Ukraine-Krieg
Putins Schlupflöcher in der Nordsee: Warum Norwegen und die Färöer weiter Fischhandel mit Russland treiben

Die beiden nordischen Länder heissen nach wie vor russische Schiffe willkommen. Die reichen Nicht-EU-Länder zieren sich, das lukrativen Geschäft mit Lachs und Hering zu stoppen.

Niels Anner, Kopenhagen
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Ein russischer Trawler vor der norwegischen Küste: Trotz Ukraine-Krieg und EU-Sanktionen sind die Schiffe hier weiterhin willkommen.

Ein russischer Trawler vor der norwegischen Küste: Trotz Ukraine-Krieg und EU-Sanktionen sind die Schiffe hier weiterhin willkommen.

Hinrich Bäsemann / dpa

Anders als in der EU laufen in den Nicht-Mitgliedern Färöer und Norwegen russische Schiffe aus und ein. Die beiden Länder, die öffentlich die Ukraine-Invasion verurteilen und viele Sanktionen mittragen, versorgen gleichzeitig russische Schiffe mit Treibstoff und Proviant, lassen sie in die Werften fahren sowie Fisch verkaufen oder laden. Denn das Geschäft mit den Leckereien aus dem Meer ist so lukrativ, dass man nicht darauf verzichten will.

Die Färöer haben sogar ihre Fischerei-Lizenzen für Gewässer vor Schottland und den Shetlandinseln an russische Firmen weiterverkauft. Trotzdem erklärt der färöische Aussenminister Jenis Av Rana:

«Wir stehen Schulter an Schulter mit den anderen westlichen Ländern und verurteilen auf Schärfste, was in der Ukraine geschieht.»

Die rostigen russischen Trawler fahren derweil vor der grünen Küste der Atlantikinseln; die Schiffe sind Teil eines Wirtschaftszweigs, der für 95 Prozent der Exporte der Färöer steht.

Jetzt, wo sich schottische Fischer über die unmoralische «Gier der Färöer» empören und in Dänemark Politiker kritische Kommentare abgeben, sagt Jenis Av Rana, es brauche eben Zeit, ein Sanktionsgesetz zu schaffen, um russische Schiffe zu stoppen. Allerdings hatte der Aussenminister schon Ende Februar erklärt, dass man an den gesetzlichen Grundlagen arbeite.

Hafenverbot beschlossen – aber nicht für Fischerei-Schiffe

Viel Zeit braucht auch das EWR-Land Norwegen. Just bei der Fischerei spricht die Regierung von einem Sonderfall: Man müsse auf die mit Russland koordinierte Seerettung und Verwaltung der Fischbestände in der gemeinsamen Barentssee Rücksicht nehmen.

Am Freitag sprach die Regierung dann nach wochenlangem Zaudern doch ein Hafenverbot ab 7. Mai aus – allerdings explizit nicht für Fischerei-Schiffe. Damit können zwei Drittel der russischen Schiffe weiterhin einlaufen. Inkonsequent sei das, schimpft die Opposition: Norwegen sei bald der letzte Freihafen für Russland.

Nicht ganz – es gibt ja auch noch die Färöer. Dort hat der grösste Fischverarbeiter Bakkafrost zwar den Export nach Russland gestoppt, aber andere Geschäften weiter. Auf den Inseln weiss man nur zu gut, wie man mit dem Kreml Geld verdient. Nach der Krim-Annexion 2014 verbot Moskau als Sanktionsgegenmassnahme den Import von Fisch aus der EU – nicht aber von den Färöern.

Kurz davor hatten die Färöer Streit mit der EU um Fischereirechte gehabt. «Die Russen kamen als rettende Engel», sagt Aussenminister Av Rana. «Das rechnen wir ihnen hoch an.» Gut möglich deshalb, dass es noch eine Weile dauert mit dem Formulieren des Sanktionsgesetzes.