Kommentar

Fankultur ist auch eine Frage der Zivilisation

20 bis 25 Prozent der Eltern im Juniorenfussball fallen laut dem Fussballverband der Region Zürich durch negative Rufe oder gar Handgreiflichkeiten auf

20 bis 25 Prozent der Eltern im Juniorenfussball fallen laut dem Fussballverband der Region Zürich durch negative Rufe oder gar Handgreiflichkeiten auf

Ob ein Mindestabstand zum Spielfeld das Problem pöbelnder Fussballfans löst, ist fraglich.

Fussball lebt von Emotionen. Das macht den Reiz dieses Spiels mit aus. Oft überborden dabei die Emotionen: Spieler und Anhänger der gegnerischen Mannschaft und Schiedsrichter werden beschimpft, Handgreiflichkeiten unter Fans kommen vor. Das lässt sich in Stadien beobachten – und selbst im Juniorenfussball: Wenn Eltern beim Kick ihres eigenen Nachwuchses mitfiebern, überschreiten einige bisweilen die Grenzen zivilisierten Benehmens. 20 bis 25 Prozent der Eltern fallen laut Reinhard Zweifel, Präsident des Fussballverbands der Region Zürich (FVRZ), durch negative Zwischenrufe oder gar Handgreiflichkeiten auf.

Jetzt greift der Verband durch: Neu müssen Zuschauer bei Juniorenspielen auf verkleinertem Spielfeld fünf Meter Abstand vom Spielfeldrand wahren. Die Richtlinie gilt ab diesem Wochenende, wenn die neue Saison startet. Das ist gut gemeint. Ob es sich durchsetzen lässt, ist eine andere Frage.

Eigentlich traurig, dass es so weit gekommen ist. Doch Fankultur ist auch ein Abbild der Gesellschaft und ihres Zivilisationsgrads. Bei den Emotionen, die Fussball auslöst, spielen einfache Instinkte mit:

Wir gegen die anderen – darauf beruht dieses Spiel. Und, seien wir ehrlich: Auf dieser Abgrenzung beruht ein Stück weit jede Gemeinschaft. Erst, wenn den anderen respektvoll begegnet wird, geht es zivilisiert zu. Dabei haben nicht nur Eltern eine Vorbildfunktion, sondern wir alle.

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