Ukraine-Newsblog
Schon mehr als 1200 Leichen rund um Kiew gefunden ++ Kreml dementiert General-Mobilmachung ++ Kommt Selenski im Juli nach Lugano?

Alle Neuigkeiten und Reaktionen zum Ukraine-Krieg erfahren Sie in unserem Newsblog.

Online-Redaktion
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Das Wichtigste in Kürze

Über das mittlerweile sechste Sanktionspaket der EU soll ab Mittwoch in Brüssel beraten werden. Geplant ist, dass nach einer Auslaufphase von sechs Monaten ein Einfuhrverbot für russisches Rohöl gelten soll und nach einer Auslaufphase von acht Monaten auch ein Einfuhrverbot für Ölprodukte.

Mit massivem Raketenbeschuss auf ukrainische Eisenbahnanlagen versucht Russland den Nachschub an westlichen Waffen zu stoppen. Sechs Bahnhöfe im Westen und in der Mitte der Ukraine seien am Dienstag getroffen worden.

Nach einer erfolgreichen Rettungsaktion für Zivilisten aus Mariupol setzt Präsident Selenski auf weitere Evakuierungen. Eine Gruppe von 156 Frauen, Kindern und älteren Menschen war am Dienstag in der Stadt Saporischschja eingetroffen.

Greift Weissrussland bald in den Krieg ein?

Gemäss der Zeitung Kyiv Independent hat der Grenzdienst der Ukrainer mitgeteilt, dass das Land bereit wäre, falls Weissrussland ebenfalls in den Krieg eintreten würde.

Demnach hat Weissrussland erklärt, dass es am heutigen Mittwoch mit gross angelegten Übungen begonnen habe, bei welchen die Kampfbereitschaft getestet werden soll. Allerdings, schreibt die Zeitung weiter: Anwohner berichteten, sie hätten Kolonnen von Militärfahrzeugen gesehen, die sich in Richtung Ukraine und Litauen bewegten. (cri)

Gesamthaft 1200 Leichen rund um Kiew gefunden

In der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew werden auch mehr als einen Monat nach dem Abzug der russischen Truppen beinahe täglich weitere Leichen von Zivilisten gefunden. Bis Mittwoch seien insgesamt 1235 ermordete Zivilisten entdeckt worden, teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Olexander Pawljuk, am Mittwoch im Nachrichtendienst Telegram mit. Davon seien 282 immer noch nicht identifiziert. Erst am Dienstag seien 20 neue Todesopfer mit Folterspuren in Leichenhallen gebracht worden.

Der russische Angriffskrieg auf das Nachbarland dauert bereits seit Ende Februar. Grosse Teile nördlich und nordwestlich der Hauptstadt waren einen Monat lang von russischen Truppen besetzt. Der Fund von Leichen in Städten wie Butscha – einige der Toten mit gefesselten Händen – sorgte weltweit für Entsetzen. Moskau dementiert, dafür verantwortlich zu sein. Die Vereinten Nationen beziffern nach mehr als zwei Monaten Krieg die Gesamtzahl der getöteten Zivilisten auf mehr als 3200. Sie gehen aber von weitaus höheren Opferzahlen aus. (dpa)

Kreml kritisiert Dynamik in Friedensverhandlungen

Russland hat der Ukraine die Schuld an fehlender Bewegung in den Verhandlungen um eine Friedenslösung nach mehr als zwei Monaten Krieg gegeben. «Auf dem Verhandlungsweg kann man nach wie vor kaum von Dynamik sprechen, im Gegenteil», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Das liege daran, dass die ukrainische Führung ständig ihren Standpunkt ändere. Zudem drohe sie immer wieder damit, aus den Gesprächen auszusteigen. «Das gibt kaum Zuversicht, dass der Verhandlungsprozess mit irgendeinem Ergebnis endet», sagte Peskow.

Dmitri Peskow, Kremlsprecher.

Dmitri Peskow, Kremlsprecher.

Keystone

Nach dem vor zehn Wochen von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlenen Angriff auf die Ukraine hat der Kreml der ukrainischen Führung schon mehrfach vorgeworfen, die Verhandlungen zu verzögern. Erst am Dienstag beklagte Putin in einem Telefonat mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine «inkonsequente Haltung» der ukrainischen Verhandlungsführer. Kiew wirft Moskau im Gegenzug vor, Verhandlungsangebote zu ignorieren. (dpa)

Kreml dementiert Generalmobilmachung

Mit Blick auf den Krieg gegen die Ukraine hat der Kreml Spekulationen über eine bevorstehende Generalmobilmachung in Russland zurückgewiesen. «Das ist nicht wahr. Das ist Unsinn», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Auf die Frage, ob Präsident Wladimir Putin zum «Tag des Sieges» über Hitler-Deutschland am 9. Mai der Ukraine den Krieg erklären könnte, sagte Peskow ebenfalls: «Nein. Das ist Unsinn.» Der Kreml bezeichnet die Kämpfe im Nachbarland stets nur als «militärische Spezial-Operation».

Russland feiert am 9. Mai traditionell mit einer grossen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau das Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Bild: die Parade vom 9. Mai 2021

Russland feiert am 9. Mai traditionell mit einer grossen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau das Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Bild: die Parade vom 9. Mai 2021

Keystone

Mehrere Medien hatten Mutmassungen aufgegriffen, Putin könnte am Montag die allgemeine Mobilmachung von Soldaten und Reservisten ausrufen, um die stockende Offensive in der Ukraine voranzutreiben. (dpa)

Nach Ausladung: Steinmeier zu Gespräch mit Selenski bereit

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Ukraine weitere deutsche Hilfe zugesichert und zugleich seine Gesprächsbereitschaft gegenüber Präsident Wolodimir Selenski betont. «Wir Deutsche unterstützen die Ukraine aus vollem Herzen», sagte Steinmeier am Mittwoch. Diese Unterstützung bringe er bei Besuchen wie in Rumänien zum Ausdruck - «und natürlich auch im Austausch mit meinem ukrainischen Amtskollegen, wenn das möglich ist».

Mitte April hatte die Ukraine Steinmeier ausgeladen und damit für erhebliche Verstimmungen gesorgt. Der Bundespräsident wollte eigentlich gemeinsam mit den Staatschefs aus Polen und den baltischen Staaten nach Kiew. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nennt die Absage als Grund dafür, dass er selbst trotz einer mehrfach ausgesprochenen Einladung nicht nach Kiew fährt. (dpa)

Scholz verteidigt deutschen Kurs bei Waffenlieferungen

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz hat den Kurs seiner Regierung für Waffenlieferungen an die Ukraine verteidigt. Es gebe eine sehr präzise Linie, die unverändert verfolgt werde, sagte Scholz am Mittwoch.

Die Koalition sei sich völlig einig darüber, was hier zu tun sei. Es seien Rüstungsgüter aus den Beständen der Bundeswehr geliefert worden, und es werde geschaut, was noch gehe. Anhand einer mit der Ukraine erörterten Liste würden Bestellvorgänge ausgelöst. Deutschland beteilige sich an Ringtauschen. So handele das Land «komplett identisch» etwa wie die USA, Grossbritannien oder Frankreich. (dpa)

Moskau stellt weitere Evakuierungen aus Stahlwerk in Aussicht

Ungeachtet neuer russischer Angriffe auf das belagerte Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat Moskau weitere Evakuierungen von Zivilisten in Aussicht gestellt. Russlands Militär habe den in den Werksgebäuden verschanzten ukrainischen Kämpfern mehrfach angeboten, Zivilisten freizulassen und selbst die Waffen niederzulegen, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. «Wir setzen diese Versuche fort.» Zuvor hatte bereits die ukrainische Seite mitgeteilt, sich auf eine neue Evakuierungsaktion vorzubereiten. (dpa)

Russland will bei Militärparade neue Raketenwerfer zeigen

Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine will Russland bei der traditionellen Militärparade am 9. Mai auf dem Roten Platz auch in diesem Jahr neue Waffen präsentieren. «Erstmals werden in der motorisierten Kolonne moderne Mehrfach-Raketenwerfer vom Typ Tornado-G mit 122 Millimeter Kaliber über den Roten Platz rollen», kündigte Verteidigungsminister Sergej Schoigu an.

Insgesamt sind zum «Tag des Sieges» - dem Jahrestag des Siegs der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland 1945 - in 28 russischen Städten Militärparaden geplant. Beim landesweit grössten Aufmarsch in Moskau sollen 11'000 Soldaten und 131 Militärfahrzeuge zu sehen sein. Ausserdem sollen 77 Helikopter und Flugzeuge teilnehmen. Präsident Wladimir Putin wird eine Rede halten. (dpa)

Ukraine-Flüchtlinge: Neue Zahlen vom Staatssekretariat für Migration

Laut dem Staatssekretariat für Migration SEM sind in der Schweiz seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine 45’855 Geflüchtete registriert worden. Das sind 544 Personen mehr als am Vortag. 40’016 Personen haben den S-Status erhalten.

EU bringt Sanktionen gegen grösste russische Bank auf den Weg

Nach zahlreichen anderen russischen Finanzinstituten soll nun auch die marktführende Sberbank aus dem internationalen Finanzkommunikationssystem Swift ausgeschlossen werden. «Wir koppeln die Sberbank — die mit Abstand grösste russische Bank, und zwei weitere grosse Banken von Swift ab», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch im Europaparlament. Dadurch treffe man Banken, die für das russische Finanzsystem relevant seien, und schränke die Fähigkeit von Präsident Wladimir Putin zu weiteren Zerstörungen ein. (dpa)

Russland verhängt Einreiseverbot für japanischen Premierminister

Russland hat als Antwort auf Sanktionen ein Einreiseverbot für 63 Japaner verhängt, unter ihnen auch Premier Fumio Kishida. «Die Regierung von F. Kishida hat eine beispiellose antirussische Kampagne gestartet und erlaubt sich eine unzulässige Rhetorik gegenüber der Russischen Föderation, unter anderem mit Verleumdungen und direkten Drohungen», begründete das russische Aussenministerium am Mittwoch in einer Stellungnahme die Einreiseverbote. Tokio zerstöre mit seinen Handlungen die «gutnachbarschaftlichen Beziehungen» und schädige die Wirtschaft und das Image Russlands, hiess es weiter. (dpa)

Kommt Selenski im Juli in die Schweiz? Die Vorbereitungen laufen

Am 4. und 5. Juli findet in Lugano die Ukraine-Konferenz statt. Eingeladen ist unter anderem auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski. Ob er tatsächlich in die Schweiz kommt, ist völlig offen und vom weiteren Kriegsverlauf abhängig. Der Bund allerdings bereitet sich laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» akribisch auf den hohen Besuch vor. Es wäre die erste Auslandsreise von Selenski seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022.

Schon Ende März hatte Selenski in einer Video-Ansprache vor pro-ukrainischen Demonstranten in Bern von einer Reise ins Tessin gesprochen und bejaht, die Ukraine-Konferenz durchführen zu können: «Ich glaube, ja, ich weiss sogar, dass wir sie abhalten können. Noch in diesem Jahr. In Ihrem Land.» Das Aussendepartement gab sich damals noch vorsichtig. (fan)

Lesen Sie hier den ganzen Artikel vom 21. März 2022:

Polen zählt 3,14 Millionen Ukraine-Flüchtlinge

Rund 3,14 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine haben sich seit Beginn der russischen Angriffskriegs ins Nachbarland Polen in Sicherheit gebracht. Das teilte der polnische Grenzschutz am Mittwoch auf Twitter mit. Allein am Dienstag seien 19'400 Menschen angekommen - ein leichter Anstieg um 4 Prozent im Vergleich zum Vortag.

In Richtung Ukraine überquerten 15'800 Menschen die Grenze. Insgesamt sind damit seit Kriegsbeginn eine Million Menschen in die Ukraine eingereist. Dabei handelt es sich meist um ukrainische Staatsbürger, die in Gebiete reisen, die von der ukrainischen Armee zurückerobert wurden. (dpa)

Von der Leyen zu Kriegsverbrechern: «Wir wissen, wer Sie sind»

Verantwortliche für Kriegsverbrechen in der Ukraine sollen mit EU-Strafmassnahmen belegt werden. Man führe eine Liste mit hochrangigen Offizieren und anderen Einzelpersonen, die in Butscha Kriegsverbrechen begangen hätten und die für die unmenschliche Belagerung der Stadt Mariupol verantwortlich seien, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Somit erhielten alle «Kriegsknechte des Kremls» ein weiteres eindeutiges Signal: «Wir wissen, wer Sie sind, und Sie werden zur Verantwortung gezogen», so von der Leyen.  (dpa)

EU will drei russischen Sendern Sendefrequenzen streichen

Die Europäische Union will nach RT und Sputnik drei weitere russische Staatssender verbieten. Man werde ihnen die Sendefrequenzen streichen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch im Strassburger Europaparlament. Sie dürften ihre Inhalte in der EU nicht weiter verbreiten, egal ob über Kabel, Satellit, das Internet oder über Smartphone-Apps. «Als Sprachrohre Putins haben diese Fernsehkanäle seine Lügen und Propaganda erwiesenermassen aggressiv verbreitet.» Man solle ihnen keine Bühne mehr zur Verbreitung dieser Lügen geben. (dpa)

Von der Leyen: Zukunft der EU wird auch in der Ukraine entschieden

Der Verlauf des russischen Kriegs gegen die Ukraine entscheidet nach den Worten von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auch über die Zukunft der Europäischen Union. Die Ukrainerinnen und Ukrainer kämpften für grundlegende Ideen: «Dass sie Herr ihrer eigenen Zukunft sind – und nicht irgendein ausländischer Anführer. Dass das Völkerrecht massgeblich ist und nicht das Recht des Stärkeren. Und dass Putin einen hohen Preis für seinen brutalen Angriffskrieg zahlen muss», sagte die deutsche Politikerin. (dpa)

Minsk schickt schnelle Eingreiftruppe in unangekündigtes Manöver

Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs prüft Weissrussland in einem unangekündigten Militärmanöver seine schnelle Eingreiftruppe. Während der Inspektion müssen «die Truppenteile und Einheiten Aspekte der Gefechtsbereitschaft, des Marschs in die befohlenen Einsatzgebiete und der Durchführung von Gefechtsaufgaben einüben», teilte das weissrussische Verteidigungsministerium mit.

Das Manöver dient der Abwehr von Boden- und Luftangriffen. Die Anzahl der beteiligten Truppenteile würden schrittweise vergrössert. Die Militärübung «birgt keine Gefahr, weder für die europäische Gesellschaft im Ganzen noch für die Nachbarländer im Besonderen», betonte die weissrussische Führung. (dpa)

EU strebt Boykott von russischem Öl an - die Nacht im Überblick

Angesichts des Moskauer Angriffskrieges auf die Ukraine strebt die Europäische Union einen Importstopp für russisches Öl an. Das sieht der Vorschlag der EU-Kommission und des Europäischen Auswärtigen Dienstes für ein neues Paket mit Russland-Sanktionen vor, wie die Deutsche Presse-Agentur in Brüssel in der Nacht zum Mittwoch erfuhr.

Über der Ukraine ging am Dienstagabend ein Hagel russischer Raketen und Marschflugkörper nieder. Ziel der Angriffe war nach Kiewer Angaben die ukrainische Eisenbahn und deren Stromversorgung, um den Nachschub an Waffen für die Ukraine zu unterbrechen.

Ölboykott mit Ausnahmen

Über das mittlerweile sechste Sanktionspaket der EU soll ab Mittwoch in Brüssel beraten werden. Es könnte binnen weniger Tage beschlossen werden, wenn es aus den 27 Mitgliedsstaaten keine grossen Einwände gibt. Geplant ist, dass nach einer Auslaufphase von sechs Monaten ein Einfuhrverbot für russisches Rohöl gelten soll und nach einer Auslaufphase von acht Monaten auch ein Einfuhrverbot für Ölprodukte.

Weitreichende Ausnahmeregeln sind den Informationen zufolge nur für Ungarn und die Slowakei geplant. Sie beziehen derzeit noch einen Grossteil ihres Ölbedarfs aus Russland und können nicht so schnell umsteuern. Deutschland sieht sich zu einem Umsteuern bereit, auch wenn Preissteigerungen absehbar sind. Neben dem Öl-Embargo will die EU russische Banken mit neuen Strafmassnahmen belegen, ebenso TV-Sender, die Falschinformationen zum Ukraine-Krieg verbreiten.

Russische Raketen gegen ukrainische Eisenbahn

Mit massivem Raketenbeschuss auf ukrainische Eisenbahnanlagen versucht Russland den Nachschub an westlichen Waffen zu stoppen. Sechs Bahnhöfe im Westen und in der Mitte der Ukraine seien am Dienstag getroffen worden, teilte die staatliche Bahngesellschaft mit. Opfer unter den Angestellten und Passagieren habe es nicht gegeben. Die Raketen trafen auch drei Umspannwerke im westukrainischen Gebiet Lwiw und eins in den Transkarpaten an der Grenze zu Ungarn. Auch dabei ging es angeblich darum, die Stromversorgung der Bahn zu treffen.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe schoss Russland mehr als 20 Raketen und Marschflugkörper auf fast alle Teile der Ukraine ab. Viele Raketen seien von Langstreckenbombern über dem Kaspischen Meer abgefeuert worden. Es war eine der schwersten Angriffswellen seit dem russischen Überfall am 24. Februar. Mittwoch ist der 70. Kriegstag.

Politisch deutete Präsident Wolodimir Selenski die Angriffe trotzdem als Zeichen einer Schwäche Moskaus. «Offensichtlich hat das russische Militär heute äusserst nervös auf unsere Erfolge reagiert», sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Ein klares militärisches Ziel der Attacken sei nicht zu erkennen. Die Russen kaschierten nur ihre Ohnmacht, «weil die Ukraine zu stark für sie ist», sagte Selenski.

Merz kehrt mit Ratschlägen aus Kiew heim

Nach seinem Besuch in Kiew empfahl CDU-Chef Friedrich Merz Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), ebenfalls persönlich in die Ukraine zu reisen. Er habe den Präsidenten, den Ministerpräsidenten, den Parlamentspräsidenten und Oppositionsführer sowie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko getroffen, sagte Merz am Dienstagabend. Scholz lehnt eine Reise nach Kiew derzeit ab, weil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im April kurzfristig ausgeladen worden war.

Hoffnung auf weitere Evakuierungen aus Mariupol

Nach einer erfolgreichen Rettungsaktion für Zivilisten aus Mariupol setzt Präsident Selenski auf weitere Evakuierungen. Die Gruppe von 156 Frauen, Kindern und älteren Menschen war am Dienstag in der Stadt Saporischschja eingetroffen.

Das bringt der Tag

Das Europaparlament berät am Mittwoch in Strassburg über die Lage im Ukraine-Krieg. Dort will auch EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen das neue Sanktionspaket vorstellen.

Tote im Donbass und Stromausfälle in Westukraine nach Bombenangriffen

In der ostukrainischen Region Donezk sind infolge russischer Angriffe nach ukrainischen Angaben mindestens 21 Zivilisten getötet worden. Weitere 27 wurden verletzt, teilte die Gebietsverwaltung am Dienstag in ihrem Telegram-Kanal mit. Zu zivilen Opfer sei es demnach vor allem in den umkämpften Städten Awdijiwka, Lyman und Wuhledar gekommen. Im benachbarten Gebiet Luhansk hat es laut dem Gouverneur Serhij Hajdaj um die Stadt Popasna die schwersten Kämpfe gegeben.

Im westukrainischen Gebiet Lwiw haben russische Raketenangriffe nach Behördenangaben zu Stromausfällen geführt. Drei Umspannwerke seien dabei beschädigt worden. Tote und Verletzte in bislang noch unbekannter Zahl hat es demnach bei Raketeneinschlägen im zentralukrainischen Gebiet Kirowohrad gegeben. Im Gebiet Winnyzja und bei der Hauptstadt Kiew, wo sich am Dienstag der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj traf, hingegen seien die russischen Raketen abgeschossen worden.

Erstmals wurde auch das Gebiet Transkarpatien im äussersten Westen Ziel eines Raketenangriffs. Dabei sei ein Infrastrukturobjekt in den Bergen getroffen worden. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die Behörden des Gebiets Odessa berichteten, eine russische Kampfdrohne abgeschossen zu haben.

Russland führt seit mehr als zwei Monaten einen Angriffskrieg gegen den Nachbarstaat. Die UN haben bisher rund 3200 zivile Todesopfer erfasst, gehen aber von weitaus höheren Opferzahlen aus. (dpa)

Biden zu Russlands Ukraine-Krieg: Müssen uns gegen Diktatoren stellen

US-Präsident Joe Biden hat die US-Unterstützung der Ukraine mit Waffen gegen Russland verteidigt. «Denn die Geschichte hat uns gezeigt, dass Diktatoren immer wieder kommen, wenn man sich ihnen nicht entgegenstellt», sagte Biden am Dienstag beim Besuch einer Waffenfabrik in Troy im US-Bundesstaat Alabama. Ihr Machthunger werde immer grösser. «Entweder unterstützen wir das ukrainische Volk bei der Verteidigung seines Landes, oder wir sehen zu, wie Russland seine Gräueltaten und Aggression fortsetzt», so Biden.

US-Präsident Joe Biden beim besuch in einer Waffenfabrik.

US-Präsident Joe Biden beim besuch in einer Waffenfabrik.

Keystone

Jeden Tag seien in den Nachrichten die Gräueltaten und Kriegsverbrechen zu sehen, die von den russischen Streitkräften in der Ukraine unter der Leitung von Russlands Präsident Wladimir Putin begangen würden, so Biden weiter. «Wir sehen die unglaubliche Tapferkeit der ukrainischen Kämpfer, die ihr Land mit allem, was sie haben, verteidigen.» Die USA würden gemeinsam mit ihren Verbündeten sicherstellen, dass die Ukraine sich gegen «Putins brutalen Krieg» verteidigen könne. (dpa)

Kiew meldet neue russische Bodenangriffe im Donbass-Gebiet

Die russischen Truppen haben nach ukrainischen Angaben versucht, weiter von Norden her auf das Donbass-Gebiet in der Ostukraine vorzustossen, um die dort stationierten Truppen Kiews einzukesseln. Einzelne Einheiten aus Panzer- und Infanterietruppen sowie Fallschirmjäger führten entlang der Linie Isjum - Barwenkowe Angriffe durch, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Dienstag mit. «Zur Unterstützung ihrer Aktivitäten haben die Okkupanten aus dem Gebiet Belgorod Batterien der schweren Tjulpan-Mörser mit 240 Millimeter Kaliber und Raketenwerfer vom Typ Smertsch in den Raum Isjum verlegt», heisst es.

Zudem habe das russische Militär Angriffe in Richtung Liman, Sjewjerodonezk, Popasna, Awdijiwka und Kurachowe konzentriert, um seine Offensive Richtung Liman Siwersk und Slowjansk voranzutreiben. Über Geländegewinne ist nichts bekannt. Der ukrainische Generalstab teilte lediglich mit, dass die russischen Angreifer Verluste erlitten hätten. Die russische Seite macht schon seit längerem keine Angaben zu Bewegungen von Bodentruppen. (dpa)

Moskau: Zivilisten in Mariupol dürfen Richtung Ukraine ziehen

Das russische Militär hat Vorwürfe zurückgewiesen, Zivilisten die freie Ausreise auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zu verwehren. Seit dem 4. März öffneten die russischen Streitkräfte in Mariupol täglich «Fluchtkorridore ohne irgendwelche Einschränkungen für die Evakuierung von Zivilisten, in erster Linie Frauen, Kindern und älteren Menschen in jeder von ihnen gewählten Richtung», erklärte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium am Dienstag.

Die russische Militärführung antwortete damit auf eine Forderung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der zuvor in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin gefordert hatte, den Evakuierten entsprechend internationalem Recht freie Wahl über ihren Zielort zu lassen. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Berichte gegeben, dass Zivilisten aus der schwer zerstörten ukrainischen Hafenstadt gegen ihren Willen nach Russland oder in die russisch kontrollierten Gebiete des Donbass verbracht wurden. (dpa)

Friedrich Merz erschüttert über Kriegszerstörung in der Ukraine

CDU-Chef Friedrich Merz hat sich bei seinem Besuch in Kiew bestürzt über die Zerstörungen durch den russischen Angriffskrieg gezeigt und Russland «Verbrechen» vorgeworfen. «Ich bin wirklich vollkommen erschüttert hier gewesen, bin es immer noch, diese Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf», sagte Merz am Dienstagabend nach einem Gespräch mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko.

Im Kiewer Vorort Irpin habe er gesehen, dass auch Kulturzentren, Kindergärten und Krankenhäuser getroffen worden seien und wie sich der Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung richte. «Sowas kann man nicht im Fernsehen alleine nur sehen, das muss man mal gesehen haben, um die ganze Tragik auch solcher Angriffe mal zu erfassen», sagte der Oppositionsführer.

Er bekräftigte seine Unterstützung für Waffenlieferungen an die Ukraine. «Ich fühle mich in der Entscheidung, die wir in der letzten Woche im Deutschen Bundestag getroffen haben, sehr bestätigt, dass wir diesem Land helfen», sagte Merz. Dafür habe er Dankbarkeit seiner Gesprächspartner erfahren. Auch einen EU-Beitrittsstatus für die Ukraine unterstützte er. Mit Präsident Wolodimir Selenskyi habe er ein mehr als einstündiges Gespräch geführt, fügte Merz hinzu. Zu den Inhalten wolle er aber nichts öffentlich sagen, sondern zunächst Bundeskanzler Olaf Scholz informieren. (dpa)

Klitschko kritisiert Offenen Brief: «Blinder Pazifismus gefährlich»

Der frühere Profiboxer Wladimir Klitschko geht mit einem von deutschen Intellektuellen verfassten Offenen Brief gegen Waffenlieferungen an die Ukraine hart ins Gericht. «Blinder Pazifismus ist genauso gefährlich wie glückselige Kriegstreiberei», schrieb der Bruder des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». «Das absolut Gute ist nicht der Frieden, sondern die Freiheit und die Gerechtigkeit. Und um sie zu verteidigen, muss man kämpfen.»

Die Feministin Alice Schwarzer und andere Prominente wie der Schriftsteller Martin Walser hatten in dem am Freitag veröffentlichten Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) appelliert, weder direkt noch indirekt schwere Waffen an die Ukraine zu liefern, um dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kein Motiv für eine Ausweitung des Krieges auf die Nato-Staaten zu geben. Sie forderten Anstrengungen für einen raschen Waffenstillstand und einen «Kompromiss, den beide Seiten akzeptieren können». Der Brief fand digital Zehntausende Unterstützer, traf aber auch auf heftige Kritik.

Klitschko schrieb in dem am Dienstag online veröffentlichten Beitrag: «Unseren Widerstand als Kriegstreiberei zu beschreiben und als eine Provokation Putins darzustellen, ist völliger Unsinn.» Für Putin sei schon die Existenz der Ukraine eine Provokation. «Also nein, wir werden unsere Identität nicht aufgeben, um den mörderischen Wahnsinn und die überholten Träume eines Diktators zu besänftigen. Und schon gar nicht, um einigen ‹Intellektuellen› zu gefallen, die den Sinn für die Realität und die Vernunft verloren zu haben scheinen.» (dpa)

US-Verteidigungsminister: Weitere Eskalation durch Russland denkbar

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hält eine weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für denkbar. Es gebe mehrere Dinge, die der russische Präsident Wladimir Putin zur Eskalation tun könne, sagte Austin am Dienstag bei einer Anhörung im US-Senat auf eine entsprechende Frage. Dazu gehöre beispielsweise eine grössere Cyber-Attacke oder der Einsatz von chemischen oder biologischen Waffen. Und schon jetzt sei Putins Vorgehen - mit Angriffen auf die Zivilbevölkerung, der Zerstörung von Städten und Dörfern und wahllosen Attacken - eine Eskalation.

Austin betonte zugleich mit Blick auf den Kremlchef: «Er kann diesen Krieg heute beenden.» Putin habe diesen Krieg gewählt und könne jederzeit entscheiden, die Kämpfe einzustellen und seine Streitkräfte aus der Ukraine abzuziehen. «Dies ist die Entscheidung eines einzelnen Mannes.»

Auf die Frage, ob im Fall einer weiteren Eskalation durch Russland doch ein Einsatz von US-Soldaten denkbar wäre, sagte Austin: «Das ist eine politische Entscheidung, die mein Chef zu treffen hat.» US-Präsident Joe Biden hat bislang kategorisch ausgeschlossen, amerikanische Soldaten in die Ukraine zu schicken, um eine direkte militärische Konfrontation der USA mit Russland zu vermeiden. (dpa)

Macron spricht mit Putin über Mariupol

Erstmals seit Ende März hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum Krieg in der Ukraine telefoniert. Das Gespräch am Dienstag habe mehr als zwei Stunden gedauert, hiess es aus dem Élyséepalast. Weitere Details nannte Paris zunächst nicht. Der Kreml teilte mit, Putin habe Macron über die «Befreiung» der ukrainischen Hafenstadt Mariupol durch russische Truppen informiert sowie über die erfolgreiche Evakuierung von Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk Azovstal.

Zum Telefonat mit Macron teilte der Kreml weiter mit, Putin habe beklagt, dass die europäischen Länder den ukrainischen Beschuss von Ortschaften im Donbass ignorierten. Der Westen hätte den Tod von Zivilisten etwa durch das Einstellen von Waffenlieferungen vermeiden können, hiess es. (dpa)

Bundesrat soll künftig eigenständig Sanktionen ergreifen dürfen

Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats (APK-N) will den Bundesrat ermächtigen, selbst Sanktionen zu ergreifen und neben Staaten auch gegen Einzelpersonen und Unternehmen anzuwenden – etwa, wenn diese Menschenrechte verletzen. Das wäre ein Paradigmenwechsel.

Die Kommission stimmte einer entsprechenden Revision des Embargo-Gesetzes zu, wie die Parlamentsdienste mitteilten. Der Entscheid fiel demnach mit 18 zu 6 Stimmen. (zen)

UNO: Über 100 Personen aus Stahlwerk in Mariupol evakuiert

Mehr als 100 Menschen wurden aus dem von der russischen Armee belagerten ukrainischen Stahlwerk Azovstal in Mariupol nach Saporischschja evakuiert. Einige seien verletzt, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit, das den Konvoi der Flüchtenden am Dienstag gemeinsam mit Vertretern der Vereinten Nationen begleitete. Laut dem Roten Kreuz verliessen das Stahlwerk auch weitere Menschen und machten sich selbstständig zu anderen Zielorten auf.

«Es ist eine riesige Erleichterung, dass manche Zivilisten, die wochenlang gelitten haben, nun draussen sind», sagte IKRK-Präsident Peter Maurer. Am Wochenende waren mit internationaler Hilfe bereits mehr als 120 Menschen aus dem Werksgelände gerettet worden.

Die ukrainischen Gesundheitsbehörden sowie freiwillige Helferinnen und Helfer, Ärzte ohne Grenzen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien für alle medizinischen Notfälle der Ankommenden in Saporischschja gewappnet, sagte die WHO-Koordinatorin vor Ort, Dorit Nitzan, am Dienstag per Video zu Reportern in Genf. Viele Frauen und Kinder aus Mariupol seien eingetroffen. (dpa)

Boris Johnson sichert Ukraine weitere Hilfe zu

Der britische Premierminister Boris Johnson hat der Ukraine die nachhaltige Unterstützung seines Landes zugesichert und den russischen Präsidenten Wladimir Putin scharf kritisiert. «Es geht um ukrainische Demokratie gegen Putins Tyrannei», sagte Johnson am Dienstag in einer Videoansprache an das ukrainische Parlament. «Es geht um Freiheit gegen Unterdrückung. (...) Es geht um Gut gegen Böse. Und deshalb muss die Ukraine gewinnen.» Johnson lobte den Mut und Einsatz der ukrainischen Truppen als «eines der glorreichsten Kapitel in der Militärgeschichte und im Leben Ihres Landes».

Johnson räumte Fehler ein. «Die Wahrheit ist, dass wir zu langsam waren, um zu begreifen, was wirklich passiert, und wir haben gemeinsam dabei versagt, damals die Sanktionen gegen Wladimir Putin zu verhängen, die wir hätten verhängen müssen. Wir dürfen nicht denselben Fehler wiederholen.» Johnson kündigte an, dass die britische Botschaft in Kiew wiedereröffnet werde.

Zugleich werde Grossbritannien weiterhin Waffen liefern, sagte Johnson. In den kommenden Wochen werde die Ukraine Anti-Schiffsraketen vom Typ Brimstone und Flugabwehrsysteme vom Typ Stormer erhalten. Hinzu kämen 13 gepanzerte Fahrzeuge für die Evakuierung von Zivilisten. Hinzu komme weitere Militärhilfe im Wert von 300 Millionen Pfund (rund 367 Mio. Franken). (dpa)

CDU-Vorsitzender Merz in Ukraine angekommen - Zunächst Besuch in Irpin

Der in die Ukraine gereiste CDU-Vorsitzende Friedrich Merz ist in Kiew angekommen. Zunächst informierte er sich am Dienstag in Irpin nahe der ukrainischen Hauptstadt über die dortigen Kämpfe in den vergangenen Wochen. Der Oppositionsführer zollte den ukrainischen Streitkräften für ihren Abwehrkampf gegen die russische Invasion «jeden Respekt» und «grosse Anerkennung», wie er im Sender Welt sagte. «Ich denke, wir sind in Deutschland auch weiter verpflichtet, diesem Land weiter zu helfen und gerade einer solchen Stadt wie Irpin auch beim Wiederaufbau zu helfen.»

Merz war über Nacht mit dem Zug in die Ukraine gereist. Er wollte dort unter anderem auch den ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal und Bürgermeister Vitali Klitschko treffen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus ukrainischen Regierungskreisen erfuhr. Ein Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj sei zunächst nicht geplant, hiess es. (dpa)

Stahlwerk in Mariupol offenbar gestürmt

In der heftig umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben russische Truppen Medienberichten zufolge mit der Erstürmung des belagerten Stahlwerks Azovstal begonnen. «Die ganze Nacht haben sie uns aus der Luft bombardiert (...) und jetzt wird Azovstal gestürmt», zitierte etwa die Zeitung «Ukrajinska Prawda» am Dienstag den Vizekommandeur des ukrainischen Asow-Regiments, Swjatoslaw Palamar. Bei den jüngsten russischen Angriffen seien auch zwei Zivilisten getötet worden, sagte Palamar demnach.

Von russischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete jedoch unter Berufung auf einen Sprecher des Verteidigungsministeriums, auf dem Werksgelände verschanzte Asow-Kämpfer hätten eine Feuerpause genutzt, um an ihre Schiesspositionen zurückzukehren. Diese würden nun mit Artillerie und aus der Luft attackiert. Ein Video auf Twitter zeigt offenbar zudem, wie im Gebiet Rauch aufsteigt.

Auf dem Werksgelände sollen neben ukrainischen Kämpfern auch noch rund 200 Zivilisten festsitzen. Am Wochenende waren zwar mit internationaler Hilfe mehr als 120 Menschen gerettet worden. Eine weitere geplante Evakuierungsaktion am Montag scheiterte jedoch. (dpa)

UN: Mehr als 3100 tote Zivilisten während Krieg in Ukraine

Nach UN-Schätzungen wurden vom 24. Februar bis zum 1. Mai 3163 Zivilisten in der Ukraine getötet und 3316 Menschen verletzt. Diese Zahlen wurden von der UNO bereitgestellt.

Unter den Toten waren laut UNO 1115 Männer, 722 Frauen, 71 Mädchen und 83 Buben sowie 72 Kinder und 1090 Erwachsene, deren Geschlecht noch nicht bestimmt ist.

Auf dem Territorium der selbsternannten DVR und LPR wurden nach UN-Angaben 99 Zivilisten getötet und 385 verletzt.

Die tatsächliche Zahl sei allerdings höher, schreibt die Uno, «weil viele Berichte noch weiterer Bestätigung bedürfen», was aufgrund der anhaltenden Kämpfe teilweise zurzeit nicht möglich sei. (watson.ch)

Boris Johnson räumt Schwächen bei Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen ein

Der britische Premierminister Boris Johnson hat Schwächen bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine eingeräumt. «Hätten wir schneller handeln können? Ja, vermutlich hätten wir das», antwortete Johnson am Dienstag in einem Interview des Senders ITV auf die Frage nach Grossbritanniens Aufnahme von Schutzsuchenden aus der Ukraine. Bislang habe sein Land 86'000 Visa ausgestellt und 27'000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen.

Boris Johnson.

Boris Johnson.

Matt Dunham / AP

Die britische Regierung setzt in ihrem Programm auf die Unterstützung von Privatleuten, die freiwillig Menschen für mehrere Monate gegen eine kleine Aufwandsentschädigung bei sich aufnehmen. Johnson betonte, sein Land habe bereits «sehr viel getan für ukrainische Frauen und Kinder».

Der «Guardian» berichtete am Dienstag, die britische Innenministerin Priti Patel müsse sich auf eine Sammelklage im Namen Hunderter Flüchtlinge aus der Ukraine vorbereiten, da das britische System Tausende wochenlang stranden lasse, die ohne eine schnelle Abwicklung nicht ins Land gelangen können. (dpa)

400'000 Ukraine-Geflüchtete in Deutschland, in der Schweiz rund 10 Mal weniger

In Deutschland sind inzwischen mehr als 400'000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Das teilt die Bundespolizei am Dienstag mit. Die meisten von ihnen seien Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Über eine mögliche Weiterreise in ein anderes EU-Land oder eine Rückkehr von nach Deutschland geflüchteten Menschen in die Ukraine liegen keine verlässlichen Daten vor.

Zum Vergleich: In der Schweiz sind gemäss Angaben des Staatssekretariat für Migration (SEM) bisher rund 45'300 Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. 38'225 Personen haben – Stand Montag, 2. Mai – den Schutzstatus S erhalten. (cri)

Putin-Partei will in der Ukraine einen eigenen Staat gründen

Die zweite Phase des russischen Angriffskrieges läuft. Nachdem die Einnahme von Kiew gescheitert ist, konzentriert sich die Armee von Wladimir Putin auf den Osten der Ukraine. Ein geheimes «Manifest» zeigt, dass Spitzenpolitiker von «Geeintes Russland» von einem neuen Staat auf ukrainischem Boden träumen. Auf dem Schlachtfeld läuft es indes weiterhin nicht wirklich nach Plan der Russen.

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Ukraine besorgt über mögliche Ausweitung des Kriegs durch Russland

In der Ukraine gibt es Sorge vor einer deutlichen Ausweitung russischer Angriffe in den kommenden Wochen. Mehrere ukrainische Medien griffen am Dienstag einen Bericht des US-Senders CNN zu Spekulationen auf, dass Kremlchef Wladimir Putin bereits in wenigen Tagen in Russland den Kriegszustand verhängen und eine Generalmobilmachung anordnen könnte. Auch der Chef der ukrainischen Militäraufklärung, Kirilo Budanow, sprach von russischen Vorbereitungen auf eine offene Mobilisierung von Soldaten und Reservisten. Belege dafür gibt es nicht. Bislang spricht Russland offiziell nur von einer «Spezial-Operation» in der Ukraine.

Der Kreml reagierte auf die jüngsten Gerüchte zunächst nicht. Nun blicken viele Menschen mit Spannung auf Putins Rede zur traditionellen Militärparade am 9. Mai in Moskau, mit der Russland jedes Jahr an den Sieg über Hitler-Deutschland 1945 erinnert. Viele Experten gingen ursprünglich davon aus, dass der Kremlchef an dem Tag Erfolge in der Ukraine feiern wollte, deren angebliche «Entnazifizierung» er als Ziel des russischen Militäreinsatzes nennt.

Angesichts der nur stockend vorankommenden russischen Truppen und des starken ukrainischen Widerstands gehen einige Beobachter nun aber eher von einer Intensivierung der Kampfhandlungen aus.

Der Sender CNN zitierte in seinem Bericht unter anderem den Sprecher des US-Aussenministeriums, Ned Price: «Es wäre eine grosse Ironie, wenn Moskau den Tag des Sieges nutzen würde, um einen Krieg zu erklären», sagte Price. «Aber ich bin ziemlich sicher, dass wir im Vorfeld des 9. Mai mehr aus Moskau hören werden.»

Der amerikanische Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Michael Carpenter, wiederum geht eigenen Aussagen zufolge eher von einer Annexion der ostukrainischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk aus. Ähnliche Pläne könnte Moskau auch für das besetzte südukrainische Gebiet Cherson haben, sagte Carpenter. (dpa)

Grossbrand in russischer Lagerhalle

Eine riesige Lagerhalle bei Moskau ist in der Nacht zum Dienstag in Flammen aufgegangen. Ein Papierlager brenne auf fast 34'000 Quadratmetern, sagte ein Vertreter der Rettungsdienste der Staatsagentur Tass. Das entspricht einer Fläche von nahezu fünf Fussballfeldern. Teile der Halle seien eingestürzt, hiess es in dem Bericht. Das Papierlager gehöre zu einem Logistikzentrum in dem Ort Bogorodskij nordöstlich der russischen Hauptstadt. 100 Feuerwehrleute mit 33 Fahrzeugen kämpften gegen die Flammen.

Zur Brandursache wurden zunächst keine Angaben gemacht. Ein Zusammenhang zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine war nicht ersichtlich. Allerdings haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder rätselhafte Brände oder Explosionen in russischen Fabriken und Lagern auch weitab der Grenze zur Ukraine ereignet. (dpa)

Scholz spielt die «beleidigte Leberwurst»

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat das vorläufige Nein von Bundeskanzler Olaf Scholz zu einer Kiew-Reise kritisiert. «Eine beleidigte Leberwurst zu spielen, das klingt nicht sehr staatsmännisch», sagte Melnyk der Deutschen Presse-Agentur. «Es geht um den brutalsten Vernichtungskrieg seit dem Nazi-Überfall auf die Ukraine, es ist kein Kindergarten.»

Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Deutschland.

Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Deutschland.

Keystone

Der Kanzler hatte am Montagabend im ZDF gesagt, die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine stehe seiner Reise im Weg. Steinmeier wollte Mitte April eigentlich zusammen mit den Staatschefs von Polen, Lettland, Estland und Litauen nach Kiew fahren, erhielt aber kurzfristig eine Absage.

Scholz sagte dazu im ZDF: «Es kann nicht funktionieren, dass man von einem Land, das so viel militärische Hilfe, so viel finanzielle Hilfe leistet, das gebraucht wird, wenn es um die Sicherheitsgarantien geht, die für die Zeit der Ukraine in der Zukunft wichtig sind, dass man dann sagt, der Präsident kann aber nicht kommen.»

Melnyk sagte, der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski würde sich weiterhin freuen, Scholz in Kiew empfangen zu dürfen. Er fügte aber hinzu: «Worauf sich die Ukraine viel mehr als auf alle symbolischen Besuche freuen würde, ist, dass die Ampel-Regierung den Antrag des Bundestages über die Lieferung von schweren Waffen zügig umsetzen wird und die bisherigen Zusagen erfüllt.» Er kritisierte, dass für die versprochenen Gepard-Flugabwehrpanzer noch immer keine Munition gefunden worden sei. (dpa)

Russen zerstören Schule in Luhansk

Die russischen Truppen haben offenbar eine Schule in Luhansk zerstört. Das schreibt Journalist Alexander Khrebet auf Twitter. Dazu stellt er ein Foto des Gebäudes online, das in Brand steht. Russland habe seit Beginn des Krieges über 1500 Bildungsinstitutionen angegriffen und über 100 davon komplett zerstört, schreibt Khrebet, der für das Portal «ZN.UA» arbeitet, weiter. (cri)

Die Nacht auf Dienstag im Überblick

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz will die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland weiter militärisch und wirtschaftlich unterstützen, einen Besuch in Kiew lehnt er momentan aber ab. Das Ziel seiner Politik sei: «Russland darf nicht gewinnen und die Ukraine darf nicht verlieren», sagte der SPD-Politiker am Montagabend im ZDF.

Deutschland hat nach eigenen Angaben bereits Rüstungsgüter im Wert von mehr als 190 Millionen Euro in die Ukraine geliefert. Scholz betonte, die Hilfe Deutschlands und anderer Staaten habe dazu beigetragen, «dass die ukrainische Armee, die wirklich sehr erfolgreich agiert, jetzt so lange durchhalten kann gegen einen so übermächtigen Gegner».

Ein anderer Unterstützer der Ukraine, der britische Premierminister Boris Johnson, will am Dienstag per Video zum ukrainischen Parlament in Kiew sprechen. Dabei dürfte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript weitere Militärhilfe im Wert von etwa 360 Millionen Franken sprechen. Grossbritannien will auch Spezialfahrzeuge für den sicheren Transport von Zivilisten schicken. Johnson hatte vor einigen Wochen den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in Kiew getroffen.

Pentagon: Russlands Truppen kommen in Ostukraine kaum voran

Russische Truppen beschossen am Montag die Stadt Charkiw, das Gebiet Donezk im Osten und andere Regionen, In Odessa sei ein 14-jähriger Junge durch einen Raketentreffer auf ein Wohnhaus getötet worden, sagte Präsident Wolodimir Selenski.

Zur Lage bei den Kämpfen am Boden in der Ostukraine teilte das US-Verteidigungsministerium mit, das russische Militär mache nur minimale Fortschritte. «Die Truppen leiden immer noch unter schlechter Führung und Kontrolle, die Moral in vielen Einheiten ist niedrig, die Logistik ist nicht optimal», sagte ein Vertreter des Pentagons. Das ukrainische Militär habe die Russen zum Beispiel weiter aus Charkiw zurückdrängen können.

Entsetzen über Lawrows Nazi-Vergleich

Eine antisemitische Äusserung des russischen Aussenministers Sergej Lawrow sorgt international weiter für Entrüstung. Selenski sagte, in einer Umkehrung von Tätern und Opfern habe Russlands Chefdiplomat das jüdische Volk für die Verbrechen der Nazis verantwortlich gemacht. «Solch ein antisemitischer Angriff ihres Ministers bedeutet, dass die russische Führung alle Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg vergessen hat oder sie vielleicht nie gelernt hat», sagte Selenski, der jüdischer Herkunft ist.

Lawrow hatte am Sonntag im italienischen Fernsehen die russische Kriegspropaganda wiederholt, die Ukraine werde von Nazis geführt. Er verstieg sich zudem zu der Behauptung, auch Adolf Hitler habe jüdisches Blut gehabt. Überhaupt seien viele Antisemiten Juden. Lawrows Äusserung stiess in Israel und vielen anderen Ländern auf Empörung. Das US-Aussenministerium sprach von widerwärtigen Bemerkungen.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi kritisierte die TV-Sendung, in der Lawrow 40 Minuten lang habe reden können, ohne dass er kritisch befragt worden sei. «Das war keine Glanzleistung.» Draghi rechtfertigte Waffenlieferungen an die Ukraine. Niemand wolle eine Verschärfung der Lage, sagte er in Rom. Aber man dürfe die Ukraine nicht im Stich lassen. «Ich habe es schon mehrmals gesagt: Wir werden den Frieden nur erreichen, wenn sich die Ukraine verteidigen kann.»

Das wird heute wichtig

In der seit Wochen umkämpften Stadt Mariupol kündigte der Stadtrat für Dienstag einen weiteren Versuch an, Zivilisten aus dem letzten ukrainischen Stützpunkt im Stahlwerk Azovstal zu evakuieren. Am Montag war die Rettung gescheitert. «Heute haben uns die russischen Besatzer keine Möglichkeit gegeben, Leute aus Azovstal herauszuholen», sagte der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kirilenko, am Montag im ukrainischen Fernsehen. (dpa)

UEFA: Russlands Bewerbung für Fussball-EM unzulässig

Russland darf nicht die Europameisterschaften 2028 oder 2032 auszurichten. Wie der Europäische Fussball-Verband UEFA mitteilte, hat die Exekutive die Bewerbungen am Montag für unzulässig erklärt. Begründet wurde dies damit, dass Bewerber unter anderem sicherstellen müssten, die UEFA, andere Bewerber, das Bewerbungsverfahren oder den europäischen Fussball durch ihr Verhalten nicht in Verruf zu bringen.

Die UEFA und der Weltverband FIFA hatten National- und Club-Mannschaften aus Russland wegen des Angriffskrieges in der Ukraine von allen Wettbewerben ausgeschlossen. In dem jüngsten Beschluss wurde zudem festgelegt, dass die russische Männer-Auswahl nicht an der Nations League teilnehmen darf und die Mannschaft als Absteiger aus der B-Liga feststeht.

Die Frauen-Nationalmannschaft wurde von der EM vom 6. bis 31. Juli in England ausgeschlossen. Sie wird durch Portugal ersetzt. (dpa)

Atom-Krieg: Putins Propaganda-Boss droht Grossbritannien mit nuklearem «500-Meter-Tsunami»

Dimitri Kisseljow ist Putins Mann fürs Grobe - mindestens dann, wenn es darum geht, rhetorische Salven gegen Russlands Kritiker und Gegner abzufeuern. Darin ist der 68-jährige TV-Moderator ein wahrer Meister. Das hat der Chef des staatlichen russischen Medienkonglomerats «Rossiya Segodnya» gerade jetzt wieder gezeigt.

Weil die russische Offensive auf dem ukrainischen Boden nach 69 Kriegstagen noch immer nicht in Gang kommt, packt Moskau inzwischen fast täglich aufs Neue die nukleare Keule aus. Am Sonntag drohte Kisseljow im Staatssender «Russia 1» ganz unverblümt mit einem atomaren Erstschlag der Russen gegen Grossbritannien, das die Ukraine seit Wochen mit Waffen und Finanzhilfen beliefert.

Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

Zahlreiche Zivilisten aus Azovstal-Stahlwerk in Mariupol gerettet

Um die 100 Zivilisten, darunter auch Kinder, seien am Sonntag aus dem Azovstal- Stahlwerk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol gerettet worden. Das sollen Videoaufnehmen zeigen, die das Asow-Bataillon veröffentlicht hat. Ukrainischen Angaben zufolge seien in den Bunkeranlagen des Stahlwerks weiterhin etwa 1000 Zivilisten eingeschlossen.

CH Media Video Unit

Kuleba: Abscheuliche Bemerkungen Laworws beleidigen Selenski und alle Juden

Die Äusserungen des russischen Aussenministers Sergej Lawrow, der einen Vergleich zwischen Adolf Hitler und Wolodimir Selenski gezogen hat, kommen bei Amtskollege Dmytro Kuleba überhaupt nicht gut an. Der ukrainische Aussenminister schreibt auf Twitter: «Aussenminister Lawrow konnte den tief verwurzelten Antisemitismus der russischen Eliten nicht verbergen. Seine abscheulichen Bemerkungen sind eine Beleidigung für Präsident Selenski, die Ukraine, Israel und das gesamte jüdische Volk.» Allgemein würden die Aussagen darlegen, dass das heutige Russland voller Hass gegen andere Nationen sei. (cri)

Dmytro Kuleba.

Dmytro Kuleba.

AP

London: Viele russische Truppen nicht mehr einsatzfähig

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste hat Russland seit seinem Einmarsch in die Ukraine massiv an Kampfstärke eingebüsst. Zu Beginn habe Moskau mehr als 120 sogenannte taktische Bataillonsgruppen eingesetzt, was etwa zwei Dritteln seiner gesamten Bodentruppen entspräche, hiess es in einem am Montag in London veröffentlichten Bericht des Verteidigungsministeriums. Wahrscheinlich seien mittlerweile mehr als ein Viertel dieser Einheiten nicht mehr kampffähig. Insbesondere bei Elitetruppen wie den Fallschirmjägern gebe es hohen Verschleiss. Es könne Jahre dauern, bis Russland seine alte Kampfstärke wieder hergestellt habe.

Schon seit Wochen veröffentlicht die britische Regierung in ungewöhnlich offener Art und Weise regelmässig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Angriffskriegs. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor. (dpa)

Erste Mariupol-Geflüchtete in Saporischschja angekommen

Die ersten Menschen, die während der kurzen Waffenruhe am Wochenende aus Mariupol geflohen sind, sind gemäss Angaben der «New York Times» am Montagmorgen in der Stadt Saporischschja im Südosten der Ukraine angekommen. Der Konvoi ist von den Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz begleitet worden.

Internationale Beobachter hätten sich zudem optimistisch geäussert, dass trotz der Wiederaufnahme der russischen Angriffe noch mehr Zivilisten das Stahlwerk in Mariupol verlassen können, in dem sie eingesperrt sind. (cri)

Ukrainisches Militär zerstört zwei russische Patrouillenboote im Schwarzen Meer

Nach Angaben des ukrainischen Oberbefehlshabers Valerii Zaluzhnyi sind zwei Patrouillenschiffe der Raptor-Klasse im Morgengrauen des heutigen Montags, 2. Mai in der Nähe der besetzten Schlangeninsel mit türkischen Bayraktar-Drohnen zerstört worden. Darüber berichtet die Zeitung «Kyiv Independent» auf Twitter. Videos, die auf dem Social-Media-Kanal kursieren, sollen den Abschuss zeigen.

Ukrainische Behörde: Russische Truppen zerstören grosses Getreidelager

Russland hat nach ukrainischen Angaben erneut auch nicht-militärische Ziele in der Ukraine mit Raketen angegriffen. Im Gebiet Dnipropetrowsk sei ein grosses Getreidelager zerstört worden, teilte die Militärverwaltung des Gebiets am Montag mit. Dazu veröffentlichte sie ein Video, das einen Raketeneinschlag zeigt. Die Ukraine ist einer der wichtigsten Getreidelieferanten der Welt.

«Unser Getreidelager geben ihnen keine Ruhe», sagte der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Dnipropetrowsk, Valentin Resnitschenko. Verletzt wurde nach seinen Angaben niemand. Es war in Dnipropetrowsk mindestens das dritte Mal, das ein Landwirtschaftsbetrieb angegriffen worden sein soll, der keinen militärischen Zweck erfüllt.

Russland behauptet immer wieder, es gehe bei der Invasion in der Ukraine um eine Entmilitarisierung des Landes, nicht um zivile Ziele. Die Ukraine wirft Russland vor, inzwischen ganze Städte mit Bomben und Raketen zerstört zu haben. Auch kremltreue Medien in Moskau hatten etwa in der belagerten Hafenstadt Mariupol gezeigt, wie ein Wohnhaus von russischen Streitkräften beschossen wurde. (dpa)

First Lady Jill Biden unterstützt Ukraine mit Besuchen in Europa

Jill Biden, First Lady, wird demnächst nach Europa reisen und unter anderem Rumänien und die Slowakei besuchen. Darüber schreibt die ukrainische Zeitung «Kyiv Independent» auf Twitter. Dabei soll die Unterstützung von ukrainischen Flüchtlingen im Zentrum stehen.

Aber Jill Biden werde ihre Reise auch nutzen, um mit Mitgliedern des US-Militärs der in Europa stationierten Truppen sowie mit hochrangigen Regierungsvertretern in beiden Ländern Treffen abzuhalten, schreibt das Weisse Haus in einer Mitteilung. (cri)

Lawrow vergleicht Selenski mit Hitler wegen jüdischem Blut

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hat gegenüber einem italienischen Fernsehsender einen Vergleich zwischen Wolodimir Selenski und Adolf Hitler gezogen. Lawrow sagte: «Die Tatsache, dass Selenski jüdisch ist, leugnet die Nazi-Elemente in seinem Land nicht.» Er fügte an: «Hitler hatte auch jüdisches Blut.» (chm)

Mariupol: Busse bringen Zivilisten aus Kriegsgebiet

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte am Sonntagabend in seiner Videoansprache, er hoffe, dass die Evakuierung der Zivilbevölkerung in Mariupol heute Montag weitergehen könne. Wie die Zeitung «Kyiv Independent» am frühen Morgen via Twitter bekannt gibt, soll dies möglich sein.

Demnach hat die Aktion um 7 Uhr Ortszeit (6 Uhr MESZ) begonnen. Wie die Stadtverwaltung von Mariupol mitteilte, würden Busse Zivilisten aus dem umkämpften Gebiet bringen. (cri)

Die Nacht auf Montag im Überblick

«Ich hoffe, dass morgen (Montag) alle notwendigen Bedingungen erfüllt sind, um weiterhin Menschen aus Mariupol zu evakuieren», sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij am Sonntagabend in seiner täglichen Videobotschaft. «Wir werden weiterhin alles tun, um unsere Leute aus Azovstal und aus Mariupol insgesamt zu evakuieren», sagte er.

Ein Bus-Konvoi hatte am Wochenende rund 100 Zivilisten aus dem von russischen Soldaten belagerten Stahlwerk Azovstal gebracht. Beteiligt waren auch die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Nach ukrainischen Angaben sollen allein in den Bunkeranlagen des Stahlwerks noch etwa 1000 Zivilisten eingeschlossen sein. Russland spricht von etwa 2500 Menschen, darunter Militärs und ausländische Söldner.

Selenski: Russlands Kriegsstrategie gibt Rätsel auf

Selenski sieht infolge der seit zwei Monaten laufenden Invasion der russischen Armee in seinem Land auf beiden Seiten nur Verlierer. «Wie sie ihre Ziele auswählen, beweist einmal mehr, dass der Krieg gegen die Ukraine ein Vernichtungskrieg für die russische Armee ist», sagte Selenski am Sonntagabend in seiner täglichen Videoansprache. Neben den Angriffen auf zivile Objekte und Wohngebiete würden inzwischen Getreidelager und landwirtschaftliche Betriebe vernichtet.

«Was könnte Russlands strategischer Erfolg in diesem Krieg sein? Ehrlich gesagt, weiss ich es nicht», sagte Selenski. Das zerstörte Leben der Menschen und verbranntes oder gestohlenes Eigentum brächten Russland nichts. «Es wird nur die Toxizität des russischen Staates und die Zahl derer in der Welt erhöhen, die daran arbeiten, Russland zu isolieren.»

Berichte: Russische Angriffe Richtung Saporischschja abgewehrt

Ukrainische Streitkräfte haben nach eigener Darstellung eine Reihe russischer Angriffe in Richtung der Grossstadt Saporischschja im Süden des Landes abgewehrt und die Fronten südöstlich der Stadt stabilisiert. Die inzwischen eingetretene Kampfpause werde genutzt, um die Abwehrstellungen zu festigen, berichtete die Agentur Unian am Sonntagabend unter Berufung auf die regionale Zivil- und Militärverwaltung. Russische Einheiten hätten östlich von Saporischschja mehrfach erfolglos versucht, ukrainische Truppen einzukesseln.

Kiew: Russischer Spion in ukrainischem Generalstab entlarvt

Die ukrainischen Sicherheitsbehörden hoben zudem nach eigener Darstellung einen Ring russischer Agenten aus. Einer der Spione habe sogar im ukrainischen Generalstab gearbeitet, sagte Selenskis Berater Olexij Arestowytsch in der Nacht zum Montag nach Angaben der Agentur Ukrinform. Über die genaue Zahl der Mitglieder des Spionage-Rings machte er keine Angaben.

Arestowytsch nannte jedoch eines ihrer angeblichen Ziele. «Diese Genossen sollten ein Passagierflugzeug über Russland oder Belarus abschiessen und anschliessend die Ukraine dafür verantwortlich machen», sagte er. Für diese Aktion sollten demnach Flugabwehrraketen aus ukrainischen Beständen eingesetzt werden.

Explosionen erschüttern russische Stadt Belgorod

Die südrussische Stadt Belgorod unweit der Grenze zur Ukraine wurde in der Nacht zum Montag von zwei schweren Explosionen erschüttert. Bislang gebe es keine Berichte über Schäden oder Opfer, sagte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow laut der russischen Staatsagentur Tass. Allerdings gebe es Berichte in sozialen Medien über Blitze am Himmel. Auf Twitter wurden Videoaufnahmen und Berichte über angebliche ukrainische Drohnen über Belgorod und den Einsatz der regionalen Flugabwehr verbreitet, deren Echtheit zunächst nicht unabhängig bestätigt werden konnte. Seit Tagen häufen sich Berichte über angebliche Angriffe des ukrainischen Militärs auf Ziele in Russland.

Lawrow: Nato und EU haben Vorherrschaft Washingtons akzeptiert

Die Nato und die EU haben sich nach Worten des russischen Aussenministers Sergej Lawrow offenbar damit abgefunden, dass die USA das Sagen auf internationaler Bühne haben. Das sagte Lawrow am Sonntagabend in einem Interview der italienischen TV-Gesellschaft Mediaset, das auch von Tass verbreitet wurde. Er sei überzeugt, dass alle Länder der Meinung seien, dass man ausschliesslich auf die USA hören solle. «Und sowohl die Nato als auch die Europäische Union haben sich damit abgefunden, dass ihr «Hausherr» in Washington sitzt», sagte Lawrow weiter. «Und in Washington haben sie beschlossen, dass die Welt nun monopolar sein muss, davon reden sie ständig.»

In dem Interview unterstellte Lawrow sowohl den USA als auch Kanada, für die Ausbildung «neonazistischer Unterabteilungen» verantwortlich zu sein, die ihren Weg in die Reihen der ukrainischen Armee gefunden hätten. Damit meinte Lawrow in erster Linie das Regiment «Asow», dessen verbliebene Kämpfer sich in dem Werk Azovstal in der Hafenstadt Mariupol verschanzt haben. (dpa)

Rotes Kreuz: Evakuierungsaktion aus Stahlwerk in Mariupol begonnen

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat eine internationale Evakuierungsaktion zur Rettung von Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk begonnen. Beteiligt sind auch die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), wie ein IKRK-Sprecher bestätigte.

Das Stahlwerk in Mariupol.

Das Stahlwerk in Mariupol.

Keystone

In einem Konvoi aus mehreren Bussen wurden nach ersten Angaben bereits mehrere Dutzend Zivilisten aus dem Stahlwerk Asovstal gebracht. Die Hoffnung ruht darauf, dass dies der Beginn einer grösseren Aktion sein könnte.

Der ukrainische Präsident Selenski sprach am Sonntag von einer «ersten Gruppe von etwa 100 Menschen», die evakuiert worden seien. «Jetzt arbeiten wir zusammen mit den UN an der Evakuierung von weiteren Zivilisten aus der Anlage», schrieb er auf Twitter. Ukrainischen Angaben zufolge sollen in den Bunkeranlagen des Werks noch etwa 1000 Zivilisten eingeschlossen sein. Russland spricht von etwa 2500 Menschen, insbesondere Militärs und «ausländischen Söldnern». (dpa)

Russische Eisenbahnbrücke nahe Grenze zu Ukraine teils eingestürzt

Im westrussischen Gebiet Kursk nahe der Grenze zur Ukraine ist eine Eisenbahnbrücke teilweise eingestürzt. Gouverneur Roman Starowoit sprach am Sonntag in einer Videobotschaft von einem Akt der Sabotage. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet worden. Den Angaben zufolge wurde niemand verletzt.

Der Kreis Sudscha, in dem sich die Brücke zwischen der gleichnamigen Stadt und Ort Sosnowy Bor befindet, grenzt an das nordostukrainische Gebiet Sumy, aus dem sich die russischen Streitkräfte zurückgezogen hatten. Ob es einen Zusammenhang mit dem Krieg im Nachbarland gibt, war zunächst unklar. Zuletzt hatte Russland der Ukraine wiederholt Angriffe auf sein Territorium vorgeworfen. Im Gebiet Kursk gilt erhöhte Warnstufe wegen «Terrorgefahr». (dpa)

Kiew meldet Tote bei Angriff auf russischen Armeestab

Bei einem ukrainischen Angriff auf das Quartier des russischen Armeestabs in der Stadt Isjum sind nach Angaben aus Kiew mehrere Menschen getötet worden. Darunter seien ranghohe Offiziere, berichtete ein Berater des ukrainischen Innenministers am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Die 50'000-Einwohner-Stadt Isjum liegt im Osten der Ukraine.

Nach ukrainischen Angaben hält sich dort auch der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow auf, um die Offensive im Donbass zu befehligen. Der Angriff soll bereits am Samstag erfolgt sein. Aus Russland gab es dafür keine Bestätigung - auch nicht für den Aufenthalt Gerassimows in der Gegend. (dpa)

Bulgariens Präsident: Risiko eines gesamteuropäischen Kriegs real

Der bulgarische Präsident Rumen Radew hat in einer Ansprache zum 1. Mai vor einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs gewarnt. «Das Risiko, dass der Krieg zum gesamteuropäischen und sogar zu einem weltweiten (Krieg) eskaliert, ist real», sagte Radew am Sonntag. Er erwähnte Russland und die Ukraine nicht, sagte aber, dass im «Herzen Europas Explosionen hallen». «Unser Zuhause, unsere Kinder, unsere Heimat und Natur können dieser Eskalation zum Opfer fallen», warnte Radew.

Der als Russland-freundlich geltende Staatschef Radew sagte weiter, es sei «unsere patriotische Pflicht», eine Verwicklung Bulgariens in den Ukraine-Krieg nicht zuzulassen. Damit widersetzte er sich Regierungschef Kiril Petkow, der Waffenlieferungen aus Bulgarien an die Ukraine durchsetzen will. (dpa)

Scholz: Radikaler Pazifismus «aus der Zeit gefallen»

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält einen radikalen Pazifismus angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine für nicht mehr zeitgemäss.

«Ich respektiere jeden Pazifismus, ich respektiere jede Haltung, aber es muss einem Bürger der Ukraine zynisch vorkommen, wenn ihm gesagt wird, er solle sich gegen die Putinsche Aggression ohne Waffen verteidigen», sagte Scholz am Sonntag bei einer DGB-Kundgebung zum Tag der Arbeit in Düsseldorf. «Das ist aus der Zeit gefallen!», sagte Scholz. «Ich sage ganz klar: Wir werden nicht zulassen, dass hier mit Gewalt Grenzen verschoben und ein Territorium erobert wird.» (dpa)

Scholz bei seiner Rede am Tag der Arbeit.

Scholz bei seiner Rede am Tag der Arbeit.

Keystone

Russland bestätigt neue Angriffe auf Ost- und Südukraine

Russland hat erneute Angriffe auf den Osten und den Süden des Nachbarlands Ukraine bestätigt. Im Gebiet Saporischschja seien Flugabwehrraketensysteme vom Typ S-300 zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag in Moskau. Im Gebiet Charkiw seien zwei Kampfflugzeuge abgeschossen worden. Die ukrainische Seite wiederum sprach von mehreren Verletzten infolge der russischen Angriffe auf Charkiw.

Konaschenkow bestätigte zudem einen Angriff auf einen Flugplatz der Schwarzmeer-Metropole Odessa. Mit Raketen sei die Landebahn zerstört worden sowie ein Hangar, in dem aus den USA und Europa gelieferte Waffen gelagert gewesen seien. (dpa)

Moskau: 46 Zivilisten aus Häusern bei Mariupoler Stahlwerk evakuiert

Im Gebiet rund um das belagerte Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind russischen Angaben zufolge insgesamt 46 Zivilisten evakuiert worden. Russische Agenturen hatten am Samstag zunächst von 25 Menschen berichtet. Mit Einbruch der Dunkelheit sei weiteren 21 Menschen die Flucht aus an das Werk grenzenden Häusern gelungen, teilte das russische Verteidigungsministerium am Sonntag der Agentur Interfax zufolge mit.

Das ukrainische Asow-Regiment, dessen Kämpfer sich ebenfalls in dem Stahlwerk verschanzt haben, sprach zuletzt von 20 Frauen und Kindern, die evakuiert worden seien. (dpa)

Grossbritannien: Russland strebt langfristigen Einfluss in Cherson an

Russland legt nach Einschätzung der britischen Regierung grossen Wert auf langfristigen Einfluss in der Anfang März eroberten Grossstadt Cherson im Süden der Ukraine. Die Stadt mit etwa 300'000 Einwohnern sei inzwischen unter prorussischer Verwaltung, die erklärt habe, dass eine Rückkehr zu ukrainischer Kontrolle unmöglich sei, heisst es in einer am Sonntag in London veröffentlichten Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Seit Sonntag werde in Cherson auch der russische Rubel als Zahlungsmittel verwendet. (dpa)

Ukrainische Armee attackiert besetzte Schlangeninsel

Die Uukraine hat eigenen Angaben zufolge zum wiederholten Mal die von Russland besetzte Schlangeninsel im Schwarzen Meer mit Raketen angegriffen. Dabei seien mehrere Luftabwehrkomplexe und eine Kommunikationseinheit zerstört worden, teilte das Kommando Süd der ukrainischen Armee am Sonntag mit. 42 russische Soldaten sollen getötet worden sein. Das liess sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Eine russische Bestätigung des Angriffs lag nicht vor. (dpa)

US-Demokratin Pelosi trifft Selenski in Kiew

Mehr als zwei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Hauptstadt Kiew besucht. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski bedankte sich bei einem Treffen mit der US-Demokratin für die Unterstützung aus den Vereinigten Staaten, wie Selenski am Sonntag im Nachrichtendienst Telegram mitteilte. Dazu veröffentlichte er ein Video. Darauf ist zu sehen, wie sich Pelosi und Selenski die Hand geben und dann gemeinsam das Präsidialamt betreten. (dpa)

UN-Institution: Millionen Tonnen Getreide in Ukraine blockiert

Millionen Tonnen dringend benötigter Lebensmittel in der Ukraine können derzeit nicht genutzt werden. «Derzeit sitzen knapp 4,5 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen und auf Schiffen fest», sagte der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, der Deutschen Presse-Agentur. Probleme bei der Ausfuhr der Lebensmittel gibt es derzeit unter anderem, weil Häfen und Seewege im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine blockiert sind. (dpa)

Ukraine-Krieg wird auch Thema beim grössten Christentreffen der Welt

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wird auch auf dem grössten Christentreffen der Welt im Sommer in Karlsruhe Thema, der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). «Der Krieg wird höchstwahrscheinlich im Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten auf der Vollversammlung und im Europa-Plenum diskutiert», teilte ÖRK-Sprecherin Marianne Ejdersten mit. Der ÖRK versteht sich als Gemeinschaft von rund 350 Kirchen, die weltweit mehr als 580 Millionen Menschen vertreten.

Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium. Sie tritt in der Regel alle acht Jahre zusammen und ist den Angaben zufolge «die umfassendste Zusammenkunft von Christinnen und Christen weltweit». (dpa)

USA bekräftigen Unterstützung für Ukraine - die Nacht im Überblick

US-Aussenminister Antony Blinken hat die weitere «robuste Unterstützung» Washingtons für die Ukraine angesichts der russischen Aggression bekräftigt. In einem Gespräch mit seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba informierte Blinken am Samstagabend (Ortszeit) nach einer Mitteilung des State Department über die bevorstehende Rückkehr von US-Diplomaten zunächst nach Lwiw in der kommenden Woche und baldmöglichst auch nach Kiew.

Auch das ukrainische und das US-Militär stimmten sich nach ukrainischen Angaben erneut ab. Ein Telefonat zwischen dem ukrainischen Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj und US-Generalstabschef Mark Milley drehte sich um die Lieferung von Waffen, Munition und weiterer Ausrüstung, wie es in der Nacht zu Sonntag auf Saluschnyjs Facebookseite hiess.

Saluschnyj betonte, dass die ukrainische Armee von sowjetischer Ausrüstung auf Nato-Modelle umsteigen müsse. «Und je früher wir diesen Prozess beginnen, desto eher werden wir ihn abschliessen.»

Scholz verteidigt Ukraine-Politik

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz verteidigt derweil seine Ukraine-Politik gegen Vorwürfe, er agiere zu zögerlich und ängstlich angesichts der russischen Aggression. «Ich treffe meine Entscheidungen schnell - und abgestimmt mit unseren Verbündeten. Übereiltes Agieren und deutsche Alleingänge sind mir suspekt», sagte der SPD-Politiker der «Bild am Sonntag». An diesem Kurs wolle er festhalten.

Die Bundesregierung hatte am Dienstag die Lieferung von Gepard-Flugabwehrpanzern der deutschen Rüstungsindustrie genehmigt. Sie sind die ersten schweren Waffen, die direkt aus Deutschland in die Ukraine geliefert werden. Vor dem Ukraine-Krieg galt der Grundsatz, keine Waffen in Krisengebiete abzugeben.

Baerbock: Frieden nur nach Abzug aller russischen Soldaten

Die deutsche Bundesaussenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte der «Bild am Sonntag», Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa und ein Ende der Sanktionen gegen Russland sei der Abzug aller russischen Soldaten aus der Ukraine. «Ein Waffenstillstand kann nur ein erster Schritt sein.» Man müsse helfen, dass die Ukraine stark genug sei, um selbst zu entscheiden, so die Ministerin. «Niemand hat das Recht, ihnen Vorschriften zu machen.»

Bei einem Wahlkampfauftritt in Ahrensburg bei Hamburg verteidigte Baerbock am Samstag erneut ihr Eintreten für eine Lieferung schwerer Waffen. «Wir wollen den Menschen in der Ukraine helfen, damit sie sich gegen Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg wehren können», sagte sie. «Doch was würde es bedeuten, wenn wir nichts tun? Würde dann eine Bombe weniger fallen? Nein», sagte sie.

Melnyk: «Für Putin ist Deutschland längst Kriegspartei»

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, fordert weiter modernste deutsche Waffen für den Abwehrkampf der Ukraine gegen die russische Armee. Die zugesagten Gepard-Panzer seien schon 40 Jahre alt, sagte er der «Bild am Sonntag». Doch um Russland zu besiegen, «brauchen wir modernste deutsche Waffen». Konkret nannte er die zügige Ausfuhr von 88 Leopard-Panzern, 100 Marder-Panzern, Panzerhaubitzen «und vielem mehr».

Die Befürchtung, durch Waffenlieferungen zur Kriegspartei zu werden, bezeichnete Melnyk als völligen Quatsch: «Für Putin ist Deutschland längst Kriegspartei. Wer eine Ausweitung seines Kriegs verhindern möchte, muss uns jetzt helfen, Putin in die Schranken zu weisen.»

Selenski: 23'000 getötete russische Soldaten

23'000 russische Soldaten sind nach ukrainischen Angaben seit Beginn des Kriegs in der Ukraine gefallen. Ausserdem seien bereits mehr als Tausend russische Panzer sowie fast 2500 andere Militärfahrzeuge zerstört worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in einer Ansprache am Samstagabend. Die tatsächlichen militärischen Verluste sind schwer abzuschätzen. Moskau gesteht bislang mehr als Tausend eigene Gefallene ein und beziffert seinerseits die Zahl der gefallenen ukrainischen Kämpfer auf mehr als 23'000.

Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch gab am Samstagabend nach Angaben der Agentur Unian an, dass seit bereits vier Tagen keine Truppenbewegungen aus Russland in Richtung Ukraine beobachtet wurden. Nach Russland hingegen werde «eine grosse Anzahl kaputter Ausrüstung, Verwundeter und Toter» zurückgebracht.

Ukraine: Kampfflugzeuge und Drohnen abgeschossen

Ukrainische Truppen haben nach eigenen Angaben zwei russische Kampfflugzeuge und mehrere Drohnen abgeschossen. Die Flugzeuge vom Typ Su-25 sowie vier der sieben abgeschossenen Drohnen seien im Osten der Ukraine getroffen worden, teilten die Luftwaffe und die Armee in der Nacht zu Sonntag auf Facebook mit. Weiterhin seien auf der von Russland kontrollierten Schlangeninsel im Schwarzen Meer drei Flugabwehrpanzer, das Flugabwehrsystem Strela-10 sowie ein Funkwagen zerstört worden, teilte das Einsatzkommando «Süd» auf Facebook mit. (dpa)

US-Schauspielerin Angelina Jolie trifft Flüchtlinge in Westukraine

Inmitten des russischen Angriffskriegs ist die US-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Angelina Jolie in die Westukraine gereist und hat dort geflüchtete Menschen getroffen. Jolie habe unter anderem in einem Krankenhaus Kinder besucht, die vor rund drei Wochen bei einem Raketenangriff auf den Bahnhof im ostukrainischen Kramatorsk verletzt wurden, teilte die Verwaltung des Gebiets Lwiw am Samstag mit.

In sozialen Netzwerken teilten Menschen am Samstag zudem vielfach einen Clip, der die Schauspielerin, die auch Sondergesandte des UN-Flüchtlingshilfswerks ist, in einem Café in Lwiw zeigen soll. In die westukrainische Stadt sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar viele Menschen aus anderen Teilen der Ukraine geflohen. (dpa)

Russisches Militärflugzeug verletzt kurzzeitig schwedischen Luftraum

Ein russisches Militärflugzeug ist kurzzeitig in den schwedischen Luftraum eingedrungen. Das schwedische Militär teilte am Samstagabend mit, die Propellermaschine vom Typ AN-30 habe sich am Vorabend zunächst östlich der dänischen Ostsee-Insel Bornholm befunden und sei dann Richtung schwedisches Territorium geflogen. Südlich von Blekinge habe es für kurze Zeit den schwedischen Luftraum verletzt, ehe es das Gebiet wieder verlassen habe.

Schwedische Kampfjets hätten den Vorfall verfolgt und das Flugzeug fotografiert. Bereits Anfang März hatten vier russische Kampfflugzeuge kurzzeitig den Luftraum über Schweden verletzt. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor mehr als zwei Monaten wird in Schweden ebenso wie im benachbarten Finnland intensiv über einen möglichen Beitritt zur Nato diskutiert. Russland hat die beiden nördlichsten Staaten der EU mehrmals vor einem solchen Schritt gewarnt. (dpa)

Bundespräsident Cassis hat mit Selenski telefoniert

Bundespräsident Ignazio Cassis hat am Samstag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski am Telefon über die guten Dienste der Schweiz und die Vorbereitungen einer Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine gesprochen. Das teilten die beiden auf Twitter mit.

Gemäss des Tweets von Aussenminister Cassis wurden bei dem Telefonat «konkrete Möglichkeiten» diskutiert, wie die Schweiz zum Frieden in der Ukraine beitragen könnte. Er habe dabei Selenski für sein Vertrauen gedankt. (bey)

Vorwurf der Ukraine: Russland habe Hunderttausende Tonnen Getreide geraubt

Kiew hat die Menge des angeblich durch Russland in den besetzten Gebieten der Süd- und Ostukraine geraubten Getreides grob beziffert. «Heute haben wir schon mehrere bestätigte Fakten, dass insgesamt einige Hunderttausend Tonnen aus den Gebieten Saporischschja, Cherson, Donezk und Luhansk abtransportiert wurden», sagte der ukrainische Vize-Landwirtschaftsminister am Samstag im ukrainischen Fernsehen.

Insgesamt seien für Aussaat sowie für die Produktion von Lebensmitteln in den genannten Gebieten 1,5 Millionen Tonnen Getreide eingelagert gewesen. Bereits am Freitag hatte das Aussenministerium in Kiew Russland den Raub von Getreide in den besetzten ukrainischen Gebieten vorgeworfen. Seit Beginn des Kriegs vor mehr als zwei Monaten haben russische Truppen nach und nach weite Teile im Süden und Osten des Nachbarlandes besetzt. (dpa)

Russische Agenturen melden: 25 Zivilisten aus Mariupoler Stahlwerk evakuiert

Aus dem belagerten Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind Berichten russischer Nachrichtenagenturen zufolge 25 Zivilisten evakuiert worden. Unter den Geretteten seien sechs Kinder, meldeten Tass und Ria Nowosti am Samstag übereinstimmend unter Berufung auf ihre jeweiligen Korrespondenten. Unabhängig überprüfen liessen sich die Angaben zunächst nicht. Ukrainischen Angaben zufolge sollen in den Bunkeranlagen des Stahlwerks insgesamt rund 1000 Zivilisten Zuflucht gesucht haben - und nun eingeschlossen sein.

Russland wiederum spricht von rund 2500 ukrainischen Kämpfern und ausländischen Söldnern, die sich dort ebenfalls verschanzt haben sollen. Diese lehnen eine Kapitulation und eine Aufgabe der strategisch wichtigen Stadt am Asowschen Meer, die grossteils bereits von den Russen eingenommen ist, bislang ab.

Kiew und Moskau hatten sich zuletzt unter Vermittlung von UN-Generalsekretär António Guterres bereiterklärt, eine humanitären Korridor für die Flucht der Zivilisten einzurichten. Grössere Evakuierungserfolge gab es bislang aber nicht. Mehr als neun Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs gilt die Lage der im Azovstal-Werk eingeschlossenen Menschen als katastrophal. (dpa)

Russischer Gouverneur wirft Ukraine Beschuss von Grenzübergang vor

Die Ukraine soll nach russischer Darstellung die grenznahe russische Region Kursk mit Granaten attackiert haben. Am Samstagnachmittag sei ein Grenzübergang in der Ortschaft Krupez mit Granaten angegriffen worden, teilte der Gouverneur der westrussischen Region mit. Russische Grenzsoldaten hätten das Feuer erwidert und den Beschuss so gestoppt. Verletzt worden sei niemand.

Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar waren immer wieder auch Ziele in Russland nahe der Grenze beschossen worden. Anfang April etwa hatte Russland nach einem Brand in einem Öllager in der russischen Stadt Belgorod die Ukraine verantwortlich gemacht. Kiew wies das zurück.

Ende vergangener Woche kündigte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak dann aber Angriffe auf Ziele in Russland an: «Die Ukraine wird sich auf jede mögliche Weise verteidigen, einschliesslich Attacken gegen Lager und Stützpunkte der russischen Mörder», schrieb er auf Twitter. (dpa)

Macron sichert Ukraine weitere Hilfe zu

Frankreichs wiedergewählter Präsident Emmanuel Macron hat dem ukrainischen Staatschef Wolodimir Selenski in einem Telefonat weitere Unterstützung zugesichert. Dabei gehe es sowohl um militärische als auch um humanitäre Hilfe, hiess es am Samstag aus dem Elyséepalast. Zudem sollen französische Experten weitere Unterstützung beim Sammeln von Beweisen und der Verfolgung von Kriegsverbrechen leisten.

Nach Angaben des Präsidialamts hat Frankreich inzwischen mehr als 615 Tonnen humanitäre Hilfsgüter geschickt, darunter medizinische Ausrüstung und Generatoren für Krankenhäuser. An schweren Waffen wurden unter anderem Panzerabwehrraketen des Typs Milan geliefert sowie die Haubitze Caesar. Nach früheren Angaben beträgt der Gesamtwert der gelieferten Militärgüter mehr als 100 Millionen Euro. (dpa)

Finnland will Nato-Position bis zum 12. Mai verkünden

Der finnische Präsident Sauli Niinistö will schon bald seinen eigenen Standpunkt in der Frage nach einer möglichen Nato-Mitgliedschaft seines Landes bekanntgeben. Er habe vor, seine Nato-Position spätestens am 12. Mai zu präsentieren, sagte Niinistö in einem Interview der Zeitung «Ilta-Sanomat». Zwei Tage danach beabsichtigt auch die sozialdemokratische Partei von Ministerpräsidentin Sanna Marin, ihren Standpunkt darzulegen.

Sowohl Niinistö als auch Marin haben ihre Position in der durch den Ukraine-Krieg neu entfachten Nato-Debatte noch nicht offengelegt. Vieles deutet aber darauf hin, dass Finnland in den kommenden Wochen eine Aufnahme in das Verteidigungsbündnis beantragen könnte. (dpa)

Russisches Militär: Mehr als 380 Militärobjekte in Ukraine getroffen

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bei neuen Angriffen mit Raketen und Artillerie Hunderte Militärobjekte in der Ukraine getroffen. Die Luftwaffe habe in der Nacht vier Munitionslager und ein Kraftstoffdepot im Osten zerstört, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in Moskau mit. Bei Angriffen seien auch 120 ukrainische Kämpfer «vernichtet» worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow.

Durch Artillerie seien in der Nacht insgesamt 389 weitere Militärobjekte getroffen worden, darunter zahlreiche Stellungen der ukrainischen Truppen. Die russische Luftabwehr habe 18 Drohnen abgeschossen. Der Generalmajor listete auf, dass bisher mehr als 2600 ukrainische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, rund 650 Drohnen sowie 142 Flugzeuge und 112 Hubschrauber ausser Gefecht gesetzt worden seien. Überprüfbar von unabhängiger Seite waren diese Angaben nicht. (dpa)

Grossbritannien: Russland muss Truppen in Ukraine zusammenziehen

Russland ist nach Angaben der britischen Geheimdienste gezwungen, seine Streitkräfte im Nordosten der Ukraine nach gescheiterten Vorstössen neu aufzustellen. Dies geht aus einem Bericht hervor, den das Verteidigungsministerium am Samstag in London veröffentlichte. Russland hoffe, seine Schwierigkeiten bei der Invasion des Nachbarlands zu beheben, indem es die Truppen geografisch konzentriere, die Versorgungswege verkürze und die Führung vereinfache.

Das russische Militär habe erschöpfte Einheiten aus den gescheiterten Vorstössen zusammenlegen und umgruppieren müssen, heisst es weiter in dem Bericht. «Viele dieser Einheiten leiden wahrscheinlich unter einer geschwächten Moral.»  (dpa)

Ukrainisches Militär: Erfolglose russische Angriffe im Osten

Der ukrainische Generalstab hat in seinem Lagebericht zum Kriegsverlauf am Samstag neue russische Angriffe mit Schwerpunkt im Osten der Ukraine aufgeführt. Es gebe für Russland aber keine Erfolge, heisst es darin. «Die Gefechte gehen weiter.» In der Nähe der Stadt Isjum in der Region Charkiw ziehe Russland weiter seine Truppen zusammen für Angriffe. Es gebe an mehreren Stellen Versuche der russischen Streitkräfte, ins Landesinnere vorzustossen. Allerdings würden die Attacken abgewehrt.

Im Gebiet Dnipropetrowsk hätten russische Einheiten Ziele mit Raketen und Artillerie beschossen. Die russischen Streitkräfte stellen sich demnach teils neu auf und verstärken ihre Truppen. In den umkämpften Gebieten Luhansk und Donezk im Osten seien 14 Angriffe abgewehrt worden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten elf Panzer, neun Drohnen und sieben Artilleriesystem vernichtet.

Unklar war weiter die Lage um das Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol. In den Bunkeranlagen der Industriezone sollen sich nach russischen Angaben rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben. Der Ukraine zufolge warten dort vor allem 1000 Zivilisten auf ihre Rettung, darunter auch Kinder. (dpa)

Lawrow poltert gegen Westen und Nato - die Nacht im Überblick

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hat in der Nacht in zwei Interviews gegen die Nato gehetzt. Er warf dem Militärbündnis nach Angaben der russischer Agenturen vom frühen Samstagmorgen in einem Interview mit der chinesischen Agentur Xinhua vor, das Ende der «Spezialoperation» durch politische Vereinbarungen und Waffenlieferungen zu verhindern.

In einem Interview mit dem arabischsprachigen Sender Al-Arabija sagte Lawrow ausserdem, dass Russland die Routen kenne, über die der Westen Waffen an die Ukraine liefern wolle. Die gelieferten Waffen sollten nun zum Ziel der von offizieller russischer Seite so bezeichneten «Spezialoperation» werden, «sobald sie das Territorium der Ukraine erreichen».

Verhandlungen laufen schleppend

Die Verhandlungen mit Kiew über den Entwurf eines möglichen Abkommens zur Beendigung des Kriegs laufen nach Lawrows Darstellung nicht gut: Sie würden auch durch die «militante Rhetorik und hetzerische Aktionen der westlichen Unterstützer von Kiew» behindert. Die russische Seite befürworte jedoch eine Fortsetzung des Verhandlungsprozesses.

Selenski hatte nach Angaben der «Ukrajinska Prawda» gesagt, es bestehe ein hohes Risiko, dass Kiew die Verhandlungen mit Moskau abbreche. Er forderte erneut direkte Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin. Die ersten Verhandlungen für ein Ende der Kriegshandlungen hatten bereits vier Tage nach der russischen Invasion am 24. Februar begonnen.

Lawrow: Sind nicht im Krieg mit der Nato

Russland sieht sich nicht im Krieg mit der Nato. Vielmehr glaube die Nato, mit Russland im Krieg zu sein, sagte Lawrow nach Angaben russischer Agenturen. Weiterhin drohe Russland nicht mit Atomwaffen, westliche Medien übertrieben bei diesem Thema. «Wir «spielen» nicht mit einem Atomkrieg», sagte Lawrow demnach. Russland hatte Ende Februar Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzen lassen, was weltweit als Drohung mit dem atomaren Arsenal verstanden worden war.

Lawrow behauptete weiterhin, das russische Militär tue «alles in seiner Macht Stehende, um zivile Opfer zu vermeiden». Die Ukraine hingegen meldet täglich zivile Opfer. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte gab die Zahl getöteter Zivilisten zuletzt mit 2899 an, die tatsächlichen Zahlen sollen allerdings erheblich höher sein.

Irritationen um Selenskis Angaben zu Massengrab

Selenski hat in einem Interview von einem neuen Massengrab mit 900 Toten im Kiewer Gebiet gesprochen. Sein Sprecher und die Polizei dementierten. «Zum Stand 29. April sind insgesamt 1187 Leichen von Opfern der russischen Armee im Gebiet Kiew entdeckt worden, wahrscheinlich meinte der Präsident diese Gesamtziffer, als er von über 900 sprach», hiess es in einem Kommentar der Polizei des Gebiets Kiew. Auch Präsidentensprecher Serhij Nykyforow betonte in der Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda», dass der Präsident die Gesamtzahl gemeint habe.

Nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp einem Monat hatten Funde von teils gefesselten erschossenen Zivilisten vor allem in dem Kiewer Vorort Butscha weltweit für Entsetzen gesorgt. Moskau wies alle Anschuldigungen zurück.

IAEA: Russische Nuklearspezialisten in Saporischschja

Russische Behörden haben Nuklearspezialisten in das ukrainische Atomkraftwerk im südöstlich gelegenen Saporischschja geschickt. Die acht Vertreter von Rosenergoatom, das zum russischen Staatskonzern Rosatom gehört, fordern von der Stationsleitung tägliche Berichte zu «vertraulichen Fragen» in Bezug auf den Betrieb des AKW, heisst es in einer Erklärung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) unter Berufung auf ukrainische Behörden.

Demnach wird das Kernkraftwerk weiterhin von ukrainischem Personal betrieben, aber von russischen Streitkräften kontrolliert. Russische Truppen hatten die Anlage am 4. März besetzt. Weiterhin werde die Kommunikation zur Anlage in Tschernobyl schrittweise wiederhergestellt, so die IAEA.

Eisenbahnbrücke im Osten gesprengt

Die ukrainisch Armee hat eine Eisenbahnbrücke im Gebiet Donezk gesprengt. Dabei sei ein russischer Güterzug getroffen worden, wie die «Ukrajinska Prawda» schrieb. Nach Angaben des Onlineportals «Hromadske» war unklar, ob es sich um Güterwaggons oder Kesselwagen handelte.

Bei der zerstörten Brücke handelte es sich nach Angaben der Zeitungen um eine Verbindung über den Fluss Siwerskyj Donez zwischen den Orten Lyman und Rajhorodok im Osten der Ukraine. Die Eisenbahnverbindung nach Lyman, das im Epizentrum der Kämpfe in der Ostukraine liege, sei damit zerstört.

USA trainieren ukrainische Soldaten

Die USA bilden in Deutschland und an anderen Standorten ukrainische Soldaten im Umgang mit militärischer Ausrüstung aus. Der Sprecher des US-Verteidigungsministers, John Kirby, sagte, das Training auf deutschem Boden habe bereits begonnen. Es gehe unter anderem um den Umgang mit Haubitzen und anderen Waffensystemen, die Kiew zur Unterstützung im Krieg gegen Russland bekomme.

Die USA statten die Ukraine im grossen Stil mit Waffen und Munition aus, um das Land im Krieg gegen Russland zu unterstützen.

Ukraine: Selenski spricht von neuem Massengrab - Promptes Dementi

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat in einem Interview von einem neuen Massengrab mit 900 Toten im Kiewer Gebiet gesprochen. Sein Sprecher und die Polizei dementierten. «Zum Stand 29. April sind insgesamt 1187 Leichen von Opfern der russischen Armee im Gebiet Kiew entdeckt worden, wahrscheinlich meinte der Präsident diese Gesamtziffer, als er von über 900 sprach», hiess es in einem Kommentar der Polizei des Gebiets Kiew, den der Internetsender Hromadske TV beim Nachrichtendienst Telegram zitierte. Auch Präsidentensprecher Serhij Nykyforow betonte in der Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda», dass der Präsident die Gesamtzahl gemeint habe.

Zuvor hatte eine Äusserung Selenskis vor polnischen Journalisten über ein neues Massengrab mit 900 Toten für Wirbel gesorgt. Nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp einem Monat hatten Funde von teils gefesselten erschossenen Zivilisten vor allem in dem Kiewer Vorort Butscha weltweit für Entsetzen gesorgt. Moskau wies alle Anschuldigungen zurück. (dpa)

USA: Russland liegt bei Offensive in Ostukraine hinter Zeitplan

Nach US-Einschätzung liegt Russland bei seiner Militäroffensive im Osten der Ukraine hinter dem eigenen Zeitplan. «Wir glauben (...), dass sie bei dem, was sie im Donbass erreichen wollten, hinter dem Zeitplan zurückliegen», sagte ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums am Freitag in Washington.

Die Russen seien im Verzug, heisst es aus den USA.

Die Russen seien im Verzug, heisst es aus den USA.

Keystone

Die russischen Truppen seien demnach mehrere Tage in Verzug gegenüber den ursprünglichen Plänen. «Wir glauben, dass sie bei der völligen Einkreisung der ukrainischen Truppen im Osten schon viel weiter sein hätten sein sollen.» Die ukrainischen Streitkräfte wehrten sich effektiv gegen das Vorrücken der russischen Truppen. (dpa)

Ukrainische Wirtschaftsministerin verspricht Lösung für Spritproblem

Die ukrainische Wirtschaftsministerin Julia Swyrydenko hat eine baldige Lösung des akuten Treibstoffproblems in Aussicht gestellt. «Im Verlauf der nächsten sieben Tage wird das Defizit behoben», versprach Swyrydenko am Freitag in einem Beitrag auf Facebook. Die Tankstellenbetreiber hätten genügend Mengen in Westeuropa gekauft und müssten diese nur noch in die Ukraine bringen.

Hintergrund des Spritmangels seien die gezielten russischen Angriffe auf Treibstofflager und die Raffinerie in Krementschuk. Ziel sei es, die ukrainische Wirtschaft zum Stillstand zu bringen. Medien zeigten Bilder von kilometerlangen Schlangen vor Tankstellen in der Hauptstadt Kiew. Die Stadtverwaltung hatte die Kiewer aufgefordert, auf Privatfahrten zu verzichten. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete am Donnerstag von weniger als einem Dutzend geöffneter Tankstellen auf dem mehr als 300 Kilometer langen Weg zwischen der westukrainischen Stadt Riwne und Kiew. (dpa)

Polen liefert Ukraine über 200 T-72-Panzer

Polen unterstützt das Nachbarland Ukraine gegen den russischen Aggressor mit der Lieferung von mehr als 200 Panzern des sowjetischen Typs T-72. Das berichtete die polnische Radio-Nachrichtenagentur IAR am Freitag unter Berufung auf Regierungsstellen. Der Grossteil der Panzer habe bereits die Grenze passiert und sei auf ukrainischem Gebiet.

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hatte bereits vor mehreren Tagen grosse Panzerlieferungen an die Ukraine bestätigt, aber zunächst keine genaue Zahl genannt. Präsident Andrzej Duda hatte Anfang der Woche erklärt, Polen habe der Ukraine seit Kriegsausbruch bereits umgerechnet 1,5 Milliarden Euro an Militärhilfe geleistet. (dpa)

UN-Chef sieht Raketenangriffe auf Kiew nicht als persönliche Attacke

UN-Generalsekretär António Guterres sieht die Einschläge russischer Raketen in Kiew während seines Besuches in der ukrainischen Hauptstadt nicht als persönliche Botschaft. «Er nahm es nicht als Zeichen der Respektlosigkeit gegen ihn, sondern für die Menschen in Kiew», sagte UN-Sprecher Farhan Haq am Freitag in New York. Die Vereinten Nationen sprachen zudem ihr Beileid für eine getötete Journalistin bei der Attacke aus. Diese Art von Angriffen müsse aufhören.

Russische Truppen hatten während des Kiew-Besuchs von UN-Generalsekretär Guterres am Donnerstag mehrere Raketen auf die ukrainische Hauptstadt abgefeuert. Dabei wurden ukrainischen Angaben zufolge auch zehn Menschen verletzt. Die Bundesregierung hatte die Angriffe verurteilt. (dpa)

Seit Russlands Abzug knapp 1200 Leichen rund um Kiew gefunden

Im Gebiet rund um die ukrainische Hauptstadt Kiew ist die Zahl der Toten nach dem Abzug russischer Truppen vor knapp zwei Monaten offiziellen Angaben zufolge auf fast 1200 gestiegen. «Zum heutigen Tag sind bereits 1187 unserer Mitbürger (gefunden worden), unserer friedlichen Bürger, die durch die Hände der russischen Armee umkamen», sagte der Polizeichef des Kiewer Gebiets, Andrij Njebytow, am Freitag im ukrainischen Fernsehen. Am Vortag seien 26 weitere Leichen gefunden worden. Rund 200 Menschen gelten demnach noch als vermisst.

Russland hatte Ende Februar die Ukraine angegriffen und Gebiete nördlich der Hauptstadt Kiew mehr als einen Monat lang besetzt. Nach dem Abzug wurden Hunderte getötete Zivilisten gefunden, viele von ihnen in der Kleinstadt Butscha. Die Bilder sorgten weltweit für Entsetzen. Moskau wies jegliche Schuld von sich und sprach von einer «Inszenierung» durch die ukrainische Seite - ohne für diesen Vorwurf allerdings haltbare Beweise vorzulegen. (dpa)

Putin hat Teilnahme an G20-Gipfel zugesagt

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Teilnahme am im Herbst bevorstehenden Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) nach Angaben des Vorsitzlandes Indonesien zugesagt. Dies teilte der indonesische Präsident Joko Widodo am Freitag mit. Aus dem Kreml in Moskau hiess es unterdessen lediglich: «Russland wird sich auf diesen Gipfel vorbereiten.» Es sei aber noch zu früh, über «irgendwelche anderen Modalitäten unserer Teilnahme» zu reden, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

Zu dem für Mitte November auf der Insel Bali geplanten Treffen ist auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski eingeladen, wie dieser am Mittwoch bereits selbst mitgeteilt hatte. Die Gipfel-Vorbereitung wird überschattet von dem Krieg, den Russland seit mehr als zwei Monaten gegen die Ukraine führt. «Wir wissen, dass die G20 eine Katalysatorfunktion für die weltweite wirtschaftliche Erholung haben, und zwei Dinge beeinträchtigen die weltweite wirtschaftliche Erholung: Corona und der Krieg in der Ukraine», sagte Joko Widodo in einer auf Youtube veröffentlichten Rede. Daher habe er Selenski bei einem Telefonat am Mittwoch eingeladen.

Der indonesische Präsident sagte weiterhin, er habe eine Bitte Selenskyis nach Waffenlieferungen in die Ukraine abgelehnt. Der südostasiatische Inselstaat sei aber bereit, humanitäre Hilfe zu leisten. In einem Telefongespräch mit Putin habe er zudem kürzlich ein Ende des Krieges gefordert. (dpa)

Mutmassliche Kriegsverbrechen: London will Experten in Ukraine senden

Die britische Regierung will Kiew mit Experten für die Untersuchung von Kriegsverbrechen unterstützen. Das teilte die britische Aussenministerin Liz Truss bei einem Besuch im niederländischen Den Haag am Freitag mit. Die Experten sollen demnach bereits Anfang Mai nach Polen reisen. Es gehe darum, ein breites Spektrum von Beweisen für Gräueltaten und sexuelle Gewalt gegen Frauen zu sichern wie Zeugenaussagen, gerichtsmedizinische Beweise und Aufnahmen, sagte Truss vor Reportern in Den Haag. Sie fügte hinzu: «Wir werden auch britische Geheimdiensterkenntnisse verwenden, um dabei zu helfen, den Zusammenhang zwischen den Geschehnissen an der Front und der russischen Führung aufzuzeigen.» Es sei wichtig, dass jeder in der Befehlskette zur Verantwortung gezogen werde. (dpa)

Journalistin von US-Radiosender bei Angriffen in Kiew getötet

Bei den jüngsten Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde eine Journalistin des US-Auslandssenders Radio Liberty getötet. Russische Truppen hatten während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag mehrere Raketen auf Kiew abgefeuert. Dabei wurden mindestens zehn weitere Menschen verletzt. (has)

Bericht: Britische Helfer in Ukraine von Russen gefangen genommen

Zwei britische Freiwillige, die in der Ukraine humanitäre Hilfe leisten wollten, sind nach Angaben einer britischen Hilfsorganisation von russischen Truppen gefangen genommen worden. Die beiden Männer waren einem Bericht der BBC vom Freitag zufolge auf eigene Faust in der Ukraine tätig, hielten aber Kontakt zu der Organisation Presidium Network, die über ihre Festnahme informierte. Demnach hatten die beiden versucht, eine ukrainische Familie aus einem Dorf nahe der Stadt Saporischschja zu evakuieren, als sie festgenommen wurden. Das britische Aussenministerium teilte mit, man versuche mit Hochdruck, an mehr Informationen über den Fall zu kommen. (dpa)

Ukraine bittet um internationale Hilfe bei Minenräumung

Die Ukraine hat die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der Räumung von Minen in den Kampfgebieten gebeten. Benötigt würden Spezialisten und Technik, sagte der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj nach Angaben der «Ukrajinska Prawda» am Freitag. «Auf einen Tag aktiver Kampfhandlungen kommen 30 Tage Minenräumung.» So hätten allein die Kämpfe im Gebiet der Hauptstadt Kiew 30 bis 35 Tage gedauert. Die Säuberung des Territoriums würde dort theoretisch mehr als zwei Jahre dauern.

Ein ukrainischer Soldat sucht nach Minen in einem Vorort von Kiew. (21. April 2022)

Ein ukrainischer Soldat sucht nach Minen in einem Vorort von Kiew. (21. April 2022)

Sergey Dolzhenko / EPA

Der Minister warnte, dass mit dem Beginn des Frühlings Gras über Minen wachsen könnte, so dass sie nur noch mit speziellen Suchgeräten geortet werden könnten. Die Ukraine habe zu wenig Spezialkräfte und daher internationale Organisationen gebeten, Helfer und Ausrüstung zu schicken. (dpa)

Nach Guterres-Besuch: Russland bestätigt Angriff auf Kiew

Einen Tag nach dem Besuch von UN-Generalsekretär António Guterres in Kiew hat Russlands Militär Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt bestätigt. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte am Freitag in Moskau, Hochpräzisionsraketen mit grosser Reichweite hätten Fabrikgebäude des ukrainischen Raketenherstellers «Artem» getroffen. Den genauen Zeitpunkt der russischen Angriffe nannte er nicht.

Ukrainischen Angaben zufolge ereigneten sich die Angriffe am Donnerstagabend, als Guterres noch in der Stadt war. Dabei sei auch ein Wohnhaus getroffen worden. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete am Freitag, dass aus den Trümmern eine Leiche geborgen worden sei. Zudem seien zehn Menschen verletzt worden. Guterres sagte dem britischen Sender BBC: «Ich war geschockt zu hören, dass in der Stadt, in der ich mich aufhalte, zwei Raketen explodiert sind.» (dpa)

Kiew meldet Pause bei russischen Bodenangriffen in Ostukraine

Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben ihre Bodenangriffe im Osten der Ukraine in der Nacht zum Freitag vorläufig eingestellt. «In Richtung Isjum hat (der Feind) keine aktiven Angriffshandlungen durchgeführt», teilte der ukrainische Generalstab am Vormittag in seinem Lagebericht mit. Die russischen Kräfte beschränkten ihre Aktivitäten demnach auf Aufklärung und Artilleriebeschuss. Die Gegend um Isjum im Gebiet Charkiw war in den vergangenen Tagen die Hauptstossrichtung der russischen Truppen. Durch den Vorstoss nach Süden sollten die ukrainischen Kräfte im Donbassgebiet eingekesselt werden.

Auch an anderen Frontabschnitten blieb es verhältnismässig ruhig. Vor Donezk meldete der ukrainische Generalstab ebenfalls Artilleriebeschuss, aber keine weiteren Sturmversuche. In Mariupol würden die eingeschlossenen Einheiten im Stahlwerk Azovstal weiter blockiert, heisst es. Auch die ukrainische Armee beschränkte sich nach Angaben des Generalstabs in erster Linie auf Abwehrarbeiten. So wurden in der Nacht 15 Flugobjekte abgeschossen: neben einem Flugzeug fünf Marschflugkörper und neun Drohnen. Unabhängig liessen sich die Berichte nicht überprüfen. (dpa)

Selenski erfreut über neue US-Hilfe – die Nacht im Überblick

Die Ukraine erhält weiterhin massive Unterstützung aus den USA. Nachdem US-Präsident Biden angekündigt hatte, er wolle weitere 33 Milliarden US-Dollar für Kiew beantragen, verabschiedete der US-Kongress eine neue Version des Lend-Lease-Gesetzes, mit dem neben der Ukraine auch weitere osteuropäische Staaten unproblematisch und unbürokratisch militärische Hilfe erhalten können. Der ukrainische Präsident Selenski dankte Washington und sprach von einem «wichtigen Schritt».

Die russischen Truppen setzten unterdessen ihre Angriffe in der Ukraine fort. Neben der Hafenstadt Odessa wurde auch die Hauptstadt Kiew von Raketen getroffen - während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres.

Selenski dankt Biden für neue Milliardenhilfen

In seiner täglichen Videobotschaft dankte Selenski sowohl US-Präsident Joe Biden als auch dem amerikanischen Volk für die Hilfe, die der Kongress «hoffentlich schnell» unterstützen werde. Biden hatte zuvor in Washington angekündigt, den Kongress um die Bewilligung von weiteren 33 Milliarden US-Dollar für die Ukraine zu bitten. 20 Milliarden davon sollen für Militärhilfe genutzt werden, etwa 8,5 Milliarden für wirtschaftliche Hilfe.

Seit Kriegsbeginn Ende Februar sagten die USA der ehemaligen Sowjetrepublik allein Waffen und Munition im Wert von mehr als 3,7 Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) zu oder lieferten auch schon. Der US-Kongress hatte erst im März einen Haushalt beschlossen, in dem bis Ende September 13,6 Milliarden Dollar humanitäre, wirtschaftliche und militärische Hilfe vorgesehen sind.

Historische Regelung in USA für Rüstungslieferungen an Ukraine

In Anlehnung an eine Regelung aus dem Zweiten Weltkrieg wollen die USA die Lieferung von Rüstungsgütern an die Ukraine und andere osteuropäische Staaten erleichtern. Nach dem Senat beschloss am Donnerstag auch das Repräsentantenhaus einen entsprechenden Gesetzentwurf. Der Präsident wird zeitlich befristet bis 2023 ermächtigt, der Ukraine und anderen Staaten in Osteuropa, die vom russischen Angriffskrieg betroffen sind, militärische Ausrüstung zu leihen oder zu verpachten.

Ein ähnliches Leih- und Pachtgesetz hatte der US-Kongress 1941 während des Zweiten Weltkrieges verabschiedet: Dies erlaubte es Amerika, zügig und in grossem Umgang Rüstungsgüter an Alliierte im Kampf gegen die Nationalsozialisten zu liefern. Davon profitierten damals vor allem Grossbritannien und die Sowjetunion.

Raketen auf Kiew während Guterres-Besuchs

Russische Truppen feuerten während des Kiew-Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres mehrere Raketen auf die ukrainische Hauptstadt ab. Dabei wurden zehn Menschen getötet oder verletzt. Russlands Militärführung hatte in dieser Woche damit gedroht, die ukrainische Hauptstadt anzugreifen, auch wenn sich dort ausländische Politiker zu Besuch aufhielten.

Der ukrainische Präsidentenberater Michail Podoljak sagte, vor kurzem noch habe Guterres im Kreml gesessen und «heute gibt es nur einen Kilometer von ihm entfernt Explosionen. Ist das ein Gruss aus Moskau?» Guterres sagte dem britischen Sender BBC später: «Ich war geschockt, davon zu hören, dass in der Stadt, in der ich mich aufhalte, zwei Raketen explodiert sind.»

Ein weiterer Präsidentenberater kritisierte die Raketenangriffe als «dümmste Variante überhaupt». Russland habe Guterres mit diesem Angriff «in den Rücken geschossen», sagte Olexyj Arestowytsch.

Russische Angriffe treffen Lazarett in Mariupol

Bei einem russischen Angriff auf die im Stahlwerk Azovstal verschanzten letzten Verteidiger Mariupols ist das dort eingerichtete Feldlazarett unter schweren Beschuss geraten. Nach einem Bericht der «Ukrajinska Prawda» kam dabei mindestens ein Soldat ums Leben, rund 100 Patienten erlitten weitere Verletzungen. Nach Darstellung der Verteidiger sei das Lazarett, in dem sich rund 500 Verwundete und Ärzte aufhielten, gezielt angegriffen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Im Werk Azovstal haben sich die letzten Verteidiger der Hafenstadt Mariupol sowie zahlreiche Zivilisten verschanzt. Trotz wiederholter Aufforderung von russischer Seite lehnen sie eine Kapitulation ab.

Russische Raketen auf ukrainische Hafenstadt Odessa

Die südukrainische Hafenstadt Odessa geriet am Donnerstagabend unter Raketenbeschuss. Dabei habe die Luftabwehr drei russische Raketen abgeschossen, sagte der örtliche Militärvertreter Maxim Martschenko. «Wir haben den Himmel unter Kontrolle.» Zuvor sei bereits eine russische Aufklärungsdrohne zerstört worden. (dpa)

Moskau will über Korridor aus Stahlwerk in Mariupol nicht verhandeln

Russland hat die Forderung nach Verhandlungen um einen Korridor für alle im Stahlwerk Eingeschlossenen abgelehnt. «Präsident (Wladimir Putin) hat es ganz klar gesagt: Die Zivilisten können gehen und zwar in jede Richtung, die Militärs müssen rauskommen und ihre Waffen niederlegen», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Ihnen werde das Leben und medizinische Versorgung garantiert. Mehr aber nicht. Einen freien Abzug will ihnen Moskau nicht gewähren.

Es gebe kein Thema für Verhandlungen, betonte Peskow. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski nach Gesprächen mit UN-Generalsekretär António Guterres erklärt, Kiew sei zu sofortigen Verhandlungen über einen humanitären Korridor aus dem Stahlwerk Azovstal bereit. (dpa)

Russische Raketen auf ukrainische Hafenstadt Odessa

Die südukrainische Hafenstadt Odessa ist am Donnerstagabend unter Raketenbeschuss geraten. Dabei habe die Luftabwehr drei russische Raketen abgeschossen, sagte der örtliche Militärvertreter Maxim Martschenko. «Wir haben den Himmel unter Kontrolle.» Zuvor sei bereits eine russische Aufklärungsdrohne zerstört worden. In der Stadt seien am Abend jedoch mehrere Explosionen zu hören gewesen, berichtete unter anderem die «Ukrajinska Prawda». (dpa)

Zwei schwere Explosionen erschüttern Kiew während Besuch von UN-Chef

Während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres hat es in der Nähe des Kiewer Stadtzentrums mehrere Explosionen gegeben. «Am Abend hat der Feind Kiew beschossen: Zwei Explosionen im Stadtbezirk Schewtschenko», teilte Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag mit.

Während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres hat es in Kiew mehrere Explosionen gegeben.

Während des Besuchs von UN-Generalsekretär António Guterres hat es in Kiew mehrere Explosionen gegeben.

Keystone

Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes wurde dabei ein Wohnhaus getroffen. Es gebe mehrere Verletzte, sagte Behördensprecherin Switlana Wodolaga dem Fernsehsender Hromadske. Die genaue Anzahl der Opfer war zunächst nicht bekannt. (dpa)

Kiew fordert sofortige Verhandlungen zu Evakuierung von Azovstal

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat sich bereit erklärt, sofort über die Evakuierung der im Stahlwerk von Mariupol eingeschlossenen Menschen zu verhandeln und die Verhandlungsergebnisse ebenso schnell umzusetzen. «Wir erwarten von der Russischen Föderation eine humane Haltung gegenüber diesen Menschen», sagte er nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag. Im Stahlwerk Azovstal sind nach ukrainischen Angaben neben Soldaten und Kämpfern des nationalistischen Asow-Regiments auch bis zu 1000 Zivilisten eingesperrt. (dpa)

Guterres und Selenski besprechen Flüchtlingskorridor für Mariupol

UN-Generalsekretär António Guterres und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski haben die Bildung eines Flüchtlingskorridors für die nach wochenlangen Kämpfen schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol besprochen. «Mariupol ist eine Krise innerhalb einer Krise, tausende Zivilisten brauchen lebensrettende Hilfe», sagte Guterres am Donnerstag. Sie bräuchten eine Fluchtroute, um der «Apokalypse» zu entkommen.

Der UN-Chef berichtete Selenski, dass er bei seinem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin am Dienstag eine prinzipielle Zusage dafür bekommen habe, dass die Vereinten Nationen beim Aufbau eines solchen Fluchtkorridors zusammen mit dem Roten Kreuz beteiligt würden. (dpa)

Russisches Militär meldet weitere schwere Luftangriffe auf Ukraine

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben erneut schwere Luftangriffe gegen die Ukraine geführt. «Die taktische Luftwaffe der russischen Streitkräfte hat 76 Militärobjekte beschossen», teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag mit. Dabei seien zwei Munitionsdepots und eine Reihe von Truppenansammlungen und Militärkonvois getroffen worden. Die gegnerischen Verluste bezifferte Konaschenkow dabei auf mehr als 320 Soldaten. (dpa)

Mehrere Städte in der Südukraine melden russischen Beschuss

Die südukrainischen Städte Odessa und Mykolajiw sind laut Behördenangaben von russischen Truppen beschossen worden. «Mykolajiw wurde wieder von Schlägen der Mehrfachraketenwerfer des Typs Smertsch getroffen», teilte die Militärführung des Wehrbezirks Südukraine am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mit. Durch den Beschuss seien Dutzende Privatwohnungen, Autos und Geschäfte beschädigt worden.

Auch aus der Millionenstadt Odessa wurden am Donnerstagabend Explosionen gemeldet. Der Leiter der örtlichen Militärverwaltung Serhiy Bratschuk versicherte allerdings, dass die Luftabwehr die Lage unter Kontrolle habe. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt. (dpa)

Biden will Waffen im Wert von 6 Milliarden Dollar an die Ukraine liefern

Billig ist das nicht. 33 Milliarden Dollar soll das nächste amerikanische Hilfspaket für die Ukraine kosten – wobei gegen 6 Milliarden Dollar in neue Waffenlieferungen an Kiew fliessen könnten. Dies gab Präsident Joe Biden am Donnerstag im Weissen Haus bekannt.

UN-Generalsekretär fordert Aufklärung der Kriegsgräuel von Butscha

UN-Generalsekretär António Guterres hat bei einem Besuch in der ukrainischen Stadt Butscha die Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofs zu den dortigen Kriegsgräueln unterstützt. Es sei wichtig, den Horror «sorgfältig aufzuklären» und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Guterres am Donnerstag in der Vorortgemeinde von Kiew. Er appellierte an Russland, mit dem Gericht zusammenzuarbeiten. Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus Butscha hatten Anfang des Monats rund um die Welt für Entsetzen gesorgt. (dpa)

Kiew: 35 von 49 Verwaltungschefs in Cherson von Russen entführt

Während der russischen Besatzung sind im südukrainischen Gebiet Cherson nach Angaben aus Kiew die Chefs von 35 der 49 Verwaltungseinheiten entführt worden. «17 von ihnen wurden freigelassen, aber viele sind in Gefangenschaft», schrieb die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denisowa, am Donnerstag. Die russischen Truppen «entführen und foltern die Bewohner der vorübergehend besetzten ukrainischen Gebiete, sie plündern Weltkulturerbestätten». (dpa)

Britischer Staatsbürger in Ukraine getötet - ein weiterer vermisst

Ein britischer Staatsbürger ist in der Ukraine getötet worden. Das teilte das Aussenministerium in London am Donnerstag mit. Ein weiterer Brite werde vermisst, hiess es zudem. Weitere Details gab es zunächst nicht. Wie der Nachrichtensender «Sky News» berichtete, waren die beiden Männer womöglich im russischen Angriffskrieg in der Ukraine aufseiten der ukrainischen Streitkräfte in Kampfhandlungen verwickelt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es aber zunächst nicht. (dpa)

3,5 Milliarden Euro an EU-Länder für Ukraine-Flüchtlinge

Die EU-Kommission hat verschiedene Mitgliedsstaaten bislang mit 3,5 Milliarden Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine unterstützt. Das Geld sei als Vorschuss gedacht, damit die Länder Bedürftigen beispielsweise Lebensmittel, Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Bildung anbieten können, sagte der zuständige EU-Kommissar Nicolas Schmit am Donnerstag in Brüssel.

Mit gut 560 Millionen Euro erhielt Polen das meiste Geld. Die weiteren ukrainischen Nachbarländer Rumänien und Ungarn bekamen 450 Millionen beziehungsweise knapp 300 Millionen. Deutschland wurden 75 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das restliche Geld verteilt sich auf die übrigen 23 EU-Länder. (dpa)

Deutschland billigt Lieferung schwerer Waffen an Ukraine

Mit dem Ja des Bundestags zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine hat Deutschland eine weitere Kehrtwende vollzogen und sich im russischen Angriffskrieg so klar wie nie an die Seite Kiews gestellt. Das Parlament beschloss am Donnerstag in Berlin mit grosser Mehrheit einen gemeinsamen Antrag von Ampel-Koalition und Union. Die Opposition aus Linken und AfD sieht die Gefahr eines Atomkriegs, weil Deutschland nun zur Kriegspartei werde.

Die Regierung in Kiew, die schon lange schwere Waffen gefordert hatte, lobte Berlin für das klare Votum. Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew sieht die Entscheidung hingegen als Rückfall in die Nazi-Zeit. «Es wird traurig enden.» (dpa)

Putin dankt Erdogan für Gefangenenaustausch mit USA

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan für Unterstützung bei einem Gefangenaustausch mit den USA gedankt. Erdogan habe geholfen, dass auf dem Flughafen der türkischen Hauptstadt Ankara der Russe Konstantin Jaroschenko gegen den US-Amerikaner Trevor Reed ausgetauscht werden konnte, teilte der Kreml am Donnerstag mit.

Moskau und Washington hatten am Mittwoch überraschend über die seit langem diskutierte Vereinbarung informiert. Das kam unerwartet, weil sich die ohnehin gespannten Beziehungen durch den Krieg in der Ukraine noch einmal deutlich verschärften. (dpa)

Gazprom: Polen kauft weiter russisches Gas – über Deutschland

Ungeachtet der Einstellung direkter Lieferungen kauft Polen nach Angaben des Energieriesen Gazprom weiter russisches Gas – nun über Deutschland. «Es wurde feierlich verkündet, dass russisches Gas nicht mehr gebraucht wird und man es nicht kaufen wird. Aber in Wirklichkeit ist das nicht so», sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow am Donnerstag der russischen Agentur Interfax zufolge. Über die Jamal-Europa-Pipeline fliessen laut Kuprijanow täglich rund 30 Millionen Kubikmeter Gas aus Deutschland zurück nach Polen. Gazprom hatte am Mittwoch bestätigt, nach Polen sowie nach Bulgarien kein Gas mehr zu liefern. (dpa)

Russland laufen die Programmierer davon

Viele russische IT-Spezialisten glauben den Worten ihres Staates längst nicht mehr – und verlassen in Scharen ihr Land, seit Russland seine «militärische Spezialoperation» in der Ukraine gestartet hat.

Bereits im März sprach Sergej Plugotarenko, der Chef der russischen Vereinigung elektronischer Kommunikation von bis zu 70’000 IT-Spezialisten, die das Land verlassen hätten. Für April kam er auf Zahlen von 100’000 Programmierern und Software-Entwicklern.

Scholz: Deutschland muss auf Gas-Stopp vorbereitet sein

Deutschland muss nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz auf einen russischen Gas-Lieferstopp vorbereitet sein – auch wenn unklar ist, ob er kommt. «Ob und welche Entscheidung die russische Regierung in dieser Hinsicht treffen wird, kann man nur spekulieren, macht aber wenig Sinn», sagte der Kanzler am Donnerstag im japanischen Tokio. «Man muss sich darauf vorbereiten.» Damit habe die Bundesregierung schon begonnen, bevor der Krieg ausgebrochen sei.

Russland hatte Bulgarien und Polen am Mittwoch den Gashahn abgedreht. Grund sei, dass die Unternehmen PGNiG und Bulgargaz nicht rechtzeitig in Rubel gezahlt hätten. (dpa)

Prorussische Separatisten sprechen von 3000 ukrainischen Gefangenen

Die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine haben nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn mehr als 3000 ukrainische Kämpfer gefangen genommen. «Es wurde eine Zahl von gut 3000 genannt, vielleicht sind es inzwischen sogar noch mehr», sagte der Vertreter der selbst ernannten «Volksrepublik Donezk», Eduard Bassurin, am Donnerstag der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge.

Am Mittwoch hatte Juri Sirowatko, ein anderer hochrangiger Separatistenvertreter aus Donezk, noch von 26'000 Gefangenen gesprochen. Für sie seien drei Gefangenenlager eingerichtet worden. Nach Angaben Sirowatkos sind etwa 100 Ukrainer als «Kriegsverbrecher» in Gewahrsam. Von unabhängiger Seite sind die Angaben nicht zu überprüfen. Kiew hat keine Zahlen zu Ukrainern in russischer Kriegsgefangenschaft genannt. (dpa)

Ukraine kündigt Angriffe auf Ziele in Russland an

Die ukrainische Führung hat Angriffe auf Ziele in Russland angekündigt. «Russland hat Zivilisten angegriffen und getötet», schrieb Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Donnerstag bei Twitter. «Die Ukraine wird sich auf jede mögliche Weise verteidigen, einschliesslich Attacken gegen Lager und Stützpunkte der russischen Mörder. Die Welt erkennt dieses Recht an.»

Podoljak verwies auf US-Aussenminister Antony Blinken, der gesagt habe, die Ukraine müsse selbst entscheiden, ob sie militärische Einrichtungen in Russland angreife. Auch die britische Regierung hatte Verständnis für solche Angriffe gezeigt.

Zuletzt hatte es mehrmals Berichte über Brände in russischen Treibstoffdepots nahe der Grenze zur Ukraine gegeben. Es war unklar, ob es sich um Unfälle, Sabotage oder ukrainische Angriffe handelt. Auch in einem russischen Militärinstitut für Raketenforschung in der Grossstadt Twer nordwestlich von Moskau kam es zu einem Feuer. Die Regierung in Kiew äusserte sich bisher nicht, ob sie für die Brände verantwortlich ist. (dpa)

Ein wichtiges Zeichen der Solidarität – der Besuch der Schweizer Delegation in der Ukraine

Einen Tag nach der Reise in die Ukraine informierte die Schweizer Parlamentsdelegation an einer Medienkonferenz. Sowohl  Nationalratspräsidentin Irène Kälin, als auch die Nationalräte Yves Nidegger (SVP), Roger Nordmann(SP) und Nik Gugger (EVP) betonten, wie überrascht sie von der Dankbarkeit der Ukrainerinnen und Ukrainer gewesen seien.

Der Besuch vor Ort sei ein wichtiges Zeichen der Solidarität für die Bevölkerung. Dieser verstosse auch nicht gegen die Schweizer Neutralität. Waffenlieferungen seien zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen. Weiter zeigte sich die Delegation erstaunt und erfreut darüber, dass die Ukraine den Wiederaufbau des Landes bereits konkret plane. Dort könne die Schweiz aktiv Hilfe leisten.

43’014 Kriegsflüchtlinge in der Schweiz

In der Schweiz sind bis Donnerstag 43’014 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine registriert worden. Das schreibt das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Donnerstag. Den Schutzstatus S erhalten haben bis Donnerstag 35’928 ukrainische Flüchtlinge. Das waren 979 mehr als am Vortag. Aus der Ukraine ins Ausland geflüchtet sind seit Kriegsbeginn 5.4 Millionen Menschen.

Deutscher Bundestag mit grosser Mehrheit für Lieferung schwerer Waffen

Der deutsche Bundestag hat Donnerstag mit einem gemeinsamen Antrag der Union und der regierenden Ampel-Parteien für eine Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gestimmt.

Mit grosser Mehrheit von 586 Stimmen forderten die Abgeordneten die Bundesregierung auf, die «Lieferung benötigter Ausrüstung an die Ukraine fortzusetzen und wo möglich zu beschleunigen und dabei auch die Lieferung auf schwere Waffen und komplexe Systeme etwa im Rahmen des Ringtausches zu erweitern». Mit Nein stimmten 100 Abgeordnete, 7 enthielten sich. (dpa)

US-Medien: Russland setzt Delfine zum Schutz seiner Flotte ein

Die russische Marine setzt laut US-Medienberichten auch vom Militär trainierte Delfine ein, um ihre Flotte im Schwarzen Meer zu beschützen. An der Einfahrt zum Hafen von Sewastopol seien dazu zwei Unterwassergehege platziert worden, schrieb das unabhängige US Naval Institute (USNI). Satelliten-Aufnahmen legten nahe, dass die Gehege im Februar dorthin verlegt worden seien, etwa zu der Zeit, als Russlands Angriff auf die Ukraine begann.

Denkbar sei, dass die Delfine zur Abwehr feindlicher Taucher eingesetzt werden sollen, die versuchen könnten, in den Hafen einzudringen und Kriegsschiffe zu sabotieren. Viele davon seien derzeit ausser Reichweite ukrainischer Raketen.

Die «Washington Post» schrieb, der US-Satellitenfotodienst Maxar teile die Einschätzung der USNI-Experten. Der Anbieter hatte der Zeitung entsprechende Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Angesichts ihres hervorragenden Gehörsinns seien die Meeressäuger in der Lage, Minen und andere potenziell gefährliche Gegenstände aufzuspüren, hiess es weiter. Auch das US-Militär trainiere seit den 1960er Jahren Delfine und Seelöwen, um sie gegen Bedrohungen unter Wasser einzusetzen. (dpa)

«Sehr bewegend» und «zugleich hoffnungsvoll»: Irène Kälin berichtet über die Reise in die Ukraine

Nationalratspräsidentin Irène Kälin hat mit einer Schweizer Parlamentsdelegation Kiew und die Vorstädte Hostomel und Irpin besucht. Im Interview zieht sie Bilanz. Sie sagt, was sie hoffnungsvoll stimmt, welche Hilfe von der Schweiz erwartet wird – und wie sie als Grüne zu Pazifismus und Armee steht.

Ukrainisches Militär meldet verstärkte russische Angriffe im Osten

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Generalstabs in Kiew das Tempo ihrer Angriffe im Osten der Ukraine deutlich erhöht. Die russischen Besatzer würden praktisch von allen Seiten intensiv angreifen und Ziele unter Beschuss nehmen, teilte der Stab am Donnerstag in der ukrainischen Hauptstadt mit. Moskau ziehe zusätzliche Kräfte in die Nähe von Isjum im Gebiet Charkiw zusammen - mit dem Ziel, die Verteidiger der Ukraine im Osten einzukreisen, hiess es weiter.

Der Gegner strebe vor allem weiter nach voller Kontrolle über die Gebiete Luhansk und Donezk, um einen Landkorridor zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu etablieren. Nach Darstellung des Generalstabs in Kiew nutzen die russischen Streitkräfte auch weiter den Flughafen von Melitopol im Gebiet Saporischschja als Basis für ihre Kampfflugzeuge und –hubschrauber.

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, berichtete im Nachrichtenkanal Telegram von schweren Zerstörungen in den umkämpften Städten Lyssytschansk und Popasna. Vier Menschen seien bei russischen Angriffen im Gebiet Luhansk innerhalb eines Tages getötet und vier weitere verletzt worden. Die russische Armee habe mit Luftschlägen und Artillerie Dutzende Male zivile Ziele beschossen, sagte Hajdaj. (dpa)

Selenskyj wirft Russland «Erpressung» vor – die Nacht im Überblick

Kiew hat «Brückenkopf» Transnistrien im Blick

«Wir haben Transnistrien immer als Brückenkopf betrachtet, von dem gewisse Risiken für uns ausgehen können», sagte Präsidentenberater Mychajlo Podoljak nach Angaben der Agentur Unian am Mittwochabend. Die ukrainische Führung sei sich der von Transnistrien ausgehenden Gefahren bewusst, weshalb in den ukrainischen Regionen Odessa und Winnyzja «unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung alles gut durchdacht» sei. Die jüngsten Explosionen bezeichnete er als Versuch der Provokation. «Es ist alles so, wie es die Russische Föderation immer macht.» Rückhalt der Separatisten in der von Moldau abtrünnigen Region ist ein Kontingent dort stationierter russischer Soldaten.

Selenski: Russland betrachtet jeglichen Handel als Waffe

Präsident Selenski kritisierte den russischen Lieferstopp für Gas an Polen und Bulgarien scharf. «In dieser Woche hat die russische Führung eine neue Serie von Energieerpressungen gegenüber den Europäern begonnen», sagte er in einer Videobotschaft. «Russland betrachtet nicht nur Gas, sondern auch jeden anderen Handel als Waffe.» Dafür warte Moskau nur auf einen günstigen Moment.

«Entweder um die Europäer damit politisch zu erpressen. Oder um die russische Kriegsmaschinerie zu stärken, die ein geeintes Europa als Ziel ansieht», meinte Selenski. Je früher Europa erkenne, dass es im Handel nicht von Russland abhängig sein könne, desto eher werde die Stabilität der europäischen Märkte gewährleistet sein.

Ukrainische Exporte in die EU sollen von Zöllen befreit werden

Selenski lobte einen Vorschlag der EU-Kommission, Exporte aus der Ukraine in die EU befristet von Einfuhrzöllen zu befreien. «Russland versucht, eine weltweite Preiskrise zu provozieren. Damit das Chaos auf allen Basismärkten und insbesondere auf dem Lebensmittelmarkt beginnen kann», sagte er. Die ukrainischen Exporte könnten aber zur Stabilisierung der Märkte beitragen. «Es kommt also nicht nur uns, sondern allen Europäern zugute. Den Einwohnern aller Länder, die von Russlands zerstörerischen Ambitionen betroffen sein könnten.»

Der für Handel zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis sagte, die EU habe noch nie zuvor derartige Massnahmen zur Handelsliberalisierung ergriffen. Auch Anti-Dumping-Massnahmen gegen ukrainische Stahlexporte sollen für ein Jahr ausgesetzt werden. Das EU-Parlament und die EU-Länder müssen zustimmen, Änderungen am Vorschlag sind möglich.

Russland kritisiert USA für Weitergabe von Hubschraubern an Ukraine

Russland protestierte unterdessen gegen die Weitergabe von Hubschraubern aus russischer Produktion an die Ukraine durch die USA. Der Vertrag von 2011 lege fest, dass die Hubschrauber für Afghanistan vorgesehen seien und nur mit russischer Zustimmung an andere Länder weitergegeben werden dürften, teilte die für militärtechnische Zusammenarbeit zuständige Behörde FSWTS mit. Eine Belieferung der Ukraine sei rechtswidrig und eine grobe Vertragsverletzung.

Vor Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar hatten die USA der Ukraine fünf der ursprünglich für Afghanistan bestimmten Hubschrauber vom Typ Mi-17 überlassen. Mitte April kündigte Washington an, Kiew elf weitere Hubschrauber zu schicken. Die USA hatten die Maschinen russischer Bauart zunächst für die afghanischen Streitkräfte angeschafft, es kam jedoch wegen der Machtübernahme durch die Taliban nicht zu einer Übergabe.

Tote und Verletzte durch weiteren Beschuss

Ukrainischen Angaben zufolge wurden durch neuen Beschuss in der Region Charkiw mindestens drei Menschen getötet und sechs verletzt, darunter ein 14 Jahre altes Kind. Die örtliche Verwaltung machte Russland für die zivilen Opfer verantwortlich. Aus der Stadt Cherson, deren Einnahme Russland gemeldet hatte, wurden mehrere Explosionen berichtet. Die Detonationen hätten sich unweit des Fernsehzentrums ereignet, teilten ukrainische Medien mit. Danach sei ein Feuer ausgebrochen. In der Nähe von Odessa schoss die Luftabwehr eine russische Spionagedrohne ab, wie die ukrainische Armee mitteilte. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

Klitschko lässt ukrainisch-russisches Monument in Kiew entfernen

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew liess Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des russischen Angriffskrieges ein Denkmal für die Freundschaft beider Völker entfernen. Das riesige Monument zweier Arbeiter – eines Ukrainers und eines Russen – wurde abgerissen. Zuerst sei der Kopf des russischen Arbeiters gefallen, sagte Klitschko. Das Bild war am Mittwoch in vielen Medien zu sehen. Insgesamt sei die Demontage nicht einfach gewesen, aber letztlich geglückt. Das habe Symbolkraft. «Wir müssen den Feind und den russischen Besatzer aus unserem Land vertreiben», sagte Klitschko.

Das wird heute wichtig

UN-Generalsekretär António Guterres setzt seine Vermittlungsreise fort und will Präsident Selenski in Kiew treffen. Eines der Hauptthemen dürfte wie beim vorherigen Besuch in Moskau die Lage in der Stadt Mariupol sein, wo Truppen und Zivilisten von der russischen Armee eingekesselt sind. (dpa)

Clooney: Russische Gräueltaten durch jahrelange Ignoranz ermöglicht

Die mutmasslich von russischen Soldaten verübten Gräueltaten in der Ukraine wurden nach Meinung von Menschenrechtsanwältin Amal Clooney durch jahrelanges Wegschauen in anderen Konflikten ermöglicht. «Zu lange haben wir zugesehen, wie Täter bei massenhaften Verstössen gegen die Menschenrechte ohne Folgen gemordet, gefoltert und vergewaltigt haben - von Darfur über Myanmar bis in den Jemen», sagte Clooney am Mittwoch bei einer Sitzung der Staaten des UN-Sicherheitsrates in New York. Bei dem Treffen ging es darum, wie Russland für Verletzungen des Kriegsrechts zur Verantwortung gezogen werden kann. (dpa)

Amal Clooney bei einer Sitzung der Staaten des UN-Sicherheitsrates in New York.

Amal Clooney bei einer Sitzung der Staaten des UN-Sicherheitsrates in New York.

Justin Lane / EPA

Weltstrafgerichtshof: Chefankläger beklagt Kommunikation mit Moskau

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs hat die Kommunikation mit Russland über Gräueltaten in der Ukraine bemängelt. «Ich habe drei Mitteilungen an die Russische Föderation geschickt. Ich habe keine Antwort erhalten», sagte Karim Khan am Mittwoch bei einer Sitzung der Staaten des UN-Sicherheitsrates in New York. Bei dem Treffen ging es darum, wie Russland für Verletzungen des Kriegsrechts zur Verantwortung gezogen werden kann. (dpa)

Klitschko lässt ukrainisch-russisches Monument in Kiew entfernen

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des russischen Angriffskrieges ein Denkmal für die Freundschaft beider Völker entfernen lassen. Das riesige Monument zweiter Arbeiter – eines Ukrainers und eines Russen – wurde abgerissen. «Nicht ohne Anstrengung, aber die sowjetische Skulptur der beiden Arbeiter (ein Symbol für die Vereinigung der Ukraine und Russland) wurde heute Abend entfernt», teilte Klitschko bereits am Dienstag mit.

Zuerst sei der Kopf des russischen Arbeiters gefallen, sagte er. Das Bild war am Mittwoch in vielen Medien zu sehen. Insgesamt sei die Demontage nicht einfach gewesen, aber letztlich geglückt. Das habe Symbolkraft. «Wir müssen den Feind und den russischen Besatzer aus unserem Land vertreiben», sagte Klitschko. Er veröffentlichte auch ein Video zu der Aktion. (dpa)

«Selbstprofilierungs-Trip»: SVP kritisiert höchste Schweizerin Irène Kälin

Die höchste Schweizerin Irène Kälin ist am Mittwoch zu einem offiziellen Besuch in die Ukraine eingetroffen. Wie Agenturbilder zeigen, traf Irène Kälin in Kiew im Rahmen des Besuchs Ruslan Stefanchuk, den Präsidenten des ukrainischen Parlaments. Die SVP findet indes überhaupt keinen Gefallen an der Reise der Aargauer Grünen-Politikerin:

Serbien und Ungarn: Gas-Transit durch Bulgarien funktioniert weiter

Trotz des Lieferstopps nach Bulgarien verläuft die Weiterleitung des für Serbien und Ungarn bestimmten russischen Gases nach Angaben der Regierungen in Belgrad und Budapest bisher reibungslos. «Wir beziehen das Gas ordnungsgemäss in den vereinbarten Mengen über die Pipeline Balkan Stream», teilte die serbische Energieministerin Zorana Mihajlovic am Mittwoch mit.

Ähnlich äusserte sich der ungarische Aussenminister Peter Szijjarto. «Die Lieferung des russischen Erdgases erfolgt reibungslos und vereinbarungsgemäss entlang der Strecke, die durch die Türkei, Bulgarien und Serbien führt», sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. (dpa)

EU-Kommissionschefin: Bald kommt Zeit für den Wiederaufbau der Ukraine

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sieht «bald» die Zeit für den Wiederaufbau der Ukraine gekommen. Sie unterstütze die Idee, dass europäische Städte im Rahmen von Partnerschaften ukrainischen Städten helfen, sagte die Deutsche zudem am Mittwoch in einer auf Twitter verbreiteten Video-Botschaft. Im Europäischen Ausschuss der Regionen waren zuvor mehrere ukrainische Bürgermeister angehört worden. So sagte der Bürgermeister der stark umkämpften Stadt Mariupol, Wadym Bojtschenko, dass 90 Prozent der dortigen Infrastruktur zerstört seien. (dpa)

UN-Generalsekretär besucht Selenski in Kiew

UN-Generalsekretär António Guterres setzt seine Vermittlungsreise im Ukraine-Konflikt fort und will am Donnerstag Präsident Wolodimir Selenski in Kiew treffen. Eines der Hauptthemen dürfte wie auch schon beim vorherigen Besuch in Moskau die Lage in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol sein, wo ukrainische Truppen und Zivilisten von der russischen Armee eingekesselt sind. In Kiew ist auch ein Treffen mit Aussenminister Dmytro Kuleba geplant - danach ein Besuch an einem noch unbekannten Ort ausserhalb der Hauptstadt. (dpa)

EU-Asylagentur: 2,3 Millionen Ukraine-Flüchtlinge beantragten Schutz

Im Ukraine-Konflikt haben bislang 2,3 Millionen Flüchtlinge aus dem Kriegsland in der EU vorübergehenden Schutz beantragt. Das berichtete die in Malta ansässige EU-Asylagentur EUAA am Mittwoch. Der vorläufigen Analyse zufolge sind das etwa 44 Prozent der Menschen, die bisher aus dem Land flohen. Jede Woche beantragten damit ungefähr 300'000 ukrainische Flüchtlinge in der EU, Norwegen oder der Schweiz vorläufigen Schutz. (dpa)

Putin droht mit «blitzschnellen» Schlägen bei Einmischung von aussen

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Unterstützern der Ukraine mit schnellen Gegenschlägen gedroht. Wer sich von aussen einmischen wolle und eine für Russland unannehmbare strategische Bedrohung schaffe, müsse wissen, dass die Antwort «blitzschnell, rasch» sein werde.

«Wir haben dafür alle Instrumente», sagte der Kremlchef bei einer Versammlung von Spitzenfunktionären. «Und wir werden nicht prahlen. Wir werden sie anwenden, wenn es nötig ist. Und ich will, dass alle das wissen.» Die notwendigen Entscheidungen seien bereits gefällt. (dpa)

Russische Region meldet erneut Beschuss von ukrainischer Seite

Russischen Behördenvertretern zufolge ist es in der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine erneut zu Beschuss gekommen. Dieses Mal sei das Dorf Schurawlewka getroffen worden; dabei seien mindestens zwei Personen verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Montag in seinem Kanal in dem sozialen Netzwerk Telegram mit. Die laut Behörden bereits mehrfach beschossene Region grenzt an das ukrainische Gebiet Charkiw. (dpa)

Steinmeier warnt Kreml: Nato wird jeden Zentimeter verteidigen

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kreml davor gewarnt, die Verteidigungsbereitschaft der Nato zu unterschätzen. «Unsere Demokratien sind stark und wehrhaft», sagte er am Mittwoch nach einem Gespräch mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova in der Stadt Kosice. «Sie sind bereit und in der Lage, jeden Zentimeter des Bündnisgebietes zu verteidigen - und das gemeinsam.» Dieses unmissverständliche Signal gehe auch von den in der Slowakei stationierten deutschen und niederländischen Staffeln des Flugabwehrraketensystems Patriot aus. (dpa)

Slowakei verspricht weitere Waffenlieferungen an Ukraine

Die slowakische Präsidentin Zuzana Caputova hat weitere Waffenlieferungen an das Nachbarland Ukraine angekündigt. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch erklärte sie, derzeit liefen Verhandlungen über einen Ankauf der Radpanzer-Haubitze Zuzana aus slowakischer Produktion durch die Ukraine. Die Slowakei sei aber auch für weitere Waffenlieferungen offen. (dpa)

Nationalratspräsidentin Irène Kälin besucht befreite Stadt Irpin

Die parlamentarische Delegation um Nationalratspräsidentin Irène Kälin hatte am Mittwoch den Kiewer Vorort Irpin besucht. Die Entdeckung von Kriegsverbrechen in der Umgebung der Hauptstadt Kiew nach dem Abzug russischer Truppen hatte weltweit für Entsetzen gesorgt, neben Irpin auch in Butscha.

Nationalratsdelegation besucht befreite Stadt Irpin

Keystone-SDA

Die Reise erfolgte auf eine offizielle Einladung des ukrainischen Parlamentspräsidenten. Ruslan Stefantschuk sagte, dass «Irène» gekommen sei, sei mehr als ein Zeichen der Solidarität, es brauche Mut, dies zu tun und es sei ein deutliches Zeichen der Unterstützung, wie die Parlamentsdienste auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilten.

Russland droht bei fehlenden Zahlungen mit weiteren Gaslieferstopps

Russland hat nach dem Gaslieferstopp für Polen und Bulgarien anderen Ländern mit ähnlichen Schritten gedroht, sollten die Zahlungen beim Staatskonzern Gazprom nicht in Rubel eingehen. Zugleich wies Putin-Sprecher Dmitri Peskow Vorwürfe von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zurück, dass es sich dabei um ein «Erpressungsinstrument» handele. «Das ist keine Erpressung», sagte Peskow. Russland verlange lediglich, dass die Kunden Konten bei der Gazprombank eröffnen, um die Zahlungen abzuwickeln. (dpa)

Russischer Gazprom-Topmanager kämpft nun für die Ukraine

Nach jahrelanger Arbeit beim russischen Energieriesen Gazprom hat ein Top-Manager des Konzerns die Seiten gewechselt und ist in die Ukraine geflohen. Er will dort gegen die russischen Truppen kämpfen. «Ich will mich von meiner russischen Vergangenheit reinwaschen», erklärte der langjährige Vizechef der Gazprombank, Igor Wolobujew, in einem Video-Interview, das am Dienstagabend auf Youtube veröffentlicht wurde.

Seinen Angaben nach ist Wolobujew schon am 2. März aus Russland ausgereist. Seine Flucht begründete er damit, dass er selbst in der Ukraine geboren sei, den Angriffskrieg Russlands verurteile und er «mit der Waffe in der Hand meine Heimat verteidigen» wolle. (dpa)

Bulgariens Regierungschef Petkow reist nach Kiew - Streit in Sofia

Der bulgarische Regierungschef Kiril Petkow will ungeachtet von Einwänden von Präsident Rumen Radew in die Ukraine reisen. Petkow werde in Kiew den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski und Regierungschef Denys Schmyhal treffen, teilte die Regierung in Sofia am Mittwoch ohne genaue Terminangaben mit. Nach der Rückkehr von Petkow soll die Koalition in Sofia über mögliche Waffenlieferungen Bulgariens an die Ukraine entscheiden.

Staatschef Radew widersetzt sich einer möglichen militärischen Hilfe seines Landes für die Ukraine. «Dies bedeutet einen Schritt zur direkten Einbeziehung Bulgariens in diesen Konflikt», erläuterte er am Mittwoch. Zum Ukraine-Besuch Petkows sagte Radew: «Es gibt keine Notwendigkeit eines solchen Besuchs zu diesem Zeitpunkt.» (dpa)

Ukraine-Flüchtlinge: Polen fordert mehr Hilfe für Aufnahmeländer

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat mehr Hilfe von der Europäischen Union bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms aus der Ukraine gefordert. Es sei «völlig unverständlich», warum dies noch nicht geschehe, sagte der nationalkonservative Politiker nach einem Treffen mit seinem Kollegen Milos Zeman in Prag. Der polnische Grenzschutz zählt seit Beginn des Krieges knapp drei Millionen Einreisen aus der Ukraine. In Tschechien haben nach Angaben des Innenministeriums mehr als 312'000 Flüchtlinge Zuflucht gefunden. (dpa)

Steinmeier verurteilt Russlands Gasstopp als «Erpressungsversuch»

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Stopp der Gaslieferungen an Polen und Bulgarien durch Russland scharf verurteilt. «Das ist ein Regelbruch seitens Russland, das ist ein Erpressungsversuch. Den kann man nicht einfach hinnehmen, gegen den muss man sich zur Wehr setzen», sagte er am Mittwoch nach einem Gespräch mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova in der Stadt Kosice im Osten des Landes. (dpa)

Rede der höchsten Schweizerin vor ukrainischem Parlament abgesagt – Besuch um Kiew im Gang

Irène Kälin wurde bei ihrem Besuch immer von schwerbewaffneten Soldaten begleitet.
10 Bilder
Beschützt durch ukrainische Militärs bereist die Schweizer Nationalratspräsidentin Irène Kälin am Mittwoch Kiew und Umgebung.
Der Präsident des ukrainischen Parlaments, Ruslan Stefanchuk (2.v.r.) empfang Kälin mit dem Sprecher des nordmazedonischen Parlaments (l.) und dem Sprecher des rumänischen Parlaments (3.v.l.) am zerstörten Flughafen Hostomel.
Auch die einst besetzte Stadt Irpin steht auf dem Programm der Delegationen aus den drei Ländern.
Die Einfahrt der Schweizer Delegation am Mittwoch in Kiew.
Übernachtet hat Irène Kälin im ukrainischen Schlafwagenabteil.
Eine Polnische Zollbeamtin kontrolliert vor der Abfahrt den Pass von Nationalrat Nik Gugger (EVP/ZH).
Mit der Nationalratspräsidentin unterwegs sind auch die Nationalräte Roger Nordmann (SP) und Yves Nidegger (SVP, r.).
Mit der Delegation unterwegs ist auch der ukrainische Botschafter in der Schweiz, Artem Rybchenko. Hier im Bild mit Kälin.
Start zur Reise der Schweizer Delegation nach Kiew war in Bern. Mit dem Bundesratsjet gings erst nach Polen, wo der Zug Nachtzug bereitstand.

Irène Kälin wurde bei ihrem Besuch immer von schwerbewaffneten Soldaten begleitet.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die höchste Schweizerin wird nicht zum ukrainischen Parlament sprechen. Das bestätigt eine Sprecherin der Eidgenössischen Räte vor Ort am Mittwoch gegenüber CH Media. Einen Grund für die Absage nannte sie nicht. Wie Agenturbilder zeigen, traf Irène Kälin bei ihrem Besuch in Kiew dennoch auf Ruslan Stefanchuk, den Präsidenten des ukrainischen Parlaments. Begleitet wird die Aargauer Grünen-Politikerin bei ihrer Visite im Kriegsgebiet von einer Dreierdelegation von Schweizer Parlamentariern, dem Schweizer Botschafter in Kiew sowie dessen Pendant in der Schweiz.

Nebst politischen Treffen in der Stadt stehen bei dem Besuch der Schweizer Delegation auch verschiedene Begehungen im Umland der Ukrainischen Hauptstadt auf dem Programm. Laut Agenturbildern sind bislang die Städte Irpin und Hostomel besucht worden. In diesen waren beim Rückzug der russischen Angreifer hunderte Leichen auf Strassen und in Massengräbern entdeckt worden. Die Schweizer Delegation ist bei ihrem Besuch teilweise unterwegs mit Vertretern der Parlamente Rumäniens und Nordmazedoniens. Laut der Sprecherin des Parlaments in Bern soll es nach dem Treffen mit Stefanchuk einen Point de Presse geben. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht. (sat)

Selenski zum G20-Gipfel eingeladen

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat eine Einladung für den Gipfel der G20-Staaten in Indonesien erhalten. Dieser findet am 15. und 16. November 2022 in Bali statt.

Russland sanktioniert fast 300 britische Politiker

Russland hat 287 britische Unterhausabgeordnete wegen ihres Eintretens für die Ukraine mit Einreiseverboten belegt. Dies sei die Reaktion auf britische Strafmassnahmen gegen 386 russische Parlamentarier, teilte das Aussenministerium in Moskau am Mittwoch mit.

Es seien die Parlamentarier bestraft worden, die am meisten zu den Sanktionen gegen Russland und zur anti-russischen Stimmung in Grossbritannien beigetragen hätten, schrieb das Moskauer Ministerium. Zuvor waren bereits auch Premierminister Boris Johnson und weitere Regierungsmitglieder mit Einreiseverboten belegt worden.

Boris Johnson darf aktuell in Russland nicht einreisen.

Boris Johnson darf aktuell in Russland nicht einreisen.

AP

Die britische Regierung unter Johnson ist eine der wichtigsten Unterstützerinnen der von Russland angegriffenen Ukraine. Das Verhältnis zwischen London und Moskau ist wegen russischer Giftanschläge auf Exilrussen in Grossbritannien seit langem gespannt. Zugleich war London über Jahre ein wichtiger Anziehungspunkt für russische Oligarchen und ihr Geld. (dpa)

Polen: Gaslieferstopp ist «direkter Angriff» Russlands

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat die Einstellung russischer Gaslieferungen an Polen als «direkten Angriff» auf sein Land bezeichnet. «Diesmal hat Russland die Grenze des Imperialismus, des Gasimperialismus, noch einen Schritt weiter verschoben», sagte Morawiecki am Mittwoch im Parlament in Warschau. Russland wolle sich mit dem Schritt dafür rächen, dass Polen eine Reihe von Oligarchen und Unternehmen mit Sanktionen belegt hat, darunter auch der Staatskonzern Gazprom.

Polen hatte nach Angaben von Innenminister Mariusz Kaminski gegen 15 Personen ein Einreiseverbot verhängt. Sie gelten als «unerwünschte Personen». Bei den Unternehmen können die Massnahmen ein Einfrieren von Guthaben sowie das Verbot einer Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen umfassen. Morawiecki sagte, Polen habe genug Gasvorräte. Die Energieversorgung sei gesichert. (dpa)

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki auf einem Bild vom 20. April.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki auf einem Bild vom 20. April.

EPA/Keystone

CNN: Neue Videos zeigen russische Soldaten nahe Leichen in Butscha

Der US-Sender CNN hat Videoaufnahmen veröffentlicht, die erstmals russische Soldaten und Militärfahrzeuge in der ukrainischen Stadt Butscha nahe den Leichen von Zivilisten zeigen sollen. Die am 12. und 13. März von einer Drohne aufgenommenen Videos seien verortet und auf ihre Echtheit geprüft worden, berichtete der Sender in der Nacht zum Mittwoch. Den Namen der Quelle werde man wegen Sicherheitsbedenken nicht nennen. Russland hat wiederholt die Verantwortung für Gräueltaten in Butscha von sich gewiesen.

Das Filmmaterial sei «das erste Beweisstück aus Butscha, das zeigt, wie russische Fahrzeuge und Truppen auf der Strasse operieren, auf der die ukrainischen Streitkräfte bei der Rückeroberung der Stadt am 1. April die Leichen fanden», schrieb CNN. Auf einem Video vom 13. März sei ein russisches Militärfahrzeug an einer Kreuzung in der Nähe von drei Objekten zu sehen. Diese seien bereits auf anderen, bereits veröffentlichten Satellitenbildern und Videoaufnahmen als Leichen identifiziert worden. (dpa)

Papst Franziskus: Mögen die Waffen schweigen

Papst Franziskus hat mit Blick auf die aktuelle Kriegslage erneut einen Waffenstillstand gefordert – ohne dabei Russland oder die Ukraine namentlich zu nennen. «Mögen die Waffen schweigen, damit diejenigen, die die Macht haben, den Krieg zu stoppen, den Schrei der gesamten Menschheit nach Frieden hören», sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch während seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Der 85-Jährige forderte die Gläubigen auf, unaufhörlich für den Frieden zu beten. (dpa)

Papst Franziskus.

Papst Franziskus.

AP

Dänische Soldaten in Lettland eingetroffen

In Lettland sind die ersten dänischen Truppen zur Verstärkung der Nato-Präsenz in dem baltischen EU- und Nato-Land eingetroffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Riga vom Dienstagabend kam eine nicht genannte Anzahl an Soldaten auf dem lettischen Militärstützpunkt Adazi an. Dort werden gemeinsam mit dem seit 2017 stationierten Nato-Batallion zur Abschreckung Russlands untergebracht.

In Reaktion auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hatte das dänische Parlament in der Vorwoche dem Vorschlag der Regierung in Kopenhagen zugestimmt, bis zu 1000 Soldaten nach Lettland zu entsenden. «Dänemark ist ein zuverlässiger Verbündeter Lettlands, das wiederholt seine Bereitschaft bekräftigt hat, die Sicherheit unserer Region zu stärken», wurde der lettische Verteidigungsminister Artis Pabriks in der Mitteilung zitiert.

Bis Anfang Mai sollen den Angaben zufolge weitere dänische Soldaten und Ausrüstung einschliesslich gepanzerter Fahrzeuge eintreffen. Lettland grenzt an Russland und dessen Verbündeten Belarus. Der Baltenstaat ist wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine um seine Sicherheit besorgt. (dpa)

London: Schwere Waffen wie Panzer und Flugzeuge für Ukraine

Grossbritannien hat sich für die Lieferung von Panzern und Flugzeugen an die Ukraine ausgesprochen. «Schwere Waffen, Panzer, Flugzeuge - wir graben tief in unseren Beständen, steigern die Produktion», wollte Aussenministerin Liz Truss in einer für Mittwochabend geplanten Rede nach Angaben ihres Ressorts sagen. «Wir können uns nicht zurücklehnen: Das Schicksal der Ukraine bleibt in der Schwebe.»

Premierminister Boris Johnson sagte am Dienstagabend, Grossbritannien und andere Staaten würden trotz russischer Warnungen die Ukraine weiter mit Geheimdienstinformationen, Ausbildung und Waffen «in Nato-Qualität» versorgen. Er unterstützte zudem ukrainische Angriffe auf Ziele in Russland. «Sie werden von russischem Territorium aus angegriffen. Sie haben ein Recht, sich zu schützen und zu verteidigen», sagte Johnson dem Sender «TalkTV». Im Parlament hatte Verteidigungsstaatssekretär James Heappey zuvor angekündigt, London werde Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Brimstone an Kiew liefern.

Aussenministerin Truss wollte in ihrer Rede mit Nachdruck vor einem russischen Sieg warnen. «Wenn Putin Erfolg hat, wird es in ganz Europa noch mehr Elend sowie schreckliche Folgen in der ganzen Welt geben. Wir würden uns nie wieder sicher fühlen», wollte Truss nach Angaben ihres Ministeriums sagen. «Wir müssen also auf lange Sicht vorbereitet sein und unsere Unterstützung für die Ukraine verdoppeln.» (dpa)

Parlamentarier-Delegation um höchste Schweizerin in Kiew eingetroffen

Die Höchste Schweizerin Irène Kälin ist mit einer Parlamentarierdelegation in Kiew eingetroffen. Wie die Parlamentsdienste am Mittwochmorgen auf Twitter schreiben, erreichte der Nachtzug «nach einer sicheren Reise» die ukrainische Hauptstadt.

Die Aargauer Grünen-Politikerin wird auf der Reise ins Kriegsgebiet begleitet von SP-Fraktionschef Roger Nordmann (VD) sowie den Nationalräten Nik Gugger (EVP/ZH), Yves Nidegger (SVP/GE) und dem Schweizer Botschafter in der Ukraine, Claude Wild. Zu ihrer Reise aufgebrochen war die Parlamentarierdelegation am Dienstag mit dem Bundesratsjet im Berner Belpmoos.

Am Mittwoch stehen unter anderem ein Empfang der Schweizer Parlamentarierdelegation im ukrainischen Parlament auf dem Programm, ebenso Besuche der Kiewer Vororte Butscha und Irpin. Dort waren beim Rückzug der russischen Besatzer Hunderte Leichen auf den Strassen oder in Massengräbern vorgefunden worden. Die Schweizer Politiker waren von der ukrainischen Werchowna Rada zum Besuch eingeladen worden bei einem kürzlichen Treffen ukrainischer Parlamentarier in Bern. (sat)

Kiew meldet Verstärkung der russischen Truppen in der Ostukraine

Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben Militär aus Russland ins Angriffsgebiet verlegt, um die Offensive in der Ostukraine zu beschleunigen. «Um die Truppen zu verstärken, haben die Okkupanten zwei taktische Bataillone der 76. Luftlandedivision aus dem Gebiet Belgorod in die Stadt Isjum verlegt», teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite mit. Zudem seien in der russischen Grenzregion Belgorod zwei weitere Raketendivisionen vom Typ Iskander-M aufgestellt worden.

Dem Lagebericht nach konnten die russischen Truppen einige Geländegewinne im nordostukrainischen Gebiet Charkiw erzielen. Südlich der Kleinstadt Isjum haben sie das Dorf Sawody eingenommen und sind bis zum Nordrand der Ortschaft Welyka Komyschuwacha vorgedrungen. Beide Örtchen befinden sich schon auf der Südseite des Flusses Siwerski Donez, den die Truppen damit überquert haben. Das weitere Vordringen der russischen Truppen Richtung Süden zielt darauf ab, die ukrainischen Truppen im Donbass einzukesseln.

Auch an der Frontlinie um Donezk gab es demnach heftige Kämpfe. Die russischen Truppen hätten Angriffe Richtung Sjewjerodonezk, Popasna, Kurachowe und Liman geführt und dabei die Ortschaften Saritschne und Nowotoschkiwske eingenommen, teilte der ukrainische Generalstab mit. Die Bombardierung des Stahlwerks Azovstal in Mariupol gehe weiter.

Wenig Veränderungen gab es demnach im Süden der Ukraine: Dort hätten die Russen Truppen umgruppiert und seine Positionen verstärkt, heisst es. (dpa)

Höchste Schweizerin unterwegs nach Kiew – Russland schliesst Beschuss westlicher Besucher in der Ukraine nicht aus

Mit dem Bundesratsjet nach Polen, dann per Nachtzug nach Kiew: Nationalratspräsidentin Kälin am Dienstag beim Start zum Ukraine-Besuch in Bern.

Mit dem Bundesratsjet nach Polen, dann per Nachtzug nach Kiew: Nationalratspräsidentin Kälin am Dienstag beim Start zum Ukraine-Besuch in Bern.

Keystone

Die höchste Schweizerin ist unterwegs in die Ukraine. Das schreibt Kälin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Am Mittwoch soll sie mit dem Nachtzug in der ukrainischen Hauptstadt eintreffen. «In diesen schrecklichen Zeiten des Krieges» ist dies laut der Nationalratspräsidentin «ein Zeichen der Solidarität und der Menschlichkeit vor Ort», schreibt Kälin auf Twitter.

Die Aargauer Grünen-Politikerin wird auf der Reise ins Kriegsgebiet begleitet von SP-Fraktionschef Roger Nordmann (VD) sowie den Nationalräten Nik Gugger (EVP/ZH), Yves Nidegger (SVP/GE) und dem Schweizer Botschafter in der Ukraine, Claude Wild. Zu ihrer Reise aufgebrochen war die Parlamentarierdelegation am Dienstag mit dem Bundesratsjet im Berner Belpmoos.

Nachdem russische Behördenvertreter seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine mehrmals Zwischenfälle und den Beschuss von Orten auf russischer Seite kritisiert hatten, droht Moskau, Kommandostellen für Raketenangriffe in Kiew wieder verstärkt ins Visier zu nehmen. Wie es am Dienstag aus dem russischen Verteidigungsministerium hiess, auch wenn sich dort «westliche Berater» befänden. Deren Anwesenheit sei für russische Angriffe «nicht unbedingt» ein Problem bei Vergeltungsmassnahmen. (sat/dpa)

Munitionsdepot in Belgorod brennt

In der Region Belgorod an der ukrainischen Grenze ist russischen Behördenvertretern zufolge ein Munitionsdepot in Brand geraten. Dieses befinde sich in der Nähe des Dorfes Staraja Nelidowka, teilte der Gouverneur des Gebiets, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram mit, wie die russische Agentur Interfax am Mittwoch berichtete. Gladkow sagte demnach weiter, dass keine Wohngebäude oder Häuser zerstört seien und es auch keine Opfer unter der Zivilbevölkerung gebe.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vor rund zwei Monaten gab es mehrmals Berichte von russischen Behördenvertretern über Zwischenfälle und Beschuss von Orten auf russischer Seite. Mancher Vorfall löste auch Spekulationen darüber aus, ob von Nato-Staaten an die Ukraine gelieferte Waffen auf russischem Gebiet zum Einsatz gekommen sein könnten.

Moskau hatte der Ukraine angesichts der Zwischenfälle damit gedroht, in der Hauptstadt Kiew wieder verstärkt Kommandostellen für Raketenangriffe ins Visier zu nehmen. Auch wenn sich dort «westliche Berater» befänden, wäre deren Anwesenheit «nicht unbedingt» ein Problem, wenn Russland Entscheidungen über Vergeltungsmassnahmen treffe, hiess es am Dienstag aus dem russischen Verteidigungsministerium. (dpa)

Australien schickt der Ukraine Panzerhaubitze

Australien unterstützt die Ukraine im Krieg gegen Russland mit sechs Haubitzen des britischen Typs M777. Zusätzlich habe das Land der Ukraine Munition für die Artilleriewaffen zugesagt, teilte die Regierung in Canberra am Mittwoch mit. Zuvor hätten die USA und der ukrainische Botschafter in Australien die Regierung um weitere schwere Waffen für die Kämpfer gebeten, berichtete der australische Sender ABC. Damit belaufe sich der Gesamtbetrag der Militärhilfe aus Canberra nun auf 225 Millionen australische Dollar (155 Millionen Schweizer Franken).

Die Regierung unter Scott Morrison hat bereits grosse Mengen an militärischer Ausrüstung in die Ukraine geschickt und viele Sanktionen verhängt. Zuletzt wurden 20 von der Ukraine angeforderte Bushmaster-Panzerfahrzeuge in das Krisenland geflogen. (dpa)

Die Nacht auf Mittwoch im Überblick

Polens Klimaministerin Anna Moskwa erklärte, ab Mittwochmorgen, 8.00 Uhr, werde kein russische Gas mehr durch die Jamal-Pipeline nach Polen fliessen. Die Auswirkungen des Lieferstopps seien gering. Seit den ersten Tagen des Ukraine-Krieges habe Warschau erklärt, dass es für eine vollständige Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen bereit sei.

Auch Bulgarien habe Schritte zur alternativen Gasversorgung unternommen, teilte das Energieministerium in Sofia mit. Vorerst sei keine Begrenzung des Gasverbrauchs notwendig. Man habe seine Verpflichtungen «vollkommen erfüllt» und alle Zahlungen für russisches Gas «rechtzeitig und strikt» getätigt, die der laufende Vertrag erfordert, heisst es in der Mitteilung weiter.

Ukraine meldet Tote und Verletzte nach Kampfhandlungen

Die Ukraine beklagte nach neuen russischen Angriffen weitere Tote und Verletzte in mehreren Regionen des Landes. Im Gebiet Donezk im Osten seien bei drei separaten Zwischenfällen drei Zivilisten getötet worden, teilte der Gouverneur der Region, Pawel Kyrylenko, auf Telegram mit. In der Grossstadt Charkiw im Osten des Landes seien infolge von Beschuss drei weitere Menschen getötet und sieben verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit.

Ukraines Präsidentenberater: Krieg kann bis Ende des Jahres dauern

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine kann sich nach Einschätzung des ukrainischen Präsidentenberaters Olexij Arestowytsch noch über viele Monate hinziehen. Sollten etwa aktive Kampfhandlungen im Donbass nach der jetzigen Offensive eingestellt werden und dazu übergegangen werden, Positionen einzunehmen, bedeute dies noch lange kein Ende des Krieges, sagte Arestowytsch in einem YouTube-Interview. Die von der Ukraine neu erhaltenen Waffen könnten Ende Mai, Anfang Juni «ernsthafte Auswirkungen» auf das Kampfgeschehen haben. Der Krieg selbst könnte bis Ende des Jahres dauern.

Ukraine: Streitkräfte für möglichen Angriff aus Transnistrien bereit

Die ukrainischen Streitkräfte sind auf einen möglichen Angriff russischer Truppen aus der moldauischen Separatistenregion Transnistrien vorbereitet. Das sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski in Kiew. Man kenne die Stärke dieser Truppen und die ukrainischen Streitkräfte hätten keine Angst vor ihnen. In Transnistrien ist ein Kontingent russischer Soldaten stationiert.

Selenski: Moskaus Ziele gehen weit über Ukraine hinaus

Moskaus Ziele gehen laut Selenski weit über die Ukraine hinaus. «Das ultimative Ziel der russischen Führung ist nicht nur die Eroberung der Ukraine, sondern die Zerschlagung des gesamten Zentrums und des Ostens Europas», sagte Selenski in seiner abendlichen Videobotschaft, die in der Nacht zu Mittwoch auf Telegram veröffentlicht wurde. Auch ein «globaler Schlag gegen die Demokratie» gehöre zu dem Ziel. (dpa)

Russland stellt auch Erdgaslieferungen nach Bulgarien ein

Russland will nicht nur Polen, sondern nach Angaben der Regierung in Sofia auch Bulgarien ab Mittwoch nicht mehr mit Erdgas beliefern. Das Energieministerium bestätigte am Dienstagabend, dass das bulgarische Erdgasversorgungsunternehmen Bulgargas eine entsprechende Mitteilung von Gazprom erhalten habe. Kurz zuvor hatten die Regierung in Warschau und der polnische Erdgaskonzern PGNiG mitgeteilt, dass ab Mittwoch keine russischen Gaslieferungen an Polen mehr erfolgen.

Ab Mittwochmorgen werde das Gas nicht mehr durch die Jamal-Pipeline nach Polen fliessen, sagte Klimaministerin Anna Moskwa. «Wir sind auf eine vollständige Einstellung der russischen Rohstofflieferungen vorbereitet». Seit den ersten Tagen des Ukraine-Krieges habe ihr Land erklärt, dass es bereit sei für eine vollständige Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen. (dpa)

UN: Putin stimmt UN-Beteiligung bei Mariupol-Evakuierung zu

Russland hält nach Darstellung der Vereinten Nationen eine Rolle der UN bei der Evakuierung von Zivilisten in der Ostukraine für möglich. Nach einem Treffen von UN-Generalsekretär António Guterres mit Kremlchef Wladimir Putin teilten die Vereinten Nationen mit: «Der Präsident stimmte grundsätzlich der Beteiligung der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees für das Rote Kreuz an der Evakuierung von Zivilpersonen aus dem Azovstal-Werk in Mariupol zu.» Dazu sollten die UN mit dem russischen Verteidigungsministerium in Kontakt bleiben.

Bei dem Gespräch mit Putin sei es auch um die Verbesserung der humanitären Hilfe für die Ukraine gegangen. Guterres wurde von Putin nach seinem Treffen mit Aussenminister Sergej Lawrow empfangen. Russische Staatsmedien zeigten, wie sich der Diplomat und der Präsident an dem grossen ovalen Tisch im Saal des Senatspalastes gegenüber sassen. Das Gespräch im Kreml soll etwa eine Stunde gedauert haben. Guterres hatte bei einem mehrstündigen Treffen mit Lawrow eine Waffenruhe für die Ukraine gefordert. Er verlangte auch die Einrichtung humanitärer Korridore, damit sich Menschen aus den umkämpfen Gebieten in Sicherheit bringen können. (dpa)

Russland stellt Erdgaslieferungen an Polen ein

Russland wird alle Erdgaslieferungen an Polen einstellen. Ab Mittwoch sollen keine Lieferungen an Polen mehr erfolgen, teilte der polnische Erdgaskonzern PGNiG am Dienstag in Warschau mit. Man sei durch den russischen Erdgaskonzern Gazprom informiert worden.

Polen will Erdgas nicht wie von Russland gefordert in Rubel bezahlen. PGNiG sieht in der Entscheidung einen Bruch bestehender Verträge. Man wolle Schadenersatz wegen Vertragsbruch fordern.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte am Dienstag in Berlin nach einen Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz: «Wir haben Drohungen von Gazprom erhalten, die Gaslieferungen einzustellen.» Vielleicht versuche Russland, Polen auf diese Weise zu erpressen. Polen habe sich aber sich im Vorfeld auf die Diversifizierung der Gasversorgung vorbereitet. Die Wirtschaft sei nicht gefährdet. Die Gasspeicher seien zu 76 Prozent voll. (dpa)

USA begrüssen deutsche Lieferung von Flugabwehrpanzern an die Ukraine

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat die Ankündigung Deutschlands, die Ukraine mit Flugabwehrpanzern zu unterstützen, ausdrücklich begrüsst. Deutschland sei «ein toller Freund und Verbündeter» der USA, sagte Austin nach einem internationalen Treffen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein. Die Überlassung der 50 Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard sei ein «bedeutender» Schritt, der der Ukraine wichtige zusätzliche Fähigkeiten bringe. Die USA und ihre Verbündeten stünden zusammen, um die Ukraine angesichts des russischen Angriffskriegs zu unterstützen, betonte Austin.

Auf die Frage, ob Deutschland noch mehr tun sollte, um die Ukraine militärisch zu unterstützen, sagte Austin, diese Entscheidung liege allein bei Deutschland als souveränem Staat. Er wolle daher nicht spekulieren. Mit Blick auf seine Amtskollegin Christine Lambrecht (SPD) sagte er, «gemessen an allem, was ich gesehen habe, in meinem Austausch mit der Verteidigungsministerin» sei es klar, dass sie sich darauf konzentriere, im Rahmen der Möglichkeiten alles zu tun, um die Ukraine zu unterstützen und dies auch weiter tun werde. (dpa)

US-Verteidigungsminister: Gerede über Atomkrieg ist gefährlich

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat die jüngsten Warnungen des russischen Aussenminister Sergej Lawrow vor einem Dritten Weltkrieg und einem Einsatz von Nuklearwaffen kritisiert. Jedes Gerede über den möglichen Einsatz von Atomwaffen sei «sehr gefährlich und wenig hilfreich», sagte Austin am Dienstag nach einem internationalen Treffen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein. «Niemand will einen Atomkrieg. Niemand kann das gewinnen.»

Es bestehe immer die Möglichkeit, dass eine Reihe von Dingen passieren könnten, sagte Austin. Es sei aber riskant und helfe niemanden, mit Säbeln zu rasseln und über den Einsatz von Nuklearwaffen zu spekulieren. Der Minister betonte, die USA täten alles in ihrer Macht stehende, um zu verhindern, dass der Krieg über die Grenzen der Ukraine hinaus ausser Kontrolle gerate.

Lawrow hatte zuvor von einer realen Gefahr eines Dritten Weltkrieges gesprochen. «Die Gefahr ist ernst, sie ist real, sie darf nicht unterschätzt werden», sagte Lawrow in einem Interview im russischen Fernsehen, das das Aussenministerium am Montagabend in seinem Telegram-Kanal teilte. (dpa)

Moskau sagt Zerfall der Ukraine in mehrere Kleinstaaten voraus

Der Versuch der USA, aus der Ukraine einen Gegenpol zu Russland zu erschaffen, führt nach Ansicht der russischen Führung am Ende zur Aufspaltung der Ukraine. «Das Ergebnis der Politik des Westens und des von ihm kontrollierten Kiewer Regimes kann nur zum Zerfall der Ukraine in mehrere Staaten führen», sagte der russische Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew am Dienstag der staatlichen Tageszeitung «Rossiskaja Gaseta».

Patruschew warf den USA in dem Interview vor, den Ukrainern Nationalismus eingeimpft und sie gegen Russland aufgestachelt zu haben. «Doch Hass kann niemals zum zuverlässigen Faktor der nationalen Einheit werden», sagte der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin. Russland begründet seinen Krieg gegen die Ukraine damit, dass die Führung in Kiew «ethnische Russen» und den russischsprachigen Teil der Bevölkerung unterdrücke. (dpa)

Lawrow: Keine Verhandlungslösung für Ukraine bei Waffenlieferungen

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hat bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres mit Nachdruck vor Waffenlieferungen an die Ukraine gewarnt. «Wenn das so weitergeht, werden die Verhandlungen wohl kaum ein Ergebnis bringen», sagte Lawrow am Dienstag nach den Gesprächen mit dem UN-Chef in Moskau. Die Gespräche zwischen Kiew und Moskau für eine Beendigung des Krieges haben bisher keine greifbaren Erfolge gebracht. Russland habe Truppen in der Ukraine und werde die vom Westen gelieferten Waffen dort weiter als Ziel ansehen, sagte Lawrow.

Zwar betonte Lawrow, dass Russland weiter bereit zu Verhandlungen für ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine sei. Aber er sehe kein echtes Interesse in Kiew. Zur Frage eines möglichen Einsatzes von Vermittlern in dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland sagte Lawrow: «Dafür ist es zu früh.» Er kritisierte mit Blick auf die USA, dass es im Westen nun nur darum gehe, Russland zu besiegen. (dpa)

Erdogan telefoniert mit Putin wegen Fluchtkorridoren

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin für sichere Fluchtrouten eingesetzt. Erdogan habe in dem Gespräch betont, wie wichtig Fluchtkorridore für Zivilisten seien und erneut einen Waffenstillstand gefordert, teilte das Präsidialamt am Dienstag mit. Die Türkei werde weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um einen dauerhaften Frieden zu schaffen.

Die «positive Dynamik» von Friedensgesprächen in Istanbul müsse fortgesetzt werden und komme allen zugute, hiess es weiter. Erdogan habe ausserdem angeboten, die Gespräche in Istanbul mit einem Treffen zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski wieder aufzunehmen.

Die Türkei unterhält gute Beziehungen zu Moskau und Kiew und sieht sich als Vermittler im Ukraine-Krieg. Im März hatten sich Vertreter beider Seiten zu Verhandlungen in Istanbul getroffen. Vor seinem Besuch in Moskau hatte UN-Generalsekretär António Guterres sich mit Erdogan in Ankara getroffen. (dpa)

Guterres fordert Waffenruhe

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich bei seinem Treffen mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow für eine rasche Waffenruhe und ein Ende des Krieges in der Ukraine ausgesprochen. Er habe ein Interesse daran, «alles Mögliche» zu tun, um den Krieg und das Leiden der Menschen zu beenden, sagte der 72-Jährige am Dienstag zum Auftakt des Treffens in Moskau. Der Krieg habe schon jetzt weltweit auch Auswirkungen auf die Preise bei Lebensmitteln und Energie, mahnte Guterres.

Deshalb sei es nötig, den Dialog zu führen und eine Waffenruhe zu erreichen, um die Bedingungen für eine friedliche Lösung des Konflikts zu finden, sagte der UN-Chef. Er wollte anschliessend auch mit Wladimir Putin über den Krieg in der Ukraine sprechen.

UN-Generalsekretär António Guterres.

UN-Generalsekretär António Guterres.

Keystone

Minister Lawrow sagte, dass sich um die Ukraine viele Probleme angesammelt hätten, die geklärt werden müssten. Sprechen wolle Russland aber auch über die Entwicklung der Vereinten Nationen insgesamt. Lawrow beklagte, es gebe Tendenzen im Westen, eine monopolare Welt zu errichten. Darauf erwiderte Guterres, er sei ein erklärter Anhänger einer multipolaren Welt.

Zwei Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine dürfte es um eine grössere diplomatische Rolle der Vereinten Nationen gehen, etwa den humanitären Zugang der UN und sichere Fluchtrouten für Zivilisten. Im Fokus steht dabei zum Beispiel das eingekesselte Stahlwerk in der belagerten Stadt Mariupol. Dort harren nach ukrainischen Angaben rund 1000 Zivilisten aus, darunter Frauen und Kinder.

UN erwartet weitere 3 Millionen Flüchtende aus der Ukraine

Die Vereinten Nationen stellen sich auf drei Millionen weitere Flüchtlinge durch den russischen Krieg gegen die Ukraine ein. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) rechnet in diesem Jahr jetzt mit insgesamt 8,3 Millionen Menschen, die aus der Ukraine fliehen, sagte eine UNHCR-Sprecherin am Dienstag in Genf. Zur Zeit hätten knapp 5,3 Millionen Flüchtlinge die Grenzen zu Nachbarländern überquert. Die Schnelligkeit, mit der die Flüchtlingskrise sich entwickele, sei in jüngster Zeit beispiellos, sagte die Sprecherin. Weltweit seien nur aus Syrien mehr Menschen geflohen, aber über einen sehr viel längeren Zeitraum.

Im Land selbst sind nach UN-Schätzungen 7,7 Millionen Menschen durch die Angriffe aus ihren Städten und Dörfern vertrieben worden und auf der Flucht. Weitere 13 Millionen Menschen dürften in verschiedenen Regionen gestrandet sein und könnten wegen der Sicherheitslage nicht fliehen, sagte die UNHCR-Sprecherin. Vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar hatte die Ukraine etwa 44 Millionen Einwohner. (dpa)

Ukrainischer Aussenminister Kuleba: Russen werden sich Niederlage bewusst

Russland wird sich in seinem Krieg gegen die Ukraine aus Sicht von Kiews Aussenminister Dmytro Kuleba inzwischen seiner Niederlage bewusst. Russland verliere die Hoffnung, der Welt Angst zu machen und spreche deshalb inzwischen von der Gefahr eines Dritten Weltkrieges, meinte Kuleba mit Blick auf Äusserungen seines Kollegen Sergej Lawrow. «Das heisst nur, dass Moskau seine Niederlage in der Ukraine spürt», schrieb Kuleba in der Nacht zum Dienstag bei Twitter.

Zuvor hatte Lawrow mit Blick auf die Ukraine vor der Gefahr eines Weltkrieges gewarnt. Minister Kuleba forderte vom Westen erneut eine deutliche Ausweitung der Unterstützung für die Ukraine, «damit wir siegen und die europäische und globale Sicherheit schützen». (dpa)

Deutschland bereit, Panzer zu liefern

Die deutsche Bundesregierung will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) nun eine Lieferung von Panzern aus Beständen der Industrie an die Ukraine erlauben. Dazu soll der Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) grünes Licht erhalten, um technisch aufgearbeitete «Gepard»-Flugabwehrpanzer aus früheren Beständen der Bundeswehr verkaufen zu können. Eine entsprechende Entscheidung wurde nach diesen Informationen im Grundsatz getroffen.

Krauss-Maffei Wegmann (KMW) verfügt über eine mittlere zweistellige Zahl dieser Panzer aus der aufgelösten Heeresflugabwehrabwehr der Bundeswehr. Der «Gepard» kann auch im Kampf gegen Bodenziele eingesetzt werden. Die Bekämpfung von fliegenden Zielen im Verbund mit anderen Kräften gilt dagegen als technisch deutlich anspruchsvoller.

Die Bundesregierung hat bei der Finanzierung des Militärs eine «Zeitenwende» eingeleitet und will dazu ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr bereitstellen. In einem Ringtausch mit Partnern aus Osteuropa sollen der Ukraine Waffensysteme bereitgestellt werden, die dort bereits im Einsatz sind. Deutschland will die Niederlande und die USA zudem bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten an Artilleriesystemen unterstützen. (dpa)

Zwei tote Kinder in Lyman

Die ukrainische Zeitung «Kyiv Independent» schreibt auf Twitter, dass am gestrigen Montag zwei Kinder in der Stadt Lyman wegen der russischen Angriffe ums Leben gekommen seien. Die Ukraine hat wegen neuerlichen russischen Angriffen wiederum Tote und Verletzte zu beklagen gehabt. Wie «The Kyiv Independent» weiter schreibt, seien seit Kriegsbeginn schon über 200 Kinder ums Leben gekommen. (cri)

Ukraine: Tote und Verletzte in mehreren Regionen

Die Ukraine hat nach neuen russischen Angriffen weitere Tote und Verletzte in mehreren Regionen des Landes beklagt. Beim Beschuss von fünf Bahnstationen seien ein Bahnarbeiter getötet und vier weitere verletzt worden, teilte die staatliche Eisenbahngesellschaft im Nachrichtenkanal Telegram mit. In der Region Charkiw im Osten des Landes seien am Montag vier Menschen durch russischen Beschuss getötet und fünf verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit.

In der Stadt Charkiw wurden demnach weitere vier Zivilisten verletzt. Ein zwölfstöckiges Haus habe zudem Feuer gefangen, zwei Stockwerke seien vollständig ausgebrannt. Auch aus dem nordostukrainischen Gebiet Sumy wurde Beschuss gemeldet. Dieser sei von russischem Territorium auf den Ort Bilopillja erfolgt, sagte der Gouverneur der Region, Dmytro Schywyzkyj. Es gebe keine Verletzten oder Schäden.

Aus Kriwij Rih, der Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten, hiess es, dort sei der Beschuss zuletzt «wesentlich» stärker geworden. Das schrieb der örtliche Militärchef Oleksandr Wilkul in seinem Telegram-Kanal. Russische Einheiten hätten versucht, die Verteidigungslinie, die noch im Gebiet Cherson liege, zu durchbrechen. Sie seien allerdings erfolglos geblieben. Allerdings werde ein Anstieg an Flüchtlingen aus der Region Cherson verzeichnet.

Krywyj Rih liegt nördlich der südukrainischen Metropole Cherson, die als erste grosse Stadt schon zu Beginn des Krieges von russischen Truppen besetzt wurde. In den vergangenen Wochen wurde Krywyj Rih wiederholt von Raketen getroffen. Wilkul hatte am Sonntag gesagt, die Stadt bereite sich auf einen russischen Angriff in den kommenden Tagen vor. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden. (dpa)

«Begünstigen keine Kriegspartei»: Das sagt Irène Kälin zum geplanten Besuch in der Ukraine

In einem Interview mit SRF äusserte sich Nationalratspräsidentin Irène Kälin (Grüne) zu ihrem geplanten Ukraine-Besuch. Es sei ihr wichtig, Solidarität zu zeigen, begründete Kälin ihre Zusage. Sie war vom ukrainischen Parlamentspräsidenten eingeladen worden. Einen Konflikt mit der Neutralität der Schweiz sei nicht gegeben, sagte Kälin im Interview.

Irène Kälin.

Irène Kälin.

Severin Bigler

Diese gelte auch für den Nachvollzug der EU-Sanktionen gegen Russland und Weissrussland durch die Schweiz. «Ich glaube, das Neutralitätsrecht gibt es wirklich im engeren Sinne», sagte Kälin. So gesehen sei die Schweiz neutral: «Wir begünstigen keine Kriegspartei.» Im Sinne einer aktiven Neutralitätspolitik müsse sich die Schweiz aber klar zur Einhaltung des Völkerrechts bekennen. (wap)

Die Nacht auf Dienstag im Überblick

Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges sei «ernst, sie ist real, sie darf nicht unterschätzt werden», sagte Russlands Aussenminister Sergej Lawrow in einem Interview, das das Aussenministerium am Montagabend in seinem Telegram-Kanal teilte. Gleichzeitig erklärte er, dass er nicht wolle, dass in einer derartigen Situation die Risiken noch weiter künstlich aufgebläht würden. Es gäbe viele Seiten, die das wollten, sagte er, ohne konkret zu werden. Die Unzulässigkeit eines Atomkrieges bleibe die prinzipielle Position Russlands.

Auf einen Vergleich der aktuellen Situation mit der Zeit der Kubakrise angesprochen sagte Lawrow, dass es damals wenig geschriebene Regeln gegeben habe. Aber die «Verhaltensregeln» seien ziemlich klar gewesen – in Moskau habe man gewusst, wie sich Washington verhalte, und Washington sei klar gewesen, wie sich Moskau verhalte. Auch heute gebe es wenige Regeln, sagte Lawrow weiter und verwies auf den atomaren Abrüstungsvertrag New Start. Aber «gleichzeitig sind alle anderen Instrumente der Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung praktisch zerstört».

Lawrow: Nato-Waffenlieferungen sind legitime Angriffsziele

Russland betrachtet Waffenlieferungen der Nato an die Ukraine als berechtigte Angriffsziele für sein Land. «Natürlich werden diese Waffen ein legitimes Ziel für die russischen Streitkräfte sein», sagte Lawrow im Interview. Lager, auch in der Westukraine, seien bereits mehr als einmal zu solchen Zielen geworden. «Wie könnte es anders sein», sagte Lawrow weiter. «Wenn die Nato über einen Stellvertreter de facto in einen Krieg mit Russland tritt und diesen Stellvertreter bewaffnet, dann tut man im Krieg, was man im Krieg tun muss.»

Lawrow: Verhandlungen mit Ukraine werden gebremst

Lawrow warf den USA und Grossbritannien vor, die Verhandlungen mit der Ukraine zu bremsen. Man wisse mit Sicherheit, dass «weder London noch Washington» dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski raten würde, die Verhandlungen zu beschleunigen, sagte er im Interview. «Sie raten Selenski jedes Mal, seine Position zu verschärfen.»

Selenski: Russland wird in diesem Krieg nichts erreichen

Moskau wird mit seinem Angriffskrieg in der Ukraine nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Selenski keinen Erfolg haben. Binnen zwei Monaten hätten die russische Streitkräfte mehr als 1100 Raketen eingesetzt, unzählige Fliegerbomben sowie Artillerie. Einige ukrainische Orte seien bis auf die Grundmauern zerstört worden, sagte Selenski in seiner abendlichen Videoansprache, die in der Nacht zu Dienstag auf Telegram veröffentlicht wurde. «Aber sie haben nichts erreicht. Und sie werden nichts erreichen.»

Russische Region meldet erneut Beschuss

Russischen Behördenvertretern zufolge ist es in der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine erneut zu Beschuss gekommen. Dieses Mal sei das Dorf Schurawlewka getroffen worden; dabei seien mindestens zwei Personen verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Montag in seinem Kanal in dem sozialen Netzwerk Telegram mit. Die laut Behörden bereits mehrfach beschossene Region grenzt an das ukrainische Gebiet Charkiw.

London: Getreideernte in Ukraine fällt um rund 20 Prozent

Die russische Invasion in die Ukraine hat die landwirtschaftliche Produktion in der Ukraine erheblich gestört. Die Getreideernte werde in diesem Jahr aufgrund reduzierter Aussaatflächen nach der Invasion voraussichtlich um rund 20 Prozent niedriger ausfallen als 2021, teilte das britische Verteidigungsministerium am Montagabend in seinem täglichen Geheimdienst-Update mit.

Die Ukraine sei der weltweit der viertgrösste Produzent und Exporteur von Agrargütern, hiess es weiter. Ein reduziertes Getreideangebot aus der Ukraine werde Inflationsdruck erzeugen und den globalen Getreidepreis in die Höhe treiben. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) dringt gleichzeitig darauf, Handelswege für Getreide aus dem Kriegsland Ukraine offen zu halten. Die UN-Institution geht davon aus, dass bei Weizen nur rund die Hälfte der Vorjahresmenge geerntet werden kann.

Guterres trifft Putin

Gut zwei Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine empfängt Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag in Moskau UN-Generalsekretär António Guterres. Bei dem Treffen im Kreml dürfte es neben einer grösseren diplomatischen Rolle der Vereinten Nationen vor allem um den humanitären Zugang der UN und sichere Fluchtrouten für Zivilisten zum Beispiel aus der belagerten Stadt Mariupol gehen.

Moskau berichtet von Mordplänen gegen seine Top-Propagandisten

Moskauer Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben sechs «Neonazis» festgenommen, die angeblich im ukrainischen Auftrag Vertreter russischer Staatsmedien ermorden sollten. Drahtzieher der geplanten Anschläge sei der ukrainische Geheimdienst SBU, teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB am Montag mit.

Überprüfbar waren die Angaben trotz einiger veröffentlichter Videos nicht. Präsident Wladimir Putin übernahm die Geschichte und sprach davon, dass eine Terrorgruppe unschädlich gemacht worden sei.

In Kiew teilte der SBU mit, man werde diese Fantasien der russischen Geheimdienste nicht kommentieren. (dpa)

London schätzt russische Verluste auf bisher 15'000 Soldaten

Die britische Regierung geht davon aus, dass seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine etwa 15'000 russische Soldaten getötet worden sind. Diese Zahl nannte Verteidigungsminister Ben Wallace am Montag im Parlament in London.

«Ausser der Zahl der Todesopfer gibt es Verluste an Ausrüstung, und insgesamt deuten mehrere Quellen darauf hin, dass bisher mehr als 2000 gepanzerte Fahrzeuge zerstört oder erbeutet wurden», sagte Wallace. In dieser Zahl seien mindestens 530 Panzer, 560 Schützenpanzer sowie 530 gepanzerte Mannschaftstransporter enthalten. «Russland hat zudem mehr als 60 Hubschrauber und Kampfjets verloren», betonte Wallace.

Die Ukraine gibt deutlich höhere russische Verluste an. Demnach wurden knapp 22 000 Soldaten getötet sowie 181 Kampfflugzeuge, 154 Hubschrauber, 884 Panzer und 2258 Transportpanzer zerstört. Moskau hatte am 25. März von 1351 getöteten russischen Soldaten berichtet. (dpa)

Moskau weist 40 deutsche Diplomaten aus

Russland hat 40 deutsche Diplomaten zu «unerwünschten Personen» erklärt und damit deren Ausweisung verfügt. Dem deutschen Botschafter in Moskau sei am Montag ein Protestschreiben gegen die unfreundliche Politik Berlins und gegen die Ausweisung von 40 russischen Diplomaten Anfang April übergeben worden, teilte das Aussenministerium in Moskau mit. Die Zahl entspricht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur etwa einem Drittel des deutschen diplomatischen Korps in Russland. (dpa)

Bridget Brink als neue US-Botschafterin in Ukraine vorgeschlagen

Nach der Ankündigung einer Rückkehr von US-Diplomaten in die Ukraine hat Präsident Joe Biden eine Kandidatin für den Posten der US-Botschafterin nominiert. Er werde die Nominierung der Karrierediplomatin Bridget Brink in Kürze an den Senat weiterleiten, erklärte das Weisse Haus am Montag.

Die Kongresskammer muss der Personalie zustimmen. Brink ist derzeit die US-Gesandte in der Slowakei. Zuvor habe sie unter anderem im Aussenministerium in Washington als Expertin für Osteuropa und den Kaukasus sowie als stellvertretende Botschafterin in Usbekistan und Georgien gearbeitet, hiess es. (dpa)

Baldige Feuerpause in Mariupol?

Russland hat angesichts der in einem Stahlwerk der Hafenstadt Mariupol eingeschlossenen Zivilisten eine neue Feuerpause und einen humanitären Korridor angekündigt. Die russische Armee stelle 14.00 Uhr (13.00 Uhr MESZ) die Kampfhandlungen ein, teilte das Verteidigungsministerium am Montag in Moskau mit. Über einen humanitären Korridor sollten dann die Zivilisten die Industriezone verlassen können. Die ukrainische Regierung hatte Russland aufgefordert, die Flucht der Frauen und Kinder aus den Bunkeranlagen des Stahlwerks sicherzustellen.

Nach Angaben aus Kiew sollen sich rund 1000 Zivilisten in dem Stahlwerk aufhalten. Dazu wurden in den vergangenen Tagen auch Videos veröffentlicht, auf denen Kinder und Frauen zu sehen sind. Die ukrainischen Kämpfer, die sich in dem Werk verschanzt haben, fordern, alles für die Sicherheit der Menschen zu tun.

Nach russischen Angaben halten sich in dem Stahlwerk Azowstal noch rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner auf. Russland hat sie aufgefordert, sich zu ergeben. Das hatten die Verteidiger von Mariupol abgelehnt. Am Sonntag hatte Kiew allerdings Moskau Verhandlungen angeboten - über einen Austausch der Militärs.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte nun mit, dass die russischen Truppen sich in sichere Entfernung zurückziehen und die Flucht ermöglichen. Die Regierung in Kiew hatte zuvor beklagt, dass Russland eine Flucht der Menschen auf das von der Ukraine kontrollierte Territorium verhindere. Die Menschen sollten demnach nach Russland oder in die von prorussischen Separatisten eingenommenen Gebiete fliehen dürfen. (dpa)

Ukraine: Bereits mehr als 3800 Zivilisten im Krieg getötet

Durch den vor gut zwei Monaten begonnenen russischen Angriffskrieg in der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens 3818 Zivilisten getötet worden. «Verletzte: mehr als 4000», teilte die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am Montag mit. Die Statistik sei jedoch unvollständig, da die Behörden zu vielen Orten, darunter zur blockierten Hafenstadt Mariupol, keinen Zugang hätten. Aktuell geht die Staatsanwaltschaft dabei von mindestens 215 getöteten und 391 verletzten Kindern aus. Die Vereinten Nationen haben bisher rund 2500 zivile Tote erfasst, gehen aber ebenso wie Kiew von weitaus höheren zivilen Opferzahlen aus. (dpa)

Referendum über Abspaltung des Gebiets Cherson? Russland dementiert

Das russische Aussenministerium hat Pläne dementiert, wonach Moskau ein Referendum über die Abspaltung des südukrainischen Gebiets Cherson plane. «Davon habe ich nichts gehört», sagte der stellvertretende Aussenminister Andrej Rudenko am Montag bei einer Pressekonferenz auf Nachfrage von Journalisten. Spekulationen über die Vorbereitung eines solchen Referendums wie auf der Halbinsel Krim 2014 oder in den Separatistenrepubliken im Donbass haben sich zuletzt verstärkt. Unter anderem sollen in der Region Cherson Flugblätter mit entsprechenden Aufrufen aufgetaucht sein.

Ein Treffen zwischen Russlands Aussenminister Sergej Lawrow und seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba sei derzeit ebenfalls nicht geplant, führte Rudenko aus. Ehe es weitere persönliche Treffen der Verhandlungsdelegationen gebe, müssten deutliche inhaltliche Fortschritte erzielt werden. Moskau hatte in der vergangenen Woche eigenen Angaben nach seine Vorschläge Kiew übergeben und wirft nun der Ukraine vor, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. (dpa)

Russen beschiessen auch Raffinerie in der Ukraine

Russische Streitkräfte haben nach Moskauer Angaben eine Raffinerie und ein Treibstofflager bei der zentralukrainischen Stadt Krementschuk mit Raketen beschossen. Das teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit.

Die ukrainische Militärverwaltung des Gebiets Poltawa teilte mit, dass am Sonntagabend neun Raketen in der Raffinerie und einem Heizkraftwerk von Krementschuk eingeschlagen seien. Es gebe erheblichen Schaden an Gebäuden, die entstandenen Brände seien aber eingedämmt worden, schrieb Verwaltungschef Dmytro Lunin auf Telegram. Ein Mensch sei getötet, sieben weitere seien verletzt worden.

Dem Moskauer Militärbericht zufolge richteten sich 19 weitere Raketenangriffe in der Nacht zum Montag gegen militärische Ziele in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte nahmen dabei für sich in Anspruch, jedes dieser Ziele auch zerstört zu haben. Durch Raketenabschüsse von Flugzeugen aus seien sechs militärische Ziele im ostukrainischen Gebiet Charkiw zerstört worden. Die russische Artillerie habe seit Sonntag fast 970 Ziele unter Feuer genommen. Überprüfbar waren diese Moskauer Angaben zum Kriegsgeschehen nicht. (dpa)

Blinken: Russland verfehlt Kriegsziele

Russland hat nach Ansicht von US-Aussenminister Antony Blinken seine Ziele im Krieg gegen die Ukraine verfehlt. «Wir sehen: Wenn es um Russlands Kriegsziele geht, dann scheitert Russland gerade, und die Ukraine hat Erfolg», sagte Blinken am Montag in Polen nach seiner gemeinsamen Reise mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin nach Kiew.

Mehrere Bahnhöfe in der Ukraine beschossen

In der West- und Zentralukraine sind nach ukrainischen Angaben am Montagmorgen mehrere Raketen eingeschlagen. Dabei seien auch fünf Eisenbahnstationen getroffen worden, teilte der Chef der ukrainischen Eisenbahn, Olexander Kamyschin, auf dem Telegram-Kanal des Unternehmens mit. «Die russischen Streitkräfte zerstören weiter systematisch die Infrastruktur der Eisenbahn», kommentierte Kamyschin.

Seinen Angaben nach mussten aus Sicherheitsgründen die Route und der Fahrplan von mehreren Zügen geändert werden. Zu möglichen Verletzten gibt es widersprüchliche Angaben. Über Raketenangriffe hatten auch die Behörden des westukrainischen Gebiets Lwiw und von Winnyzja, südwestlich von Kiew, berichtet. (dpa)

Russische Öldepots brennen lichterloh

In einem russischen Öldepot unweit der Grenze zur Ukraine ist in der Nacht zum Montag ein schwerer Brand ausgebrochen. Das Feuer habe in der Stadt Brjansk Lagertanks erfasst, teilte der örtliche Katastrophenschutz der Nachrichtenagentur Tass mit. Es liefen Löscharbeiten. Weitere Details gab es zunächst nicht. Auf im Internet veröffentlichten Videos waren aus der Entfernung hohe Flammen zu sehen. Brjansk ist weniger als 150 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Ob der Brand mit dem Krieg in der Ukraine in Zusammenhang stehen könnte, war zunächst nicht bekannt. Anfang April hatte Russland nach einem Brand in einem Öllager in der russischen Stadt Belgorod die Ukraine dafür verantwortlich gemacht. Nach russischer Darstellung feuerten zwei ukrainische Hubschrauber Raketen auf die Anlage ab. Die Ukraine wies das zurück. Belgorod liegt weniger als 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. (dpa)

In Brjansk, Russland, brennen Öldepots.

CH Media Video Unit

Ukrainer wehren neuerliche Angriffe ab

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben mehrere russische Angriffe im Osten der Ukraine abgewehrt. «In Richtung Isjum – Barwinkowe und Isjum – Kramatorsk hat der Feind Sturmversuche unternommen, aber keinen Erfolg gehabt, dabei hat er die Ortschaften Welika Komyschuwacha, Wirnopillja und Nowa Dmytriwka beschossen», teilte der ukrainische Generalstab am Montag in seinem Lagebericht mit.

Im Bereich Donezk und weiter südlich beschränkten sich die russischen Kampfhandlungen demnach vor allem auf starkes Artilleriefeuer auf die ukrainischen Stellungen. Einzig in der seit Wochen umkämpften Kleinstadt Popasna habe es weitere Sturmversuche gegeben. In der Stadt Mariupol sei das Stahlwerk Azovstal mit Bomben und Raketen beschossen worden, heisst es weiter. Zu eigenen Verlusten machte der Generalstab dabei keine Angaben. Die russische Seite soll 13 Panzer und darüber hinaus weitere Militärtechnik verloren haben. (dpa)

Blinken: US-Diplomaten kehren in die Ukraine zurück

Die USA wollen ihre Militärhilfe für die Ukraine weiter aufstocken, und US-Diplomaten sollen noch in dieser Woche in die Ukraine zurückkehren. Das berichteten US-Medien am Montagmorgen nach einem Besuch von US-Aussenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin in der Ukraine. In Kiew hatten die beiden demnach am Sonntag unter anderem den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski getroffen. Selenski hatte den Besuch bei einer Pressekonferenz am Samstag angekündigt. In Washington hatte es aber aus Sicherheitsgründen zunächst keinen Kommentar dazu gegeben.

US-Aussenminister Antony Blinken vor dem Abflug in die Ukraine.

US-Aussenminister Antony Blinken vor dem Abflug in die Ukraine.

Alex Brandon / AP

Blinken kündigte den Berichten zufolge an, dass US-Diplomaten, die vor Beginn der russischen Invasion die Ukraine verlassen hatten, noch in dieser Woche ins Land zurückkehren würden. Dies sei eine starke Botschaft der Solidarität der Vereinigten Staaten. Präsident Joe Biden werde bald zudem Bridget Brink als US-Botschafterin in der Ukraine nominieren. Brink ist derzeit US-Gesandte in der Slowakei.

Ausserdem wolle Biden die Militärhilfe für die Ukraine und 15 andere osteuropäische Länder um voraussichtlich weitere 713 Millionen Dollar aufstocken, schrieb die «New York Times». Dies solle unter anderem dem ukrainischem Militär die Umstellung auf modernere Waffensysteme ermöglichen.

Während ihres Aufenthalts in Kiew trafen Blinken und Austin mit Selenski, Aussenminister Dmytro Kuleba, Verteidigungsminister Olexij Resnikow und Innenminister Denis Monastyrski zu einem rund 90-minütigen Gespräch zusammen, berichtete der Sender CNN. (dpa)

Die Nacht auf Montag im Überblick

Über den Besuch von US-Aussenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin in Kiew wurde in der Nacht zum Montag so gut wie gar nichts bekannt. Einzig der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch sagte am Sonntagabend in einem Videointerview, «jetzt gerade» würden sie sich in Kiew mit Präsident Wolodimir Selenski treffen. Es gehe darum, wie die USA der Ukraine helfen könnten. Der ukrainische Präsident wollte über weitere Waffenlieferungen sowie andere Unterstützung sprechen. Die USA gaben bereits Milliarden für Hilfen frei, erst vergangene Woche gab es 800 Millionen Dollar für dringend benötigte Waffen wie schwere Artillerie.

Selenskyi Heimatstadt bereitet sich auf russische Attacke vor

Selenskis Heimatstadt Krywyj Rih bereitet sich auf einen baldigen Angriff russischer Truppen vor. Die ukrainischen Streitkräfte rechneten mit einer Offensive in den kommenden Tagen, schrieb der örtliche Militärchef Oleksandr Wilkul im Online-Dienst Telegram. Man habe mehrstufige Verteidigungslinien aufgebaut und versuche, Zivilisten aus gefährdeten Gebieten zu bringen. Krywyj Rih ist unter anderem dank der Einsenerz-Förderung ein wichtiges Industriezentrum für die Ukraine. In den vergangenen Wochen wurde die Stadt wiederholt Ziel von Raketenangriffen.

Keine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest

Die Kämpfe und Angriffe gingen auch zum orthodoxen Osterfest am Sonntag weiter. Nach ukrainischen Angaben rückten russisches Militär und sie unterstützende Separatisten-Einheiten im Osten in der Region Donbass vor. Dabei seien fünf Zivilisten getötet worden. Ukrainische Streitkräfte hätten mehrere Ortschaften im Gebiet Mykolajiw zurückerobert. Im Gebiet Poltawa südwestlich der Grossstadt Charkiw hätten russische Truppen neuen Raketen auf Infrastruktur-Objekte abgefeuert.

Grossbrand in russischem Öllager

In einem russischen Öldepot unweit der Grenze zur Ukraine brach in der Nacht zum Montag ein schwerer Brand aus. Das Feuer habe in der Stadt Brjansk Lagertanks erfasst, teilte der Katastrophenschutz der Nachrichtenagentur Tass mit. Es liefen Löscharbeiten. Zunächst gab es weder Informationen zur möglichen Ursache, noch dazu, ob es einen Zusammenhang zum Krieg in der Ukraine gibt. Auf im Internet veröffentlichten Videos waren aus der Entfernung hohe Flammen zu sehen. Brjansk ist weniger als 150 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Anfang April hatte Russland nach einem Brand in einem Öllager in der russischen Stadt Belgorod die Ukraine dafür verantwortlich gemacht. Nach russischer Darstellung feuerten zwei ukrainische Hubschrauber Raketen auf die Anlage ab. Die Ukraine wies das zurück. Belgorod liegt weniger als 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

OSZE fordert Freilassung von vier gefangenen Mitarbeitern

Die Spitze der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte die sofortige Freilassung von vier lokalen Mitarbeitern im Osten der Ukraine. Sie seien in Gebieten der Bezirke Luhansk und Donezk festgenommen worden, die nicht unter der Kontrolle der Regierung in Kiew stehen. «Sie werden schon seit einiger Zeit ohne Anklage festgehalten, und die OSZE und ihre Familien werden nicht ausreichend über ihre Situation informiert», sagte der polnische Aussenminister und derzeitige OSZE-Vorsitzende Zbigniew Rau. Die lokalen Mitarbeiter waren nach dem Abzug internationaler Beobachter in der Ukraine geblieben.

Das wird am Montag wichtig

In Deutschland wird die Debatte um Waffenlieferungen an die Ukraine weitergehen. Die Union erhöhte den Druck auf die Ampel-Koalition mit dem Entwurf für einen Entschliessungsantrag, mit dem sie solche Lieferungen notfalls im Bundestag erzwingen will. Im Kanzleramt soll es zwei Monate nach der Ankunft erster Kriegsflüchtlinge ein Treffen staatlicher Akteure und ehrenamtlicher Helfer geben. Ziel ist, Verteilung, Unterbringung und Arbeitsmarktintegration der Geflüchteten bestmöglich zu organisieren. UN-Generalsekretär António Guterres reist vor Besuchen in Moskau und Kiew zunächst in die Türkei. (dpa)

Selenski-Berater: Treffen mit US-Ministern in Kiew läuft

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.

Sergey Dolzhenko / EPA

Eine ranghohe US-Delegation mit Aussenminister Antony Blinken und Verteidigungsminister Lloyd Austin ist nach ukrainischen Angaben wie angekündigt in Kiew eingetroffen. Die beiden Minister träfen sich in der Hauptstadt mit Präsident Wolodimir Selenski, sagte sein Berater Olexij Arestowytsch am Sonntagabend in einem Videointerview. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Selenski hatte den Besuch bei einer Pressekonferenz am Samstag angekündigt. In Washington hatte es keinen Kommentar dazu gegeben. Der ukrainische Präsident wollte mit den US-Ministern über weitere Waffenlieferungen und Unterstützung zur Abwehr des russischen Angriffs sprechen. (dpa)

Russland setzt Angriffe in Ukraine fort

Die russischen Streitkräfte haben ihre Angriffe in der Ukraine trotz internationaler Bitten um eine Waffenruhe auch am orthodoxen Osterfest fortgesetzt. Es wurden erneut Dutzende Militärobjekte und zahlreiche Stellungen des ukrainischen Militärs beschossen, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow, am Sonntag mitteilte.

Bei Angriffen auf die Hafenstadt Odessa starben am Wochenende nach ukrainischen Angaben acht Menschen. Kremlchef Wladimir Putin betonte zum russisch-orthodoxen Osterfest die Rolle der Kirche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski gab sich in seiner Osterbotschaft siegessicher. (dpa)

Papst Franziskus fordert Feuerpause in der Ukraine

Papst Franziskus hat erneut eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg gefordert. «Die politischen Entscheidungsträger mögen bitte die Stimme der Leute erhören, die den Frieden und keine Eskalation des Konfliktes verlangt», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag vor zahlreichen Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. «Ich erneuere den Aufruf zu einem österlichen Waffenstillstand.» Am Sonntag feierten die orthodoxen Christen, die in der Ukraine stark vertreten sind, Ostern. Russland hatte eine Feuerpause abgelehnt. (dpa)

Russland greift Ukraine auch am orthodoxen Osterfest an

Eine Kommunion während der Osterfeier in der Allerheiligenkirche in Bahmut, Ostukraine, am Sonntag, 24. April 2022.

Eine Kommunion während der Osterfeier in der Allerheiligenkirche in Bahmut, Ostukraine, am Sonntag, 24. April 2022.

AP Photo/Evgeniy Maloletka

Russland hat seine Angriffe auf die Ukraine trotz aller Bitten um eine Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest fortgesetzt. Es wurden erneut Dutzende Militärobjekte und zahlreiche Stellungen des ukrainischen Militärs beschossen, wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag mitteilte.

Bei Angriffen auf die Hafenstadt Odessa starben am Wochenende nach ukrainischen Angaben acht Menschen. Kremlchef Wladimir Putin betonte zum russisch-orthodoxen Osterfest die Rolle der Kirche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Die Kirche ist eine wichtige Machtstütze des russischen Präsidenten. (dpa)

Schweizer Delegation plant Ukraine-Besuch

Die Präsidentin des Nationalrates, Irène Kälin, plant zusammen mit weiteren Parlamentarierinnen und Parlamentariern einen Besuch in der Ukraine. Anlass ist eine Einladung des ukrainischen Parlamentspräsidenten, Ruslan Stefantschuk, berichtet der «SonntagsBlick». Es ist der Gegenbesuch einer ukrainischen Delegation im Bundeshaus von 2020.

Kälin hat an Ostern entsprechende Einladungen verschickt. Zu den Adressaten gehörten unter anderem GLP-Nationalrat Martin Bäumle, EVP-Nationalrat Nik Gugger und die Grüne Christine Badertscher. Ob die Reise tatsächlich stattfindet, hängt von der Sicherheitslage ab. Es wäre der erste Besuch von Schweizer Politikern seit Kriegsausbruch. (chm)

Ukraine-Krieg: Selenski spricht mit Erdogan über Schiffsblockaden

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat bei einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan Probleme bei der globalen Lebensmittelsicherheit angesprochen. Diese sei durch die Blockade von Schiffsbewegungen im Schwarzen Meer gefährdet, schrieb Selenski am Sonntag beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Russland blockiert seit seinem Angriff auf die Ukraine vor zwei Monaten den Zugang zu den Häfen des Landes. Dadurch kann die Ukraine, die einer der grössten Getreideexporteure der Welt ist, nichts mehr aus dem Seeweg exportieren.

Selenski forderte Erdogan auch auf, sich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Evakuierung von Zivilisten aus der weitgehend zerstörten Hafenstadt Mariupol einzusetzen. (dpa)

Ukraine berichtet über Rückeroberung von Orten im Gebiet Cherson

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über acht Ortschaften im Gebiet Cherson im Süden der Ukraine wieder erlangt. Der ukrainische Generalstab in Kiew machte aber in seiner Mitteilung am Sonntag keine Angaben zu den Namen der Ortschaften oder zu ihrer genauen Lage.

Das russische Militär hatte zuvor mitgeteilt, die gesamte Region Cherson eingenommen zu haben. Die Ukraine befürchtet, dass dort wie im Donbass nach dem Vorbild der von Russland anerkannten «Volksrepubliken Luhansk und Donzek» ebenfalls eine Unabhängigkeit von der Ukraine ausgerufen werden könnte. (dpa)

Kiew bietet Moskau Verhandlungen zu Stahlwerk in Mariupol an

Kiew hat Moskau angesichts der schwierigen Lage der im ukrainischen Stahlwerk in Mariupol eingeschlossenen Kämpfer und Zivilisten Verhandlungen angeboten. In dem Werk Azovstal sollen sich nach russischen Angaben 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben. Nach ukrainischen Angaben leben in den noch für einen Atomkrieg gebauten Bunkeranlagen auch 1000 Zivilisten, darunter viele Kinder und Frauen.

Russland solle an den Rest seines Rufes denken und eine echte Waffenruhe zu Ostern verkünden, meinte Podoljak in dem Tweet. Die orthodoxen Christen in der Ukraine und in Russland feierten am Sonntag Ostern – eine Woche später als die Katholiken und Protestanten, die sich nach einem anderen Kalender richten. Trotz des Osterfestes werde das Stahlwerk weiter mit Bomben und Artillerie beschossen, kritisierte Podoljak. (dpa)

Russland greift Ukraine auch zum Osterfest mit Raketen an

Die russischen Streitkräfte haben ihre Raketenangriffe gegen die Ukraine auch zum orthodoxen Osterfest mit aller Härte fortgesetzt. Es wurden erneut Dutzende Militärobjekte und zahlreiche Stellungen des ukrainischen Militärs beschossen, wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag mitteilte.

Mit Hochpräzisionswaffen sei in Pawlohrad im Gebiet Dnipropetrowsk eine unterirdische Anlage zur Produktion von Munition für die ukrainischen Streitkräfte zerstört worden. Im Gebiet Charkiw seien zudem vier Munitionslager und Truppenansammlungen mit Raketen beschossen worden.

Nach Angaben von Konaschenkow wurden bei den Angriffen auch 150 ukrainische Kämpfer getötet. Insgesamt wurde demnach in der Osternacht 423 Mal mit Raketen und Artillerie geschossen. (dpa)

Veto des Bundes: Schweiz verbietet deutsche Waffenlieferung in die Ukraine

Deutschland wollte Kriegsmaterial in die Ukraine exportieren, das ursprünglich aus der Schweiz kommt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Meldung der «SonntagsZeitung». Beim Seco seien zwei Anfragen aus Deutschland eingegangen. Dabei ging es um die Weitergabe von zuvor aus der Schweiz erhaltener Munition an die Ukraine.

Allerdings war die Anfrage aus Deutschland vergeblich: Das Seco hat die Weitergabe der Munition verboten. Dabei ging es gemäss Seco um «Munition für die übliche Primär- und Sekundärbewaffnungen des Marder Schützenpanzers». Diese gelte als Kriegsmaterial und die Ausfuhr unterliege entsprechend der Bewilligungspflicht.

Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

Putin mit Oster-Kerze: Kremlchef würdigt Rolle orthodoxer Kirche

Kremlchef Wladimir Putin hat zum russisch-orthodoxen Osterfest auch mit Blick auf seinen Krieg gegen die Ukraine die Rolle der Kirche für den Zusammenhalt in der Gesellschaft gewürdigt. Patriarch Kirill entwickle die «fruchtbare Zusammenarbeit von Staat und Kirche», leiste einen «riesigen Beitrag» für die Durchsetzung traditioneller Werte in der Gesellschaft, lobte Putin in seiner am Sonntag vom Kreml veröffentlichten österlichen Grussbotschaft.

Putin zeigte sich in der Osternacht zum Sonntag in der Erlöserkathedrale in Moskau mit einer brennenden Kerze in der Hand.

Putin zeigte sich in der Osternacht zum Sonntag in der Erlöserkathedrale in Moskau mit einer brennenden Kerze in der Hand.

Keystone

Der 69-Jährige ist nach eigenen Angaben getauft und zeigte sich in der Osternacht zum Sonntag in der Erlöserkathedrale in Moskau mit einer brennenden Kerze in der Hand. Die Kirche ist eine wichtige Machtstütze Putins. «In unserer nicht einfachen Zeit kümmert sie sich um die Festigung des Konsenses und der Verständigung zwischen den Menschen», sagte der Präsident. (dpa)

Ukraine warnt vor Einbruch des russischen Erdgastransits

Der ukrainische Staatskonzern «Naftogaz» hat vor einem Einbruch des russischen Gastransits über die Ukraine gewarnt. «Wir schätzen, dass ein Drittel der von Russland in die EU über die Ukraine exportierten Gasmenge verloren gehen kann, wenn die Besatzungskräfte nicht damit aufhören, die Funktion unserer Stationen zu stören», schrieb Naftogaz-Chef Jurij Witrenko am Samstag bei Twitter. Naftogaz betreibt das ukrainische Gastransportsystem. Nach Angaben des Unternehmens wurden am Freitag mehr als 58 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Westen transportiert. (dpa)

Fehlendes Ukraine-Szenario: Alfred Heer kritisiert Bundesrat

SVP-Nationalrat Alfred Heer ist Ukraine-Berichterstatter des Europarats. Er wirft dem Bundesrat vor, sich schlecht auf einen Einmarsch von Putin in die Ukraine vorbereitet zu haben.

Erste Ukrainerinnen sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt

Die Flüchtlinge aus der Ukraine werden nicht in der Schweiz bleiben. Davon geht Asylchefin Christine Schraner Burgener aus. Erste Personen sind bereits in Richtung Heimat aufgebrochen.

Christine Schraner Burgener, die neue Staatssekretärin für Migration (SEM), ist zufrieden. «Es läuft recht gut im Moment», sagte sie in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Bis heute habe die Schweiz über 40’000 Geflüchtete registriert und untergebracht. Wie viele noch kommen werden, ist offen. «Es gibt verschiedene Szenarien, die alle vom weiteren Verlauf des Krieges in der Ukraine abhängen», sagte die Asylchefin. «Wir müssen uns auch auf höhere Zahlen vorbereiten.»

US-Minister in Kiew erwartet – die Nacht im Überblick

Nach Reisen zahlreicher europäischer Spitzenpolitiker wird in Kiew am Sonntag ranghoher US-Besuch erwartet. «Morgen werde ich ein Treffen mit dem US-Verteidigungsminister (Lloyd Austin) und mit Aussenminister (Antony) Blinken haben», sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski am Samstag. Bei einem russischen Raketenangriff auf die Hafenstadt Odessa starben unterdessen nach ukrainischen Angaben mindestens acht Menschen, darunter ein drei Monate altes Mädchen.

Selenski hofft auf US-Druck für Waffenlieferungen aus Berlin

Selenski sagte, er erhoffe sich von den USA auch Unterstützung für Waffenlieferungen aus Deutschland. «Damit sie (Deutschland) damit beginnen, das zu liefern, was sie haben und das, was sie gerade nicht nutzen.» Die FDP forderte am Samstag auch in einem Beschluss ihres Bundesparteitages die Lieferung schwerer Waffen aus Deutschland an die Ukraine.

Tote bei russischem Raketenangriff auf Odessa

Das russische Militär griff am Samstag die ukrainische Hafenstadt Odessa an, die bisher weitgehend von Attacken verschont geblieben war. Nach Angaben von Selenski wurden zunächst sieben Raketen abgefeuert, von denen zwei abgefangen wurden. Unter anderem sei ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen worden, neben acht Toten seien auch bis zu 20 Menschen verletzt worden. In der Nacht zum Sonntag fingen ukrainische Truppen nach eigenen Angaben zwei weitere Marschflugkörper ab.

Selenski kritisiert russische Filtrationslager

Selenski kritisierte in seiner täglichen Videoansprache scharf die vom russischen Militär in besetzten Gebieten eingerichteten Filtrationslager. In ihnen sollen nach offizieller Darstellung eventuelle Kämpfer von Zivilisten getrennt werden. «Der ehrliche Name dafür ist ein anderer - das sind Konzentrationslager. So wie sie die Nazis seinerzeit gebaut haben», sagte Selenski.

Er kritisierte, dass Ukrainer aus diesen Lagern auch nach Russland gebracht würden. «Unter anderem deportieren sie Kinder - in der Hoffnung, dass sie vergessen, wo sie herkommen, wo ihr Zuhause ist.» Nach Angaben der ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Ljudmyla Denisowa wurden 308 Ukrainer aus dem schwer zerstörten Mariupol in eine 8000 Kilometer entfernte Stadt im russischen Fernen Osten gebracht.

Ukraine spricht von Zwangsrekrutierung in besetzten Gebieten

Die Ukraine wirft russischen Truppen auch eine Zwangsrekrutierung von Einwohnern in besetzten Gebieten vor. Neben jungen Menschen seien davon in den Regionen Cherson, Saporischja und Charkiw speziell auch Mediziner betroffen, schrieb die ukrainische Militäraufklärung bei Facebook.

So sei medizinisches Personal aus der Stadt Wowtschansk im Gebiet Charkiw unter Androhung von Hinrichtungen gezwungen worden, russische Soldaten an der Front zu behandeln. Im Gebiet Saporischja suchten russisches Militär und Geheimdienstler nach Personen im Wehrpflichtigen-Alter, schrieb die Militäraufklärung weiter. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

OSZE sorgt sich um in Ostukraine festgehaltene Mitarbeiter

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sorgt sich um Mitarbeiter, die im Donbass in der Ostukraine gefangen genommen worden seien. Es handle sich um Ukrainer, die gemeinsam mit internationalen Beobachtern der OSZE in der Region tätig waren, gab die Organisation bekannt. Die Beobachter hatten vor allem die Aufgabe, in der Ostukraine die Waffenstillstandslinie zwischen staatlichen Truppen und prorussischen Separatisten zu überwachen.

Putin bei Oster-Gottesdienst in Moskau

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in der Nacht zum Sonntag einen Oster-Gottesdienst in Moskau besucht. Er habe dem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt Patriarch Kirill gemäss Tradition ein verziertes Osterei überreicht, berichtete die Nachrichtenagentur Tass. Kirill hat sich stets hinter Putins Politik gestellt. So hatte er dem Westen die Schuld am russischen Angriffskrieg in der Ukraine gegeben. In der Ukraine gilt in der orthodoxen Osternacht eine Ausgangssperre.

Merz: Deutsche Aussen- und Sicherheitspolitik vor Scherbenhaufen

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz sieht mit Blick auf den Krieg in der Ukraine jahrelange schwere Versäumnisse in der deutschen Politik. «Die gesamte deutsche Aussen- und Sicherheitspolitik der letzten 20 Jahre steht vor einem Scherbenhaufen. Wenn dieser Krieg vorüber ist, müssen wir sorgfältig analysieren, wie es dazu kommen konnte», sagte Merz der «Bild am Sonntag». Aus Sicht des CDU-Chefs hätte es spätestens 2014 nach der Besetzung der Krim «eine massive Sanktionierung und Isolierung Russlands gebraucht».

Das wird am Sonntag wichtig

Ein Höhepunkt des Tages dürfte der Besuch der beiden US-Minister in Kiew werden, zu dem bisher keine Einzelheiten bekannt wurden. In Deutschland kann man von einer Fortsetzung der Debatte um deutsche Waffenlieferungen und den aussenpolitischen Kurs gegenüber Russland ausgehen. (dpa)

Selenski kündigt Besuch von US-Delegation am Sonntag in Kiew an

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat inmitten des russischen Angriffskrieges überraschend einen Besuch einer hochrangigen US-Delegation für diesen Sonntag in Kiew angekündigt. «Ich denke nicht, dass es ein grosses Geheimnis ist. Morgen werde ich ein Treffen mit dem US-Verteidigungsminister (Lloyd Austin) und mit Aussenminister (Antony) Blinken haben», sagte Selenski am Samstag bei einer Pressekonferenz in einer U-Bahn-Station in Kiew. Er hoffe, dass auch US-Präsident Joe Biden - «sobald es die Sicherheitssituation zulasse» - nach Kiew komme.

Mit Austin und Blinken werde er über die «Liste der notwendigen Waffen und über die Geschwindigkeit ihrer Lieferung» reden. In der vergangenen Woche hätten sich die Nachrichten zu Waffenlieferungen verbessert, meinte Selenskyj. Anfragen beim US-Aussen- und beim Verteidigungsministerium zu dem Besuch blieben am Samstag zunächst unbeantwortet. (dpa)

Selenskyj droht Russland mit Verhandlungsabbruch

Bei einer Pressekonferenz in einer zentralen U-Bahn-Station der Hauptstadt Kiew hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut einen möglichen Abbruch jeglicher Gespräche mit Russland für ein Ende des Krieges ins Spiel gebracht.

«Wenn unsere Leute in Mariupol vernichtet werden, wenn ein Pseudoreferendum über die Unabhängigkeit in Cherson stattfindet, dann tritt die Ukraine aus allen Verhandlungsprozessen heraus», sagte er am Samstag in einer unterirdischen Metrostation. Er sei weiter bereit, direkt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verhandeln, sagte Selenskyj. (dpa)

Schröder: Bei russischem Gas-Stopp «würde ich zurücktreten»

Wladimir Putin, rechts, und der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bei ihrem Treffen in St. Petersburg.

Wladimir Putin, rechts, und der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bei ihrem Treffen in St. Petersburg.

AP Photo/Dmitry Lovetsky

Altkanzler Gerhard Schröder kann sich einen Rücktritt von seinen Posten für russische Energiekonzerne offensichtlich nur für einen Fall vorstellen: Wenn der russische Präsident Wladimir Putin Deutschland und der Europäischen Union das Gas abdreht.

In einem am Samstag veröffentlichten Interview der «New York Times» sagt er, dass er zwar nicht mit einem solchen Szenario rechne: «Das wird nicht passieren.» Sollte es aber doch dazu kommen, «dann würde ich zurücktreten», fügt er hinzu, ohne explizit zu sagen, von welchen Posten.

Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energieriesen Rosneft und war zuletzt auch für die Pipeline-Gesellschaften Nord Stream und Nord Stream 2 tätig. Er steht in Deutschland massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten trennt. Vier SPD-Verbände haben deswegen ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beantragt. (dpa)

Mindestens fünf Tote nach Raketenangriff auf Odessa

Infolge eines russischen Raketenangriffs sind in der südukrainischen Hafenstadt Odessa mindestens fünf Menschen getötet worden. Mindestens 18 Menschen wurden verletzt, wie der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, am Samstag über den Nachrichtendendienst Telegram mitteilte.

Die ukrainische Luftabwehr hatte parallel mitgeteilt, dass sie zwei Raketen und zwei Aufklärungsdrohnen abgeschossen habe. Die Raketen seien von einem Langstreckenbomber des Typs Tu-95 über dem Kaspischen Meer abgefeuert worden. Trotz des Abschusses seien ein militärisches Objekt und zwei Wohnhäuser in Odessa beschädigt worden, hiess es. (dpa)

 Video soll verschanzte Zivilisten bei Stahlwerk Azowstal in Mariupol zeigen

CH Media Video Unit

Tote durch russische Angriffe

Eine Mutter wirft Erde auf das Grab ihres im Krieg getöteten Sohns, der auf dem Friedhof in Bucha, am Stadtrand von Kiew, begraben wurde.

Eine Mutter wirft Erde auf das Grab ihres im Krieg getöteten Sohns, der auf dem Friedhof in Bucha, am Stadtrand von Kiew, begraben wurde.

Petros Giannakouris / AP

Durch russische Artillerie- und Raketenangriffe sind in der Ukraine erneut mehrere Menschen getötet oder verletzt worden. Im ostukrainischen Gebiet Luhansk wurden in der Siedlung Solote am Samstag zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt, wie Gouverneur Serhij Hajdaj per Nachrichtendienst Telegram mitteilte.

Im benachbarten Gebiet Donezk wurden der Gebietsverwaltung zufolge am Freitag drei Menschen getötet und sieben verletzt. Im Charkiwer Gebiet hat Gouverneur Oleh Synjehubow am Morgen über 2 Tote und 19 Verletzte infolge von 56 Angriffen innerhalb der vergangenen 24 Stunden informiert. Den Behörden nach wurden im südukrainischen Gebiet Mykolajiw acht Menschen durch Beschuss verletzt. (dpa)

Russland attackiert zahlreiche Orte - Azovstal unter Feuer

Russische Truppen haben nach Angaben aus Kiew erneut zahlreiche Ziele in der Ukraine unter Feuer genommen. Attacken wurden unter anderem sowohl aus dem Donbass-Gebiet, als auch aus der weitgehend zerstörten Hafenstadt Mariupol gemeldet. «In Richtung Donezk führt der Feind Angriffshandlungen entlang der gesamten Frontlinie durch», teilte der ukrainische Generalstab am Samstag mit.

Die stärksten russischen Angriffe zielen demnach auf die Grossstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk. Daneben berichtet der Generalstab von abgewehrten Sturmversuchen in Rubischne, Popasna und Marjinka. (dpa)

Italien will Ukraine mit Experten bei Ermittlungen unterstützen

Italien will laut Aussenminister Luigi Di Maio die Untersuchungen von möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine mit italienischen Experten unterstützen. «Die italienische Regierung hat in diesen Stunden entschieden, wissenschaftliche und forensische Experten zu entsenden, um den Internationalen Gerichtshofs beim Verifizieren und Belegen von Kriegsverbrechen zu unterstützen», sagte der 35-Jährige am Samstag in Rom.

Di Maio nannte als Einsatzort die nördlichen Gebiete der Ukraine, «wo russische Soldaten vor ihrem Rückzug sich mit grausamen Verbrechen, wie denen, die in Butscha festgestellt wurden, befleckt haben sollen». (dpa)

Russland nimmt neue Interkontinentalrakete «Sarmat» ab Herbst in Dienst

Die russischen Streitkräfte haben angekündigt, ihre neue Interkontinentalrakete «Sarmat» ab Herbst in Dienst zu stellen. Es gehe jetzt darum, die Raketentests zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen, die Reichweiten zu regulieren und die «Sarmat» (Nato-Codename: SS-X-30 Satan 2) dann dem Militär zu übergeben, sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, am Samstag. «Wir planen das nicht später als im Herbst», fügte er hinzu.

Am Mittwoch hatte Russland auf dem nordrussischen Weltraumbahnhof Plessetzk einen Testabschuss mit der Interkontinentalrakete durchgeführt.

Am Mittwoch hatte Russland auf dem nordrussischen Weltraumbahnhof Plessetzk einen Testabschuss mit der Interkontinentalrakete durchgeführt.

Russian Defence Ministry Press S / EPA

Lettlands Botschafter kehrt nach Kiew zurück

Gut acht Wochen nach Beginn des Krieges in der Ukraine ist Lettlands Botschafter Ilgvars Klava wieder nach Kiew zurückgekehrt. Der diplomatische Vertreter des baltischen EU- und Nato-Landes hat wieder seine Arbeit in der ukrainischen Hauptstadt aufgenommen. Dies teilte der lettische Aussenminister Edgars Rinkevics am Freitagabend auf Twitter mit. (dpa)

Russland wirft USA geplante Provokation mit ABC-Waffen in Ukraine vor

Die russische Führung beschuldigt die USA einer geplanten Provokation, um Russland den Einsatz von Massenvernichtungswaffen in der Ukraine unterzuschieben. «Die Inszenierung eines Einsatzes von Massenvernichtungswaffen dient dazu, Russland der Nutzung verbotener Waffen zu bezichtigen, um anschliessend das sogenannte «syrische Szenario» zu verwirklichen, bei dem der betreffende Staat wirtschaftlich und politisch isoliert und zudem aus internationalen Organisationen, wie dem UN-Sicherheitsrat ausgeschlossen wird», sagte der Chef der ABC-Schutztruppen, Igor Kirillow am Samstag. (dpa)

Mehr als 20 Länder sagen Teilnahme an Ukraine-Treffen in Deutschland zu

Mehr als 20 Länder haben nach US-Angaben bislang ihre Teilnahme an der Ukraine-Konferenz zugesagt, die am kommenden Dienstag auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein geplant ist. Rund 40 Staaten seien eingeladen worden, teilte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Freitag (Ortszeit) im Pentagon mit. Welche Länder genau schon zugesagt haben, erwähnte er nicht. Auch Nicht-Nato-Staaten seien darunter. Das Treffen finde nicht unter dem Dach des Bündnisses statt.

Zu der Konferenz auf dem Stützpunkt in Rheinland-Pfalz hat US-Verteidigungsminister Lloyd Austin eingeladen. Ein Ziel der Beratungen seien die dauerhafte Sicherheit und Souveränität der Ukraine, hatte Kirby zuvor gesagt. (dpa)

Russland meldet Flugzeugabschuss und Vernichtung von Munitionsdepots

Die russischen Streitkräfte haben eigenen Angaben nach mehr als 20 Munitionsdepots der Ukraine zerstört. Luftgestützte Raketen und die taktische Luftwaffe hätten jeweils drei Depots vernichtet, die Raketenstreitkräfte weitere 16 Munitionslager, teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag mit. Unabhängig lassen sich die Berichte nicht überprüfen.

«Die russischen Luftabwehrsysteme haben im Bereich Nowa Dmytriwka im Gebiet Charkiw ein ukrainisches Flugzeug vom Typ Su-25 abgeschossen. Darüber hinaus wurden im Laufe der Nacht 15 ukrainische Drohnen vernichtet, darunter eine Bayraktar TB-2 über der Ortschaft Nowa Sorja im Gebiet Mykolajiw», erklärte Konaschenkow zudem. (dpa)

Britische Geheimdienste: Schwere Kämpfe in Mariupol dauern an und bremsen Russen aus

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste finden trotz der russischen Behauptung über die vollständige Einnahme der ukrainischen Hafenstadt Mariupol weiterhin schwere Kämpfe dort statt. Diese bremsten den von Russland angestrebten weiteren Vormarsch im Donbass im Osten der Ukraine weiter aus, hiess es am Samstagmorgen im täglichen Update des britischen Verteidigungsministeriums. In den vergangenen 24 Stunden habe Russland keine entscheidenden Fortschritte erzielt, da ukrainische Gegenwehr dies vereitele.

Schon seit Wochen veröffentlicht die britische Regierung in ungewöhnlich offener Art und Weise regelmässig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Angriffskrieges. Moskau wirft London eine gezielte Informationskampagne vor.

Russland hatte nach fast zweimonatigen schweren Kämpfen vor einigen Tagen die «volle Kontrolle» über die Hafenstadt im Südosten der Ukraine verkündet. Im weitläufigen Komplex des Stahlwerks Azovstal halten sich aber nach wie vor ukrainische Kämpfer auf, auch Zivilisten sollen dort versteckt sein. (dpa)

Mehrere Flughäfen in Südrussland bleiben bis zum 1. Mai geschlossen

Wegen des Krieges gegen die Ukraine haben die russischen Behörden die Flugverbote im Süden des eigenen Landes bis zum 1. Mai verlängert. Insgesamt elf Flughäfen bleiben weiter gesperrt, wie die Luftfahrtbehörde «Rosawiazija» am Samstag mitteilte.

Von den Luftraumbeschränkungen betroffen sind die Flugplätze in den Schwarzmeer-Kurorten Anapa und Gelendschik, in den Millionenstädten Rostow am Don, Woronesch und Krasnodar sowie in Belgorod unweit der ukrainischen Grenze. Flüge in die Schwarzmeer-Metropole Sotschi waren aber demnach weiter möglich. (dpa)

Fluchtkorridor für Mariupol bestätigt

Die ukrainischen Behörden haben das Zustandekommen eines Fluchtkorridors für die vom Krieg zerstörte Hafenstadt Mariupol bestätigt. «Die Evakuierung aus dem okkupierten Mariupol beginnt um 11.00 Uhr vom Einkaufszentrum «Port-City» aus», teilte der ukrainische Stadtrat von Mariupol am Samstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Die Busse in die von der Ukraine kontrollierte Grossstadt Saporischschja seien für Frauen, Kinder und Alte gedacht, teilte die Behörde weiter mit. (dpa)

Ukraine spricht von russischen Angriffen auf ganzer Front bei Donezk

Russische Truppen haben ihre Angriffsbemühungen nach ukrainischen Angaben im Donbass-Gebiet verstärkt. «In Richtung Donezk führt der Feind Angriffshandlungen entlang der gesamten Frontlinie durch», teilte der ukrainische Generalstab am Samstagmorgen mit. Die stärksten russischen Angriffe zielen demnach auf die Grossstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk. Daneben berichtet der Generalstab von anhaltenden Sturmversuchen in Rubischne, Popasna und Marjinka. Die Angriffe seien abgewehrt worden.

Nördlich davon versuchen die russischen Truppen bei der Stadt Isjum im Gebiet Charkiw weiter nach Süden vorzustossen, um die ukrainischen Truppen einzukesseln. Nach ukrainischen Angaben ist an den Angriffen auch die russische 64. motorisierte Schützenbrigade beteiligt, die in der Kiewer Vorstadt Butscha im Einsatz war. Bilder von mehr als 400 getöteten Zivilisten dort hatten weltweit Entsetzen ausgelöst. (dpa)

Russische Truppen setzen sich im Osten fest - die Nacht im Überblick

Ukrainischen Angaben zufolge haben russische Einheiten in der Kleinstadt Losowa, einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt in der Region Charkiw im Osten des Landes, Fuss gefasst.

In den Gebieten Selena Dolyna in der Region Donezk und dem etwa 40 Kilometer östlich liegenden, vor wenigen Tagen eroberten Krimenna in der Region Luhansk, bauten russische Truppen ihre Positionen aus und bereiteten sich auf weitere Vorstösse vor. Auch in dem Ort Stepne in der Region Donezk hätten sie Fuss fassen können.

Abgewehrt habe man Angriffe etwa in der Region Luhansk, die laut ukrainischen Angaben bereits zu rund 80 Prozent unter russischer Kontrolle steht, im Bereich der Stadt Rubischne und des Dorfes Nowotoschkiwske. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Selenski ruft Ukrainer zu Widerstand gegen Russland auf

Der ukrainische Präsident rief die Bürger seines Landes zum Widerstand gegen den russischen Angriffskrieg auf. «Jeder muss sich bei jeder Gelegenheit gegen die Besetzung wehren», sagte Selenski in seiner allabendlichen Videobotschaft in der Nacht zum Samstag. Jene, die in von russischen Einheiten kontrollierten Gebieten lebten, sollten diesen «so viele Probleme wie möglich machen.»

Selenski: Moskau soll sich um Russischsprachige in Russland kümmern

Selenski reagierte auch auf Russlands Konkretisierung seiner Kriegsziele. Das Gebiet, in dem Russland sich um die Rechte der Russischsprachigen kümmern sollte, «ist Russland selbst», sagte er. Dort gebe es keine Meinungsfreiheit, es gedeihe Armut.

Am Freitag hatte ein russischer hochrangiger Militär gesagt, in der zweiten Phase des Krieges in der Ukraine wolle man den Donbass im Osten sowie den Süden des Landes einnehmen und da sei noch ein Zugang zu Transnistrien, wo auch eine «Unterdrückung der russischsprachigen Bevölkerung» festgestellt werde. Russland begründet mit dieser Argumentation auch seinen Angriffskrieg in der Ukraine. In der von der Republik Moldau abtrünnigen Region Transnistrien sind russische Truppen stationiert.

Die Aussagen aus Russland bestätigten zudem, was er bereits mehrmals gesagt habe: «Dass die russische Invasion in die Ukraine nur der Anfang sein sollte und sie danach andere Länder einnehmen wollen.»

Ukraine: Möglicher Fluchtkorridor aus Mariupol am Samstag

Ukrainischen Angaben zufolge könnte am Samstag eine Evakuierung aus der stark zerstörten ukrainischen Hafenstadt Mariupol stattfinden. Das teilte die Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am späten Freitagabend mit. Sie schrieb weiter, dass Fluchtkorridore aus der Stadt bereits mehrmals gescheitert seien und dass sie verstehe, wie schwer dies für die Menschen sei. «Sie und ich müssen es aber so oft versuchen, bis es klappt.»

London: Änderung der russischen Taktik dürfte noch dauern

Eine Ankündigung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu, nicht näher bestimmte «neue Methoden der Kriegsführung» einzusetzen, ist nach britischer Einschätzung ein stillschweigendes Eingeständnis, dass Russland in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht vorankommt wie geplant. Dennoch werde es eine Weile dauern, die Taktiken anzupassen und zu verbessern, teilte das britische Verteidigungsministerium am Freitagabend unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit. Das gelte besonders für den landbasierten Manöverkrieg.

UN-Generalsekretär trifft Putin und Selenski

Rund zwei Monate nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine will UN-Generalsekretär António Guterres kommende Woche Russland und die Ukraine besuchen. Nach einem Empfang durch Russlands Präsident Putin am Dienstag in Moskau wird Guterres in die Ukraine weiterreisen und dort am Donnerstag unter anderem Präsident Selenski treffen, wie die Vereinten Nationen am Freitag (Ortszeit) in New York mitteilten.

Medwedew: Europa «überlebt keine Woche» ohne russisches Gas

Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat auf eine Leitlinie der EU-Kommission reagiert, wonach es scheine, dass EU-Unternehmen russisches Gas ohne Sanktionsverstoss bezahlen könnten. Man schätze die «Konsequenz und Prinzipientreue der europäischen Partner», schrieb Medwedew in der Nacht zum Samstag auf Telegram und fügte einen lachenden Smiley und ein Clown-Emoji hinzu. Vor allem, wenn man bedenke, dass nach aktuellen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Europa höchstens sechs Monate ohne russisches Gas auskomme. «Aber ernsthaft, sie werden keine Woche überleben.»

Russland nennt Opferzahl auf untergegangenem Raketenkreuzers «Moskwa»

Eine Woche nach dem Untergang des Kriegsschiffs «Moskwa» hat die russische Führung ein Todesopfer eingeräumt, 27 Matrosen würden vermisst. «Im Kampf um das Überleben des Schiffs ist ein Soldat ums Leben gekommen, weitere 27 Besatzungsmitglieder sind verschollen», teilte das Verteidigungsministerium am Freitag laut der Nachrichtenagentur Interfax mit. «Die übrigen 396 Crewmitglieder haben andere Schiffe, die in dem Sektor des Schwarzen Meeres waren, vom Kreuzer evakuiert und nach Sewastopol gebracht», hiess es weiter. Über die Anzahl der Verletzten gibt es keine Angaben.

In früheren Berichten war die Besatzungsstärke mit etwa 500 Mann angegeben worden. Kremlkritische Medien hatten zudem nach Gesprächen mit Angehörigen über eine deutlich grössere Anzahl an Toten und Vermissten gesprochen. (dpa)

Tinkoff-Bank will sich nach Kritik ihres Eigners an Putin umbenennen

Nach der scharfen Kritik des Bankiers Oleg Tinkow am Ukraine-Krieg hat sein Finanzinstitut, die Tinkoff-Bank, eine Umbenennung bekannt gegeben. Das teilte die Bank am Freitag auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Tinkoff sei als zweitgrösste Privatbank Russlands schon lange über den ursprünglichen Markennamen hinausgewachsen. «Für das Glück unserer 20 Millionen Klienten haben wir entschieden, die Marke Tinkoff hinter uns zu lassen und neue Finanzprodukte und -dienstleistungen auf dem russischen Markt unter einem neuen markanten Namen weiter zu entwickeln.» Die Umbenennung dürfte eine Reaktion des Unternehmens auf Tinkows Kritik an dem von Russlands Präsident Wladimir Putin begonnenen Ukrainekrieg sein.

Tinkow selbst lebt seit seiner Leukämie-Erkrankung vor einigen Jahren vorwiegend im Ausland. Medienberichten zufolge hat er im vergangenen Jahr die Mehrheitsbeteiligung an der Muttergesellschaft von Tinkoff abgegeben, hält aber immer noch die Sperrminorität. (dpa)

Angebliche Fakenews: Russischer Oppositioneller Kara-Mursa verhaftet

Ein Moskauer Bezirksgericht hat den Oppositionspolitiker Wladimir Kara-Mursa wegen der angeblichen Verbreitung von Falschinformationen über die russischen Streitkräfte in Haft genommen. Der Politiker muss bis zum 12. Juni ins Untersuchungsgefängnis, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Kara-Mursas Anwalt Wadim Prochorow hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt. In Russland sind Berichte über das Vorgehen des russischen Militärs in der Ukraine, die dem offiziellen Standpunkt widersprechen, strafbar.

Zudem setzte das russische Justizministerium Kara-Mursa ebenfalls am Freitag auf die Liste der ausländischen Agenten. Der 40-Jährige wurde erst vor wenigen Tagen wegen angeblichen Widerstands gegen die Staatsanwaltschaft zu 15 Tagen Ordnungshaft verurteilt. Im Polizeiprotokoll hiess es, Kara-Mursa habe sich «beim Anblick der Polizeibeamten unangemessen verhalten, änderte seine Bewegungsrichtung, beschleunigte seinen Schritt und versuchte, nach der Aufforderung stehen zu bleiben, zu fliehen». (dpa)

Russisches Militär spricht von Normalisierung der Lage in Mariupol

In der durch die Kämpfe schwer zerstörten ostukrainischen Hafenstadt Mariupol hat sich die Lage nach russischen Angaben normalisiert. So der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag:

«Die Bewohner der Stadt haben die Möglichkeit bekommen, sich wieder frei auf der Strasse zu bewegen.»

Die Strassen würden von Trümmern und kaputter Militärtechnik geräumt, die Reste der ukrainischen Kämpfer und der «Söldner aus den USA und den europäischen Ländern» seien «zuverlässig» auf dem Gelände des Stahlwerks Azovstal eingeschlossen. Von unabhängiger Seite waren die Berichte nicht zu überprüfen.

Durch russische Luft- und Raketenangriffe sind laut Konaschenkow am Tag insgesamt 39 Militärobjekte getroffen worden. Unter anderem seien Munitionsdepots, aber auch Truppenansammlungen, Kommandopunkte und Militärkonvois vernichtet worden. (dpa)

Spanien eröffnet seine Botschaft in Kiew wieder

Spanien hat seine zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine geschlossene Botschaft in Kiew am Freitag wieder eröffnet. Das sei Ausdruck der politischen Unterstützung, sagte Spaniens Aussenminister José Manuel Albares vor Journalisten am Rande eines Besuchs der Biennale in Venedig, wie der staatliche spanische TV-Sender RTVE berichtete.

Albares hob die militärische und humanitäre Hilfe seines Landes für die Ukraine hervor und kündigte an, Spanien werde auch forensische Experten zur Aufklärung russischer Kriegsverbrechen entsenden. (dpa)

Kremlchef Putin empfängt UNO-Generalsekretär in Moskau

Nach rund zwei Monaten Krieg in der Ukraine wird Russlands Präsident Wladimir Putin am kommenden Dienstag nach Kremlangaben UNO-Generalsekretär António Guterres in Moskau empfangen. Guterres werde sich auch zu Gesprächen mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow treffen, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag mit. Der UNO-Chef hatte zuvor um ein Treffen mit Putin gebeten.

Russlands Präsident Wladimir Putin wird am kommenden Dienstag nach Kremlangaben UNO-Generalsekretär António Guterres in Moskau empfangen. (Archivbild)

Russlands Präsident Wladimir Putin wird am kommenden Dienstag nach Kremlangaben UNO-Generalsekretär António Guterres in Moskau empfangen. (Archivbild)

Sergei Chirikov / Pool / EPA

Die Vereinten Nationen wollten den Vorstoss des Generalsekretärs zunächst nicht als offiziellen Mediationsversuch darstellen. Er folgte jedoch auf immer lauter werdende Rufe aus dem UNO-Apparat nach einer aktiveren Rolle von Guterres in dem Konflikt. Zuletzt hatte ein Brief von ehemaligen UNO-Mitarbeitern den Druck erhöht. Sie forderten Guterres auf, stärker an einer politischen Lösung zu arbeiten und sehen die Daseinsberechtigung der Vereinten Nationen in Gefahr. (dpa)

Baltenstaaten für stärkere Nato-Präsenz und mehr Russland-Sanktionen

Die Regierungschefs der baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen haben sich angesichts des russischen Kriegs in der Ukraine für einen stärkeren Nato-Beistand stark gemacht. «Wir fordern nicht nur eine ständige Nato-Präsenz, sondern eine neue Art von Nato-Präsenz», sagte Gastgeber Krisjanis Karins nach einem Treffen mit seinen Amtskolleginnen Kajas Kallas (Estland) und Ingrida Simonyte (Litauen).

Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sprachen sich die drei Ministerpräsidenten für schärfere Sanktionen gegen Russland aus. Umfassen sollten sie einen Importstopp für russisches Öl und Gas. Estland, Lettland und Litauen haben sich bereits von russischem Gas losgesagt. (dpa)

IAEA-Team reist nächste Woche zum AKW Tschernobyl

Ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wird nächste Woche in der ukrainische Atomanlage Tschernobyl technische Unterstützung leisten. IAEA-Chef Rafael Grossi und die Experten werden am Dienstag anreisen, wie die Organisation am Freitag in Wien ankündigte.

Im Zuge der Invasion in die Ukraine war die Sperrzone um das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl von russischen Einheiten eingenommen worden. Nach fünf Wochen zogen die russischen Kräfte Ende März ab und übergaben die Kontrolle wieder an das ukrainische Personal.

Nach dem Abzug gab es Berichte, dass sich russischen Soldaten in dem Gebiet Strahlenschäden zugezogen haben könnten. Die IAEA plant nächste Woche Strahlungsmessungen und andere Untersuchungen vor Ort. (dpa)

Artillerie und Panzer: Was Nato-Staaten in die Ukraine liefern

Von den Nato-Partnern kündigen immer mehr an, direkt schwere Waffen für den Kampf der Ukraine gegen die russischen Angreifer zu liefern. Ein Überblick:

  • Deutschland: Panzerfäuste, Handgranaten und Maschinengewehre, aber keine Panzer und schwere Artillerie. Auch künftig sollen keine schweren Waffen in die Ukraine geliefert werden.
  • USA: 11 Hubschrauber russischer Bauart vom Typ Mi-17, 200 gepanzerte Mannschaftstransporter vom Typ M113, insgesamt 90 Haubitzen mit dem Kaliber 155 Millimeter plus Munition.
  • Frankreich: Am Freitag sagte Präsident Emmanuel Macron erstmals, was sein Land liefert, darunter die Haubitze Caesar (Kaliber 155 Millimeter), ein schweres Artilleriegeschütz.
  • Slowakei hat ihr einziges Luftabwehrsystem S-300 geliefert. Über Kampfflugzeuge und Panzer wird diskutiert.
  • Tschechien soll T-72-Kampfpanzer und BMP-1-Schützenpanzer sowjetischer Bauart geliefert haben, was aber nicht offiziell bestätigt wurde.
  • Estland hat neun Haubitzen (Kaliber 122 Millimeter) sowjetischer Bauart in die Ukraine geliefert, die ursprünglich aus DDR-Beständen stammen.
  • Litauen hat schwere Mörser geliefert.
  • In Polen gibt es Gerüchte über die Lieferung von T-72-Panzern. Das Land hat zudem Kampfflugzeuge angeboten.
  • Die Türkei hat bereits vor dem Krieg mehrere Kampfdrohnen des Typs Bayraktar TB2 an die Ukraine verkauft, von denen 12 geliefert worden sein sollen. Zu Lieferungen während des Krieges gibt es keine offiziellen Angaben.
  • Grossbritanien hat Kiew 150 gepanzerte Fahrzeuge versprochen. Dabei soll es sich um den schwer gepanzerten Typen «Mastiff» handeln.
  • Die Niederlande haben die Lieferung schwerer Waffen angekündigt, ohne genau zu sagen, welche. Dem Vernehmen nach sollen Panzerhaubitzen 2000 darunter sein. (dpa)

Frankreich liefert der Ukraine schwere Waffen

Frankreich liefert der Ukraine zur Abwehr des russischen Einmarsches schwere Waffen, darunter Artilleriegeschütze. Wie Präsident Emmanuel Macron im Interview der Zeitung «Ouest France» am Freitag sagte, würden neben Panzerabwehrraketen des Typs Milan auch die Haubitze Caesar in die Ukraine geliefert.

An dem Kurs wolle man festhalten, ohne selbst Kriegspartei zu werden. Die auf Lastwagen montierten Caesar-Geschütze mit einem Kaliber von 155 Millimeter können Ziele bis auf eine Entfernung von 40 Kilometern präzise treffen. Frankreich hatte sich bislang zu seinen Waffenlieferungen sehr bedeckt gehalten.

Wie die Zeitung unter Verweis auf Armeequellen berichtete, sollen zwölf Caesar-Haubitzen in den kommenden Tagen in der Ukraine eintreffen. Von Samstag an sollen 40 ukrainische Soldaten in Frankreich in der Bedienung der Haubitzen trainiert werden, hiess es unter Verweis auf den Élyséepalast. Die Ukraine soll ausserdem Geschütze aus den USA sowie aus den Niederlanden Panzerhaubitzen des Typs 2000 aus deutscher Herstellung erhalten. (dpa)

Johnson: Britische Botschaft in Kiew soll wieder öffnen

Die britische Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew soll nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson im kommenden Monat wieder öffnen. Das sagte Johnson am Freitag während eines Besuchs in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Die Vertretung war kurz vor dem russischen Angriff auf das Land Ende Februar in die westukrainische Stadt Lwiw verlegt worden. (dpa)

EU-Ratschef fordert in Telefonat mit Putin humanitären Zugang

EU-Ratschef Charles Michel hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin eigenen Angaben zufolge in einem Telefonat dazu gedrängt, unverzüglich humanitären Zugang zu belagerten Städten in der Ukraine zu gewähren. Zudem habe er gefordert, dass es einen sicheren Korridor aus Mariupol und anderen Städten geben müsse, insbesondere anlässlich des Osterfestes der orthodoxen Christen an diesem Wochenende, schrieb Michel am Freitag auf Twitter.

Er habe die Position der EU nachdrücklich bekräftigt. Diese umfasse unter anderem Unterstützung für die Souveränität der Ukraine sowie die Verurteilung der russischen Aggression.

Aus EU-Kreisen hiess es, Michel habe in dem Gespräch am Freitag um 11.00 Uhr in aller Deutlichkeit betont, dass der Krieg nicht hinnehmbar sei, und zudem die Kosten für Russland durch die westlichen Sanktionen erläutert. Zudem habe der Belgier seine Erkenntnisse über russische Fehleinschätzungen und Verluste mitgeteilt. Dies habe er zum Teil auch deshalb getan, um in das Informationsvakuum einzudringen, das um Putin herum existieren könne. Zudem habe Michel den russischen Präsidenten dazu aufgefordert, sich direkt mit dem ukrainischen Staatschef Wolodimir Selenski auseinanderzusetzen. (dpa)

Scholz kündigt weitere deutsche Waffenlieferung an Ukraine an

«Die Möglichkeiten der Bundeswehr, aus ihrem Arsenal weitere Waffen zu liefern, sind weitgehend erschöpft. Was noch verfügbar gemacht werden kann, liefern wir aber auf jeden Fall noch», sagte der deutsche Regierungschef dem «Spiegel». Scholz nannte hierbei Panzerabwehrwaffen, Panzerrichtminen und Artilleriemunition.

Mit der deutschen Industrie sei eine Liste von militärischer Ausrüstung erstellt worden, die rasch lieferbar sei. Sie sei mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium besprochen. «Wie bisher also Verteidigungswaffen und Mörser für Artilleriegefechte.» Truppentransporter und Artillerie seien schnell einsetzbar, sagte Scholz in dem am Freitag veröffentlichen Interview. Kurzfristig seien Waffen aus ehemaligen sowjetischen Beständen am sinnvollsten, mit denen die Ukrainer gut vertraut seien. Mittelfristig werde Deutschland der Ukraine dabei helfen, ihre Verteidigungsfähigkeit auszubauen, «auch mit westlichen Waffen».

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz.

EPA

Scholz wies den Vorwurf zurück, er sei in der Frage zu zögerlich oder äussere sich widersprüchlich. «Für Deutschland war es ein tiefgreifender Kurswechsel, als ich angekündigt habe, Waffen in dieses Kriegsgebiet zu liefern», unterstrich der Kanzler. «Viele, die diesen Schritt früher kategorisch abgelehnt haben, überbieten sich jetzt mit Forderungen, noch viel mehr zu liefern - ohne die genaue Sachlage zu kennen.»

Scholz sieht auch keinen Anlass, die Russlandpolitik seiner Partei, den Sozialdemokraten, aufzuarbeiten. «Seit Adenauers Zeiten gibt es diese verfälschenden und verleumderischen Darstellungen der Europa- und Russlandpolitik der SPD, das ärgert mich», sagte der Kanzler dem Nachrichtenmagazin. Er betonte: «Ich befürworte jede Diskussion über die künftige Politik. Aber ich weise zurück, dass die Eintrittskarte für eine Debatte eine Lüge ist.» (dpa)

Russische Armee will volle Kontrolle über den Donbass und Süd-Ukraine

Die russische Armee will in der zweiten Phase ihres Krieges in der Ukraine nach eigenen Angaben komplett den Donbass im Osten sowie den Süden des Landes einnehmen. Es gehe bei der in dieser Woche begonnenen Etappe der «militärischen Spezial-Operation» darum, einen Landweg zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu sichern. Das sagte der amtierende Befehlshaber des zentralen Wehrbezirks, Rustam Minnekajew, am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

Demnach äusserte sich Minnekajew bei einer Versammlung des Verbandes der Unternehmen der Rüstungsindustrie. Bisher hat sich niemand aus der Militärführung so konkret zu den Zielen des Krieges geäussert.

«Die Kontrolle über den Süden der Ukraine, da ist noch ein Zugang zu Transnistrien», sagte Minnekajew. In der von der Republik Moldau abtrünnigen Region Transnistrien sind russische Truppen stationiert. Minnekajew deutete demnach an, dass auch dort die Interessen der russischsprachigen Bevölkerung verteidigt werden sollen. Russland begründet mit dieser Argumentation auch seinen Angriffskrieg in der Ukraine, der offiziell nur als «Spezial-Operation» bezeichnet wird. Die Ukraine hingegen spricht von «Völkermord». (dpa)

Kiew: Russen verhindern Flucht von Zivilisten aus Werk in Mariupol

Die Ukraine hat russischen Truppen vorgeworfen, Zivilisten am Verlassen des belagerten Stahlwerks in Mariupol zu hindern. «Die Russen fürchten Azovstal zu stürmen, doch dabei lassen sie bewusst und zynisch keine Zivilisten heraus», teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Freitag im Nachrichtenkanal Telegram mit. So solle der Druck auf die verbliebenen ukrainischen Soldaten in dem Werk erhöht werden, sich zu ergeben. Nach Angaben von Wereschtschuk wollen sich die Verteidiger des Werks und Mariupols nicht ergeben.

In den Bunkeranlagen des Werks sollen sich nach Kiewer Angaben noch etwa 1000 Zivilisten aufhalten. Kremlchef Wladimir Putin hatte am Donnerstag angeordnet, das Werksgelände nicht zu stürmen. Es sollte aber abgeriegelt werden, bis sich die ukrainischen Kämpfer ergeben. Russland hatte wiederholt vor allem dem von Nationalisten dominierten Asow-Regiment vorgeworfen, Zivilisten als Schutzschild zu benutzen.

Die südostukrainische Hafenstadt ist bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs von russischen Truppen Anfang März eingeschlossen worden. Am Donnerstag hatte das Verteidigungsministerium in Moskau erklärt, die strategisch wichtige Stadt unter russischer Kontrolle zu haben. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte hingegen, dass es dort noch Kämpfe gebe. (dpa)

Polizeichef: Bisher mehr als 1000 Tote im Kiewer Gebiet gefunden

Seit dem Abzug russischer Truppen vor mehr als drei Wochen sind im Gebiet Kiew nach Polizeiangaben bisher mehr als 1000 Leichen gefunden worden. «Gerade beträgt die Zahl der Toten 1084, die von Ermittlern untersucht und zur Gerichtsmedizin gebracht wurden», sagte der Polizeichef der Region um die Hauptstadt Kiew, Andrij Njebytow, am Freitag im ukrainischen Fernsehen. Es handele sich um Zivilisten, die in keiner Beziehung zur Gebietsverteidigung oder anderen militärischen Verbindungen gestanden hätten.

«Der überwiegende Teil - von 50 bis 75 Prozent in Abhängigkeit vom Ort - sind Menschen, die mit Schusswaffen getötet wurden», betonte Njebytow. Es seien Maschinen-, Scharfschützen- und Sturmgewehre eingesetzt worden, um die Menschen zu töten. Mehr als 300 Leichen konnten nach seinen Angaben noch nicht identifiziert werden.

Russland hatte vor zwei Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Die Vereinten Nationen haben bisher mehr 2300 getötete Zivilisten offiziell erfasst, gehen aber wie die ukrainische Regierung von weitaus höheren Opferzahlen aus. (dpa)

Satellitenbilder sollen Massengräber bei Mariupol zeigen

In der Nähe der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine sollen Medien zufolge Satellitenbilder auf ein mögliches Massengrab hinweisen. Der US-Satellitenfotodienst Maxar verbreitete Aufnahmen, die in dem Vorort Manhusch mehrere ausgehobene Grabstellen zeigen sollen. Örtliche Behörden sprechen davon, dass in Manhusch Tausende Zivilisten begraben sein sollen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hatte von Zehntausenden Toten in der wochenlang umkämpften Hafenstadt gesprochen.

Die ukrainischen Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Präsident Selenski hat sich zu dem mutmasslichen Massengrab bisher nicht öffentlich geäussert. Die Informationen gehen auf den Stadtrat von Mariupol und von Bürgermeister Wadym Bojtschenko zurück, die von Gräbern für bis zu 9000 Leichen sprechen, selbst aber nicht mehr an Ort und Stelle sind.

Diese Satellitenbilder sollen Massengräber für Tausende Zivilisten zeigen.

Diese Satellitenbilder sollen Massengräber für Tausende Zivilisten zeigen.

Screenshot/Twitter

Ein Maxar-Satellitenfoto von Manhusch, das rund 20 Kilometer westlich der Hafenstadt Mariupol liegt, soll ein Massengrab in der Nähe eines Friedhofs parallel zum Strassenverlauf zeigen. Nach einem Bericht der US-Zeitung «The New York Times», die die Aufnahmen nach eigenen Angaben analysiert hat, gibt es dort etwa 300 ausgehobene Grabstellen. Sie sollen innerhalb von zwei Wochen zwischen März und April angelegt worden sein, wie ein Vergleich der Aufnahmedaten gezeigt habe. (dpa)

Kiew: Verstärkte Kämpfe an Frontlinie im Osten

Im Osten der Ukraine haben sich Angaben aus Kiew zufolge die Gefechte an mehreren Orten intensiviert. Die russischen Einheiten hätten die Kämpfe entlang der gesamten Frontlinie in der Region Donezk verschärft, heisst es im Morgenbericht des ukrainischen Generalstabs am Freitag. Russland führe offensive Operationen bei der Siedlung Saritschne durch. Es versuche weiter, rund um die Stadt Rubischne in der Region Luhansk vorzustossen. Gefechte dauerten auch um die Stadt Popasna an. Diese wird ukrainischen Angaben zufolge teilweise bereits von russischen Truppen kontrolliert.

Schwere Gefechte habe es zudem wie in den vergangenen Tagen um Marjinka gegeben. Russische Einheiten versuchten mit Unterstützung von Artillerie, hier vorzustossen. Angaben aus dem Kriegsgebiet können nicht unabhängig überprüft werden. (dpa)

Macron: Risiko einer Eskalation im Ukraine-Krieg «sehr hoch»

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor Russlands Bereitschaft zur Eskalation gewarnt. «Angesichts der Kriegsverbrechen, die Russland begangen hat, der Art und Weise seiner Kriegsführung im Donbass und in Mariupol, der atomaren Provokationen Ende Februar muss man ganz klar sagen: Russland hat einen Willen zur Eskalation», sagte Macron den Zeitungen der Funke Mediengruppe, der französischen Zeitung «Ouest-France» und dem italienischen Blatt «Corriere della Sera» (Freitagsausgaben).

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron.

AP

Das Risiko einer Eskalation sei «sehr hoch», sagte Macron weiter. Vor allem der Test einer russischen Interkontinentalrakete mit enormer Reichweite am Mittwoch sei «besorgniserregend». Macron sieht demnach zwei grosse Eskalationsrisiken: «Die vertikale Eskalation besteht in der Änderung des Krieges – hin zur Nutzung nicht konventioneller Waffen wie Chemiewaffen oder Nuklearraketen. Die horizontale Eskalation ist die Bereitschaft von verbündeten Ländern oder anderen Mächten, in den Krieg einzugreifen.» Darum gelte es, «alles zu tun, um eine Feuersbrunst zu verhindern. Der Krieg muss aufhören.» Dabei komme auch europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Italien eine Vermittlerrolle zu. Man müsse der Ukraine aber auch finanziell und militärisch helfen.

Auf die Frage, ob Europa und auch Deutschland schwere Waffen in die Ukraine schicken sollten, sagte Macron: «Ich mische mich nicht in die Politiken anderer Länder ein.» Man respektiere die Entscheidung Deutschlands. «Wir haben die gleiche Strategie wie Kanzler Scholz: Wir helfen den Ukrainern auf maximale Weise. Aber sind sorgsam darauf bedacht, niemals Kriegspartei zu werden.» (dpa)

Ukraine: Fast drei Viertel der Menschen haben Donezk verlassen

Nach ukrainischen Angaben haben mittlerweile fast drei Viertel aller Menschen den von der Ukraine kontrollierten Teil der umkämpften Region Donezk im Osten des Landes verlassen. Das sagte der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, im ukrainischen Einheitsfernsehen, wie die Internet-Zeitung «Ukrajinska Prawda» am Freitagmorgen berichtete.

Demnach befänden sich noch rund 430’000 Einwohner in dem Gebiet. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar seien es noch mehr als 1,6 Millionen Menschen gewesen. In der nach Mariupol zweitgrössten Stadt unter ukrainischer Kontrolle in Donezk, Kramatorsk, lebten aktuell nur noch etwas mehr als 40’000 von den ursprünglich 200’000 Menschen. (dpa)

Kiew: Erneut kein Fluchtkorridor aus Mariupol

Für die weitgehend zerstörte und von russischen Truppen belagerte südostukrainische Hafenstadt Mariupol ist erneut kein Fluchtkorridor zustande gekommen. «Seitens der Russen läuft alles schwierig, chaotisch, langsam und natürlich unehrlich», schrieb Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram.

Für die Hafenstadt Mariupol ist erneut kein Fluchtkorridor zustande gekommen.

Für die Hafenstadt Mariupol ist erneut kein Fluchtkorridor zustande gekommen.

Leo Correa / AP

Hoffnung gebe nur die Tatsache, dass am Vortag vier Busse aus Mariupol nach Berdjansk fahren konnten, meinte sie. Drei der Busse seien im Regierungsgebiet angelangt. Der Verbleib eines Busses sei unbekannt. Medienberichten zufolge kamen knapp 80 Menschen in Saporischschja an. (dpa)

US-Verteidigungsminister lädt zu Ukraine-Treffen in Ramstein

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin will in der kommenden Woche auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz mit Kollegen aus mehreren Ländern zum Krieg in der Ukraine beraten. Das Treffen solle am kommenden Dienstag stattfinden, kündigte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag an. Kirby nannte keine Details zur Teilnehmerliste. Es würden aber nicht nur Nato-Staaten eingeladen, sagte er.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin.

Michael Reynolds / EPA

Ein Ziel des Treffens sei die dauerhafte Sicherheit und Souveränität der Ukraine. Es solle daher um den Verteidigungsbedarf der Ukraine über den aktuellen Krieg hinaus gehen. «Wir denken, dass es an der Zeit ist, auch diese Diskussion zu führen», sagte Kirby. Ausserdem solle es um die weitere militärische Unterstützung der Ukraine gehen. Die US-Regierung hatte früher am Tag neue Militärhilfe in Höhe von 800 Millionen US-Dollar angekündigt. (dpa)

Selenski vor Portugals Parlament: Schäden wie im Zweiten Weltkrieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski hat in einer Videoansprache vor dem portugiesischen Parlament die Zerstörungen in seinem Land durch russische Truppen mit denen im Zweiten Weltkrieg verglichen. Die Rede wurde im TV-Sender RTP ins Portugiesische übersetzt.

«Wir kämpfen nicht nur um unsere Unabhängigkeit, wir kämpfen um unser Überleben», bekräftige er in der 15-minütigen Ansprache. Selenski dankte den Portugiesen für die bisher erwiesene Hilfe, forderte aber zugleich weitere Unterstützung, vor allem schwere Waffen und Sanktionen gegen Russland. Parlamentarier der kommunistischen Partei und der rechtspopulistischen Chega blieben der Sitzung fern.

«Wir kämpfen um unser Überleben»: So der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski in der 15-minütigen Ansprache.

«Wir kämpfen um unser Überleben»: So der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski in der 15-minütigen Ansprache.

Armando Franca / AP

Der Präsident des portugiesischen Parlaments, Augusto Santos Silva, sagte, sein Land werde die Ukraine künftig noch stärker als bisher unterstützen. Dies betreffe auch den Antrag der Ukraine auf Aufnahme in die EU. (dpa)

Tote bei Brand in Forschungsinstitut für russische Iskander-Rakete

Bei einem Brand in einem Militärinstitut zur Raketenforschung sind in Russland laut Staatsmedien mindestens 6 Menschen getötet und 27 weitere verletzt worden. Das Feuer war am Donnerstag in einem Büro des Instituts in der Grossstadt Twer nordwestlich von Moskau ausgebrochen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete.

Die Regierung des Gebiets Twer bestätigte den Brand des Instituts, nannte aber keine Opferzahlen. Das Feuer sei gelöscht, hiess es. Nach ersten Erkenntnissen führte ein nicht näher benannter Defekt im Stromnetz zu dem Brand.

Auf Videos und Fotos war zu sehen, wie Flammen aus dem Gebäude schlugen und sich dicke Rauchwolken in der Stadt bildeten. Dutzende Löschfahrzeuge und auch ein Hubschrauber waren im Einsatz. Das Gebäude im Zentrum der Stadt brannte praktisch aus, das Dach brach ein. Medien berichteten, unter den Trümmern könnten noch Menschen sein.

Die Forschungsanstalt gilt als ein zentrales Institut des Verteidigungsministeriums und war an der Entwicklung der Iskander-Rakete beteiligt, die Russland im Krieg gegen die Ukraine gerade intensiv nutzt. Das Institut entwickelt unter anderem Navigations-, Kontroll- und Steuerungssysteme für die Raumfahrt, aber auch für Kampfflugzeuge und Raketen. (dpa)

Russland verhängt Einreiseverbote gegen Zuckerberg und Harris

Russland hat als Antwort auf westliche Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs erneut Dutzende Einreiseverbote gegen US-Bürger und Kanadier verhängt. Unter den namentlich Genannten sind diesmal der Chef des Facebook-Konzerns Meta, Mark Zuckerberg, und US-Vizepräsidentin Kamala Harris.

Das Aussenministerium in Moskau veröffentlichte am Donnerstag eine Liste mit Namen von 29 US-Bürgern und 61 Kanadiern, darunter Regierungsvertreter, Militärs, Wissenschaftler, Unternehmer, Experten und Journalisten. (dpa)

Selenski hält besetztes Mariupol nicht für komplett verloren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski hält die nach Kremlangaben nun von Russland kontrollierte Hafenstadt Mariupol noch nicht für komplett verloren. «Die Situation ist schwierig, die Situation ist schlecht», sagte der Staatschef am Donnerstag Journalisten örtlichen Medien zufolge in Kiew. Es gebe mehrere Wege, die Stadt zu befreien.

Selenski gibt Mariupol nicht auf.

Selenski gibt Mariupol nicht auf.

AP

«Es gibt einen militärischen Weg, auf den man sich vorbereiten muss, und wir bereiten uns vor», sagte Selenski. Dazu brauche es die Hilfe westlicher Partner. «Für uns selbst ist es schwierig, wir brauchen entsprechende Waffen, doch denken wir darüber nach», meinte er. Ein anderer Weg sei ein diplomatischer, humanitärer.(dpa)

US-Verfahren zur Aufnahme Schutz suchender Ukrainer startet Montag

Die US-Regierung will ab dem Beginn der kommenden Woche das Verfahren zur Aufnahme von bis zu 100'000 Schutz suchenden Ukrainern starten. Das Programm solle Ukrainern einen zügigen

US-Präsident Joe Biden.

US-Präsident Joe Biden.

Yuri Gripas / Pool / EPA

Weg für eine sichere legale Migration von Europa in die Vereinigten Staaten bieten, sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag im Weissen Haus in Washington. Es solle die bestehenden legalen Migrationswege ergänzen und unter anderem sicherstellen, dass Ukrainer nicht über Mexiko und die Südgrenze der USA ins Land kommen müssten.

Das Programm richte sie vorrangig an Ukrainer mit Verbindungen in die USA. Wer in die Vereinigten Staaten kommen wolle, müsse unter anderem gegen eine Reihe von Krankheiten geimpft sein. Ausserdem würden «biografische und biometrische» Kontrollen vorgenommen. (dpa)

Spanien und Dänemark sagen Ukraine weitere Hilfe zu

Spanien und Dänemark haben der Ukraine bei einem Besuch ihrer Regierungsspitzen in Kiew weitere umfassende Hilfen zugesagt. Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äusserten sich nach einem Besuch in dem Kiewer Vorort Borodjanka am Donnerstag erschüttert über Berichte von Soldaten und Zivilisten von russischen Kriegsgräueln.

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in dem Kiewer Vorort Borodjanka.

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in dem Kiewer Vorort Borodjanka.

Keystone

Frederiksen sprach vor dänischen Reportern von Kriegsverbrechen, die dokumentiert werden müssten. Selenski bedankte sich für die bisherige Hilfe des Westens. Bei dem Gespräch mit Sánchez und Frederiksen sei es vor allem um weitere Waffenlieferungen gegangen.

Nach Worten von Sánchez ist ein spanisches Schiff mit 200 Tonnen Munition und anderen Ausrüstungsgegenständen für die Ukraine auf dem Weg nach Polen. Sein Land habe seit Kriegsbeginn schon elf Transportmaschinen mit militärischen Gütern für die Ukraine auf den Weg gebracht. Frederiksen sagte, Dänemark spende der Ukraine weitere Waffen und militärische Ausrüstung im Wert von 600 Millionen Kronen (rund 80 Mio. Franken). Damit beliefen sich die gesamten militärischen Hilfen ihres Landes auf über eine Milliarde Kronen. Um welche Waffen es sich handelt, liess sie offen. (dpa)

Litauen liefert schwere Mörser an die Ukraine

Die Ukraine hat aus Litauen schwere Mörser als Militärhilfe für den Krieg gegen Russland erhalten. Dies sagte der litauische Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas am Donnerstag der Agentur BNS. Nähere Angaben dazu machte er nicht. Weiter habe Kiew aus den Beständen der Armee des EU- und Nato-Landes Stinger-Flugabwehrraketen, Panzerabwehr- und Flugabwehrwaffen, Munition, Granaten, Maschinengewehre und -pistolen und andere Ausrüstung erhalten. (dpa)

USA sperren ihre Häfen für russische Schiffe

Die US-Regierung sperrt ihre Häfen für russische Schiffe. Das bedeute, dass kein Schiff, das unter russischer Flagge fährt oder von russischen Interessen geleitet ist, in den Vereinigten Staaten anlegen dürfe, sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag in der US-Hauptstadt Washington.

Dies sei ein weiterer Schritt, den die USA gemeinsam mit den internationalen Partnern gingen, so Biden. Russland sollten wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine die «Vorteile des internationalen Wirtschaftssystems» verwehrt bleiben. Auch etwa die Europäische Union hatte beschlossen, Schiffen unter russischer Flagge das Einlaufen in EU-Häfen zu verbieten. (dpa)

Biden sagt Ukraine weitere 800 Millionen Dollar für Waffen zu

Die US-Regierung will der Ukraine weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (rund 736 Millionen Euro) liefern, darunter auch Artillerie und Drohnen. Jeder Amerikaner könne stolz darauf sein, dass die Grosszügigkeit der USA dazu beitragen würde, die Ukraine im Kampf gegen Russlands Aggression zu unterstützen, sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag in Washington. Biden kündigte an, dass das neue Paket unter anderem Dutzende Haubitzen und taktische Drohnen enthalten werde.

Die US-Regierung hatte erst in der vergangenen Woche ein 800 Millionen Dollar schweres Militärhilfe-Paket angekündigt. Die USA haben der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar mit der neuen Zusage bereits Waffen im Wert von mehr als 3,3 Milliarden US-Dollar zugesagt oder geliefert. (dpa)

Zu grosse Ungleichheit: Geflüchtete sollen gleichmässig an Kantone zugeteilt werden

Aufgrund der privaten Unterbringung sind einige Kantone deutlich stärker belastet als andere. Ab Montag sollen die Geflüchteten deshalb wieder möglichst gleichmässig zugeteilt werden.

Das Wichtigste aus der Pressekonferenz

CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Am Point de Presse mit Fachleuten des Bundes zum Thema Krieg in der Ukraine sind folgende Punkte aufgefallen:

  • 43’000 Gesuche von Geflüchteten sind beim Staatssekretariat für Migration SEM eingegangen.
  • Mehr als 31’000 Personen haben bereits den Schutzstatus S erhalten.
  • In den Kantonen ist es zu einer Disproportionalität der Verteilung gekommen. Deshalb wollen SEM und Kantone ab Montag wieder verstärkt auf den bekannten Verteilschlüssel setzen.
  • Mehrere Städte und Regionen sind deshalb stark belastet. Namentlich sind dies die Städte Basel, Bern und Zürich sowie das Tessin und der Kanton Appenzell Ausserrhoden.
  • Als erstes und wichtigstes Integrationsangebot soll die Sprache dienen. Geflüchtete sollen schnell Deutsch lernen können, damit sie am Leben in der Schweiz teilnehmen und je nachdem auch eine Arbeitsstelle finden können.

Italien trifft Einigung für mehr Gas aus Angola und Republik Kongo

Italien hat im Bestreben, unabhängig von russischem Gas zu werden, weitere Übereinkünfte für mehr Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) mit Angola und der Republik Kongo getroffen. Ab 2023 sollen 4,5 Milliarden Kubikmeter LNG aus dem Kongo kommen, wie der italienische Energieversorger Eni am Donnerstag mitteilte.

Der CEO des teilstaatlichen Konzerns war zusammen mit Italiens Aussenminister Luigi Di Maio und dem Minister für den ökologischen Umbau, Roberto Cingolani, in die afrikanischen Länder gereist. Regierungschef Mario Draghi musste wegen eines positiven Corona-Tests anders als geplant in Rom bleiben. (dpa)

Kiew: 19 Ukrainer bei Gefangenenaustausch mit Russland freigekommen

Die Ukraine hat über einen weiteren Gefangenenaustausch mit Russland informiert. «Heute haben wir 19 Leute nach Hause geholt, von denen zehn Soldaten und neun Zivilisten sind», teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag in sozialen Netzwerken mit. Unter den heimgekehrten ukrainischen Gefangenen gebe es Verwundete. Angaben zum Übergabeort und den ausgetauschten russischen Gefangenen machte sie nicht. Von russischer Seite lag zunächst keine Bestätigung vor.

Russland hat vor acht Wochen einen Angriffskrieg gegen den Nachbarn begonnen. Kiew hatte erklärt, in der Zeit etwa 700 Gefangene gemacht zu haben. In den Händen Russlands und der Separatisten sollen sich nach russischen Angaben bereits mehrere Tausend Gefangene befinden. (dpa)

Moskau wartet auf Antwort aus Kiew

Russland erwartet nach der Übergabe eines neuen ausformulierten Vorschlags für eine Beendigung des Krieges eine Antwort von der Ukraine. Der ukrainischen Delegation sei der Entwurf eines möglichen künftigen Dokuments übergeben worden, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge.

Er zeigte sich zugleich erstaunt über Äusserungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der am Vortag erklärt hatte, nichts gehört und gesehen zu haben. Der Kremlsprecher machte zugleich deutlich, dass Russland von seinen Plänen in der Ukraine keinen Abstand nehme. So Peskow:

«Die Spezialoperation verläuft weiter nach Plan. Mariupol, das ein Ort der Ansammlung nationalistischer Gruppierungen war, ist befreit».

Zuvor hatte Verteidigungsminister Sergej Schoigu Kremlchef Putin darüber informiert, dass die Hafenstadt unter russischer Kontrolle sei. (dpa)

Sicherheit steht auf dem Spiel: Bundesrätin Sommaruga interveniert wegen russischem Atomfunktionär

Energieministerin Simonetta Sommaruga hat bei der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) interveniert: Deren russischer Vizedirektor soll bei Aufgaben mit Bezug zu den Kriegsparteien in den Ausstand treten und keine sicherheitsrelevanten Informationen erhalten.

Deutschland bereitet Ringtausch für Waffenlieferungen vor

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Donnerstag soll dabei der östliche Nato-Partner Slowenien eine grössere Stückzahl seiner T-72-Kampfpanzer an die Ukraine abgeben und aus Deutschland dafür den Schützenpanzer Marder sowie den Radpanzer Fuchs erhalten.

Das noch aus der Sowjetzeit stammende Waffensystem T-72 wird vom ukrainischen Heer bereits eingesetzt und erfordert keine umfangreiche Zusatzausbildung. (dpa)

London: Russische Truppen rücken in Richtung Kramatorsk vor

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste rücken russische Truppen in der Ukraine derzeit von Stützpunkten im Donbass in Richtung Kramatorsk vor. Die ostukrainische Stadt leide unter anhaltenden Raketenangriffen, hiess es am Donnerstagmorgen in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Russland versuche, mit zahlreichen Luftangriffen die ukrainischen Verteidigungssysteme zu zerstören. (dpa)

Verteidigungsminister Schoigu: Mariupol unter russischer Kontrolle

Das russische Militär hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu die umkämpfte südostukrainische Hafenstadt Mariupol unter seine Kontrolle gebracht. Das teilte Schoigu am Donnerstag bei einem mit Kremlchef Wladimir Putin im Staatsfernsehen übertragenen Treffen mit. «Die verbliebenen ukrainischen Kampfeinheiten haben sich auf dem Industriegelände der Fabrik Azovstal verschanzt», sagte Schoigu.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu teilte mit, dass Mariupol unter russischer Kontrolle sei.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu teilte mit, dass Mariupol unter russischer Kontrolle sei.

Keystone

Präsident Putin ordnete an, das Stahlwerk nicht zu stürmen. Ein entsprechender Befehl solle zurückgenommen werden. Allen Gefangenen werde das Leben garantiert, sagte Putin. Er sprach von einem Erfolg und der «Befreiung Mariupol» und ordnete an, die beteiligten Militärs auszuzeichnen. «Sie sind alle Helden», sagte Putin.

Nach Darstellung Schoigus sind die ukrainischen Einheiten vollständig blockiert. Der Minister versicherte, dass die Fabrik in drei bis vier Tagen ebenfalls eingenommen werden solle. Über die angebotenen humanitären Korridore habe niemand das Werk verlassen, sagte der Minister. Zuvor hatte die ukrainische Seite Verhandlungen vorgeschlagen über das Schicksal der Kämpfer und die Rettung von Zivilisten, die in dem Werk Zuflucht gesucht hätten.

Schoigu teilte zudem mit, dass die Stadt stark vermint sei. «Alle wichtigen Objekte der städtischen Infrastruktur, darunter auch der Seehafen und das Fahrwasser wurden nicht nur vermint, sondern auch noch blockiert durch Schwimmkräne», sagte er. Vielen ausländischen Schiffen sei dadurch die Ausfahrt verwehrt worden. (dpa)

Ukrainische Städte weiter unter Beschuss – die Nacht im Überblick

Russische Truppen stossen in der Ukraine weiter vor, die befürchtete Grossoffensive könnte jedoch erst noch bevorstehen. In der Nacht zum Donnerstag gab es aus mehreren ukrainischen Städten Meldungen über russischen Beschuss. Entlang der gesamten Front in den Gebieten Donezk, Luhansk und Charkiw griffen die Russen zwar seit Dienstag an, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Olexij Danilow, in einem Radio-Interview. Es handele sich aber wahrscheinlich erst um «Probeangriffe».

Letztes Ultimatum für Menschen in Mariupol?

Russischen Angaben zufolge befinden sich noch rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner im Stahlwerk Asowstal. Ukrainischen Mitteilungen zufolge sollen dort zudem rund 1000 Zivilisten Schutz gesucht haben. «Heute vor oder nach dem Mittagessen wird Asowstal vollständig unter Kontrolle der russischen Streitkräfte sein», erklärte der tschetschnische Anführer Ramsan Kadyrow, dessen Einheiten in der Ukraine kämpfen, in der Nacht zum Donnerstag. Die in dem Stahlwerk verbliebenen ukrainischen Kämpfer hätten am Morgen noch die Möglichkeit, sich zu ergeben.

Luhansk weitgehend unter russischer Kontrolle

Nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus der Kleinstadt Krimenna kontrollierten russische Einheiten nun 80 Prozent des Gebietes Luhansk, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Hajdaj, am Mittwochabend auf Telegram mit. Auch die Städte Rubischne und Popasna in Luhansk seien mittlerweile «teilweise» unter russischer Kontrolle. Um diese gibt es seit Wochen intensive Kämpfe. Der Beschuss habe auch hier zugenommen. Zu Beginn des russischen Angriffskrieges vor rund acht Wochen hatten die Separatisten der «Volksrepublik» Luhansk noch rund 30 Prozent der Region unter ihrer Kontrolle gehabt.

Unklarheit über Beginn der russischen Grossoffensive

Ob mit den Kämpfen im Osten des Landes jedoch schon die erwartete Grossoffensive der Russen begonnen hat, war unklar. Der ukrainische Präsident Selenski hatte zwar bereits am Montagabend erklärt, dass «die Schlacht um den Donbass» begonnen habe. Nach Einschätzung des Sekretärs seines Sicherheitsrates ist das jedoch noch nicht der Fall. Es sei aber nur eine Frage der Zeit.

Am Dienstag hatte auch das US-Verteidigungsministerium erklärt, es sehe die jüngsten russischen Angriffe nur als Vorzeichen einer grösseren Offensive Moskaus. Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates warnte davor, zu denken, die Kämpfe um den Donbass würden die letzte Schlacht sein. «Ich wäre nicht so optimistisch, es können jede Menge verschiedene Dinge noch vor uns liegen», erklärte Danilow.

Weitere Massengräber vor Kiew

Unterdessen sind im Kiewer Vorort Borodjanka nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Darin hätten sich insgesamt neun Leichen von Zivilisten, Männer wie Frauen, befunden, teilte Andrij Nebitow von der Polizei der Hauptstadtregion in der Nacht zum Donnerstag auf Facebook mit. Einige von ihnen hätten Folterspuren aufgewiesen. Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden. (dpa)

Ukrainischer Botschafter: Krieg gegen ukrainische Kultur

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine richtet sich aus Sicht des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, insbesondere auch gegen die Kultur des Landes. «Unsere Theater werden vorsätzlich zerbombt, wie in Mariupol geschehen ist, unsere Bibliotheken und Museen werden geplündert, Bücher beschlagnahmt», sagte er am Mittwochabend in Berlin.

Damit stehe der Krieg in einer langen Tradition der Unterdrückung ukrainischer Kultur durch Kolonialmächte aus Ost und West, betonte Melnyk. «Die ukrainische Sprache, die ukrainische Kirche, die ukrainische Kultur - alles Ukrainische wurde im Laufe unserer Geschichte immer wieder verboten, vernachlässigt und mit Füssen getreten.» (dpa)

Finanzminister verlassen G20-Treffen wegen Russland

Finanzminister mehrerer Länder haben das G20-Treffen in Washington wegen Russlands Teilnahme zeitweise boykottiert. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verliess etwa US-Finanzministerin Janet Yellen am Mittwoch den Raum, als der russische Finanzminister Anton Siluanow virtuell das Wort ergriff. Der deutsche Finanzminister Christian Lindner dagegen sei geblieben, ebenso wie Amtskollegen mehrerer G7-Staaten, hiess es. Die Gruppe habe stattdessen auf den Redebeitrag des Russen geantwortet.

Auch Bundesrat Ueli Maurer verliess den Raum nicht, wie es aus informierten Kreisen hiess. Grundsätzlich praktiziere die Schweiz keine «Politik des leeren Stuhls», hatte das Aussenministerium in Bern zuvor bekanntgegeben. Die Schweiz sei der Ansicht, dass multilaterale Institutionen Orte des Dialogs sein sollten, sagte ein Sprecher des EDA. Die Schweiz ist zwar nicht offizielles Mitglied der G20, nimmt aber an den Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneuren regelmässig teil.

Unter den Offiziellen, die das G20-Treffen verliessen, befand sich auch Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank, Jerome Powell, amerikanischer Notenbank-Chef und Chrystia Freeland, die stellvertretende Premierministerin von Kanada. (dpa/rr)

Kiew: Evakuierung von Mariupol erneut gescheitert

In der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol ist eine Rettung von Zivilisten nach ukrainischen Regierungsangaben am Mittwoch erneut gescheitert. «Leider hat der humanitäre Korridor aus Mariupol heute nicht wie geplant funktioniert», teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk im Nachrichtenkanal Telegram mit. Es habe keine Waffenruhe gegeben. Die «unorganisierten Besatzer» hätten es nicht geschafft, die Menschen rechtzeitig zu dem vereinbarten Punkt zu bringen, «wo unsere Busse und Krankenwagen warteten», sagte sie. (dpa)

ATP und WTA kritisieren Wimbledon-Aus für Russen und Weissrussen

Die Spielervereinigungen ATP und WTA haben den Ausschluss russischer und weissrussischer Tennisspieler vom Grand-Slam-Turnier in Wimbledon scharf kritisiert. Die Entscheidung sei «unfair» und habe «das Potenzial, einen schädlichen Präzedenzfall zu schaffen», teilte die für Herrenturniere zuständige ATP mit. Die Frauen-Vereinigung WTA zeigte sich weniger später ebenfalls «sehr enttäuscht» von der scharfen Sanktion. (sid)

Pentagon: Ukraine hat jetzt mehr als 20 zusätzliche Kampfflugzeuge

Die ukrainische Luftwaffe hat nach Darstellung des US-Verteidigungsministeriums für den Kampf gegen Russland inzwischen mehr einsatzfähige Kampfflugzeuge als noch vor wenigen Wochen. Die Ukraine habe dank der Koordination der Vereinigten Staaten «genügend Ersatzteile und zusätzliche Ausrüstung bekommen», um einige ihrer zuvor stillgelegten Kampfflugzeuge wieder in Betrieb zu nehmen, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby, am Mittwoch.

Die ukrainische Luftwaffe habe ihre Flotte um «eine ziemliche Zahl» erhöhen können, sagte Kirby weiter - ohne dabei eine genaue Zahl zu nennen. Ein ranghoher Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums erklärte dazu: «Sie haben mehr als 20 zusätzliche Flugzeuge zur Verfügung als noch vor drei Wochen.» (dpa)

Machtdemonstration Moskaus: Russland testet Interkontinentalrakete

Inmitten des Ukraine-Krieges und grosser internationaler Spannungen hat Russland mit einem Raketentest für Aufsehen gesorgt. Der russische Präsident Wladimir Putin liess am Mittwoch eine neue ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat (Nato-Codename: SS-X-30 Satan 2) testen und nutzte den Raketenstart für drohende Worte gegen Gegner Moskaus. Das Verteidigungsministerium in Washington betonte, Russland habe die USA vorab über den Test informiert. Diese Starts seien Routine.

Der russische Präsident Wladimir Putin verfolgte den Raketentest via Livestream.

Der russische Präsident Wladimir Putin verfolgte den Raketentest via Livestream.

Keystone

Die Sarmat hat eine Reichweite von 18'000 Kilometern. Damit kann Russland sowohl über den Nord- als auch über den Südpol angreifen und Ziele weltweit erreichen. (dpa)

Selenski: «Habe keine russischen Vorschläge erhalten»

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat nach eigenen Angaben bisher keine Vorschläge aus Moskau für eine Beendigung des Krieges erhalten. «Ich hab nichts gehört, ich hab nichts gesehen. Bin überzeugt, dass sie uns nichts übergeben haben», sagte der Staatschef am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit EU-Ratschef Charles Michel in Kiew. Nach russischen Angaben wurden die Vorschläge bereits am vergangenen Freitag übermittelt.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (rechts) mit EU-Ratschef Charles Michel in Kiew.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (rechts) mit EU-Ratschef Charles Michel in Kiew.

Keystone

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte von konkreten Vorschlägen gesprochen. Er nannte keine Details, beklagte aber, dass die Ukraine ständig ihre Positionen ändere und Dynamik vermissen lasse. Der Ball liege nun in Kiew, meinte er. (dpa)

Jüdische Gemeinde: Holocaust-Überlebende stirbt in Mariupol

In der schwer umkämpften südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist nach Angaben der jüdischen Gemeinde eine 91-jährige Überlebende des Holocaust gestorben. «Mit zehn Jahren überlebte Wanda Semjonowa Objedkowa die Deutschen, indem sie sich in einem Keller in Mariupol versteckte. 81 Jahre später starb sie in einem Keller in der gleichen Stadt, als sie sich infolge des fürchterlichen Kriegs vor den Russen versteckte», teilte das Auschwitz Museum auf seinem Twitter-Kanal mit. (dpa)

Die letzte Schlacht um Mariupol hat begonnen

Die 440’000-Einwohnerstadt Mariupol ist seit 51 Tagen von russischen Truppen umzingelt. Der Belagerungsring hat sich immer mehr zusammengezogen. Am Mittwoch war nur noch das Kombinat von der Grösse des Vatikans in ukrainischen Händen. Verschanzt haben sich in einer Industrieanlage am Meeresufer die letzten verbliebenen Verteidiger der praktisch ganz zerstörten Hafenstadt.

Swiatoslaw Palamar, Kampfname «Kalina», von dem wegen rechtsradikaler Strömungen umstrittenen Freiwilligenbataillon «Asow» sagt in einer Videobotschaft: «Wir werden kämpfen bis zur letzten Patrone, aber wir fordern das Vaterland auf, unsere Zivilisten zu retten». (paf)

UN-Generalsekretär will nach Kiew und Moskau reisen

UN-Generalsekretär António Guterres verstärkt seine diplomatischen Versuche, um eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg zu erreichen. Guterres habe Briefe an die UN-Vertretungen Russlands und der Ukraine geschickt: «In diesen Briefen bat der Generalsekretär Präsident (Wladimir) Putin, ihn in Moskau zu empfangen, und Präsident Wolodimir Selenski, ihn in Kiew zu empfangen», sagte Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch in New York. Es müssten «dringende Schritte» zur Herstellung von Frieden in der Ukraine herbeigeführt werden. (dpa)

Wegen Nord Stream 2: Kritik an Energiepolitik der Merkel-Regierung

Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock hat ungewöhnlich scharfe Kritik an der deutschen Energiepolitik gegenüber Russland unter der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geübt. Das Festhalten an der von den Mittel- und Osteuropäern lange kritisierten deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 sei fatal gewesen, sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga. «Statt Nord Stream hätte es einen Baltic Stream auf Grundlage von sauberer Energie geben können», fügte Baerbock hinzu. «Das waren klar und deutlich Fehler», die die neue Bundesregierung korrigiert habe. (dpa)

Offiziell: Wimbledon ohne Profis aus Russland und Weissrussland

Tennisprofis aus Russland und Weissrussland dürfen in diesem Jahr beim wichtigsten aller vier Grand-Slam-Turniere nicht aufschlagen. Der Grund für diesen radikalen Schritt, der unter anderem den Weltranglistenzweiten Medwedew betrifft, ist der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Dies teilten die Organisatoren am Mittwoch mit.

«Wir sind uns bewusst, dass dies für die betroffenen Einzelsportler eine harte Entscheidung ist», sagte Wimbledon-Boss Ian Hewitt: «Es ist traurig, dass sie unter den Taten der Anführer des russischen Regimes leiden müssen.» Das zweiwöchige Turnier beginnt am 27. Juni. (sid)

Finnisches Parlament debattiert über Sicherheitslage und Nato-Frage

Auf dem Weg zu einem Beschluss für oder gegen eine Nato-Mitgliedschaft hat in Finnland eine Parlamentsdebatte über die durch den Ukraine-Krieg veränderte Sicherheitslage begonnen. Die 200 Abgeordneten des Reichstags in Helsinki nahmen am Mittwochnachmittag Diskussionen über eine sicherheitspolitische Analyse der Regierung auf, die unter anderem Vorteile und Risiken eines möglichen finnischen Nato-Beitritts benennt. (dpa)

Christian Lindner: Russland verantwortlich für ökonomische Probleme

Der deutsche Finanzminister Christian Lindner hat Russland die alleinige Schuld für die aktuellen, weltweiten ökonomischen Probleme gegeben. Sie entstünden nicht durch die westlichen Sanktionen, sondern durch den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. «Die Verantwortung für die gegenwärtigen makroökonomischen Risiken trägt allein Russland», sagte der Politiker am Mittwoch am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington.

Lindner sprach von der Gefahr einer Schuldenkrise bei Schwellen- und Entwicklungsländern, von Problemen mit der Nahrungsmittelsicherheit und der wirtschaftlichen Stabilität. «All das hat eine Quelle: Russland», sagte er. Es könne keine Rückkehr zur gewohnten Form des Austauschs mit Präsident Wladimir Putin geben, solange dieser seine Truppen in der Ukraine nicht abziehe. (dpa)

Der Untergang der «Moskwa»: Angehörige und Medien berichten über Tote

Rund 500 Mann Besatzung soll der Raketenkreuzer «Moskwa», der Stolz der russischen Schwarzmeerflotte und eines der bedeutendsten Kriegsschiffe des Landes, gehabt haben. Doch auch eine Woche nach dem weltweit beachteten Untergang des Flaggschiffs gibt es weiter widersprüchliche Angaben zu den Ursachen eines Brandes an Bord. Rätselhaft ist vor allem der Verbleib der Matrosen. Suchende Angehörige melden sich in sozialen Netzwerken zu Wort, berichten von Toten, Verletzten und Vermissten. Dabei hatte das russische Verteidigungsministerium behauptet, die «gesamte Besatzung» sei gerettet. Doch an der Darstellung gibt es viele Zweifel.

Gesunkenes Kriegsschiff «Moskwa»: Was ist wirklich mit den Matrosen passiert?

CH Media Video Unit

Kremlkritische russischsprachige Medien haben selbst mit Eltern und Frauen gesprochen, die ihre Söhne und Männer suchen. Sie berichten von Toten, Schwerverletzten und Vermissten. Eine Frau sagte der Internetzeitung «Nowaja Gaseta. Europa», ihr Sohn habe ihr von einem Raketeneinschlag an Bord erzählt – und von etwa 40 Toten und vielen Verletzten. Das Portal «Meduza» berichtete unter Berufung auf eine eigene Quelle aus dem Umfeld des Kommandos der Schwarzmeerflotte, dass 37 Besatzungsmitglieder gestorben und etwa 100 verletzt seien. (dpa)

Über 37'000 Flüchtlinge in der Schweiz

Wie das Staatssekretariat für Migration am Mittwoch auf Twitter mitteilt, wurden insgesamt 37'435 Flüchtlinge aus der Ukraine in der Schweiz registriert. 30'551 davon haben den S-Status erhalten.

Kreml: Konkretes Angebot für Verhandlungen an Ukraine übergeben

Russland hat nach eigenen Angaben der Ukraine ein schriftliches Angebot für eine Verhandlungslösung im Krieg übergeben. «Jetzt wurde der ukrainischen Seite unser Entwurf des Dokuments übergeben, der absolut klare und ausgefeilte Formulierungen beinhaltet», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Details zum Inhalt der russischen Vorschläge machte er nicht.

Peskow erklärte, es gebe zwar keine Frist, bis wann Kiew auf das Angebot antworten müsse. Doch zugleich machte er deutlich, dass Moskau mit dem bisherigen Verhandlungstempo unzufrieden sei. «Wir haben schon mehrmals gesagt, dass die Dynamik der Arbeit der ukrainischen Seite zu wünschen übrig lässt», sagte Peskow. Nun sei «der Ball auf der Seite» der Ukrainer.

Zuvor hatte die Sprecherin des Aussenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, erklärt, Russland habe kein Vertrauen in die ukrainischen Unterhändler mehr. Diese änderten ständig ihren Standpunkt und hielten sich nicht an ausgehandelte Abmachungen, behauptete sie.

Die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew hatten am 28. Februar begonnen, vier Tage nach dem von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlenen Angriff auf die Ukraine. Russland forderte in den Verhandlungen bisher unter anderem die Neutralität der Ukraine und die Abtretung der Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Anerkennung der Halbinsel Krim als russisch. Kiew lehnt es kategorisch ab, auf eigenes Staatsgebiet zu verzichten. (dpa)

Medien: Keine Tennisprofis aus Russland und Belarus in Wimbledon

Beim Rasen-Klassiker in Wimbledon sollen in diesem Jahr nach übereinstimmenden Medienberichten keine Tennisprofis aus Russland und Belarus zugelassen werden. Die Veranstalter reagieren damit auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, wie unter anderen die «New York Times» und die «Times» am Mittwoch berichteten. Ein Ausschluss würde zum Beispiel den Weltranglisten-Zweiten Daniil Medwedew aus Russland und die zweimalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin Victoria Asarenka aus Belarus treffen.

Das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres findet vom 27. Juni bis 10. Juli statt. Wimbledon wäre das erste Event, das Tennisprofis wegen der russischen Invasion in die Ukraine ausschliesst. Von den Organisatoren gab zunächst keine Stellungnahme zu den Berichten.

Russland setzt Luftangriffe in der Ukraine fort

Die russischen Luftstreitkräfte haben nach eigenen Angaben in der Nacht 73 militärische Ziele in der Ukraine bombardiert. «Durch den Einschlag hochpräziser Raketen im Gebiet Nowoworonzowka und Kiseliwka wurden bis zu 40 Soldaten der ukrainischen Truppen sowie sieben gepanzerte Fahrzeuge vernichtet», erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch. Von unabhängiger Seite konnten diese Angaben nicht bestätigt werden. (dpa) 

Moskau droht moldauischer Präsidentin nach Verbot von Kriegssymbol Z

Die russische Führung hat scharf auf das Verbot von prorussischer Kriegssymbolik in der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau reagiert. Der russische Senator Alexej Puschkow drohte der Präsidentin der Republik, Maia Sandu, sie könne im «Mülleimer der Geschichte» landen. «Sie sollte sich vorsichtiger gegenüber Russland und seinen Symbolen äussern, umso mehr da Chisinau nicht für russisches Gas zahlen kann», schrieb Puschkow auf seinem Telegram-Kanal.

Die Republik Moldau, zwischen der Ukraine und Rumänien gelegen, bemüht sich im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine um die EU-Mitgliedschaft. Chisinau hat Kiew humanitäre, aber keine militärische Hilfe gegen Russland gewährt. In dem Konflikt selbst erklärte sich die Republik Moldau neutral und hat sich auch nicht an den Sanktionen gegen Russland beteiligt.

Anfang der Woche allerdings verbot Chisinau die Symbole Z und V, mit der die russischen Truppen beim Angriff auf die Ukraine markiert sind, sowie das St.-Georgs-Band, welches als Kennzeichen der Unterstützer von Kremlchef Wladimir Putin, aber auch der prorussischen Separatisten in der Ukraine gilt. Sandu begründete das Verbot damit, dass die Symbole die Gesellschaft spalteten. Ihr Platz sei auf der «Müllhalde der Geschichte», sagte sie. Puschkows Antwort schliesst daran an. Der Senator gilt als einer der Lautsprecher der russischen Aussenpolitik. Die Republik Moldau ist stark abhängig von russischen Gaslieferungen. (dpa)

Ukrainische Truppen in Mariupol bitten um Evakuierung in Drittstaat

In einem dramatischen Appell hat der ukrainische Kommandeur der verbliebenen Marineinfanteristen in der schwer umkämpften Hafenstadt Mariupol um eine Evakuierung in einen Drittstaat gebeten. «Der Feind ist uns 10 zu 1 überlegen», sagte Serhij Wolyna, Kommandeur der ukrainischen 36. Marineinfanteriebrigade, in einer am frühen Mittwochmorgen auf Facebook veröffentlichten einminütigen Videobotschaft. «Wir appellieren an alle führenden Politiker der Welt, uns zu helfen.»

«Der Feind ist uns 10 zu 1 überlegen» : Kommandeur bittet in dramatischem Appell um Evakuierung aus Mariupol

CH Media Video Unit

Russland habe Vorteile in der Luft, bei der Artillerie, den Bodentruppen, bei Ausrüstung und Panzern, sagt Wolyna weiter. Die ukrainische Seite verteidige nur ein Objekt, das Stahlwerk Asowstal, wo sich ausser Militärs noch Zivilisten befänden. Wolyna bittet, das «Verfahren der Extraktion» anzuwenden und alle - das Militär der Mariupol-Garnison, mehr als 500 verwundete Kämpfer und Hunderte Zivilisten - auf dem Territorium eines Drittlandes in Sicherheit zu bringen. «Das ist unser Appell an die Welt», sagte Wolyna. «Das könnte der letzte Appell unseres Lebens sein.»  (dpa)

Medien: Flächen-Bombardement in der Ost-Ukraine

Eine Frau läuft vor einem Wohnhaus in Charkiw, das durch einen Raketenangriff zerstört wurde. (19. April 2022)

Eine Frau läuft vor einem Wohnhaus in Charkiw, das durch einen Raketenangriff zerstört wurde. (19. April 2022)

Keystone/AP

In den Vororten der Grossstadt Charkiw im Osten der Ukraine setzt Putins Armee offenbar auf eine neue Strategie. Das berichtet die Bild unter Berufung auf eigene Reporter vor Ort. Nachdem ein erster Versuch, die Stadt einzunehmen zu Beginn des Krieges gescheitert war, sei Charkiw nun unter Dauerbeschuss. Durch schwere Artillerie und Raketenangriffe auch auf Wohnblöcke solle die Bevölkerung terrorisiert und die Stadt «sturmreif» für Bodentruppen geschossen werden. (phh)

Ein Mann in Charkiw versucht nach einem Raketenangriff ein Feuer zu löschen. (19. April 2022)

Ein Mann in Charkiw versucht nach einem Raketenangriff ein Feuer zu löschen. (19. April 2022)

Keystone/AP

Ukraines Präsident Selenski sieht grossen russischen Truppenaufmarsch – die Nacht im Überblick

Die Ukraine sieht sich im Osten des Landes mit einem massiven russischen Truppenaufmarsch konfrontiert. «Jetzt ist praktisch der gesamte kampfbereite Teil der russischen Armee auf dem Territorium unseres Staates und in den Grenzgebieten Russlands konzentriert», sagte Präsident Wolodymyr Selenski in einer Videobotschaft, die in der Nacht zum Mittwoch auf Telegram veröffentlicht wurde.

Die russische Seite habe «fast alle und alles, was fähig ist, mit uns zu kämpfen, zusammengetrieben», sagte Selenskyj. Er forderte erneut Waffen.

Russischer Truppenaufmarsch in der Ostukraine: Neues Ultimatum für Kämpfer in Mariupol

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London sieht Probleme für russische Angriffe

Nach Erkenntnissen des Londoner Verteidigungsministeriums verstärkt die russische Armee entlang der Demarkationslinie zum Donbass in der Ostukraine die Angriffe. Die Ukraine wehre aber zahlreiche Vorstösse russischer Truppen ab, teilte das britische Verteidigungsministerium am Dienstagabend unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit. Russische Fortschritte würden weiterhin durch das Gelände sowie logistische und technische Schwierigkeiten behindert. Dazu komme auch die Widerstandsfähigkeit der hochmotivierten ukrainischen Armee.

Dass es Russland nicht gelungen sei, den Widerstand in der umkämpften südostukrainischen Hafenstadt Mariupol auszumerzen sowie die wahllosen russischen Angriffe, die Zivilisten treffen, seien weitere Hinweise darauf, dass Moskau seine Ziele nicht so schnell wie erhofft erreiche.

Moskau stellt neue Frist in Mariupol

Moskau kündigte am Dienstagabend eine neue Frist für die in einem Stahlwerk verschanzten letzten Verteidiger in Mariupol an. Generaloberst Michail Misinzew kündigte eine einseitige Feuerpause samt «humanitärem Korridor» aus dem Stahlwerk für Mittwoch, 14.00 Uhr Moskauer Zeit (13.00 Uhr MEZ) an. Im Zuge dieser Feuerpause könnten sich ukrainische Kämpfer ergeben und Zivilisten evakuiert werden. Frühere Ultimaten an die Verteidiger liessen diese verstreichen.

Debatte um Waffenlieferungen in Deutschland

In Deutschland geht die Debatte um eine Lieferung schwerer Waffen auch nach der jüngsten Erklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weiter. Dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter und der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gehen Scholz’ Äusserungen vom Dienstagabend nicht weit genug. Auch der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk zeigte sich unzufrieden.

Explosionen in südukrainischer Stadt Mykolajiw

Aus der südukrainischen Grossstadt Mykolajiw ist erneut Beschuss gemeldet worden. «Wieder Explosionen in Mykolajiw», schrieb der Bürgermeister der Stadt, Olexander Senkewytsch, am frühen Mittwochmorgen auf Telegram. Über Schäden und Opfer gab es zunächst keine Angaben.

Separatistische Gruppierungen der «Volksrepublik» Luhansk vermeldeten unterdessen die Einnahme einer Kleinstadt im Gebiet Luhansk im Osten der Ukraine. Die Stadt Kreminna sei «vollständig» unter Kontrolle, teilte die Luhansker «Volksmiliz» auf Telegram mit.

Fünf Millionen Vertriebene aus Ukraine

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) geht nach aktuellen Berechnungen davon aus, dass mehr als fünf Millionen Menschen aus der Ukraine vor dem russischen Angriffskrieg ins Ausland geflohen sind. Hinzu kämen etwa 7,1 Millionen Menschen, die innerhalb der Ukraine ihr Zuhause verlassen hätten.

Kommunikation zwischen Tschernobyl und Kiew wiederhergestellt

Nach mehr als einem Monat Unterbrechung ist die direkte Kommunikation zwischen dem ehemaligen Kernkraftwerk Tschernobyl und der zuständigen ukrainischen Aufsichtsbehörde wiederhergestellt worden. Das teilte die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) unter Berufung auf  die ukrainische Atomaufsichtsbehörde mit. (dpa)

Scholz sagt Ukraine Waffenlieferungen zu

Über Ostern war der Druck auf Kanzler Scholz immer mehr gewachsen, Klarheit beim Thema Waffenlieferungen an die Ukraine zu schaffen. Nun gibt es eine Zusage zur Finanzierung von Lieferungen der deutschen Industrie, konkrete Aussagen zum Thema schwere Waffen hat Scholz aber vermieden. «Wir haben die deutsche Rüstungsindustrie gebeten, uns zu sagen, welches Material sie in nächster Zeit liefern kann», sagte Scholz. «Die Ukraine hat sich nun von dieser Liste eine Auswahl zu eigen gemacht, und wir stellen ihr das für den Kauf notwendige Geld zur Verfügung.» Darunter seien wie bisher Panzerabwehrwaffen, Luftabwehrgeräte, Munition «und auch das, was man in einem Artilleriegefecht einsetzen kann». Konkreter wurde Scholz nicht. (dpa)

Niederlande und Belgien: Jetzt schwerere Waffen an Ukraine liefern

Angesichts der russischen Offensive im Donbass werden Belgien und die Niederlande weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern. Jetzt müsse man den nächsten Schritt gehen und schwereres Material liefern, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Dienstag in Gent auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem belgischen Amtskollegen Alexander De Croo.

Die Niederlande hatten bereits zuvor angekündigt, Panzerfahrzeuge an die Ukraine zu liefern. Rutte sprach von einem ungeheuren Umfang der russischen Gewalt im Osten der Ukraine sowie in Orten wie Mariupol. (dpa)

Konträre Angaben zu Flüchtlingskorridor in Mariupol

In der seit Wochen umkämpften südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist am Dienstag ein weiteres Ultimatum der russischen Truppen weitgehend ergebnislos verstrichen. «Niemand hat den rund um Asovstal gebildeten neuen humanitären Korridor für Zivilisten genutzt», sagte Alexej Nikonorow, ein Sprecher der prorussischen Separatisten, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Das russische Fernsehen hingegen berichtete, dass 120 Zivilisten das Stahlwerk verlassen hätten. Die ukrainischen Kämpfer hingegen sollen sich weiterhin in der Fabrik verschanzen. (dpa)

Pentagon: Aktuelle Kämpfe sind Auftakt grösserer Offensive

Das US-Verteidigungsministerium sieht die jüngsten russischen Angriffe im Osten der Ukraine nur als Vorzeichen einer grösseren Offensive Russlands. «Wir gehen davon aus, dass diese Angriffe das Vorspiel zu grösseren Offensivaktionen sind, die die Russen planen», sagte ein hochrangiger Beamter des Pentagons am Dienstag in Washington. Er betonte, man widerspreche damit nicht den Darstellungen, dass der erwartete Grossangriff der russischen Truppen im Osten des Landes begonnen habe. Es gehe nur darum, zu unterstreichen, dass die aktuellen Angriffe erst der Auftakt seien. (dpa)

Deutscher Bundeskanzler verurteilt russische Offensive

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat die begonnene russische Militäroffensive im Osten der Ukraine verurteilt. Der Krieg sei in eine neue Phase getreten, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Berlin nach einer Videokonferenz mit Staats- und Regierungschefs internationaler Partner und den Spitzen von Nato und EU. Das Leid der Ukraine lasse niemanden kalt. «Wir spüren unendliche Trauer über die Opfer und - auch das muss gesagt werden - grosse Wut auf den russischen Präsidenten und diesen sinnlosen Krieg.» (dpa)

Olaf Scholz hat die russische Militäroffensive im Osten der Ukraine verurteilt.

Olaf Scholz hat die russische Militäroffensive im Osten der Ukraine verurteilt.

Clemens Bilan / Pool / EPA

UN-Generalsekretär ruft vor orthodoxem Osterfest zu Waffenruhe auf

UN-Generalsekretär António Guterres hat rund um das orthodoxe Osterfest am kommenden Wochenende eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg gefordert. «Die viertägige Osterzeit sollte ein Zeitpunkt sein, um gemeinsam Leben zu retten und den Dialog über ein Ende des Leids in der Ukraine zu vertiefen», erklärte Guterres am Dienstag in New York.

Eine Waffenruhe von Donnerstag an böte Zivilisten die Gelegenheit, umkämpfte Gebiete zu verlassen. Gleichzeitig könnten Hilfsorganisationen lebensrettende Unterstützung in besonders betroffenen Regionen wie Mariupol, Cherson und Donezk leisten.  (dpa)

Biden berät mit Verbündeten über Ukraine-Krieg

US-Präsident Joe Biden hat sich am Dienstag erneut mit internationalen Verbündeten zusammengeschaltet, um über das weitere Vorgehen mit Blick auf den Ukraine-Krieg zu beraten. An der Videoschalte waren nach Angaben des Weissen Hauses die übrigen G7-Staaten beteiligt. Für Deutschland nahm Bundeskanzler Olaf Scholz teil. Dabei waren auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident Charles Michel und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sowie die Präsidenten von Polen und Rumänien, Andrzej Duda und Klaus Iohannis. (dpa)

Russland weist mehr als 30 europäische Diplomaten aus

Russland hat als Antwort auf die Ausweisung Dutzender russischer Diplomaten mehr als 30 Diplomaten aus den Benelux-Ländern und Österreich zu «unerwünschten Personen» erklärt. Allein aus den Niederlanden müssen 15 Beschäftigte der Botschaft in Moskau das Land binnen zwei Wochen verlassen, wie das russische Aussenministerium am Dienstag mitteilte. Zuvor hatten die Niederlande 18 russische Diplomaten wegen des Vorwurfs der Spionage - auch mit Blick auf Russlands Krieg gegen die Ukraine - ausgewiesen. (dpa)

Litauen verbietet Z-Symbol und Georgsband

In Litauen ist die Verwendung des Z-Symbols in der Öffentlichkeit künftig verboten. Der Buchstabe wird von Befürwortern des russischen Angriffskriegs in der Ukraine genutzt und steht für «za pobedu» («Für den Sieg»). Das Gleiche gilt für das «V», das für «sila v pravde» («Die Kraft liegt in der Wahrheit») steht.

Auch verboten ist in dem baltischen EU- und Nato-Landes nun das Tragen des in Russland als Nationalsymbol beliebten Georgsbandes. Das orange-schwarze Band ist für viele Russen eines der wichtigsten Symbole des Triumphs über Hitler-Deutschland - getragen wird es vor allem rund um den Tag des Sieges am 9. Mai. (dpa)

Das «Z» in den Farben des Georgsbandes. Beide Symbole sind in Litauen künftig verboten.

Das «Z» in den Farben des Georgsbandes. Beide Symbole sind in Litauen künftig verboten.

Keystone

Kiew berichtet von neuem Gefangenenaustausch

Im Krieg Russlands gegen die Ukraine hat es einen weiteren Gefangenenaustausch gegeben. «Heute haben wir 60 Soldaten ausgetauscht, darunter zehn Offiziere», teilte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag mit. Darüber hinaus seien Kiew 16 Zivilisten übergeben worden. Wo der Austausch stattfand und wieviele Russen im Gegenzug ausgetauscht wurden, sagte sie nicht. Aus Moskau gab es dazu zunächst keinen Kommentar. (dpa)

Moskau verkündet Feuerpause in Mariupol

Die russischen Streitkräfte haben in der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Dienstag eine einseitige Feuerpause verkündet. Zugleich öffneten sie nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau einen «humanitären Korridor» für ukrainische Kämpfer, die sich dort im Stahlwerk Asovstal verschanzt haben.

«Ich möchte besonders betonen, dass die russische Führung allen, die ihre Waffen niederlegen, das Leben, die völlige Sicherheit und medizinische Versorgung garantiert», sagte der russische Generaloberst Michail Misinzew. Die ukrainischen Einheiten allerdings wollen die Waffen nicht niederlegen, sondern weiter für die Verteidigung der Stadt kämpfen. Russland drohte am Wochenende mit der «Vernichtung» aller Kämpfer. (dpa)

Moskau: Westen zieht mit Waffenlieferungen Krieg in die Länge

Russland hat dem Westen vorgeworfen, mit weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine den Krieg in die Länge zu ziehen. «Die USA und die von ihnen kontrollierten westlichen Länder tun alles, um die militärische Spezial-Operation zu verzögern», sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag in Moskau. «Der wachsende Umfang ausländischer Waffenlieferungen zeigt ihre Absicht, das Kiewer Regime zum Kampf «bis zum letzten Ukrainer» zu provozieren.»

Moskau nennt den seit mehr als sieben Wochen laufenden russischen Angriffskrieg auf das Nachbarland nur «militärische Spezial-Operation». Zugleich kündigte Schoigu an, die Streitkräfte würden «ihren Plan zur Befreiung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk konsequent erfüllen». (dpa)

Verstärkte russische Angriffe auch im Osten der Ukraine

Die russischen Luftstreitkräfte haben nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums seit Montag 60 militärische Objekte der Ukraine bombardiert. Darunter seien zwei ukrainische Lager für «Totschka-U»-Raketen südöstlich der umkämpften Stadt Charkiw gewesen, sagte Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Dienstag in Moskau. Südwestlich von Charkiw sei ein ukrainisches Kampfflugzeug vom Typ MIG-29 abgeschossen worden. Mit Artillerie seien im Laufe der Nacht insgesamt 1260 Militärobjekte in der Ukraine beschossen worden. Von unabhängiger Seite liessen sich die Angaben zunächst nicht überprüfen. (dpa)

Separatisten: Erstürmung des Stahlwerks in Mariupol hat begonnen

Russland hat wegen der «katastrophalen Lage» in der umkämpften Stadt Mariupol den in einem Stahlwerk eingeschlossenen ukrainischen Kämpfern ein weiteres Ultimatum gestellt. Die nationalistischen Kämpfer und ausländischen Söldner hätten mit Beginn 12.00 Uhr (11.00 Uhr MESZ) die Gelegenheit, die Gefechte einzustellen und ihre Waffen niederzulegen, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Moskau mit. Dann werde ihr Leben gerettet, hiess es.

Zuvor hatten prorussische Separatisten mitgeteilt, dass die Erstürmung des des Stahlwerks Asovstal mit russischer Hilfe begonnen habe. In dem Stahlwerk sollen sich nach russischen Angaben rund 2500 Kämpfer verschanzt haben, darunter auch 400 ausländische Söldner. Ukrainischen Medien zufolge sollen in dem Werk noch rund 1000 Zivilisten ausharren, unter ihnen auch Frauen und Kinder.

Ein Satellitenbild des Stahlwerks Asovstal vom 13. April.

Ein Satellitenbild des Stahlwerks Asovstal vom 13. April.

AP

Zum Sturm auf das Stahlwerk sagte der prorussische Separatistenvertreter Eduard Bassurin am Dienstag Staatsmedien in Moskau, es seien spezielle Truppen zusammengestellt worden, die mit ihrer Arbeit begonnen hätten. Russische Luftwaffe und Artillerie unterstützen sie. Alle Stadtteile in Mariupol seien bereits eingenommen. (dpa)

Dritter Tag in Folge keine Fluchtkorridore

Wegen der russischen Offensive im Osten der Ukraine sind nach Regierungsangaben aus Kiew den dritten Tag in Folge keine Fluchtkorridore für die umkämpften Orten eingerichtet worden. «Der intensive Beschuss im Donbass geht weiter», teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag mit. Sie warf Russland zudem vor, in der besonders umkämpften Hafenstadt Mariupol trotz Bitten keinen humanitären Korridor für Zivilisten in Richtung der Berdjansk bereitzustellen.

Japan liefert Ukraine Schutzausrüstung gegen Chemiewaffen

Japan wird der Ukraine Schutzmasken und -kleidung gegen chemische Waffen zur Verfügung stellen. Das kündigte der japanische Verteidigungsminister Nobuo Kishi am Dienstag an. Ausserdem werde man der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen Russland kommerzielle Drohnen zur Aufklärung bereitstellen. Damit komme man einer Anfrage der Regierung in Kiew nach. (dpa)

Schlacht um Donbass hat begonnen – die Nacht im Überblick

In der Ukraine hat die russische Armee nach Angaben aus Kiew den erwarteten Grossangriff im Osten gestartet. Präsident Selenski sagte am Montagabend in einer Videobotschaft: «Wir können jetzt feststellen, dass die russischen Truppen die Schlacht um den Donbass begonnen haben, auf die sie sich seit langem vorbereitet haben.» Auch der Generalstab in Kiew hatte von «Anzeichen» einer Offensive berichtet. Von russischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Selenski kündigt russischen Soldaten harten Kampf an

Selenski zufolge ist «ein sehr grosser Teil» der russischen Armee für die Offensive im Osten konzentriert. Die Ukraine werde sich dem entgegenstellen. «Ganz gleich, wie viele russische Truppen dorthin getrieben werden: Wir werden kämpfen», versicherte der Präsident. Man werde sich verteidigen und nichts aufgeben. Kein Raketenangriff habe die Situation für Russland grundlegend verbessert, meinte Selenskyj. «Und wenn wir sie alle zusammen bewerten, kommen wir zu dem Schluss, dass sie strategischer Unsinn sind.»

Verteidiger von Mariupol sprechen von bunkerbrechenden Bomben

In der belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine spitzt sich die Lage unterdessen weiter zu. Das Regiment «Asow» forderte die Einrichtung eines eigenen Korridors für die Evakuierung von Zivilisten. Kommandeur Denys Prokopenko sagte in einer Videobotschaft, das Gelände des Stahlwerks Asovstal werde von russischen Truppen mit Artillerie, bunkerbrechenden Bomben und Raketen angegriffen. Mariupol ist seit dem 1. März von russischen Truppen eingeschlossen und fast komplett erobert. In der weitgehend zerstörten Stadt sollen noch mehr als 100'000 Zivilisten ausharren.

Ukraine berichtet von Toten und Verletzten in Charkiw

Beim Beschuss der ostukrainischen Grossstadt Charkiw wurden ukrainischen Angaben zufolge 3 Menschen getötet und 15 verletzt. «Die Granaten fielen direkt vor Häuser, auf Kinderspielplätze und in die Nähe von humanitären Hilfsstellen», teilte Gouverneur Oleh Synjehubow am Montagabend mit. Von unabhängiger Seite liessen sich die Angaben zunächst nicht prüfen.

Putin ehrt Soldaten aus Butscha

Nach dem Abzug russischer Truppen aus der ukrainischen Stadt Butscha hat Präsident Wladimir Putin Soldaten geehrt, die dort im Einsatz waren. Der Kremlchef würdigte die 64. Motorschützenbrigade am Montag in Moskau für besondere Verdienste, Heldentum und Tapferkeit, wie der Kreml mitteilte. Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus der Vorortgemeinde der Hauptstadt Kiew hatten Anfang des Monats rund um die Welt für Entsetzen gesorgt. Insgesamt wurden in Butscha mehr als 400 Leichen gefunden, teils mit auf den Rücken gebundenen Händen. (dpa)

Selenski: «Der Kampf um Donbass hat begonnen»

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski sagte am Montag, Russland habe einen grossen Teil seiner Kräfte für die Offensive in der Ostukraine konzentriert. «Der Kampf um Donbass hat begonnen», sagt er. Doch er zeigte sich auch kämpferisch und ergänzte: «Egal, wie viele Soldaten dort eingezogen werden, wir werden uns verteidigen. Wir werden kämpfen. Wir werden nichts Ukrainisches aufgeben.»

Ukrainer fordern weiterhin Fluchtkorridore in Mariupol

In der belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine hat das Regiment «Asow» die Einrichtung eines eigenen Korridors für die Evakuierung von Zivilisten gefordert. Kommandeur Denys Prokopenko sagte in einer am Montag veröffentlichten Videobotschaft, das Gelände des Stahlwerks Asovstal werde von russischen Truppen mit Artillerie, bunkerbrechenden Bomben und Raketen angegriffen. Dazu wurden Bilder gezeigt - anscheinend aus einem Bombenschutzkeller auf dem Werksgelände mit Frauen und Kindern neben aufgehängter Wäsche zwischen Doppelstockbetten.

In dem Video sagt ein Junge: «Wenn geschossen wird, dann wackelt alles bei uns.» Eine Frau spricht in die Kamera: «Uns wurde alles genommen. Lasst uns wenigstens noch etwas am Leben.» Prokopenko forderte alle «zivilisierten Länder» auf, für die sofortige Evakuierung und den Schutz von Zivilisten und verwundeten Soldaten zu sorgen. Auch die Leichen von Soldaten sollten aus dem Werk herausgebracht werden.

Mariupol ist seit dem 1. März vollständig von russischen Truppen eingeschlossen und beinahe komplett erobert. In der weitgehend zerstörten Stadt sollen noch mehr als 100'000 Zivilisten ausharren. Mehrere Versuche der ukrainischen Regierung, eine organisierte Evakuierung aus der Stadt zu vereinbaren, scheiterten. (dpa)

Putin ehrt Soldaten nach Einsatz in Butscha

Nach dem Abzug russischer Truppen aus der ukrainischen Stadt Butscha hat Präsident Wladimir Putin Soldaten geehrt, die dort im Einsatz waren. Der Kremlchef würdigte die 64. Motorschützenbrigade am Montag in Moskau für besondere Verdienste, Heldentum und Tapferkeit, wie der Kreml mitteilte. Die Bilder getöteter ukrainischer Zivilisten aus der Vorortgemeinde der Hauptstadt Kiew hatten Anfang des Monats rund um die Welt für Entsetzen gesorgt. Insgesamt wurden in Butscha mehr als 400 Leichen gefunden, teils mit auf den Rücken gebundenen Händen.

Die Ukraine wirft den russischen Soldaten deshalb schwerste Kriegsverbrechen vor. Der ukrainische Geheimdienst sprach von «Massenmord», den die Angehörigen der 64. Motorschützenbrigade der 35. Armee der Russischen Föderation begangen hätten. Russland bestreitet, etwas mit den Gräueltaten zu tun zu haben. Inzwischen laufen internationale Ermittlungen. Es gibt zahlreiche Forderungen, die Verantwortlichen vor ein internationales Gericht zu stellen.

Putin lobte nach Angaben des Kremls «versierte und entschlossene Handlungen» der Soldaten im Zuge der «militärischen Spezial-Operation», wie der Krieg in Russland genannt wird. Sie hätten auf vorbildliche Weise Mut und hohen Professionalismus gezeigt. «Ich bin überzeugt, dass ihr Soldaten und Offiziere Gardisten seid, weiter dem Eid die Treue halten werdet, der Heimat mit Ehre dient und verlässlich die Sicherheit und das friedliche Leben unserer Bürger schützt», wurde der Präsident zitiert. (dpa)

US-Regierung will Russlands «Kriegsmaschinerie» zerlegen

Die USA wollen Russlands Rüstungsindustrie angesichts des Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter unter Druck setzen. «Die nächste Phase unserer Arbeit wird darin bestehen, Russlands Kriegsmaschinerie Stück für Stück zu zerlegen, indem wir den militärisch-industriellen Komplex und seine Lieferkette zerstören», kündigte Vize-Finanzminister Wally Adeyemo am Montag am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungfonds (IWF) in Washington an.

Mit Hilfe weiterer Sanktionen und Exportkontrollen solle verhindert werden, dass das russische Militär seine Vorräte aufstocke. Die Strafmassnahmen zielten daher besonders auf Schlüsselsektoren wie Luft- und Raumfahrt und Elektrotechnik. Die USA haben wegen des Kriegs in Abstimmung mit westlichen Partnern bereits harte Sanktionen verhängt. Dazu gehören strikte Exportkontrollen unter anderem für Hightech-Produkte wie Halbleiter, für Software und für Teile der Luftfahrtindustrie. (dpa)

Lwiw erneut angegriffen

Russland hat den Beschuss der Grossstadt Lwiw im Westen der Ukraine mit Raketen bestätigt. Dabei sei ein Zentrum für die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte getroffen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montagabend in Moskau. Zerstört worden sei ein Logistikzentrum mit grossen Teilen ausländischer Waffen, die aus den USA und europäischen Ländern geliefert worden seien.