Iran
US-Sanktionen gegen Teheran treffen europäische Unternehmen – eine Macht profitiert aber

Nach dem Rückzug der Franzosen aus dem Erdgasprojekt dominieren die Chinesen mit einer Beteiligung von über 80,1 Prozent.

Stefan Brändle, Paris
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Das grösste Gasfeld der Welt, das acht Prozent der bekannten Gasressourcen umfasst, liegt im Persischen Golf und wird von Iran und Katar getrennt ausgebeutet. (Symbolbild)

Das grösste Gasfeld der Welt, das acht Prozent der bekannten Gasressourcen umfasst, liegt im Persischen Golf und wird von Iran und Katar getrennt ausgebeutet. (Symbolbild)

REUTERS

Der französische Mineralölkonzern Total stoppt wegen der Sanktionsdrohungen der USA seine Investition in das Projekt South Pars. Das grösste Gasfeld der Welt, das acht Prozent der bekannten Gasressourcen umfasst, liegt im Persischen Golf und wird von Iran und Katar getrennt ausgebeutet. Total hatte sich schon an den früheren Ausbeutungsphasen 2 und 3 federführend beteiligt. Nach dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran hatten die Franzosen 2015 mit der China National Petroleum Corporation (CUP) ein Projekt über 4,3 Milliarden Euro lanciert.

Daraus wird jetzt nichts. Total hält in den USA Aktiva über 8 Milliarden Euro und beteiligt amerikanische Banken an 90 Prozent seiner finanziellen Transaktionen. Damit wäre der französische Konzern akut von Strafmassnahmen der US-Behörden bedroht, wenn er sich nicht an die von US-Präsident Donald Trump ausgerufenen Iran-Sanktionen hält. Im Bereich der fossilen Brennstoffe sollen sie im November in Kraft treten. Total hatte deshalb gar keine Wahl, als seine iranischen Pläne zu begraben oder zumindest auf Eis zu legen. Damit offenbart sich die Durchsetzungskraft der US-Beschlüsse – und die Ohnmacht des alten Kontinents.

Die EU-Kommission hatte europäischen Firmen im Juni Hilfe und Schutz zugesagt. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien – also die drei europäischen Vertragsstaaten des iranischen Atomabkommens – drückten ihr «tiefes Bedauern» über die Sanktionen aus und forderten Ausnahmeregeln für europäische Firmen. Noch deutlicher äusserte sich die Regierung in Paris: «Da der amerikanische Präsident offenbar planetarer Wirtschaftspolizist sein will, müssen wir uns mit den nötigen Instrumenten ausstatten, um nicht Opfer seiner Beschlüsse zu sein», meinte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und regte eine unabhängige Finanzinstitution an.

«Abscheuliche Erpressung»

Der Rückzug Totals, der diese Aussagen auf einen Schlag mit der harten Realität konfrontiert, wurde weder in Brüssel noch Paris kommentiert. Auch Le Maire schweigt. Dafür ist in französischen Internetforen von «abscheulicher Wirtschaftserpressung» die Rede. Die sonst eher zurückhaltende wirtschaftsnahe Zeitung «L’Opinion» spricht von einem «K.-o.-Sieg Trumps». Dass die «Lex Americana» in der ganzen Welt wirke, sei skandalös – und überdies absurd: Die über Jahrzehnte aufgebaute Stellung Totals im Iran gehe nun an den staatlichen chinesischen Erdölsektor. Dieser sei in den USA kaum vertreten, habe aber kommerziell und diplomatisch genug Gewicht, um von Trump vorsichtig behandelt zu werden.

Absurd ist der Schritt auch deshalb, weil Teheran mit der CNPC bisher schlechte Erfahrungen im technischen Bereich gemacht hatte und gar nicht erpicht darauf war, allein mit den Chinesen zu arbeiten. Die US-Politik treibt die Iraner aber geradezu in die Arme der beiden nichtwestlichen Signatarstaaten des Atomabkommens, Russland und China: «China National Petroleum Corporation ersetzt die französische Total mit einer Beteiligung von 80,1 Prozent in der Phase 11 von South Pars», bestätigte der Investitionsdirektor der iranischen Erdölgesellschaft Nioc, Mohammed Mostafavi.

Wie Total kehren auch die französischen Autohersteller dem Iran den Rücken. Peugeot und Citroën (PSA-Konzern) verlieren dort einen Absatz von 440 000 verkauften Autos im Jahr 2017. Renault will seine ebenfalls massive Präsenz im Iran laut Konzernchef Carlos Ghosn «sehr stark reduzieren», um für ein Ende der Sanktionen gewappnet zu sein. Diese Firmen sind zwar nicht im US-Markt vertreten, hängen aber über Zulieferer davon ab.

Auch Airbus ist betroffen

Hart getroffen ist auch der europäische Luftfahrtkonzern Airbus. Der Verkauf von 100 Flugzeugen im Wert von 8,6 Milliarden Euro an den Iran wird nach der Lieferung von drei Maschinen wohl abgebrochen: Laut Guillaume Faury, Chef der Airbus-Zivilsparte, können die 97 verbleibenden Exemplare «sehr wahrscheinlich» nicht mehr ausgeliefert werden.

Nach dem Total-Rückzug dürften europäische Erdölkonzerne wie BP und Eni bald folgen. Gefährdet ist auch das teils traditionsreiche Iran-Geschäft deutscher Firmen wie Siemens oder Deutsche Bank.