Der Cappuccino von Kollega Wehrli am letzten Sonntag des vergangenen Jahres ruft nach einer zweiten Tasse im neuen. Frage: Wie steht es am dritten Tag dieses Jahres mit Ihren Vorsätzen? – Habe ich etwa einen wunden Punkt getroffen! Immer noch auf Erfolgskurs oder schon alles über Bord geworfen? Vielleicht waren die Vorsätze zu zwingend, zu einschneidend oder leicht unüberlegt abgefasst.

Womöglich hatte Sie die persönliche Jahresbilanz 2015 oder vielmehr der Frust darüber oder dann der hoffnungserweckende Blick in Richtung 2016 zu allzu optimistischen Prognosen verleiten lassen. Nach dreitägiger Leidenszeit besteht noch die Chance, von allzu drastischen Vorsätzen umgehend zurückzutreten oder sie auf ein adäquates Mass zu reduzieren. Man kann sich auch so etwas wie ein «Rückgaberecht unverhältnismässiger Neujahresvorsätze» konstruieren und damit weitere Willensbemühungen vermeiden. Oder man halte es wie Matthäus und entschuldigt sich damit, dass der Wille zwar stark, das Fleisch jedoch schwach gewesen sei.

Wenn ich nun optimistisch bin und annehme, dass Sie noch tapfer an Ihrem Vorsatz festhalten, dann möchte ich hier eine Durchhalteparole aussprechen. Sollte es sich um mehrere Vorsätze handeln, entscheiden Sie sich für den effektivsten und trennen Sie sich von den andern. Mit der notwendigen Überzeugung, sich nun auf das Richtige fokussiert zu haben, sollten Sie das hinkriegen. Nützlich ist Unterstützung im persönlichen Umfeld, vor allem in denjenigen Momenten, da in einem nicht nur Zweifel aufsteigen, sondern diese auch gleich als gerechtfertigt erscheinen.

Sollten Sie den oder die Vorsätze bereits über Bord geworfen haben oder dies beabsichtigen, zu tun: keine Panik! Sie sind in guter Gesellschaft. Am Tag vor Silvester stand auf dem Titelblatt eines bekannten Boulevardblattes, dass 93 Prozent der Schweizer schon einmal einen guten Vorsatz umgesetzt hätten. Es wäre interessant zu wissen, bei wie vielen Anläufen dieses «einmal» gelungen ist oder wie hoch generell die Erfolgsquote von Vorsätzen ist. Blasen Sie also keine Trübsal, sondern sind Sie froh, wenn es wieder nicht geklappt hat, denn die meisten Vorsätze sind unreflektiert, zu spontan oder aus einer situativen Selbstüberschätzung heraus gefasst worden.

Seit manchen Jahren lasse ich mich nicht mehr von Vorsatz-Anwandlungen verführen. Ich sagte mir diesmal: Das 2016 bietet nicht nur 365, sondern sogar 366 Mal die Möglichkeit, nach Lust, Laune und Notwendigkeit, spontan einen sinnvollen Vorsatz zu fassen. Darum also: Warten Sie nicht zu bis Silvester 2015, nehmen Sie sich gleich für morgen etwas vor.