Wenn es darum geht, wer den roten Pass erhalten soll, müssen alle Bewerber die gleichen Chancen haben. Noch im vergangenen Jahr war dieser Grundsatz im Aargau nicht gegeben. Praktisch jede Gemeinde hatte eigene Fragebögen für die Einbürgerungstests und stellte andere Anforderungen an die Integration der Bewerber. Auch wenn dies niemand offen sagte, gab es Gemeinden im Aargau, wo es einfacher war, den roten Pass zu bekommen, und solche, wo dies schwieriger war.

Mit dem neuen Einbürgerungsgesetz hat sich dies geändert: Es gibt kantonal einheitliche Tests und jeder Kandidat muss erklären, dass er Bundes- und Kantonsverfassung achtet. Zudem wurde das Verfahren verschärft: Strafregistereinträge sind weiter zurück einsehbar als bisher, wer Sozialhilfe bezieht, kann nur noch in begründeten Fällen eingebürgert werden.

Abgelehnt wurde im Grossen Rat aber der Vorschlag, dass überall der Gemeinderat einbürgern solle. Die Gegner argumentierten, eine Einbürgerung sei ein demokratischer Volksentscheid und kein Verwaltungsakt. Ein nachvollziehbares Argument, das aber zwei Schwachpunkte hat. Wo die Gemeindeversammlung einbürgert, gibt es Raum für emotionale, willkürliche Entscheidungen. Diese können zwar auf dem Gerichtsweg korrigiert werden, die Einbürgerung kann aber zur endlosen Odyssee werden. Zudem ist der Gemeinderat eine Behörde, die vom Volk gewählt ist. Etwas mehr Vertrauen, dass der Gemeinderat bei Einbürgerungen im Sinn der Bevölkerung entscheidet, wäre angebracht.