Wirbelstrum
Verteilung von Hilfsgütern läuft - Tausende wollen aus Tacloban weg

Eine Woche nach dem verheerenden Taifun «Haiyan» auf den Philippinen läuft die Hilfsgüterverteilung auf Hochtouren. Tausende Überlebende versuchten weiter, aus dem Katastrophengebiet zu fliehen. Über die Zahl der Toten herrscht weiter Unklarheit.

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Die Versorgung mit Hilfsgütern, insbesondere Lebensmittel, funktioniert eine Woche nach dem verheerenden Taifun nun.
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Taifun-Opfer tragen Hilfsgüter mit sich. Transportschiffe sind in Tacloban, der am schwersten getroffenen Region angekommen.
Ein Bild, das die Gewalt des Taifuns erahnen lässt: Ein Riesendampfer wurde in Tacloban auf trockenen Grund befördert.
Regenbogen über Taclobahn: Das Wetter hellt in der Krisenregion aus und erleichtert die Hilfsarbeiten.
Haben ihre Arbeit aufgenommen: SKH-Mitglied Guillaume Roux-Fouillet bei der Übergabe von Lebensmitteln an die Behörden in Daanbantayan.
HIlfe aus der Luft: Eine C-130 Cargo-Machiine der US-Army landet am Cebu International Airport.
US-Marines transportieren ein verletztes Kind.
Tränen am Weltklimagipfel
Taifun «Haiyan»: Jetzt stürmen Überlebende den Flughafen, da

Die Versorgung mit Hilfsgütern, insbesondere Lebensmittel, funktioniert eine Woche nach dem verheerenden Taifun nun.

Keystone

Am Hafen und am Flughafen von Tacloban auf der schwer verwüsteten Insel Leyte standen am Freitag Tausende in langen Schlangen. Sie wollten einen Platz auf den Frachtflugzeugen und Schiffen ergattern, die nach der Entladung der Hilfsgüter nach Manila oder Cebu zurückkehren.

Die Besatzung des US-Flugzeugträgers «USS George Washington» lag vor der Küste von Samar und begann mit dem Ausladen seiner umfangreichen Hilfsgüter. Mehrere Flugzeuge waren von Bord an Land verlegt worden, um mehr Platz für die Helikopter zu machen, die dort bei Tageslicht ohne Unterlass beladen werden und die Hilfsgüter in bislang unerreichte Regionen des Katastrophengebietes fliegen.

Regierung in der Kritik

Taifun «Haiyan» war am vergangenen Freitag mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern in der Stunde über Samar hereingebrochen - der gewaltigste Taifun, der je an Land kam. Er löste eine gewaltige Sturmflut aus, die den Küstenstreifen auf einer Breite von mehreren hundert Metern wie bei einem Tsunami unter Wasser setzte.

Das Wasser riss Hütten, Container, Autos und Hausdächer mit und spülte riesige Frachtschiffe Hunderte Meter ins Land. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos.
Die Regierung kam wegen der schleppend anlaufenden Hilfe stark unter Druck.

«Unsere Rettungsmassnahmen kommen voran, auch wenn es teils immer noch langsam geht», räumte Innenminister Mar Roxas in Tacloban ein. Jeden Tag laufe es besser als am Vortag. «Es kann nie schnell genug gehen in einer Situation wie dieser, wo so viele Menschen betroffen sind und so viel Infrastruktur beschädigt ist», so Roxas.

Zahl der Toten steigt

Über die Zahl der Toten herrschte weiter Ungewissheit. Das Büro für Zivilschutz in der Region nannte am Freitag 3422 Todesopfer in den Provinzen Leyte und Samar.
Auf anderen Inseln kamen nach offiziellen Angaben 199 Menschen ums Leben. Die Vereinten Nationen hatten in der Nacht von 4460 Todesopfern gesprochen, aber die philippinischen Behörden bestätigten die Zahl nicht.

Rund 12 Millionen Menschen seien betroffen, rund 920'000 von ihnen mussten demnach ihre Häuser verlassen. Bislang war die offizielle Zahl der Opfer mit 2357 angegeben worden. Es war jedoch damit gerechnet worden, dass sie noch steigt.

Besseres Wetter in Sicht

Gute Nachricht kam von den Meterologen: Nach tagelangem schweren Regen sollen die nächsten Tage im Katastrophengebiet sonnig bleiben.

Erste Tote in Massengräbern beigesetzt

In Tacloban wurden am Donnerstag zahlreiche Leichen in Massengräbern bestattet. In strömendem Regen zogen junge Männer die meist in Leichensäcke verpackten Toten an einem Friedhof von einem Lastwagen in eine ausgehobene Lehmgrube. Arbeiter schaufelten Erde darüber. Es war weder ein Priester anwesend noch blieb Zeit für Gebete.
Bürgermeister Alfred Romualdez war dabei: «Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben.»

Noch immer lagen Todesopfer in den Strassen. «Es ist beängstigend», sagte Romualdez. Immer wieder würden Behördenvertreter gebeten, an einem Ort «fünf oder zehn Leichen abzuholen. Und wenn wir hinkommen, sind es vierzig».

Die Stadt brauche dringend mehr Rettungskräfte und schweres Gerät, sagte Romualdez: «Wir können nicht mit demselben Lastwagen morgens Leichen aufsammeln und nachmittags Hilfsgüter verteilen.»

Verseuchtes Wasser

Hilfsorganisationen verstärkten ihre Teams vor Ort. Die Helfer verteilen vor allem sauberes Wasser, Lebensmittel und Hygieneartikel wie Seife und Desinfektionsmittel.
Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF ist vor allem die Lage der Kinder im Katastrophengebiet weiter kritisch. Es gebe bereits Kinder mit Fieber, die Gefahr von lebensgefährlichen Durchfallerkrankungen durch verseuchtes Wasser sei «extrem hoch». (sda)