General McMaster
Trumps neuer Sicherheitsberater bekommt von Links und Rechts Lob

General H.R. McMaster wird höchster Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump. Das Porträt eines Mannes, der den schwierigen Spagat zwischen Demokraten und Republikanern schafft.

Renzo Ruf, Washington
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«Sicherheits»-Männer auf dem Sofa: Der Präsident, H.R. McMaster (links), und General aD Keith Kellogg, ebenfalls ein Veteran des Irak-Kriegs.

«Sicherheits»-Männer auf dem Sofa: Der Präsident, H.R. McMaster (links), und General aD Keith Kellogg, ebenfalls ein Veteran des Irak-Kriegs.

KEYSTONE

Wie eine Integrationsfigur sieht der glatzköpfige H.R. McMaster nicht aus. Und doch ist der 54-jährige Dreisterne-General, der am Montag von Präsident Donald Trump zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt worden ist, eine der wenigen Persönlichkeiten, deren Arbeit in Washington von Links und Rechts gelobt wird. Zu seinen Anhängern gehören pensionierte Schreibtisch-Krieger wie Ex-Vizepräsident Dick Cheney (McMaster sei «umsichtig» und «überzeugend»), aufmüpfige Demokraten wie der Abgeordnete Adam Schiff («solid», «gescheit» und «ein Stratege») sowie konservative Kritiker des Weissen Hauses wie Senator John McCain («ein Mann mit authentischem Intellekt, Charakter und Fähigkeiten»).

Diese Lorbeeren erwarb sich McMaster in seiner 33 Jahre dauernden Laufbahn, weil er eine der wenigen Führungsfiguren in den Streitkräften ist, die nötigenfalls querdenken und die Anweisungen ihrer Vorgesetzten infrage stellen.

Den Tatbeweis erbrachte der kantige General während des Irak-Krieges. Als sich die Sicherheitslage im Nachgang der amerikanischen Invasion stetig verschlechterte und der Widerstand gegen die Besetzung täglich Opfer forderte, war General McMaster einer der ersten Kommandanten, die sich auf die neue Herausforderung einstellten. Die Soldaten des 3rd Armored Cavalry Regiments – dessen stolze Geschichte bis ins Jahr 1846 zurückreicht – wurden ausgebildet, sich in die Haut der lokalen Bevölkerung zu versetzen. McMaster war auch einer der wenigen Generäle, die offen über die Fehler sprachen, welche die amerikanische Armee begangen hatte. «Als wir hierherkamen», sagte er 2006 in einem Gespräch mit der Zeitschrift «The New Yorker», «waren wir wie ein blinder Mann, der versucht, das Richtige zu tun, aber eine Menge Dinge kaputtmacht.» Amerika habe es vermasselt, das Vertrauen der irakischen Bevölkerung zu gewinnen. «Du kannst nicht einfach hereinkommen und sprechen», sagte McMaster. «Zuerst musst du den Menschen zuhören.»

Diese Lektion lernte McMaster während seiner historischen Studien, die er an der University of North Carolina absolvierte. In seiner Dissertation, 1997 unter dem Titel «Dereliction of Duty» für ein breites Publikum veröffentlicht, kritisierte er in scharfen Worten die Rolle, die der Vereinigte Generalstab («Joint Chiefs of Staff») der US-Streitkräfte während des Vietnam-Krieges gespielt hatte – weil sie nicht rechtzeitig die Notbremse zogen, als sie gewahr wurden, dass Präsident Lyndon B. Johnson politische Spielchen militärischer Strategie vorzog. «Der Krieg in Vietnam wurde nicht im Feld verloren», schrieb McMaster, sondern in der amerikanischen Hauptstadt.

McMaster scheint sich in seiner Karriere vorgenommen zu haben, diese historischen Fehler nicht zu wiederholen. Er wird nun beweisen müssen, dass er auch im bürokratischen Kleinkrieg gewandt ist und seinem Vorgesetzten – Präsident Trump – nötigenfalls auch bittere Wahrheiten überbringen kann. Seinen direkten Draht zu den Streitkräften jedenfalls will er nicht verlieren. McMaster hat bereits angekündigt, dass er nicht in den Ruhestand treten und weiterhin die Uniform der Streitkräfte tragen werde.

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