FBI-Affäre
US-Geheimdienstausschuss lädt Comey zu Anhörung ein – mehr Wetten auf Trumps Amtsenthebung

Der Geheimdienstausschuss des US-Senats hat den ehemaligen FBI-Chef James Comey zu einer Anhörung am Dienstag hinter verschlossenen Türen eingeladen. Dies gab eine Sprecherin des republikanischen Vorsitzenden Richard Burr am Mittwoch bekannt.

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James Comey am Mittwoch: Der Ex-FBI-Chef zeigt sich lächelnd vor seinem Haus in Virginia.

James Comey am Mittwoch: Der Ex-FBI-Chef zeigt sich lächelnd vor seinem Haus in Virginia.

ap

Die Einladung sei von Burr und dem ranghöchsten Demokraten des Ausschusses, Mark Warner, ausgesprochen worden. Ob Comey die Einladung annehmen würde, war zunächst unklar. US-Präsident Donald Trump hatte ihn am Dienstag unerwartet entlassen.

Am Mittwoch tauchte zum ersten Mal ein Foto von Comey seit seiner Entlassung auf. Es zeigt den ehemaligen FBI-Direktor mit einem Lächeln im Gesicht vor seinem Haus in Virginia.

In der ersten Stellungnahme ausserhalb des Kurznachrichtendienstes Twitter begründete Trump die Entlassung wie folgt: «Weil er keinen guten Job gemacht hat. Ganz einfach. Er hat keinen guten Job gemacht.»

Mehr Wetten auf Trumps Amtsenthebung nach FBI-Wirbel

Mit der spektakulären Entlassung des FBI-Chefs hat US-Präsident Donald Trump Glücksspieler auf den Plan gerufen: Bei Online-Wettportalen setzten am Mittwoch deutlich mehr Menschen als zuvor Geld auf eine vorzeitige Amtsenthebung des Präsidenten.

Bei dem in Irland ansässigen Unternehmen Paddy Power sahen die Wetteinsätze eine Chance von 60 Prozent für ein solches Impeachment, mehr als doppelt so viele wie zuvor, sagte Firmensprecher Lewis Davey. "Wir führen das auf den Rauswurf von FBI-Chef Comey zurück", sagte Davey.

Eine ähnliche Entwicklung verzeichneten die Online-Wettbüros des britischen Anbieters Betfair. Ein Bieter wolle sogar 100'000 Pfund (über 120'000 Franken) auf Trumps vorzeitige Amtsenthebung setzen, sagte Sprecherin Naomi Totten. Die Wettquoten für ein Impeachment seien binnen Stunden nach Comeys Entlassung von neun zu eins auf drei zu eins gestiegen. (sda)

Trump äusserte sich am Mittwoch zu seinem heftig umstrittenen Entscheid im Oval Office des Weissen Hauses während eines überraschenden Treffens mit Henry Alfred Kissinger, dem langjährigen Aussenminister der USA. Auf die Frage, ob Comeys Entlassung vom Vortag sein Treffen mit Russlands Aussenminister Sergej Lawrow beeinflusst habe, sagte Trump: «Überhaupt nicht.»

Fotos zeigen, dass beim Treffen der russischen Delegation mit Trump auch der russische Botschafter Sergej Kisljak anwesend war. Trump schüttelt ihm strahlend die Hand. US-Medien spiessten das angesichts der Ermittlungen der US-Geheimdienste und des FBI wegen einer möglichen russischen Wahlbeeinflussung als sehr bemerkenswert auf.

Wollte Comey Ermittlungen ausweiten?

Der nationale Sicherheitsberater Mike Flynn - ein enger Vertrauter Trumps - war wegen gegenüber der Öffentlichkeit verheimlichter Kontakte mit Kisljak gestürzt. Justizminister Jeff Sessions verschwieg in einer Anhörung zwei Kontakte mit dem russischen Netzwerker.

Das ist der Grund, warum Sessions sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen zurückgezogen hat. Allerdings empfahl er Comeys Entlassung, dessen Behörde gegen das Trump-Team ermittelt.

Einem Bericht der «New York Times» zufolge hatte FBI-Chef Comey kurz vor seiner Entlassung eine Ausweitung der Ermittlungen zur mutmasslichen Einflussnahme Russlands im Wahlkampf geplant. Die Zeitung berichtete, Comey habe nur Tage vor seiner Entlassung beim stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein mehr Geld und weiteres Personal für die Untersuchungen beantragt. Darüber habe er anschliessend auch Abgeordnete informiert.

Insider: Trump wegen Comeys Verschwiegenheit erbost

Die plötzliche Entlassung von Comey geht Insidern zufolge insbesondere auf dessen Weigerung zurück, eine Aussage vor dem Kongress vorab mit Trump zu besprechen. Das verlautete am Mittwoch aus Kreisen des Präsidialamts.

Trump, Justizminister Jeff Sessions und dessen Vize Rod Rosenstein hatten Comey demnach gebeten, vor einer Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats am 3. Mai einen Umriss seiner geplanten Erklärung abzugeben. Dies ist gegenüber einem Vorgesetzten bei Kongressanhörungen üblich.

Comey habe sich jedoch geweigert und "damit den Eindruck erweckt, er könne seine Pflichten nicht mehr erfüllen", hiess es. Allerdings sei Trump bereits seit Monaten über Comey verärgert gewesen.

Viel Kritik

Das Weisse Haus hatte am Dienstag mitgeteilt, Präsident Trump habe auf klare Empfehlungen des Justizministers Sessions und des stellvertretenden Generalbundesanwalts Rod Rosenstein gehandelt und Comey entlassen.

Der Entscheid war im politischen Washington wie ein Blitz eingeschlagen. Trumps Handeln werfe viele Fragen auf, kritisieren Abgeordnete beider Parteien.

Der demokratische Oppositionsführer im Senat, Chuck Schumer, warf Trump vor, einen «schrecklichen Fehler» begangen zu haben. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte der «Washington Post», aufgrund der Kontroversen um den FBI-Chef glaube er, dass ein Neuanfang dem FBI und dem Land gut tun würde.

Der Republikaner John McCain hingegen kritisierte Trumps Entscheidung. Auch wenn der Präsident das Recht zur Entlassung des FBI-Chefs habe, sei er von Trumps Schritt «enttäuscht», zitierte ihn der Sender CNN. (sda/dpa/reu)

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