Türkei
Welle der Empörung gegen Erdogans Regierung

In der Türkei ist die Trauer der Hinterbliebenen nach dem verheerenden Grubenunglück mit mehr als 280 Toten unermesslich. Der türkischen Regierung schlägt zwei Tage nach der Katastrophe eine Welle der Empörung entgegen.

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Eine Berater von Premierminister Erdogan tritt einen Demonstranten.

Eine Berater von Premierminister Erdogan tritt einen Demonstranten.

Keystone

Entrüstung löste auch ein Berater von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aus. Yusuf Yerkel hatte Erdogan am Mittwoch bei einem Besuch in Soma begleitet. Dabei war es zu Buh-Rufen und Protesten gegen Erdogan gekommen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten.

Türkischen Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann am Boden habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdogan angegriffen und beleidigt habe.

Die Proteste gegen die Regierung dauerten am Donnerstag an. In der westtürkischen Küstenmetropole Izmir ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund 20'000 Demonstranten vor, wie türkische Medien berichteten. Mehrere Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen.

In der Hauptstadt Ankara und in der Metropole Istanbul hatten schon am Mittwochabend Tausende Menschen wegen des Grubenunglücks den Rücktritt der Regierung gefordert. Die Polizei ging auch dort mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vor.

Vorwurf: Sicherheitsbedenken ignoriert

Kritiker werfen der Regierung vor, trotz Sicherheitsbedenken eine schützende Hand über das Kohlebergwerk gehalten zu haben. Türkische Medien berichten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition zurückgewiesen, die Sicherheit an der Zeche zu überprüfen. Demonstranten und Gewerkschaften kritisierten, es habe sich nicht um einen Unfall, sondern um "Mord" an den Arbeitern gehandelt.

Erdogan aber hatte die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in seinem Land nach einem Besuch am Katastrophenort am Mittwoch heruntergespielt. "Solche Unfälle passieren ständig", sagte er. "Ich schaue zurück in die englische Vergangenheit, wo 1862 in einem Bergwerk 204 Menschen starben."

Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Zwei Tage nach der Katastrophe war der Brand in der Zeche noch nicht unter Kontrolle. "Es sieht so aus, als wenn das Feuer kleiner geworden wäre", sagte Energieminister Taner Yildiz am Donnerstag. "Die Kohlenmonoxidwerte in dem Bergwerk beginnen zu fallen."

In Soma kam es zu herzzerreissenden Szenen, als Familien zahlreiche der toten Kumpel zu Grabe trugen. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Regierung auf 282. Zudem wurden 80 Menschen verletzt. Yildiz sagte, 27 davon würden noch im Spital behandelt.

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren laut dem Energieminister 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Somit ist das Schicksal von 55 Arbeitern ungeklärt. Hoffnung auf Überlebende gab es kaum noch. Die Bergungsarbeiten wurden aber fortgesetzt.

Am Donnerstag besuchte Staatspräsident Abdullah Gül den Ort der Katastrophe. Verzweifelte Familien mussten die Leichen ihrer Angehörigen identifizieren. Viele beklagten fehlende Informationen.

Angeblich defekter Transformator

Die Unglücksursache war weiter ungeklärt. Medien zufolge hatte ein elektrischer Defekt in einem Transformator zunächst eine Explosion und dann einen Brand verursacht, der in 150 Metern Tiefe ausbrach. Die Bergwerksgesellschaft teilte mit, die letzten Sicherheitsüberprüfungen habe es vor zwei Monaten gegeben.

Das Grubenunglück in Soma ist das schwerste in der Geschichte der Türkei. Es ist zugleich das schlimmste weltweit seit fast 40 Jahren. Beim bis dahin schwersten Bergwerksunglück in der Türkei im Jahr 1992 waren 263 Menschen ums Leben gekommen.

Für viele Kumpel kam jede Hilfe zu spät.
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Insgesamt seien 787 Menschen unter Tage gewesen.
Die Angehörigen wollen Informationen von den Behörden.
Wie viele Menschen noch eingeschlossen sind, konnten die Behörden nicht genau beziffern.
Die Retter kämpfen gegen die Zeit.
Grund für die Explosion war ein Defekt in der Elektrik.
Das Unglück passierte in einer Mine in Soma, etwa 250 Kilometer südwestlich von Istanbul.
Mindestens 80 Bergleute wurden verletzt. Viele darunter schwer.
In der Türkei kommt es immer wieder zu Unglücken in Bergwerken.
Bange Stunden für die Angehörigen.
Die Grube ist erst am 17. März auf Sicherheitsmängel untersucht worden.

Für viele Kumpel kam jede Hilfe zu spät.

Keystone

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