Wer auch nur eine kleine Ahnung von kostenbewusstem Konsumverhalten hat, der ist jetzt unterwegs oder bereits in den Einkaufszentren ennet dem Rhein angekommen.

Den Stau an der Grenze und in den Zentren nehmen wir gerne in Kauf; mehr noch – das Warten im Stau steigert die Vorfreude auf das unverschämt günstige Kaufvergnügen. Der Nationalbank sei Dank! Wir sind doch wirklich alles Glückspilze: Wir erhalten heute fürs gleiche Geld rund 20 Prozent mehr von allem als noch am Mittwoch.

Wir müssen dazu nur nach Deutschland fahren. Selber schuld, wer sich das entgehen lässt. Es empfiehlt sich auch, von allem ein bisschen mehr zu kaufen. Was man hat, das hat man. Die zweite Wohnwand auf Vorrat lässt sich bequem im Keller lagern. Oder in der Garage. Denn bei der Nationalbank weiss man ja nie – vielleicht ändert sie die Geldpolitik schon bald wieder – diesmal in die andere Richtung. Den Bedauernswerten, die heute im Aargau bleiben wollen oder müssen, bleibt immerhin ein schwacher Trost. Sie werden in Ruhe posten können, nirgends warten müssen und überall freie Parkplätze finden.

Die meisten von uns – egal, ob heute in Deutschland unterwegs oder nicht – haben auch bereits den Kampf am Bancomaten hinter sich gebracht. Wer es allerdings bisher nicht geschafft hat, sich an einem Bancomaten mit günstigen Euro einzudecken – egal, ob sie gebraucht werden oder nicht –, wird es im Leben niemals zu einem gewissen Wohlstand bringen. Ja, wer so leichtfertig auf leichtes Geld verzichtet, muss als finanziell grobfahrlässig eingestuft werden. Damit erweist sich der Entscheid der Nationalbank auch als veritabler Charaktertest.