Obacht! Aus Sicherheitsgründen behaupte ich das Folgende nicht selbst, sondern lasse Hildegard Hobelspan zu Wort kommen.

Ihr Name verrät auch gleich Hildegards zentrale Eigenschaft. Denken Sie scharf nach. Ratter, Ratter. Richtig! Hildegard «schleift».

Im schönen, schweizerdeutschen Sinne. Ja, Hildegard geht anderen maximal auf die Nerven, sie schleift ihre Nachbarn, sie schleift ihre Verwandten, sie schleift das Kassenfrölein im Vilan.

Ja, Hildegard sagt «Kassenfrölein» und «Vilan». Und je freundlicher man sie behandelt, desto misstrauischer wird sie. Das ist Hildegard. Eine rüstige Verschwörungstheoretikerin.

In diesem Moment sitzt Hildegard mit ihren rosaroten Pömps im Himmel, getarnt hinter dem Wirtschaftsteil des Blicks und einer Chanel-Sonnenbrille. Setzen Sie sich ruhig zu ihr und hören Sie, was Hildegard zu berichten hat.

Aber Obacht! Sobald Hildegard ihre Message losgeworden ist, zerstört sie sich von selbst. Nur zu. Gehen Sie rüber.

«Äh, Schätzchen!? Hier ist reserviert, kusch, kusch! Oder halt, wer schickt Dich? Lass mich raten, der Libsig?! Hat Dich der Libsig geschickt? Was hat er diesmal vor? Sag ihm, die Hildegard ist kein Greenhorn. Oh nein, da hab ich mit zu vielen Columbos und Derricks und Wallanders die Nacht verbracht, als dass ich den Braten nicht schon kilometerweit gegen den Wind riechen würde. Oder sollte ich sagen, den Zaster? Ha! Darum geht’s doch! Aber kaufen lässt sich die Hildegard nicht, brauchst das Couvert gar nicht erst über den Tisch zu schieben. Die Gedanken sind frei! Und ich äussere sie, wann immer ich will. Bereit? MAFIADROGENGELDWÄSCHEREI! So, jetzt ist es raus. Zufrieden? Aber glaub bloss nicht, ich sei die Einzige, die das weiss. In Baden gibt es viele, die sich so ihre Gedanken machen. Wer von uns kennt nicht mindestens ein Ladengeschäft an teurer Lage, in das praktisch nie jemand reingeht oder rauskommt?! Eben! Wer finanziert das? Woher kommt das Geld? Du denkst wohl, ich sei auf den Kopf gefallen. Und Du hast recht, das bin ich. Vor drei Jahren. Seither sehe ich schlecht. Aber wenn sogar ICH sehe, wo in dieser Stadt Koks verkauft wird oder wo die Ballung sauteurer Autos schlicht nicht zur Umgebung passt, da frage ich mich schon, ob man nicht eher da mal anklopfen sollte, anstatt Velo-Bussen in der Tunnelgarage zu verteilen. Puff!! Paff!!

Hildegard Hobelspan hatte sich in Luft aufgelöst. Nur noch ihre rosaroten Pömps und die Sonnenbrille lagen da. Und ihr blumiges Sommerkleid. Unterwäsche hatte sie keine getragen.

Ich klappe meinen Laptop zu, nehme den letzten Schluck Cola und verlange die Rechnung. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. «Wie kann der sich das leisten?», höre ich die Servierfröleins tuscheln, als ich mit meinem sauteuren Velo davonfahre, «jeden Tag im Café, und nie arbeitet er!»
Vor meinem Büro im Merker-Areal empfängt mich die Polizei. Man hätte hier schon lange niemanden mehr rein- oder rausgehen sehen. Wie dieses Büro finanziert würde? Woher das Geld stamme? Und übrigens, hier ist Fahrverbot!