Widerstand

Kaiseraugst: Heute ist keine Besetzung nötig

Transparente auf dem seit dem besetzten Baugelände des geplanten AKW Kaiseraugst, aufgenommen am 1. April 1975.

Transparente auf dem seit dem besetzten Baugelände des geplanten AKW Kaiseraugst, aufgenommen am 1. April 1975.

Vor 40 Jahren wehrten sich erst einige Aktivisten, bald eine ganze Bewegung gegen die Pläne, in Kaiseraugst ein Atomkraftwerk zu bauen. Es kam nicht, wie angekündigt, zu einer Stromlücke. Und heute? Der Kommentar.

Schon in den 1960er-Jahren warnten Politiker, Stromproduzenten und Energieverbände vor der grossen Stromlücke. Um die Versorgung der Schweiz zu sichern, seien neue Grosskraftwerke nötig, hiess es damals. Dass sich die Bevölkerung im Fricktal damals nicht von der angeblich drohenden Stromlücke und winkenden Steuereinnahmen verleiten liess, dem Bau eines Öl- oder Kohlekraftwerks zuzustimmen, ist erfreulich. Ein solches Kraftwerk hätte eine massive Luftverschmutzung mit sich gebracht – ein zu hoher Preis für Mensch und Umwelt.

Weniger klar ist die Lage beim gescheiterten Atomkraftwerk Kaiseraugst. Aus juristischer, baulicher und sicherheitstechnischer Sicht sprach kaum etwas dagegen, dort ein AKW zu bauen. Dennoch wehrte sich die Bevölkerung und bodigte letztlich das Projekt. Die angekündigte Stromlücke erlebte die Schweiz seither dennoch nicht – weil sie Strom importierte oder auf andere Weise produzierte.

Mit der Energiewende kommt die Stromlücke wieder ins Spiel. Um den Ausfall des Atomstroms zu kompensieren, sind viele Varianten denkbar. Alle haben Vor- und Nachteile: Gaskraftwerke stossen viel CO2 aus und machen die Schweiz abhängig von Erdgas aus dem Ausland, Sonnen- und Windenergie ist nicht ständig verfügbar und muss subventioniert werden. Mehr Wasserkraft heisst weniger frei fliessende Gewässer, der importierte Strom stammt oft aus «schmutzigen» Kohlekraftwerken. Dennoch muss heute niemand mehr Baustellen besetzen: Jeder kann seinen Strommix selber wählen und damit entscheiden, wie viel ihm atomfreier Strom wert ist.

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