Entwarnung in Kapstadt: Wasserkrise wurde entschärft

Lange sah es so aus, als werde Kapstadt die erste Millionenmetropole der Welt, die auf dem Trockenen sitzt. Jetzt ist die Wasserkrise entschärft.

Markus Schönherr, Kapstadt
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Luftaufnahme von Kapstadt. Bild: Jon Hrusa/EPA (Kapstadt, 2. Dezember 2009)

Luftaufnahme von Kapstadt. Bild: Jon Hrusa/EPA (Kapstadt, 2. Dezember 2009)

Die Katastrophe ist vorerst abgewendet, der Ausnahmezustand bleibt. Wer an diesen Tagen nach Kapstadt reist, dem zeigt sich ein skurriles Szenario: Draussen sind die Auffangbecken rund um die Stadt voll, es regnet, an manchen Orten kommt es kurzzeitig sogar zu Überflutungen. Und drinnen heisst es für die drei Millionen ­Bewohner weiter jeden Tropfen Wasser sparen. Aus gutem Grund.

Bis vor kurzem sah es so aus, als werde Kapstadt die erste ­Millionenmetropole der Welt, in der die Wasserleitungen trocken laufen. Schuld daran war die schlimmste Dürre seit über 100 Jahren, gepaart mit jahrelangem Missmanagement und Verschwendung. Mit Angst blickten die Kapstädter «Day Zero» entgegen. Das wäre jener Tag gewesen, an dem kein Tropfen mehr durch die Leitungen fliesst, und jeder Bewohner stundenlang hätte anstehen müssen, um in Verteilerzentren seine tägliche Notration Wasser abzuholen.

Jetzt ist «Day Zero» abgesagt. Fürs Erste zumindest. Die Kapstädter können die abgewendete Katastrophe als kollektiven Sieg feiern, gemeinsam mit Politikern, Konzernen und Touristen. «Wie immer musste auch jetzt jeder seinen Teil der Aufgabe erfüllen – und hat das auch erfolgreich getan», sagt Klaudia Schachtschneider, Wasserbeauftragte des WWF Südafrika.

Trinkwasser aus dem Atlantik

«50 litres a day keeps Day Zero away» – mit Sprüchen wie diesem versuchte die Stadtregierung den Kapstädtern das Sparen schmackhaft zu machen: Jeder Bewohner sollte weniger als 50 Liter pro Tag abzapfen. Einige nahmen das wörtlich und schafften es gemeinsam, Kapstadts gesamten Wasserkonsum um die Hälfte zu senken. Unterdessen baute die Regierung Entsalzungsanlagen, um dem Atlantik Trinkwasser abzugewinnen.

Klimawandel schafft weiterhin Unsicherheit

Geholfen hat nicht zuletzt auch der starke Winterregen: Die Pegelstände der Staudämme liegen wieder bei 66 Prozent – knapp doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Dürfen die Kapstädter also bald wieder ihre Autos waschen, den Garten giessen und ihre Pools befüllen? Das ist unter den strengen «Water restric­tions» längst verboten. «Es wäre vernünftig, zumindest das Ende der Regensaison abzuwarten, danach brauchen wir eine Risikoanalyse», mahnt Mark New. Der Klimaexperte von der Universität Kapstadt schätzt, dass die Notstandsgesetze nur teilweise gelockert werden, falls überhaupt. «Das wäre ratsam angesichts der Unsicherheit, die der Klimawandel mit sich bringt. Ebenso macht es Sinn, den minimalen Wasserkonsum als neuen Normalzustand anzusehen.»

Kapstadt hat sich dem Wetterextrem spontan angepasst. Aber hat es auch dazugelernt? Laut New sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Afrikas Südzipfel weitere Dürren mit ausbleibendem Regen über mehrere Jahre erleben wird. «Dank der ergriffenen Massnahmen müssten diese aber viel stärker ausfallen, um erneut die Gefahr eines ‹Day Zero› zu wecken.» Trotzdem rät Schachtschneider vom WWF zu Vorsicht. «Stolz» dürfe Kapstadt auf das Erreichte durchaus sein – jetzt gelte es jedoch, die Lektionen langfristig umzusetzen. Und Touristen? Sie erwartet am Kap weiterhin normale Ferien – oder zumindest fast normale, wenn man auf die Badewanne verzichten und in Shoppingmalls Desinfektionsmittel statt Wasser zum Händewaschen benutzen kann.

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