Fahrländer

«Das Leben besteht aus Prüfungen»

Bez-Abschlussprüfungen sollen abgeschafft werden – verweichlicht das die Jugendlichen? (Symbolbild)

Bez-Abschlussprüfungen sollen abgeschafft werden – verweichlicht das die Jugendlichen? (Symbolbild)

Die Anhörung zu den neuen Übertritts-Regeln zwischen den Schulstufen ist abgeschlossen. Die ungeliebte Bezirksschulabschlussprüfung soll verschwinden.

Dafür sollen alle Volksschulabgänger ein Abschlusszertifikat erhalten. Sodann soll die Eintrittshürde in die Bez leicht erhöht werden. Damit erhofft man sich eine bessere Verteilung zwischen den drei Leistungszügen. Die Änderungen stehen im Kontext mit einem System von vier einheitlichen Leistungschecks während der Volksschulzeit, die 2016 im Bildungsraum Nordwestschweiz eingeführt werden.

Die Anhörung ist recht emotionslos verlaufen. Je eine Reaktion von rechts und von links sind allerdings kritisch. Rechts ist es jene der SVP, links jene der Gewerkschaft VPOD. Beide wenden sich unter anderem gegen einen künstlich herbeigeführten Ausgleich zwischen den Leistungszügen, vor allem gegen «Behinderungen des Zugangs zur Bez».

Wir sind allerdings nicht sicher, ob die beiden recht haben. In die Bez gehen heute im Schnitt 47 Prozent aller Oberstufen-Absolventen. In Land-Bezirksschulen liegt der Anteil noch höher. Der Vorwurf der «künstlichen» Zuteilungen muss wohl eher hier erhoben werden: Da wurden Bezirksschulbestände aufgepumpt, um Standorte gegen drohende Schliessungs-Absichten zu verteidigen.

Umgekehrt ist die Realschule eine Restschule, um die man am liebsten einen Bogen macht. Könnten wir sie, wie in anderen Kantonen üblich, vergrössern, würde ihr Leistungsniveau angehoben und Realschüler wären nicht mehr stigmatisiert.

Vereinzelt hört man in bürgerlichen Kreisen noch etwas anderes: «Jetzt werden noch mehr Prüfungen abgeschafft. Den Jugendlichen werden immer mehr Hürden aus dem Weg geräumt. Das verweichlicht sie. Sie sind nicht mehr lebenstauglich. Denn das Leben besteht aus Prüfungen.»

Darauf gibt es zwei mögliche Antworten.

a) «Auch die neuen Checks sind Prüfungen.» (Es stimmt allerdings: Sie sind nur noch bedingt selektionsrelevant.)

b) «Die Kritiker haben recht. Früher war das schulische Weiterkommen stark von Prüfungen abhängig. Das war eine wichtige Lehre fürs Leben.»

Wir überlassen es den Lesern, ob sie sich für Antwort a) oder b) entscheiden.

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