Kommentar

Proporz, Majorz, SVP und CVP

Nun ist es also vorbei, das eidgenössische Wahljahr 2015. Nachfolger von Bundesrätin Widmer-Schlumpf ist der Waadtländer Weinbauer Guy Parmelin, ein an- und bodenständiger Mann, der aber bisher östlich der Saane wenig bekannt war.

Eine Bundesratswahl, eigentlich eine Majorz- oder Persönlichkeitswahl, kann auch zu einer Art Proporzwahl (Verhältniswahl) werden: wenn die Parlamentsmitglieder nicht primär eine Person wählen, sondern dem Konkordanzfrieden zuliebe eine Partei: Es schlicht nicht mehr möglich war, der SVP den zweiten Sitz zu verwehren.

Auch Ständeratswahlen sind Majorzwahlen. Auffallend: Während die SVP bei den Nationalratswahlen (Proporzwahl) mit 65 Sitzen auftrumpfte, bleibt sie im Ständerat mit 5 Sitzen eine Kleinpartei (FDP und CVP haben 13, die SP 12).

Die SVP hat offenkundig Mühe, für Majorzwahlen geeignete Persönlichkeiten zu finden. «Das Volk», das bei Proporzwahlen massenweise SVP-Listen in die Urne wirft, lehnt bei Personenwahlen SVP-Vertreter oft ab.

Auch im Aargau ist es ja so gelaufen, zum zweiten Mal hintereinander. Der Kanton mit 38 Prozent SVP-Wähleranteil schickt eine SP-Frau und einen FDP-Mann in den Ständerat.

Es zeigt sich eben auch dies: Die SVP kann noch so stark sein, für den Erfolg braucht sie Verbündete. Das gilt bei Wahlen ebenso wie bei Abstimmungen. Und die SVP gebärdet sich ja oft nicht eben so, dass ihr verbündete Herzen zufliegen.

Trotz diesen Wenn und Aber führt nichts an der Feststellung vorbei: Das Wahljahr 2015 war in der Schweiz und im Aargau ein SVP-Jahr. Die Partei hat fast alle ihre Ziele erreicht (ausser eben im Ständerat).

Im Aargau fällt vor allem auf: Die SVP hat in den ländlichen katholischen Gebieten (Zurzibiet, Freiamt) die CVP brutal vom Thron gestossen. In den 80er-Jahren besetzte die CVP noch vier Nationalrats- und einen Ständeratssitz.

Heute gibt es praktisch keine CVP-Stammlande mehr, nur noch SVP-Stammlande. Auf der Trostseite ist zu vermerken: Bundesrätin Doris Leuthard hat in der Majorzwahl ein Glanzresultat erzielt. Und: Die CVP gewinnt immer noch mehr Volksabstimmungen als die SVP. Aber so wirklich herzerwärmend ist dieser Trost ja auch nicht.

Meistgesehen

Artboard 1