Syrien-Krieg
Über Iran in den Syrien-Krieg – Mehr als 10000 afghanische Söldner kämpfen an der Front

Erstmals bestätigt das Parlament in Teheran die Existenz ausländischer Söldner, die im Dienste iranischer Streitkräfte in den Bürgerkrieg in Syrien ziehen. Für ihre Rekrutierung macht sich der Iran die Perspektivlosigkeit der Afghanen zunutze.

Michael Wrase, Limassol
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Syrienkonflikt Luftschlag Aleppo

Syrienkonflikt Luftschlag Aleppo

Keystone

Der 26 Jahre alte Hamza war der erste Afghane, der bei Aleppo den «Märtyrertod» starb. Kämpfer der «Freien Syrischen Armee» (FSA) hatten den jungen Mann anhand seines Mobiltelefons identifiziert.

Auf dessen Speicherkarten befanden sich Videoaufnahmen, mit denen sich Hamzas Weg in das Bürgerkriegsland nachzeichnen liess: Im Frühjahr 2014 flog er zusammen mit weiteren Afghanen von Teheran zunächst nach Beirut, von wo aus sie von syrischen Geheimdienst-Agenten zum schiitischen Schrein von Sajjida Zainab gebracht wurden.

Die Verteidigung des bei Damaskus gelegenen Heiligtums werde ihre vordringlichste Aufgabe in Syrien sein, war ihnen erklärt worden. Tatsächlich wurde Hamza aber schon bald nach Aleppo gebracht, wo er in einem Bataillon der Assad-Armee als Kanonenfutter verheizt wurde.

So wie Hamza erging es Hunderten von Afghanen. Vor ihrem Fronteinsatz in Syrien hatten sie als Flüchtlinge im Iran ein erbärmliches Dasein gefristet, für Hungerlöhne auf Baustellen geschuftet.

Politisches Asyl wurde und wird den meisten Heimatvertriebenen, die im Iran vielfach als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, in der Regel verwehrt. Diese Perspektivlosigkeit machten sich die iranischen Revolutionsgardisten zunutze.

Versprechen nicht eingehalten

Für die «Verteidigung der Sajjida Zainab» bieten sie wehrtüchtigen Afghanen bis zu 500 Dollar Sold im Monat, ausserdem einen Schul- oder Universitätsbesuch sowie verbesserte Lebensbedingungen für ihre Familien.

Erfüllt wurden die Zusagen offenbar nur selten. Schon bald sprach sich unter den jungen Schiiten herum, was sie in Syrien wirklich erwartet: Wachdienste in exponierten Frontstellungen sowie Himmelfahrtskommandos im Dienste der Assad-Soldaten, die aus ihrer Verachtung für die nicht arabischen Afghanen keinen Hehl machen.

Es war daher nicht weiter erstaunlich, dass die Bereitschaft der Afghanen, freiwillig in Syrien zu kämpfen, bald nachliess. Als «Motivationshilfe» wurde ihnen daraufhin mit der Abschiebung nach Afghanistan gedroht. Es sei erwiesen, dass viele Afghanen auch gegen ihren Willen in Syrien zum Einsatz kämen, betonte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zu Jahresbeginn.

Mehr als 10 000 Afghanen kämpfen nach Erkenntnissen libanesischer Militärexperten gegenwärtig in Syrien. Um ihre Ausbildung kümmern sich inzwischen Hisbollah-Offiziere, die ein rein afghanisches Regiment aufgestellt haben. Der Umgangston sei dort freundlicher als in der Assad-Armee. Hilfstruppen – und damit Kanonenfutter – bleiben die afghanischen Söldner dennoch.

Staatsbürgerschaft für Angehörige

Im Falle ihres Todes wird nun inskünftig ihren Angehörigen die iranische Staatsbürgerschaft garantiert. So will es ein Gesetz, das gestern im Teheraner Parlament verabschiedet wurde. Die Verfügung ist bemerkenswert, weil darin zum ersten Mal die Existenz von ausländischen Kämpfern oder Söldnern im Dienste der iranischen Streitkräfte bestätigt wird.