Schottland
Zwischen Lob und Ignoranz: Das sind die Reaktionen auf die Schotten-Abstimmunng

Während sich die meisten Regierungen positiv zum Ausgang des Unabhängigkeits-Referendums in Schottland äussern, geben sich separatistische Gruppierungen wie jene in Katalonien unbeeindruckt. Eine Rundschau.

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Die Abstimmung ist vorbei – die Hoffnungen der Unabhängigkeitsbefürworter wurden nicht erfüllt.

Die Abstimmung ist vorbei – die Hoffnungen der Unabhängigkeitsbefürworter wurden nicht erfüllt.

Keystone

Grossbritanniens Premierminister David Cameron hat seine umstrittenen Entscheidungen im Vorfeld des Schottland-Referendums verteidigt. "Wir hätten versuchen können, es zu verhindern", sagte er am Freitagmorgen in der Downing Street in London. "Aber es wäre nicht richtig gewesen, sich wegzuducken."

Es sei auch richtig gewesen, eine klare Frage auf dem Stimmzettel zu stellen. Diese sei nun mit einem Nein zur Unabhängigkeit beantwortet worden.

"Es gibt keine Dispute, es wird keine Wiederholung geben." Kritiker hatten ihm vorgehalten, er habe sich bei der Vorbereitung des Referendums von den Befürwortern der Unabhängigkeit über den Tisch ziehen lassen.

Jubel im Lager der Abspaltungsgegner
21 Bilder
Premierminister Cameron verspicht den Schotten mehr Autonomie
Die Stimmbeteiligung lag bei fast 85 Prozent
Die Schotten haben sich gegen den Alleingang entschieden
Chef-Auszählerin Mary Pitcaithly gibt das endgültige Resultat bekannt
Alistair Darling leitete den Abstimmungskampf auf Seiten der Abspaltungsgegner
Nationalisten-Chef Alex Salmond
Jubel bei den Gegnern der Unabhängigkeit
Die Befürworter geben sich geschlagen
Es war eine lange Nacht für Schottland
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Die Stimmen werden ausgezählt.
Ein Schotte setzt den Union Jack, das verhasste Symbol der britischen Herrschaft, in Flammen
Mit diesem Stimmzettel entscheiden die Schotten über die Unabhängigkeit.
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Schottland entscheidet über Unabhängigkeit
Ja oder Nein zur Unabhängigkeit? Gegen 8 Uhr mitteleuropäischer Zeit sollte das Ergebnis feststehen.

Jubel im Lager der Abspaltungsgegner

Keystone

Merkel mit einem Lächeln

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat Zufriedenheit über das schottische Nein zur Unabhängigkeit erkennen lassen. Merkel verwies am Freitag in Berlin darauf, dass sie sich mit Kommentaren zu dem Referendum stets zurückgehalten habe.

"Ich habe mich vorher nicht eingemischt. Und deshalb sage ich jetzt auch nur: Ich respektiere es." Dann fügte sie jedoch hinzu: "Ich sage das mit einem Lächeln."

Deutschlands Aussenminister Frank-Walter Steinmeier begrüsste das schottische Nein zur Unabhängigkeit. Das Wahlergebnis spreche eine eindeutige Sprache, sagte Steinmeier am Rande eines Besuchs bei den Vereinten Nationen am Freitag in New York.

"Die Menschen wollen ein starkes Schottland in einem starken Grossbritannien. (...) Ich glaube, dass das eine gute Entscheidung für Schottland, Grossbritannien und auch für Europa ist.", so Steinmeier.

Barroso: «Gut für ein starkes Europa»

Der scheidende EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat sich am Freitag in Brüssel positiv zum Ausgang der Abstimmung in Schottland geäussert. "Ich begrüsse den Entscheid des schottischen Volkes, die Einheit Grossbritanniens beizubehalten."

Der Ausgang der Abstimmung sei "gut für ein vereintes, offenes und starkes Europa", für welches auch die EU-Kommission stehe, wird Barroso in einem Communiqué zitiert.

Renzi: Vielfältigkeit als Reichtum

Die italienische Regierung, die in diesem Halbjahr den EU-Vorsitz innehat, begrüsst das Ergebnis des schottischen Unabhängigkeitsreferendums. Die EU werde bestimmt von einem verstärkten Engagement Grossbritanniens im Rahmen des Vereinten Europas profitieren.

"Die Verwertung der Vielfältigkeit und des Reichtums unserer Gebiete und nicht die Fragmentierung ist die Antwort, die das schottische Volk, das mit Recht auf seine Geschichte und Tradition stolz ist, uns allen übergibt", hiess es in einer Medienmitteilung der Regierung Renzi vom Freitag.

Italiens rechte Oppositionspartei Lega Nord zeigt sich hingegen enttäuscht. "Der Sieg des Ja beim schottischen Referendum ist das Resultat des riesigen Drucks, den mächtige wirtschaftliche und politische Lobbys ausgeübt haben".

Das sagte der EU-Parlamentarier der Lega Nord, Mario Borghezio, am Freitag. In den Augen dieser Lobbys sei die Selbstbestimmung der Völker ein rotes Tuch.

Madrid erleichtert – Katalanen unbeeindruckt

Spaniens Regierung hat mit Blick auf Separatismus-Bewegungen im eigenen Land das Ergebnis des schottischen Referendums gefeiert. Ministerpräsident Mariano Rajoy beglückwünschte die Schotten zum Verbleib im Vereinigten Königreich.

Mit der Entscheidung seien die "schlimmen wirtschaftlichen, sozialen, institutionellen und politischen Folgen einer Trennung von Grossbritannien und Europa" vermieden worden, sagte Rajoy am Freitag in Madrid.

Die spanische Regierung will verhindern, dass die Führung der Region Katalonien das für den 9. November angekündigte Unabhängigkeits-Referendum tatsächlich abhält. Die Abstimmung sei verfassungswidrig und werde auf keinen Fall stattfinden, hatte Rajoy mehrfach erklärt.

Der katalanische Regierungschef Artur Mas zeigte sich vom Nein der Schotten unbeeindruckt. "Der Prozess in Katalonien geht weiter", sagte er am Freitag in Barcelona. Man mache weiter, weil man sich von der "Demokratie-Lektion, die das Vereinigte Königreich erteilt" habe, bestärkt fühle. "Der katalanische Prozess wurde gestärkt, weil wir gesehen haben, wie in einem EU-Staat eine Volksabstimmung zugelassen wurde", so Ma.

Märkte reagieren positiv

Kein Bruch mit London, kein Durcheinander in Wirtschafts- und Währungsfragen: Finanzmärkte und Ökonomen reagierten erleichtert. Das Ergebnis habe das Vereinigte Königreich vor einer Phase starker Unsicherheit bewahrt und Zweifel beseitigt, hiess es am Freitag in Kommentaren und Analysen.

"Der Ausgang des Referendums ist zwar keine allzu grosse Überraschung, da die jüngsten Umfragen bereits in diese Richtung gedeutet haben", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Dennoch dämpfe es die Verunsicherung, die Anleger in den vergangenen Wochen von Investitionen in Aktienmärkte abgehalten habe.

Der Stoxx50, der die grössten Aktienwerte der Eurozone, der Schweiz und Grossbritanniens vereint, stieg zeitweise auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 3301,15 Punkten. In Tokio war der Nikkei-Index zuvor auf dem höchsten Stand seit November 2007 aus dem Geschäft gegangen. Auch der Schweizer Leitindex erreichte im Verlauf des Vormittags den höchsten Stand seit Ende 2007.

Schottische Firmen im Plus

Schottische Unternehmen standen ganz oben auf den Einkaufslisten der Investoren. Die Geldhäuser Royal Bank of Scotland und Lloyds, der Versorger SSE sowie der Versicherer Standard Life verbuchten deutliche Kursgewinne. Sie hatten in den vergangenen Wochen besonders stark unter der Furcht vor den wirtschaftlichen Konsequenzen einer schottischen Unabhängigkeit gelitten. (sda/nch)

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