US-Wahlen
Wer es dem abgewählten Präsidenten Trump so richtig zeigen will, kann jetzt eines seiner Casinos in die Luft sprengen

Schon lange möchte der Ferienort Atlantic City ein leerstehendes Casino loswerden. Nun will die einstige Glücksspiel-Oase den Job des Sprengmeisters versteigern: Wer das Höchstgebot abgibt, darf im Februar das «Trump Plaza» in die Luft sprengen.

Renzo Ruf aus Washington
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Ein Bild aus besseren Zeiten: 2014 herrschte rund um das Trump Plaza noch Hochbetrieb.

Ein Bild aus besseren Zeiten: 2014 herrschte rund um das Trump Plaza noch Hochbetrieb.

Keystone

Rache ist süss. Aber vielleicht sind selbst rabiate Gegner von Donald Trump nicht bereit, tief in die Tasche zu greifen, um den abgewählten Präsidenten – symbolisch – ein voraussichtlich letztes Mal in die Pfanne zu hauen. Am Freitag jedenfalls betrug das Höchstgebot für den Ehrentitel eines Sprengmeisters bei der anstehenden Zerstörung des Casinos Trump Plaza in Atlantic City (New Jersey) nur 55'000 Dollar. (Ernstgemeinte Gebote nimmt das Unternehmen des Auktionators Joseph Bodnar allerdings erst am 19. Januar entgegen.)

Stadtpräsident Marty Small zeigte sich aber am Donnerstag an einer Pressekonferenz zuversichtlich und sagte, Atlantic City werde mit der aufsehenerregenden Aktion bis zu 1 Million Dollar einnehmen. Er sei in den vergangenen Stunden von Telefonanrufen geradezu «bombardiert» worden.

Der Erlös aus der ungewöhnlichen Aktion soll nicht der Stadtkasse zugutekommen, obwohl Atlantic City seit Jahren mit Finanzproblemen kämpft. Vielmehr würde von dem Geld der lokale «Boys & Girls Club» profitieren, eine gemeinnützige Kinderbetreuungsorganisation.

Trump sorgte einst selbst für den Niedergang des Casinos

Das «Plaza» am einst legendären Boardwalk von Atlantic City – in den Achtzigerjahren der einzige Ort an der Ostküste, an dem Glücksspiel legal war – war von heutigen Präsidenten im Jahr 1984 eröffnet worden. Kurze Zeit über sah es danach aus, als ob Trump in dem Ferienort am Atlantik auf eine veritable Goldgrube gestossen war.

Doch der Baulöwe verspekulierte sich, auch weil er sich gemäss dem inoffiziellen Familienmotto «Zu viel und nie genug» selbst kannibalisierte und unmittelbar neben dem «Plaza» einen Konkurrenzbetrieb eröffnete. Mitte der Neunzigerjahre zog Trump die Reissleine und trat den Rückzug aus Atlantic City an.

Das «Plaza» schloss im Jahr 2014 und der Multi-Milliardär Carl Icahn sicherte sich den Zugriff auf die Parzelle an bester Lage. Im Wahlkampf zwei Jahre später spielte das Grundstück eine Nebenrolle; Kandidatin Hillary Clinton nutzte es als Kulisse, um den Wählern (vergeblich) vor Augen zu führen, dass Trumps Geschäftserfolge mehr Schein als Sein seien.

Nun soll die Ruine des einstigen Prachthotels, das bei der Eröffnung auf 39 Etagen mehr als 600 Zimmer besass, endgültig verschwinden. Stadtpräsident Small sagte, das Plaza sei nicht nur ein Schandfleck, sondern stelle auch eine Gefahr für Passanten dar – weil sich bei Unwettern Teile der Fassade lösten.

Und natürlich hat der Demokrat dem republikanischen Präsidenten nicht verziehen, dass er sich nach seinem Rückzug immer wieder abfällig über die einstige Glücksspiel-Oase geäussert hatte. So sagte Trump im Jahr 2015: «Atlantic City ist ein Desaster.» Er habe sich noch gerade rechtzeitig aus dem Staub gemacht, bevor das lukrative Casino-Geschäft eingebrochen sei.

Small betont allerdings, das Hauptziel der Aktion sei die Sprengung des Hotels. Auch deshalb weigerte er sich, den Abbruch des «Plaza» auf den 20. Januar anzusetzen, auf den Tag also, an dem Präsident Trump spätestens aus dem Weissen Haus in Washington ausziehen muss. Nun soll die Sprengung im Februar über die Bühne gehen. «Ich will keine politischen Spielchen spielen», sagte Small am Donnerstag.

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