Fahrländer

Lehrplan 21: Und wer hat jetzt recht?

Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die voll überzeugt sind vom Lehrplan 21, und solche, die ihn überhaupt nicht gut finden. (Symbolbild)

Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die voll überzeugt sind vom Lehrplan 21, und solche, die ihn überhaupt nicht gut finden. (Symbolbild)

Die Volksinitiative gegen die Einführung des Lehrplans 21 im Aargau wird erst in 9 Tagen eingereicht. Und falls er doch noch eingeführt wird, dauert es mehr als 5 Jahre. Trotzdem ist die Lehrplanschlacht bereits voll entbrannt.

Vor 9 Tagen haben 2 Initianten in der AZ ihrer Entrüstung über das Lehrplandokument Ausdruck verliehen. Und vor 2 Tagen haben 4 Bildungsexperten in der AZ ihrer Entrüstung über die Initianten Ausdruck verliehen. Und der Laie steht davor und ist so klug als wie zuvor.

Es gibt wohl nicht viele Menschen im Aargau, die den Lehrplan 21 schon studiert – und verstanden – haben. Erstens ist er ziemlich dick (dies ist indes kein Alleinstellungsmerkmal, heutige Lehrpläne sind zum Teil ähnlich umfangreich). Vor allem aber: So ein Dokument richtet sich nicht «ans Volk». Sein Zielpublikum sind die Lehrkräfte.

Der Lehrplan sagt ihnen, was die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen am Ende einer Schulstufe wissen und können müssen. Selbstredend ist es Laien nicht verboten, ihn zu lesen. Doch beim Interpretieren müssen sie vorsichtig sein. Ich zum Beispiel gebe es zu: Mich hat das Dokument zum Teil ratlos hinterlassen. Aber ich muss es ja auch nicht anwenden.

Was die Sache nicht leichter macht: Das Zielpublikum ist auch gespalten. Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die voll überzeugt sind vom Lehrplan 21, und solche, die ihn überhaupt nicht gut finden.

Im Initiativkomitee finden sich einerseits ebendiese besorgten Lehrkräfte. Daneben gibt es Initianten, denen es vor allem um die Durchsetzung ihrer eigenen, konservativen Weltanschauung geht. Sie wünschen sich die Schule zurück, die sie selbst erlebt haben. Zudem wird die Debatte um den künftigen Lehrplan aufgeladen mit allerlei bildungspolitischen Sorgen und Wünschen, die mit dem Dokument nichts zu tun haben.

Es ist nicht nur verständlich, es ist völlig richtig, wenn sich besorgte Eltern und Grosseltern um die Rahmenbedingungen der Schule von morgen kümmern. Das bedingt aber zweierlei: Sie müssen das Dokument, das sie kritisieren, genau studieren. Und sie müssen neue, unbestrittene Erkenntnisse der Pädagogik in die Beurteilung miteinbeziehen.

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