Meiereien

Ständeratswahlkampf: Reduziert aufs Maximum

Ruth Humbel, Philipp Müller und Hansjörg Knecht.

Ruth Humbel, Philipp Müller und Hansjörg Knecht.

Im Aargau liegt der Ständeratswahlkampf in den letzten Zügen. Das Publikum scheint erschöpfter als die Kandidierenden. Ideen sind gefragt.

Zum Beispiel erregt Kandidat Knecht viel Aufmerksamkeit, weil er nicht mehr an Podiumsdiskussionen teilnimmt. Würde er überall nochmals sagen, was er schon geschätzte hundert Mal gesagt hat, man nähme kaum Notiz davon. Doch jetzt macht er sich rar – und schon ist er ein Thema.

Kandidatin Humbel lässt in Inseraten andere für sich reden. Testimonials nennt man solche Äusserungen. Wir kennen sie aus der Werbung. Es sind Fürsprachen von mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit für ein Produkt oder eine Person.

Zu den Persönlichkeiten, die sich in einem Testimonial für die Kandidatin Humbel äussern, gehört auch Schriftsteller Klaus Merz. Er, der grosse Meister der Verknappung, hat den Wahlslogan von Kandidat Knecht ernst genommen und eine Antwort darauf verfasst. «Knecht wählen – Könige hat es genug», teilte Kandidat Knecht dem Aargau flächendeckend mit. Schriftsteller Merz antwortete im Testimonial für Kandidatin Humbel lapidar: «Lieber eine Humbel vor dem Herrn als noch einen weiteren Knecht des Königs in Bern.»

Diese Äusserung des Dichters Merz erschien nur ein einziges Mal als kleines Inserat in der Zeitung. Und sorgte dennoch für grossen Wirbel. Merz und Kandidatin Humbel mussten eine Reihe von schlimmen Kommentaren über sich ergehen lassen; man warf Merz vor, er habe mangels eigener Ideen dem Kandidaten Knecht einfach den Slogan geklaut und für eigene Zwecke missbraucht.

Wer die vielen Kommentare liest und die Diskussionen verfolgt, stellt etwas ganz anderes fest: je weniger Worte, desto grösser die Wirkung.

Meistgesehen

Artboard 1