Grenzgänger gehören zu den Gewinnern des historischen Nationalbank-Entscheides vom Donnerstag. Sie beziehen ihr Salär in Franken und leben im Euroland. Ungerecht, findet Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes. Er will ihnen deshalb den Lohn senken. Die Kaufkraftdifferenz dürfe nicht zulasten der im Inland wohnhaften Beschäftigten gehen.

Auf den ersten Blick leuchtet Schmids Argument ein. Mit einer entsprechenden Lohnreduktion ginge es den Ausländern nicht schlechter als vor der Aufhebung des Mindestkurses. Bei genauerer Betrachtung geht dieser Schuss aber nach hinten los.

Nicht nur, dass eine solche Lohnungleichheit juristisch kaum eine Chance hätte, wie ein Basler Fall zeigt. Sie würde auch den Schweizer Arbeitnehmern nicht helfen, im Gegenteil: Denn erstens wird der Lohndruck ohnehin gross, sollte die Wirtschaft nach dem Euro-Schock überall die Schrauben anziehen. Und zweitens käme ein einheimisches Unternehmen in Versuchung, erst recht den günstigeren Ausländer anzustellen statt den Schweizer mit höherem Salär, würde eine Lohnabstufung für Grenzgänger Schule machen.

Das kann nicht im Sinn von Kurt Schmid sein, der vor einem Jahr für die Masseneinwanderungsinitiative warb. Nach dem
Ja kündigten die Wirtschaftsverbände an, das Potenzial von inländischen Arbeitskräften besser zu nutzen. Mit dem Nationalbank-Entscheid steht dieses Versprechen jetzt erst recht auf dem Prüfstand.