US-Wahlen 2020
Warum Trump trotz geringer Siegchancen immer noch viele Republikaner hinter sich hat

Im Endspurt um die amerikanische Präsidentschaft gerät der Amtsinhaber ins Hintertreffen. Trotzdem sagt sich seine Partei noch nicht von ihm los. Dahinter steckt Kalkül.

Renzo Ruf
Drucken
Teilen
Donald Trump kann sich nach wie vor der Loyalität seiner Partei sicher sein. Nur: wie lange noch?

Donald Trump kann sich nach wie vor der Loyalität seiner Partei sicher sein. Nur: wie lange noch?

Koji Sasahara / AP

Ted Cruz ist einer der gescheitesten Abgeordneten im amerikanischen Senat: Er besitzt Abschlüsse der Elite-Universitäten Princeton und Harvard und rühmt sich damit, Gerichtsfälle vor dem Supreme Court gewonnen zu haben. Dennoch verbreitete der Republikaner aus Texas am Mittwoch auf Twitter die absurde Behauptung, dass Demokraten in den Staaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania versuchten, «die Wahl zu stehlen» und einen Sieg von Präsident Donald Trump mit allen Mitteln zu verhindern.

Präsident in der Sackgasse

Zwar relativierte Cruz diese Behauptung mit dem Zusatz «falls dies der Wahrheit entspricht», aber die Stellungnahme zeigt doch mit aller Deutlichkeit, dass republikanische Amtsträger zu Trump halten – auch wenn sich die Anzeichen verdichten, dass sich der Präsident in einer Sackgasse befindet.

George W- Bush

George W- Bush

CH Media

Der Grund für diese Treue? Das neue Gesicht der Republikaner. Vor der Kandidatur von Donald Trump gehörten Geschäftsleute und wohlhabende Bewohner der Vororte von Grossstädten zu den Stützen der konservativen Partei. Präsident George W. Bush gewann im Jahr 2000 in Fairfax County vor den Toren der Hauptstadt Washington fast 49 Prozent der Stimmen. Zwanzig Jahre später brachte es Donald Trump in diesem Bezirk, in dem mehr Menschen leben als im Kanton Bern, nur noch auf 28 Prozent.

Der Präsident hat Wähler von den Demokraten herüber geholt

Trump gelang es aber, neue Wähler von der Republikanischen Partei zu begeistern, Wähler, die bis vor einer Generation zu den treusten Anhängern der Demokraten gehört hatten. Im Bezirk Cambria County in Pennsylvania, einem früheren Zentrum der Schwerindustrie, gewann Al Gore im Jahr 2000 noch mehr als 50 Prozent der Stimmen. Am Dienstag brachte es der demokratische Kandidat Joe Biden nur noch auf knapp 30 Prozent.

Natürlich gibt es unter den republikanischen Amtsträger auch Ausnahmen. So hielt Mitch McConnell, der alte und wohl auch neue Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, den Präsidenten stets auf Distanz. Er unterstützte die Vorstösse Trumps, wenn sie ihm in den Kram passten – so peitschte McConnell konservative Kandidaten für freie Richterposten auf Bundesebene durch die kleine Kammer.

Die Hoffnung auf eine nationale Karriere

Zu den rhetorischen Ausfällen des Präsidenten aber äusserte sich McConnell nicht. Trump war für ihn ein Mittel zum Zweck, weil es in den Augen des Machtpolitikers besser ist, wenn ein Republikaner im Weissen Haus sitzt.

McConnell, der in drei Monaten seinen 79. Geburtstag feiern wird, liebäugelt aber nicht mit einer Kandidatur fürs Weisse Haus. Der 30 Jahre jüngere Cruz hingegen schon. Und das ist der entscheidende Unterschied: Republikanische Amtsträger, die sich Hoffnungen auf eine nationale Karriere machen, werden Trump die Stange halten, so lange er im Weissen Haus residiert. Denn dem Präsidenten ist es gelungen, das Programm der 1854 ins Leben gerufenen Republikanische Partei nach seinen Vorstellungen umzuschreiben.