Oberwil-Lieli

Andreas Glarner: Versteckspiel vor dem Volk

Gerade seine kompromisslose Haltung im Asylbereich hat Glarner einen Sitz im Nationalrat eingebracht.

Gerade seine kompromisslose Haltung im Asylbereich hat Glarner einen Sitz im Nationalrat eingebracht.

Nach der Niederlage gegen Johanna Gündel steht der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli weiter in der Kritik. Er sei ein schlechter Verlierer, heisst es von vielen Seiten. Zudem soll er heimlich ein Flugblatt drucken lassen haben. Der Kommentar.

Andreas Glarner scheut auf der politischen Bühne keinen Konflikt. Die oft gehörte Bezeichnung des Hardliners ist für ihn keine Kritik, sondern ein Kompliment. Glarner pflegt dieses Image geradezu. Er lässt im Dorf alte Häuser abreissen, damit Oberwil-Lieli keine Asylbewerber aufnehmen muss und sagt ungeniert im deutschen Fernsehen, dass Flüchtlinge den Gemeinden als Sozialfälle jahrelang nur auf der Tasche liegen würden.

Damit löst er bei seinen Gegnern helle Empörung aus, punktet aber bei seinen Anhängern. Gerade seine kompromisslose Haltung im Asylbereich hat Glarner einen Sitz im Nationalrat eingebracht. Doch auf diesen grossen Erfolg folgte eine schwere Niederlage auf dem heimischen Parkett. Dass der Antrag der 24-jährigen Studentin Johanna Gündel, in Oberwil-Lieli künftig Asylbewerber aufzunehmen, an der Gemeindeversammlung in seinem Dorf eine Mehrheit finden würde, hatte er nicht erwartet.

Zuerst schien Glarners Reaktion auf die Niederlage souverän. Er versprach, den demokratischen Entscheid zu respektieren und kündigte eine Containerlösung für Asylbewerber an. Doch nun wird der SVP-Mann, der sonst stets mit offenem Visier kämpft, seinen Prinzipien untreu. Dass Glarner mit einem anonymen Flugblatt die Meinung des Volkes beeinflussen will, ist eines Gemeindeammanns nicht würdig. Die Erklärung, die örtliche SVP habe den Entscheid dafür getroffen, überzeugt nicht. Glarner ist Vizepräsident der Ortspartei, hat das Flugblatt mitgestaltet und selber drucken lassen. Die Aktion ist ein unnötiges Versteckspiel vor dem Volk.

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