Krim-Krise
Ukrainische Armee zieht sich zurück - Russland erbt sämtliche Standorte

Vor einem Krisentreffen der G7-Staaten hat die ukrainische Übergangs-Regierung am Montag den vollständigen Abzug ihrer Truppen von der von Russland einverleibten Krim angeordnet.

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Mit der Konstantin Olshansky übernehmen die Russen das letzte ukrainische Kriegsschiff auf der Krim.

Mit der Konstantin Olshansky übernehmen die Russen das letzte ukrainische Kriegsschiff auf der Krim.

Keystone

Am Montag nahmen russische Truppen auch ein Militärlager in der Hafenstadt Feodosija im äussersten Südosten der Krim ein. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden dabei bis zu 80 ukrainische Soldaten gefangen genommen. Der Kommandant des Bataillons und sein Stellvertreter seien per Helikopter an einen unbekannten Ort gebracht worden. Zudem seien mehrere Soldaten verletzt worden. Laut dem Ministerium wurden Schüsse abgefeuert.

Russischer Verteidigungsminister auf der Krim

Der russische Verteidigungsminister Schoigu machte sich als erster ranghoher Besucher der russischen Regierung seit der Übernahme der Krim ein Bild von den militärischen Einrichtungen vor Ort. Auch kam er mit früheren ukrainischen Soldaten zusammen, die sich den russischen Streitkräften angeschlossen hatten.

Der Minister ordnete an, alle Waffen und sonstige Militärgüter in den ehemals ukrainischen Stützpunkten zu sichern.

Die Konstantin Olshansky wurde von russischen Truppen gestürmt und die Besatzung zum Verlassen des Schiffs aufgefordert.
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Mit der Konstantin Olshansky übernehmen die Russen das letzte ukrainische Kriegsschiff auf der Krim.
Matrosen der Konstantin Olshansky fahren mit einem Gummiboot an Land.

Die Konstantin Olshansky wurde von russischen Truppen gestürmt und die Besatzung zum Verlassen des Schiffs aufgefordert.

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Rubel ersetzt ukrainische Währung

Am Montag wurde auf der Krim auch wie angekündigt der Rubel als zweite Währung neben der ukrainische Hrywnja eingeführt. In den Banken und Geschäften war von der Währungsumstellung zunächst jedoch wenig zu spüren.

Am Sonntagabend fiel in mehreren Regionen der Krim der Strom aus. Die Gründe hierfür waren unklar. Für die Strom- und Wasserversorgung ist die Ukraine zuständig.

Das ostukrainische Gebiet Donezk forderte unterdessen von der Regierung in Kiew eine grösstmögliche Dezentralisierung. "Ich bin für eine einige, ungeteilte Ukraine", sagte der Vorsitzende des Gebietsparlaments, Andrej Schischazki, am Montag vor Journalisten in Donezk.

Kein Referendum in Donezk geplant

Es müssten die Besonderheiten jeder Region berücksichtigt werden. So sollten die Regionen weitgehend über die von ihnen erarbeiteten Steuern bestimmen können. Die Führung in Kiew könne zudem Vertrauen im Osten gewinnen, wenn sie Russisch zur zweiten Staatssprache mache, sagte Schischazki.

Er stellte aber auch klar, dass in Donezk kein Referendum wie auf der Krim vorbereitet werde. Pro-russische Demonstranten hatten am Wochenende eine Volksabstimmung über einen Anschluss an Russland gefordert.

Staats- und Regierungschefs der sieben weltweit führenden Industrieländer (G7) reisten am Montag ins niederländische Den Haag. Am Rande eines Gipfels zur Atomsicherheit war ein G7-Krisentreffen zur Ukraine geplant. Russlands Staatschef Wladimir Putin war nicht eingeladen. Die Zukunft der G8-Runde, zu der auch Russland gehört, ist derzeit unklar.

Die EU und die USA haben bereits Kontensperren und Einreiseverbote gegen Vertraute von Präsident Putin verhängt. Die bisher verhängten Sanktionen haben die bereits seit einiger Zeit anhaltende Flucht ausländischer Investoren aus Russland beschleunigt.

Obama demonstriert Stärke

US-Präsident Barack Obama sagte nach seiner Ankunft in den Niederlanden, die USA und Europa seien "vereint in unserer Unterstützung für die ukrainische Regierung und die ukrainische Bevölkerung". Zudem seien sie "vereint darin, Russland die Kosten für sein Handeln aufzuerlegen".

Der rumänische Präsident Traian Basescu forderte eine Neupositionierung von NATO-Truppen. Dies sei angesichts des russischen Verhaltens "eine Notwendigkeit", sagte er in Bukarest. (sda)

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