Kinderpornografie

Beim Kinderarzt ists doppelt verwerflich

Der verurteilte Arzt arbeitet heute in einem anderen Kanton als Oberarzt. (Symbolbild)

Der verurteilte Arzt arbeitet heute in einem anderen Kanton als Oberarzt. (Symbolbild)

Ein Arzt arbeitet im Kinderspital und konsumiert gleichzeitig jahrelang Kinderpornografie. Ein Kommentar zum Urteil des Bezirksgerichts Aarau und dem Umgang der Ärzteschaft mit dem Täter.

Der Fall des Kinderarztes von Aarau ist erschütternd. Man führe sich vor Augen: Ein Mediziner behandelt am Kinderspital kranke Buben und Mädchen, redet ihnen gut zu, kommt mit ihnen in körperlichen Kontakt. Dann geht er nach Hause und geilt sich an Filmen und Bildern auf, die Kinder zeigen, welche zu Sex gezwungen worden sind.

Der Missbrauch von Minderjährigen ist schon als solches verwerflich. Noch schlimmer ist es, wenn Erwachsene, die beruflich mit Kindern zu tun haben, diese ausnutzen, Lehrer zum Beispiel. Dass nun ein Arzt, ja sogar ein Kinderarzt, sexuelle Ausbeutung von Kindern betreibt, ist ein neuer moralischer Tiefpunkt. Ärzte sollen nicht als Halbgötter in Weiss überhöht werden. Aber sie erheben zu Recht besonders hohe ethische Ansprüche an sich selber. Im Sinne des Eides des Hippokrates geloben sie, ihr Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Der verurteilte Kinderarzt kommt mit einer bedingten Geldstrafe und einer verkraftbaren Busse davon. Juristisch ist das Urteil korrekt. Der Angeklagte war Ersttäter, reuig und kooperativ. Einen schalen Geschmack hinterlässt dagegen der Umgang der Ärzteschaft mit ihrem verurteilten Mitglied. Dieses doktert jetzt als Oberarzt weiter, zwar ohne Kontakt zu Kindern und an einem anderen Spital. Verboten wird ihm der berufliche Umgang mit Kindern aber nicht.

Im Frühling wird politisch über die Umsetzung der Pädophilen-Initiative und das Berufsverbot gefeilscht. Mit Sicherheit wird dann der Fall des Kinderarztes von Aarau ins Feld geführt. Zu Recht.

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