Städtestatistik

Stadt oder Dorf: Die inneren Werte zählen

Die Agglomeration Wohlen mit der Zentrumsgemeinde Wohlen, mit Villmergen und Waltenschwil wächst stürmisch.

Die Agglomeration Wohlen mit der Zentrumsgemeinde Wohlen, mit Villmergen und Waltenschwil wächst stürmisch.

Nicht nur der ganze Kanton Aargau, auch seine Agglomerationen wachsen. Wohlen wächst am schnellsten von allen Agglomerationen im Aargau – obwohl es gar keine Stadt ist. Der Kommentar.

Vor sechs Jahren sagten die Einwohner von Wohlen an der Urne deutlich Nein: 58 Prozent der Stimmenden waren damals dagegen, die viertgrösste Gemeinde des Kantons zur Stadt zu erklären.

Dass die Grossgemeinde, die heute gut 15 600 Einwohner zählt, sich weiter als Dorf bezeichnet, hat der Attraktivität der Agglomeration Wohlen keinen Abbruch getan.

Laut der neuen Städtestatistik ist sie unter allen Agglomerationen im Aargau am stärksten gewachsen. Und nicht nur das: Wohlen belegt sogar schweizweit einen Spitzenplatz.

Dies beweist, dass es für Neuzuzüger, Firmen und Bauunternehmen keine Rolle spielt, ob eine Gemeinde als Stadt oder als Dorf gilt. Viel wichtiger sind andere
Kriterien wie Bildungs- und Einkaufsangebote, gute Verkehrserschliessung, bezahlbare Mieten, genug verfügbares Bauland oder ein moderater Steuerfuss. Dies alles im Einklang zu halten, ist eine Herausforderung für grosse Gemeinden, die nicht am «Speckgürtel», also abseits der Achse Baden–Aarau–Zofingen, liegen.

Um für wohlhabende Zuzüger attraktiver zu werden, muss Wohlen einen schwierigen Spagat schaffen: Die Infrastruktur verbessern und die Steuerbelastung nach Möglichkeit senken.

Dies ist aus eigener Kraft kaum zu schaffen, weil schlicht die Mittel fehlen. Wohlen nimmt gut 2300 Franken Steuern pro Einwohner ein, in Baden sind es über 4600 Franken. Mit den Änderungen beim kantonalen Finanzausgleich dürfte sich die Situation von Wohlen leicht verbessern. Ziel einer selbstbewussten Gemeinde muss es jedoch sein, sich ohne fremde Hilfe positiv zu entwickeln.

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