eine prima Übungsanlage für die motorischen Fähigkeiten – würde mein Zug nicht in zwei Minuten und ein paar zerquetschten Sekunden fahren.

Die Mutter guckt mich über die Schulter an und strahlt, feuert ihren Sohn an, «so guet hesch das gmacht». Ich werde nervös.

Er klaubt das nächste Münzstück aus ihrer Hand und lässt es fallen. Die Mutter bückt sich mitsamt Sohn, da fällt ihr die in die Haare hochgeschobene Sonnenbrille vom Kopf. Ich bücke mich danach, vielleicht gehts so etwas schneller.

«Das isch jetzt aber nätt vo Ihne», trällert sie. Ob es vielleicht möglich wäre, mein Zug, jeden Moment, nur schnell ein Billett ..., erwidere ich.

Die Mutter schaut auf die Uhr, wuchtet den Bub wieder hoch und lässt ihn noch einmal zwei Bätzeli verfüttern. «Öis pressierts au», sagt sie schnippisch, nimmt sich Billett und Kind und marschiert davon.

Ich tippe, zahle und renne die Treppe hoch. So schnell wies geht und doch zu langsam, mein Zug rollt bereits wieder, das Perron ist leer.

Bis auf zwei Personen auf dem Bänkli. Mutter und Bub. Gemäss Anzeigetafeln fährt weder auf dem einen noch dem anderen Gleis der Zug in weniger als neun Minuten.

Hätte ich mich doch auf die Sonnenbrille draufgestellt. Das wäre auch pädagogisch wertvoll gewesen. (ksc)

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