Pascale Bruderer

Die unberechenbare Standesstimme

Die SP-Ständerätin Pascale Bruderer holte bei ihrer letzten Wahl auch im Mitte-Lager viele Stimmen - hier spricht sie als Festrednerin am 1. August in Rohr.

Die SP-Ständerätin Pascale Bruderer holte bei ihrer letzten Wahl auch im Mitte-Lager viele Stimmen - hier spricht sie als Festrednerin am 1. August in Rohr.

Die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer spricht sich für einen Ausbau eines A1-Teilstücks aus. Bei ihrer Partei, der SP, löst das Irritation aus, weil diese klar dagegen ist. Was soll man davon halten? Der Kommentar.

Jahrzehntelang war der Aargau im Ständerat mit zwei Bürgerlichen vertreten. Mit der Wahl von SP-Politikerin Pascale Bruderer ging die Ära der ungeteilten Standesstimme vor vier Jahren zu Ende. Allein mit der Unterstützung der Sozialdemokraten und Grünen hätte Bruderer den Einzug ins «Stöckli» 2011 sicher nicht geschafft. Die junge Sozialdemokratin holte auch im Mitte-Lager viele Stimmen. Dass sie bis weit ins bürgerliche Spektrum wählbar ist, deutete darauf hin, dass Bruderer im Ständerat nicht streng links auf der SP-Linie politisieren würde.

So verhinderte sie im Mai mit einer Stimmenthaltung, dass den Bauern Subventionen von 60 Millionen Franken gekürzt wurden. Dies, obwohl die SP-Fraktion im Nationalrat den Kürzungen mit 41 zu 2 zustimmte. Nun spricht sich Bruderer für den A1-Ausbau im Aargau aus – obwohl ihre Kantonalpartei diesen im Grossen Rat einstimmig abgelehnt hat. Kritik von den Genossen gibt es kaum: Mehr als «überrascht» und «nicht glücklich» über Bruderers Haltung äussern sich die Parteikollegen nicht.

Ständeratswahlen sind Persönlichkeitswahlen, die Parteipolitik spielt im «Stöckli» eine untergeordnete Rolle, in der Kleinen Kammer sitzen die Kantonsvertreter – das sind Argumente, die Bruderers Positionen erklären. Dennoch dürfte es manche SP-Wähler irritieren, dass ihre Ständerätin ein rechtsbürgerliches Strassenbau-Anliegen unterstützt. Das macht sie unberechenbar für ihre linken Stammwähler, dürfte aber in bürgerlichen Kreisen ankommen. Ob dieser Spagat gelingt und die Glaubwürdigkeit der SP-Frau dadurch keinen Schaden nimmt, wird der 18. Oktober zeigen.

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