Afrika
Wenn Homosexualität ein Verbrechen ist – Verfolgte Homosexuelle dürfen auf Asyl hoffen

Homosexuelle erleiden hierzulande immer noch harte Zeiten. In Afrika ist die Situation noch viel schlimmer: In 38 von 52 Ländern gelten gleichgeschlechtliche Beziehungen als Straftat. Jetzt sollen verfolgte Homosexuelle Asyl erhalten.

Markus Schönherr, Kapstadt
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«Du kannst dich gerne zu uns setzen», meint der Afrikaner freundlich. Doch ein Weisser, allein in einer Pizzeria in Swasilands Hauptstadt Mbabane – das wirkt verdächtig.

Deshalb fügt er eilig hinzu: «Aber nur, wenn du nicht schwul bist.»

Homophobie, die Aversion gegen Homosexualität, ist in Afrika ein weitverbreitetes Phänomen.

Heute Donnerstag will der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheiden, ob die EU Flüchtlingen wegen ihrer sexuellen Orientierung Asyl gewähren soll (vgl. Box).

Verfolgte Homosexuelle können auf Asyl hoffen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entscheidet heute Donnerstag über einen Antrag von Generalanwältin Eleanor Sharpston. Die britische Juristin hatte im vergangenen Sommer vor dem EuGH dafür plädiert, dass Menschen, die in ihren Heimatländern wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, in der EU ein Recht auf Asyl bekommen sollen. Allerdings sei die Strafbarkeit von homosexuellen Praktiken im Herkunftsland noch kein Grund für Asyl, so Sharpston. Vielmehr müsse geprüft werden, ob ein Asylbewerber wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt oder in seinen Menschenrechten verletzt werde. Konkret geht es um drei Staatsangehörige aus Sierra Leone, Uganda und Senegal. Die Männer hatten wegen ihrer Homosexualität in Holland Asyl beantragt. Das Begehren wurde abgelehnt. Das niederländische Ministerium für Einwanderung und Asyl argumentierte, den Männern sei es zuzumuten, sich in ihrer Heimat «beim öffentlichen Ausleben ihrer Homosexualität» zurückzuhalten. Sharpston sieht das anders: Es gehe nicht an, dass Homosexuelle in ihrer Heimat ihre Neigung verheimlichen müssen, um der Verfolgung zu entgehen. Da der EuGH den Anträgen seiner Generalanwälte meistens folgt, stehen die Chancen gut, dass der Antrag gebilligt wird. (he)

Im Juni warnte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, dass sich homosexuelle Afrikaner «wachsender Feindseligkeit» gegenübersehen.

Kaum einen Monat danach ging der grausame Mord an dem Schwulenaktivisten Eric Lembembe in Kamerun durch die Weltpresse: Das Genick gebrochen, die Beine verstümmelt, das Gesicht verbrannt.

Polizei hält sich zurück

Die Polizei präsentiert sich bei solchen Verbrechen meist unmotiviert. Im Fall eines Homosexuellen, der im Mai in Sierra Leone verprügelt und ausgepeitscht wurde, erzählte der Chefermittler der britischen BBC: «Wir müssen sehr vorsichtig sein im Umgang mit Schwulen und Lesben. Diese sind ein sehr fremdes Phänomen in unserer Gesellschaft und sie haben keinen Schutz durch das Gesetz.»

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften gelten in 38 von 52 Ländern Afrikas als Straftat. Nach Erlangung seiner Unabhängigkeit 2011 stellte auch der Südsudan Homosexualität unter Strafe.

Auch in Senegal müssen Schwule und Lesben vor Spitzeln auf der Hut sein, erzählt Ingrid Aouane, Journalistin in Westafrika. «Laut Gesetz drohen bis zu fünf Jahre Haft. Ist ein Verstorbener homosexuell gewesen, verweigert man ihm oft sogar die Bestattung oder eine reguläre Grabstätte.»

Bei seinem Besuch letztes Jahr in Sambia sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon, sexuelle Orientierung sollte kein Grund sein, Menschen als «Bürger zweiter Klasse oder Kriminelle zu behandeln». Doch der Vorschlag fiel auf taube Ohren.

Sexualität ist immer noch tabu

Die Gründe für Homophobie in Afrika sind vielfältig. Vielerorts auf dem Kontinent bestimmt die Tradition nach wie vor den Alltag, ebenso wie Religion und ausgeprägte Geschlechterrollen. Auch ist Sexualität in den meisten Regionen immer noch ein Tabuthema.

Armut, Arbeitslosigkeit und Krieg sind perfekter Nährboden für Populismus. Dieser kommt aus den höchsten Ämtern: Letztes Jahr hielt Simbabwes Diktator Robert Mugabe eine Brandrede, in der er der Jugend eintrichterte, westliche Werte, Gier und Homosexualität abzulehnen.

«Lasst uns den hohen Standard für Moral und Sexualität halten. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind inakzeptabel, einfach ekelhaft.» Schwulen und Lesben befahl er: «Zur Hölle mit euch!»

Als Hochburg der Homophobie gilt das ostafrikanische Uganda. Hier ist die Rede von schwerer Homosexualität, Mittäterschaft oder gar Wiederholungstätern. Beratung durch Ärzte oder Priester steht unter teils lebenslanger Strafe.

David Bahati, Parlamentarier des regierenden National Resistance Movement forderte 2009 die Todesstrafe. Damit versuchte er, die «ugandische Kultur zu verteidigen».

Das Parlament entscheidet in diesen Tagen über einen neuen Gesetzesentwurf: Jeder, der homosexuelle Akte nicht binnen 24 Stunden der Polizei meldet, riskiert drei Jahre Gefängnis.

Doch Präsident Yoweri Museveni deutete bereits an, dass er keine strengeren Gesetze will. Wie die meisten Staatsoberhäupter bangt er um die Unterstützung des Westens, der die Entwicklungshilfe zunehmend an Menschenrechte bindet.

Einige Länder im Westen Afrikas zeigen sich liberaler. «In Gabun geht man mit Homosexualität lockerer um.

Man belächelt sie abwertend, das ist alles», so Aouane. Südafrika ging einen Schritt weiter und erlaubte 2006 die Homo-Ehe.

Thoba Sithole und Tshepo Modisane nahmen dies im April zum Anlass und feierten unter Kritik von Konservativen die erste traditionell-afrikanische Homo-Hochzeit.

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