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Trotz Trumps Bruch: US-Justizminister Sessions will «dienen, solange es angebracht ist»

Präsident Donald Trump demontiert seinen Justizminister in aller Öffentlichkeit. Jeff Sessions will aber nicht das Handtuch werfen.

Renzo Ruf, Washington
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Er will bleiben, trotz der massiven Kritik von US-Präsident Donald Trump: US-Justizminister Jeff Sessions.

Er will bleiben, trotz der massiven Kritik von US-Präsident Donald Trump: US-Justizminister Jeff Sessions.

KEYSTONE/EPA/JIM LO SCALZO

Der amerikanische Justizminister hat gestern Donnerstag an einer Pressekonferenz verkündet, er habe nicht die Absicht, zurückzutreten. Vielmehr habe er vor, «jeden Tag hart zu arbeiten», sagte Jeff Sessions. Als der ehemalige Senator aus Alabama gefragt wurde, ob er denn überhaupt noch das Vertrauen von Donald Trump geniesse und dem Präsidenten wirksam dienen könne, sagte er: «Ich diene gerade jetzt und werde weiter dienen, solange es angebracht ist.»

Anlass für diesen doch recht ungewöhnlichen Auftritt: Ein Interview, das Trump am Mittwoch der «New York Times» gegeben hatte – und mit dem er einmal mehr für Aufsehen sorgte. Denn der Präsident sagte (ausgerechnet der verhassten NYT), dass er die Ernennung von Sessions zum Justizminister bereue. Die Begründung? Er finde es – vorsichtig formuliert – «höchst unfair», dass sich Sessions in einer seiner ersten Amtshandlungen dazu entschieden habe, bei sämtlichen offiziellen Ermittlungen über die Einflussnahme Russlands auf die Wahlen 2016 in den Ausstand zu treten. Hätte er vorzeitig Kenntnis über Sessions Entscheidung gehabt, sagte Trump, «hätte ich jemanden anderes ausgewählt».

Der Zorn des Präsidenten, der das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Politikern nachhaltig zerstört haben soll, ist ein Stück weit nachvollziehbar. Seiner Meinung nach hat er es Sessions zu verdanken, dass die «Russland-Affäre» ihn auf Schritt und Tritt verfolgt. Denn der heutige Justizminister gab während einer Senats-Anhörung im Januar bekannt, dass er sich während des Wahlkampfes nie mit russischen Regierungsangestellten getroffen habe. Dies erwies sich im Nachhinein als nicht ganz korrekt, hatte sich Sessions doch mit dem russischen Botschafter in den USA ausgetauscht. In der Folge trat Sessions in den Ausstand und übergab das Dossier der Nummer zwei im Ministerium.

Nach der Entlassung von FBI-Direktor James Comey durch Trump entschied sich der stellvertretende Minister, Rod Rosenstein, den ehemaligen FBI-Direktor Robert Mueller als Sonderermittler einzusetzen. Und dieser dreht nun jeden Stein um, um herauszufinden, zu welchen Kontakten es zwischen Russen und dem Trump-Wahlkampfteam gekommen ist.

Ins Visier geraten sind dabei auch der Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner und der Präsidenten-Sohn Donald Trump junior. Weil die beiden im Juni 2016 an einer Sitzung teilnahmen, an der eine angebliche «russische Regierungsanwältin» negative Informationen über die Demokratin Hillary Clinton hätte präsentieren sollen. Kushner und Trump junior sollen in der kommenden Woche auch vor Senats-Ausschüssen über diese Sitzung Auskunft geben.

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