Baden Balladen

Der Geri in unseren Köpfen

Geri Müller

Geri Müller

Peer Teuwsen erklärt, warum der Fall des Stadtammanns auch die Ennetbadener trifft.

Was bei uns im Briefkasten landet, ist in der Regel ärgerlich. Werbung und Rechnungen. Eins aber erwarten wir Ennetbadener immer mit grosser Spannung: die Ankunft der «Ennetbadener Post», des Informationsblattes der Gemeinde. Manche Lokalzeitung könnte sich ein Beispiel daran nehmen: Das Heftchen ist gut geschrieben, lehrreich, nah bei den Menschen – und es birgt Überraschungen.

In der letzten Ausgabe war mal wieder so eine versteckt, Seite 2, unten links. Da stand: «Die StimmbürgerInnen haben an der Sommergemeindeversammlung dem Antrag des Gemeinderates zugestimmt, einen Zusammenschluss mit Baden und weiteren Gemeinden zu prüfen. An einer der nächsten Gemeindeversammlungen sollte ein erster Projektierungskredit vorgelegt werden. Für den Gemeinderat war stets klar, dass die Stadt Baden eine zentrale Rolle übernehmen soll. Wegen der bekannten Turbulenzen im Stadtrat Baden hat der Gemeinderat Ennetbaden entschieden, den Prozess zu sistieren und die weiteren Entwicklungen in Baden abzuwarten.»

Zuerst war ich als Skeptiker einer Fusion erleichtert. Ich schätze die Nähe zu unserer Gemeindeverwaltung, die unbürokratisch und schnell funktioniert. Dann aber dachte ich mir: Man muss doch wenigstens darüber sprechen können, es gibt ja durchaus auch vernünftige Gründe für Zusammenschlüsse. Schliesslich aber keimte in mir die Wut: Ist die Stadt Baden wirklich derart blockiert, weil das Privatleben ihres Ammanns öffentlich gemacht wurde? Es scheint so. Denn es gibt – auch Monate nach der Bekanntgabe von etwas, das niemals hätte bekannt werden dürfen – kein anderes Thema in der Stadt. Wer samstags auf den Markt geht, abends ins Theater und danach ins «Bahnhöfli» zum Bier, kann den Anspielungen, den Flüstereien, den Zukunftsszenarien nicht ausweichen. Und wer sich als Badener in der Restschweiz outet, sieht sich auch sofort mit einem süffisanten Lächeln oder gar einem dreckigen Lachen konfrontiert. Geri Müller ist in unseren Köpfen. Und er muss da wieder raus.

Natürlich kann man auf das Prinzip Zeit setzen und die nächsten regulären Wahlen abwarten, und so sieht es ja nun auch aus, nach Abschluss des Mediationsverfahrens. Allein, ich habe, nach all diesen unseligen Gesprächen zu diesem Thema, die Hoffnung verloren, dass dies etwas nützen wird. Alle sind beschädigt, der Stadtrat im Besonderen, aber wir auch. Da hilft auch ein Rücktritt aus dem Nationalrat wenig. Es geht ja nicht um das Nationale, sondern um das Lokale.

So leid es einem tut, von welch himmelschreiender Ungerechtigkeit dies auch immer ist, aber es geht nicht anders. Geri Müller muss ein Opfer bringen, er muss als Ammann zurücktreten. Wir alle müssen eine neue Wahl treffen. Und zwar jetzt. Unseren Köpfen, unserer Stadt zuliebe.

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