Fahrländer

Das neue BT: Schub für den Badener Geist

Kaum zu übersehen: Das Transparent, das das Badener Tagblatt ankündigt.

Kaum zu übersehen: Das Transparent, das das Badener Tagblatt ankündigt.

Das Badener Tagblatt ist auferstanden! Für mich eine ziemlich emotionale Sache. Immerhin war ich der letzte Chefredaktor des BT. Man könnte sogar sagen: der einzige!

Denn vor meinem Amtsantritt 1990 führte Besitzer Otto Wanner, der Vater von Peter Wanner, die Redaktion – an einer sehr langen Leine. Er nannte sich indessen nie Chefredaktor, sein Beruf war Verleger. Ich überlege mir noch, ob ich das so in meine Biografie schreiben soll: erster, einziger und letzter Chefredaktor des Badener Tagblatts ...

Wenn ich Peter Wanner richtig verstanden habe, ist das BT aber nicht aus einem Nostalgieschub auferstanden. Es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft. Die Globalisierung, wir wissen es, hat einen Gegentrend provoziert: die Regionalisierung. Man muss sich irgendwo zu Hause fühlen. Eine Zeitung kann dieses Gefühl vermitteln. Für die Region Baden ist die regionale Identität, ein Wir-Gefühl besonders wichtig. Denn Baden hat eine offene Flanke Richtung Grosszürich. Baden hatte sie schon immer, diese Doppelstrategie: Man profitiert gern von der Lage nahe der grossen Stadt. Doch gleichzeitig betont man: Wir sind nicht Zürich, wir sind Baden. Und jetzt haben wir sogar wieder eine eigene Zeitung.

Der legendäre Badener Geist hat in letzter Zeit gelitten. Er kann eine Frischzellenkur gebrauchen. Zehn Tage Megafest alle fünf Jahre, das genügt nicht. Selbstbewusstsein ist gut, aber dahinter muss auch etwas stecken. Originalität ist gut, aber sie darf nicht bemüht wirken. Der Badener Geist braucht einen Schub. Das neu-alte BT kann helfen, das Wir-Gefühl zu revitalisieren.

Vielleicht fragt man sich jetzt in den anderen Regionen des schönen Aargaus: Und was heisst das für uns? Widerruft man nun im Zeitungshaus das Ziel, mit dem man vor 18 Jahren angetreten ist, nämlich den Aargau zu einen? Nichts solches ist vorgesehen. Das neue BT richtet sich gegen niemanden und nichts, zuletzt gegen den Aargau. Es ist ja keine neue Zeitung, sondern Bestandteil des Zeitungsverbundes «Nordwestschweiz», wie die Blätter in Solothurn, Liestal oder Dietikon. Eine Zeitung «von hier» kann für eine 100 000er-Region eben schon bedeutsam sein.

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