Der Abbau von 1300 Stellen an den Alstom-Standorten Baden, Birr, Turgi und Oberentfelden ist ein Schock. Damit haben nach dem Verkauf der Alstom-Energiesparte an General Electric (GE) nur Schwarzmaler gerechnet. 

Andreas Schaffner, Wirtschafts-Chef der «Nordwestschweiz».

Andreas Schaffner, Wirtschafts-Chef der «Nordwestschweiz».

Sogar der Wirtschaftsminister, als waschechter Industrieller eigentlich vom Fach, hatte keine Ahnung. Auch er vertraute auf vage Zusagen.

Vom handstreichartigen, kaltschnäuzigen Sparbefehl des US-Konzerns sind deshalb gestern alle überrumpelt worden. Behörden, Gewerkschaften, aber vor allem auch die betroffenen Mitarbeiter stehen vor einem Scherbenhaufen und einem Berg voller neuer Probleme.

Zwar werden Hauptsitze von GE Power Services und GE Steam Power Systems in Baden angesiedelt. Doch der Kahlschlag ist deutlich. Und er wird Spuren hinterlassen. Die industriellen Arbeitsplätze, die jetzt verloren gehen, kehren kaum in die Schweiz zurück. Der Wandel, der sich im Jobabbau manifestiert, ist vielleicht kurzfristig mit einem tiefen Öl- und Gaspreis zu begründen. Und auch der starke Franken kann herangezogen werden. Doch es geht weit tiefer. Es hat Folgen für unseren Alltag, für die Art und Weise, wie die Wirtschaft künftig funktioniert. Für die künftige Aus- und Weiterbildung von Industriearbeitern.

Man muss nicht das Wort Deindustrialisierung bemühen, um zu zeigen, worum es geht: Jeder kann es in Echtzeit verfolgen. Es findet in einem rasanten Tempo statt, und das erst noch vor der Haustür. Was anderswo billiger gefertigt, gezeichnet, geplant, geforscht werden kann, wird verlagert. Was in der Schweiz bleibt, sind hochmargige Tätigkeiten, besonders sensible Produktionsschritte, besonders spezialisierte Forschung und Entwicklung.

andreas.schaffner@azmedien.ch