az-Wahlkampfbus

So spannend kann Wahlkampf sein

Am Montag machte der az-Wahlkampfbus Halt an seiner elften Station. Er hat gezeigt, weshalb der Wahlkampf 2015 eben doch spannend ist. Der Kommentar.

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner hat das Mikrofon beiseitegelegt und ruft aus. Seine Stimme dröhnt über den gesamten Platz vor dem AZ Mediencenter. Hier, beim letzten Stopp des az-Wahlkampfbusses am Montagabend, geht es rau zu und her. Je lauter Giezendanner wettert, umso lauter der Applaus unter den gut 90 Zuschauern. «Bravo!», rufen die einen. «Lüge!», die anderen. Bald fliegen die Gläser, denkt sich der Schreibende.

Jedoch: Was vermag die eigentlich friedlichen Gemüter derart zu erhitzen? Es ist vor allem ein Thema, das auch sämtliche Podien der Bus-Tour dominierte und stets für Aufruhr sorgte – die Flüchtlingskrise. Kein anderes Thema schürt solche Emotionen, nirgendwo sonst klaffen die Meinungen derart auseinander.

Betrachtet man den Wahlkampf 2015 nur aus der Ferne, mag er nebst einigem Klamauk farblos erscheinen – ohne Überraschungen, Intrigen, Skandale, ohne besondere Höhepunkte. Ein Wahlkampf, der thematisch stets an der Oberfläche vorbeischrammte. Das ist die eine Seite.

Doch dank dem Wahlkampfbus wird auch ein anderes Bild sichtbar: In den elf Aargauer Bezirkshauptorten lieferten sich 66 Nationalratskandidaten intensive Debatten. Stoff dazu gab es mehr als genug: Flüchtlinge, Altersvorsorge, Verkehr, starker Franken, Atomausstieg, Service public, das Verhältnis zur EU. Überraschend viele Politiker äusserten sich sachkundig und pointiert und diskutieren anschliessend geduldig mit den Zuschauern. Der Wahlkampf 2015 war durchaus spannend. Nur: Um das zu erleben, musste man raus gehen.

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