Kommentar

Gesetze hinken der Realität hinterher

«Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.»

«Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.»

Ist es strafbar, wenn man intime Fotos und Videos ohne die Zustimmung der gezeigten Person ins Internet stellt? Das Bezirksgericht Lenzburg ist sich da selbst nicht so sicher. Ein Kommentar.

«Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.» Unter diesem Slogan macht Pro Juventute auf die Gefahr aufmerksam, die von intimen Fotos und Videos im Internet ausgeht. Die Kampagne richtet sich primär an Jugendliche – diese sollen sich bei der Notrufnummer 147 melden. Laut einem anonymisierten Beispiel sagen die Berater einem verzweifelten Mädchen: «Falls er die Bilder ohne deine Zustimmung jemandem zeigt oder veröffentlicht, macht er sich strafbar.»

Doch stimmt das wirklich? Das Bezirksgericht Lenzburg hält es für fraglich, ob es strafbar ist, wenn ein Mann Pornovideos seiner Ex-Partnerin ins Internet stellt. Genugtuung könnte die Frau auf jeden Fall verlangen – doch es geht gar nicht um Geld.

Die betroffenen Frauen möchten vielmehr, dass die peinlichen Videos aus dem Netz verschwinden. Oder noch besser: Dass ihr Ex-Partner gar nicht so weit geht, intime Videos und Fotos ins Internet zu stellen.

Dafür sind die Strafen, die für die Verbreitung von Rachepornos drohen, in der Schweiz aber zu niedrig. Für einen frustrierten Ex-Partner wirken Bussen oder Geldstrafen kaum abschreckend.

Es müssen ja nicht gleich 18 Jahre Haft sein, wie sie in den USA kürzlich gegen den Betreiber einer Racheporno-Seite verhängt wurden. Tatsache ist aber: Wenn ein Gericht im Jahr 2015 nicht sicher ist, ob es strafbar ist, Pornovideos der Ex-Partnerin ins Netz zu stellen, wirkt dies hilflos. Ganz offensichtlich hinkt die Gesetzgebung hier der digitalen Realität deutlich hinterher.

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