Schweinebauern-Krise

Doppelmoral beim Fleischkauf

Im Bild Bauer Alexander Räss aus Muhen.

Die Schweinebetriebe werden immer grösser, deren Produktion wird professioneller und die Zucht mit immer mehr Ferkeln pro Muttersau effizienter.

Im Bild Bauer Alexander Räss aus Muhen.

Schlechte Zeiten für Schweinebauern: Die Preise sind im Keller, ihr Betrieb rechnet sich kaum mehr. Der Kommentar.

Schweinefleisch ist für Schnäppchenjäger derzeit gefundenes Fressen. Ob 30, 40 oder 50 Prozent Rabatt: Die Grossverteiler überbieten sich mit Aktionen. Eine andere Zahl steht auf der Kehrseite der Medaille: In 20 Jahren ist die Zahl der Schweinehalter in der Schweiz von etwa 36 000 auf 7000 eingebrochen. Schuld sind zu einem grossen Teil die Bauern selber: Sie verkaufen zu viele Schweine, und weil sie dafür wegen tiefer Nachfrage einen schlechten Preis bekommen, werfen sie noch mehr Fleisch auf den Markt. Das kann nicht gut gehen.

Die Bauern haben zudem ein anderes Problem: die Doppelmoral der Konsumenten. Diese fordern immer strengere Tierschutzvorschriften. Mehr Auslauf, zum Beispiel, oder weniger Hormone und keine Antibiotika. Den Aufpreis für eine tiergerechtere Haltung aber wollen nur wenige berappen. Laut dem Produzentenverband Swissporcs wird etwa die Hälfte des Schweinefleisches nach den Tierschutz-Programmen des Bundes mit tierfreundlicheren Ställen und mehr Auslauf produziert. Bauern, die hier freiwillig mehr tun, kostet das eine Stange Geld. Zu einem fairen höheren Preis kann jedoch nur etwa ein Drittel dieses Fleisches verkauft werden. Die Nachfrage nach Label-Fleisch ist schlicht zu gering.

Wenns ums eigene Portemonnaie geht, ist also vielen Schweizern, die mehr Tierschutz fordern, das Tierwohl egal. Eindrücklich zeigt sich diese Doppelmoral bei der Bio-Qualität, die in der öffentlichen Wahrnehmung voll im Trend liegt und für welche Grossverteiler kräftig die Werbetrommel rühren. Beim Schweinefleisch beträgt deren Anteil gerade mal drei Prozent.

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