Wettingen/Baden

Trotz Freispruch: Als Lehrer ungeeignet

Der Lehrer unterrichtete während vieler Jahre am Schulhaus Zehntenhof in Wettingen. (Archiv)

Der Lehrer unterrichtete während vieler Jahre am Schulhaus Zehntenhof in Wettingen. (Archiv)

Der «Strip-Poker-Lehrer» von Wettingen, der vor zweieinhalb Jahren fristlos entlassen wurde, ist vom Bezirksgericht Baden freigesprochen worden. War also alles halb so schlimm?

«Strip-Poker-Lehrer»: Diese wenig ehrenhafte Bezeichnung musste sich ein Wettinger Lehrer im Frühling 2012 gefallen lassen. Dies, nachdem bekannt wurde, dass er ein Jahr zuvor mit einigen Schülerinnen seiner Kleinklasse eine Art Strip-Poker gespielt hatte.

Für jede unrichtige Antwort im Rechnen mussten die Mädchen etwas von sich abgeben – einen Haargummi, ein Schmuckstück, einen Schuh oder auch das T-Shirt.

Weil dann im Frühling 2012 weitere Vorwürfe gegen den Lehrer aufkamen, sah sich die Schulpflege gezwungen, den Lehrer fristlos zu entlassen.

Nun hat das Bezirksgericht Baden den Lehrer vom Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie der sexuellen Handlung freigesprochen.

Also alles halb so schlimm? Wurde dem Lehrer mit der fristlosen Kündigung gar unrecht angetan? Nein.

Es war schon fragwürdig, dass die Schulleitung den Lehrer nach dem Auffliegen der Strip-Poker-Lektion unter Auflagen weiterbeschäftigte. Als dann weitere Vorwürfe sexistischen Inhalts auftauchten, handelte die Schulpflege mit der fristlosen Entlassung richtig – es ging um den Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Die Frage, ob es wirklich zu sexuellen Handlungen kam, steht hingegen auf einem anderen Blatt. Die Aussagen und Gerüchte – die über das unbestrittene Strip-Poker hinausgingen – sind mit Vorsicht zu geniessen – gerade weil sie so happig waren: Ohne Beweise oder klare Indizien blieb dem Gericht nichts anderes übrig als ein Freispruch.

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