Schottland
Was die Unabhängigkeit für Schottland bedeuten würde

Was passiert mit der Queen, dem Pfund und der EU-Mitgliedschaft, wenn sich Schottland am Sonntag für den Gang in die Unabhängigkeit entscheidet? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Dagmar Heuberger
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Nicht nur wegen Dudelsack, Highland-Games und Haggis fühlen sich die Schotten als eigenes Volk und wollen sich vom britischen Königreich abspalten.Keystone

Nicht nur wegen Dudelsack, Highland-Games und Haggis fühlen sich die Schotten als eigenes Volk und wollen sich vom britischen Königreich abspalten.Keystone

  • Weshalb kommt es in Schottland überhaupt zu einer Abstimmung über die Unabhängigkeit?

Schottland geniesst seit dem Prozess der Devolution in den 1990er-Jahren bereit weitgehende Autonomie: 1999 wurde erstmals ein schottisches Regionalparlament gewählt. Die bereits 1934 gegründete Scottish National Party (SNP), die für die Unabhängigkeit Schottlands eintritt, war damals aber noch eine kaum ernst genommene Splitterpartei. Erst 2007 wurde SNP-Chef Alex Salmond zum Ministerpräsidenten gewählt. 2011 errang die SNP dann die absolute Mehrheit im Regionalparlament. Salmond kündigte daraufhin an, dass Schottland innerhalb von fünf Jahren über die Abspaltung vom britischen Königreich abstimmen werde.

  • War das ohne die Zustimmung der britischen Regierung in London möglich?

Nein, so einfach war das nicht. Der britische Premier David Cameron stimmte im Januar 2012 dem Referendum zu und im Oktober 2012 unterzeichneten Salmond und Cameron ein entsprechendes Abkommen. Es war das erste Mal, dass in Europa eine Regierung einem Landesteil das Recht zugestand, über seine Abspaltung zu entscheiden.

  • Steht bereits fest, wie sich die Schotten am 18. September entscheiden werden?

Überhaupt nicht. Die neueste Umfrage sagt ein äusserst knappes Ergebnis voraus: 51 Prozent sind für die Unabhängigkeit, 49 Prozent sind dagegen. Noch bis vor kurzem hatte es so ausgesehen, als würde eine Mehrheit der Schotten gegen die Unabhängigkeit stimmen.

  • Das kann London nicht gefallen. Wie reagiert die britische Regierung?

Die Umfragewerte haben sie geradezu geschockt. Der britische Finanzminister George Osborne versprach den Schotten umgehend noch grössere Autonomie, wenn sie in einer Woche Nein stimmten: Edinburgh werde mehr Kompetenzen bei Steuern, Staatsausgaben und bei der Sozialpolitik erhalten.

  • Wie geht es weiter, wenn sich tatsächlich eine Mehrheit für die Unabhängigkeit entscheidet?

Dann wird die schottische Regierung zuerst einmal tüchtig feiern. Danach beginnt die Detailarbeit. Nötig ist ein Abkommen, in dem unter anderem festgelegt wird, was mit den britischen Atomwaffen und dem Nordsee-Öl passiert und welche Währung im unabhängigen Schottland gilt. Salmonds Ziel ist es jedenfalls, dass Schottland im März 2016 unabhängig wird.

  • Gibt es bereits Lösungen?

Nein. Noch ist sehr vieles offen. Die schottische Regierung will zum Beispiel die nordwestlich von Glasgow stationierten Atomwaffen loswerden, gleichzeitig aber Nato-Mitglied werden. Das dürfte schwierig werden. Das Pfund wollen die Schotten hingegen als Währung behalten. London ist bereit, das zu akzeptieren – aber nur, wenn die Atomwaffen in Schottland stationiert bleiben.

  • Was bedeutet das alles für die EU? Bleibt Schottland EU-Mitglied?

Für die EU ist das ein Präzedenzfall. Die Regierung in Edinburgh argumentiert, dass sie nach Artikel 48 des EU-Vertrags aushandeln könnte, übergangslos ein selbstständiges EU-Mitglied zu sein. London hingegen meint, Schottland müsse sich neu bewerben.

  • Und was sagt die Queen zu alldem?

Offiziell natürlich nichts. Aber laut britischen Medien ist sie sehr besorgt. Die Schotten wollen ihre Königin übrigens nicht loswerden: Das unabhängige Schottland soll eine parlamentarische Monarchie mit Elisabeth II. als Staatsoberhaupt werden wie Kanada, Australien oder Neuseeland.

Nicht nur wegen Dudelsack, Highland-Games und Haggis fühlen sich die Schotten als eigenes Volk und wollen sich vom britischen Königreich abspalten.
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Keystone

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