USB-C
Schluss mit Kabelsalat: Jetzt kommt das einheitliche Ladekabel für Handys, Tablets und Co

Die EU-Kommission schlägt USB-C als den neuen Standard für Handys und andere mobile Elektronikgeräte vor. Das dürfte sich auch in der Schweiz durchsetzen.

Remo Hess, Brüssel 2 Kommentare
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Wer kennt es nicht? Nicht-verwendete Ladegeräte kommen praktisch in jedem Haushalt vor.

Wer kennt es nicht? Nicht-verwendete Ladegeräte kommen praktisch in jedem Haushalt vor.

Bild: Keystone

Es ist die Paradedisziplin der EU-Funktionäre in Brüssel: Standardisierungen für den gemeinsamen Binnenmarkt. Hier können sie sich austoben. Hier fühlen sie sich wohl.

Mitunter treibt der Drang zur europaweiten Vereinheitlichung aber auch skurrile Blüten. Legendär ist zum Beispiel die (später abgeschaffte) Regulierung über die Gurkenkrümmung oder der (später zurückgezogene) Vorschlag für standardisierte WC-Spülungen.

Jetzt aber macht sich die EU-Kommission daran, eine Vereinheitlichung zu schaffen, die für den Konsumenten einen echten Mehrwert bringen könnte: Das Ende des Kabelsalats.

Handys, Tablets, Lautsprecher: Ein Kabel, um sie alle zu laden

Künftig sollen Handys, Tablets und andere elektronische Geräte wie Lautsprecherboxen oder Digitalkameras nur noch via den USB-C-Standard geladen werden. Micro-USB oder auch die Apple-Lightning-Buchse, der Exot unter den Ladekabel, sollen der Vergangenheit angehören.

USB-C: Viele Geräte verfügen bereits heute über den künftigen Standard.

USB-C: Viele Geräte verfügen bereits heute über den künftigen Standard.

Bild: Santeri Viinamäki
CC BY-SA 4.0

Geht alles glatt im Gesetzgebungsprozess mit dem EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten könnte das Einheitskabel schon ab 2024 kommen. Neue Geräte sollen ab dann nur noch mit USB-C-Anschluss verkauft werden. Ersatzkabel für bereits gekaufte Geräte mit alternativen Anschlüssen könnten freilich weiter erhältlich bleiben.

Apple hängt an seinem Exoten-Status

Wenig Freude haben dürfte Apple, welches sich vor Jahren schon gegen eine Vereinheitlichung mit Verweis auf die Innovationsfreiheit gewehrt hatte. Kritiker vermuten aber, dem US-Konzern gehe es vielmehr darum, sein abgeschlossenes Geräte-Universum zu schützen.

Auf dem Weg zum Ende des Kabelsalats ist man schon einen weiten Weg gekommen: Vor rund 10 Jahren gab es noch 30 verschiedene Ladeanschlüsse. Heute sind es hauptsächlich noch drei: USB-C, Micro-USB und Apple.

Laut Berechnungen der EU-Kommission geben die europäischen Konsumenten pro Jahr rund 2,4 Milliarden Euro für Ladegeräte aus. 11'000 Tonnen an Kabel-Schrott fallen jährlich an. Dieser Berg soll durch die Standardisierung um mindestens 1000 Tonnen oder 250 Millionen ungebrauchter Ladegeräte verkleinert werden. Die Wahl ist auf USB-C gefallen, weil dieser die beste Ladeleistung aufweisen soll und bereits breit verwendet wird.

Auch in der Schweiz künftig nur noch USB-C?

Der neue Standard dürfte sich in Zukunft auch in der Schweiz durchsetzen: Unabhängig davon, ob die Schweiz die EU-Regulierung nachvollziehen würde, scheint es kaum vorstellbar, dass Produzenten von Elektrogeräten extra für den Schweizer Markt alternative Lösungen anbieten würden. Anders dürfte es aussehen für von ausserhalb der EU in die Schweiz importierte Geräte.

Logischerweise unberührt von den neuen Regeln bleiben Geräte, welche über eine Qi-Station kabellos («Wireless charging») geladen werden.

2 Kommentare
Thomas Zweidler

Habe noch nie etwas Gutes aus der EU vernommen oder etwas Gutes über die EU geschrieben. Deshalb Premiere: EU-Kabelsalat-Ende wäre gut! Doch ich habe Zweifel: Wahrscheinlich bekommen die EU-Bürokraten nicht mal das hin - in der Theorie wohl schon, doch in der Praxis wohl nicht. Zu gross ist die Macht von Apple und Billiganbieter, welche eigene Systeme herstellen wollen....

Philipp Reichmuth

Gehen wir mal in der Zeit etwas zurück, als diese Diskussion angefangen hat. Vor ca. 20 Jahren, also noch vor iPhone und den anderen Smartphones haben alle Markt-Leader (Nokia, Samsung, Sony bzw. Sony-Ericsson etc.) bei jedem Gerät ein Ladegerät mit anderem Stecker dazu gelegt. Und was haben alle diese Ladegeräte gemacht? Genau, nur das Mobilgerät aufgeladen. Apple hat von Anfang an den Stecker bei den Mobil-Geräten vereinheitlicht, iPods, iPhones und iPads hatten von Anfang an den gleichen Anschluss, die Ladegeräte waren sogar dank USB-A-Anschluss auch für Geräte anderer Hersteller nutzbar und sind es auch heute noch - soviel zu den „krampfhaft abgeschotteten“ Apple-Geräten. Die anderen Hersteller haben dann mit Micro-USB nachgezogen, was definitiv für alle ein Fortschritt war. Apple hat dann genau 1x den Anschluss gewechselt, auf Lightning. Und praktisch alle anderen haben Jahre später auf USB-C gewechselt. Apple hat mit Lightning viel früher als der USB-C-Standard fertig definiert war, viele Nachteile der vorigen Stecker bereits eliminiert. Mit USB-C hat die USB-Allianz später mit einer technisch anderen Lösung dieselben Nachteile eliminiert. Alles ohne begrenzende Gesetze, sondern weil sich mit Weiterentwicklung der Technologie neue Möglichkeiten und daraus neue Bedürfnisse und Notwendigkeiten ergeben haben. Irgendwann wird aber auch USB-C überholt sein - und dann? Dann wird das Gesetz zur Blockade, weil sich andere Anschlüsse kaum verbreiten werden, da nicht dürfen…

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