Dass der Aargau als einziger Kanton keine Gefahrenkarten für Gebiete erstellt, die von Erdrutschen oder Felsstürzen bedroht sind, wirkt auf den ersten Blick fahrlässig. Was, wenn beim nächsten Unwetter ein Hangrutsch ein Haus im Aargau verschüttet und Menschen verletzt werden oder gar sterben? Die vermeintlichen Schuldigen wären schnell gefunden: Die Verantwortlichen im Baudepartement, die sich aus Kostengründen weigern, die vom Bund verlangten Gefahrenkarten zu erstellen.

Gefahrenkarte für Hangrutsche und Bergstürze

Gefahrenkarte für Hangrutsche und Bergstürze

Die Natur ist unberechenbar, ein tragisches Ereignis wie im Tessin lässt sich nie ausschliessen. Doch ein verheerender Erdrutsch im Aargau ist unwahrscheinlich. Deshalb ist es richtig, sich auf die echten Gefahren zu konzentrieren. Das sind im Kanton, wo sich Aare, Reuss und Limmat vereinigen und dann in den Rhein fliessen, eindeutig Überschwemmungen. In diesem Bereich ist der Aargau vorbildlich: Auf die Parzelle genau lässt sich in der Gefahrenkarte das Risiko ablesen. Zudem sind Gebiete ausgeschieden, wo ohne Schutzmassnahmen nicht gebaut werden darf.

Gefahrenkarten für Erdrutsche würden ganz anders aussehen: Ein paar wenige Punkte im ganzen Kantonsgebiet müssten markiert werden. Ob es sich lohnt, für viel Geld eine solche Karte zu erstellen, ist zweifelhaft. Denn die Behörden in den Gemeinden, wo die Baugesuche beurteilt werden, kennen die Gefahren. Sie werden sich hüten, ein Projekt in einem Erdrutschgebiet zu bewilligen.