Saudi-Arabien
Deshalb will der saudische Herrscher jetzt unbedingt Justin Bieber einfliegen lassen

Der kanadische Popstar steht im Zentrum der jüngsten Kontroverse um das Königreich. Sein nächster Schritt könnte weitreichende Folgen haben.

Thomas Seibert, Istanbul
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Darf jetzt nichts falsch machen: der kanadische Superstar Justin Bieber.

Darf jetzt nichts falsch machen: der kanadische Superstar Justin Bieber.

EPA

Mohammed bin Salman, der 36-jährige Kronprinz von Saudi-Arabien, wirbt bei der jungen Generation im Königreich für seine Reformpolitik. Dabei legt «MBS» viel Wert auf die Unterhaltungsindustrie und Autos. Als De-Facto-Herrscher des islamisch-konservativen Landes hat er die Kinos nach mehr als 30 Jahren wieder geöffnet, er hat die Macht der Religionspolizei begrenzt und er hat Frauen das Autofahren erlaubt. Jetzt organisiert er das erste Formel-Eins-Rennen in Saudi-Arabien und lässt es dabei krachen: Konzerte bekannter Popstars sollen aus dem Rennen ein internationales Grossereignis machen. Doch der Prinz kann seine blutige Vergangenheit nicht übertünchen.

Kurz vor dem Rennen in der Hafenstadt Jeddah am 5. Dezember ruft die Lebensgefährtin des auf Befehl von MBS ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi den kanadischen Popsänger Justin Bieber auf, seinen geplanten Auftritt in Saudi-Arabien abzusagen. Bieber solle sich nicht für die Propaganda des «Henkers» einspannen lassen, schrieb Hatice Cengiz in der «Washington Post»:

«Singen Sie nicht für die Mörder meines geliebten Jamal.»

Cengiz erinnerte Bieber daran, dass ihr Verlobter Khashoggi im Oktober 2018 im saudischen Konsulat von Istanbul brutal ermordet wurde, als er die Papiere für ihre Hochzeit abholen wollte. Nach Erkenntnissen von Ermittlern der USA und der UNO war MBS für die Tat verantwortlich. Bieber könne jetzt vor der Weltöffentlichkeit zeigen, dass er seinen Namen nicht dafür hergebe, «den Ruf eines Regimes aufzupolieren, das seine Kritiker umbringt», schrieb Cengiz. Neben Bieber sollen auch die Musiker A$AP Rocky, David Guetta and Jason Derulo sollen in Jeddah auftreten.

Wie MBS sein Land neu erfinden will

Sollte Bieber tatsächlich absagen, wäre das für MBS eine Blamage, denn er will demonstrieren, wie weltoffen und erfolgreich das «neue» Saudi-Arabien unter seiner Führung sein kann. «Überhol die Zukunft», lautet der Slogan des ersten Formel-Eins-Rennens auf saudischem Boden.

Der saudische de-facto-Herrscher Mohammed bin Salman will sein Land neu erfinden.

Der saudische de-facto-Herrscher Mohammed bin Salman will sein Land neu erfinden.

AP

Drei Jahre nach dem Mord an Khashoggi ist MBS auf der internationalen Bühne wieder gesellschaftsfähig. Westliche Rüstungskonzerne haben ihre Waffenlieferungen wieder aufgenommen, und der Prinz findet wieder hochrangige Gesprächspartner in Washington und anderen Hauptstädten. Doch der Khashoggi-Mord haftet ihm weiter an.

MBS will Saudi-Arabien währenddessen aus seiner Abhängigkeit vom Öl befreien und zu einem High-Tech-Staat machen. Sein Reformkurs baut auf die breite Unterstützung junger Saudis, denen er greifbare Vorteile seiner Öffnungspolitik demonstrieren will.

Mariah Carey überhörte die warnenenden Stimmen

Zwei Drittel der Bürger Saudi-Arabiens sind jünger als 35 Jahre – bei ihnen ist der Thronfolger besonders beliebt, weil er Tabus bricht und neue Möglichkeiten für Jobs und Lebensstil verspricht. Deshalb braucht der Prinz spektakuläre Ereignisse wie das Formel-Eins-Rennen – oder eben das Konzert von Justin Bieber.

Bieber wäre nicht der erste, der von einer Reise in den Nahen Osten absieht. Die Rapperin Nicki Minaj sagte vor zwei Jahren einen Auftritt in Saudi-Arabien ab und erklärte, sie wolle damit ein Zeichen für Frauenrechte und die LGBT-Bewegung setzen. Dagegen sah die Sängerin Mariah Carey wenige Monate nach dem Khashoggi-Mord keinen Grund, auf ein Gastspiel in dem Königreich zu verzichten.

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