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«Tropen-Trump» räumt ab: Bolsonaro wird neuer Präsident Brasiliens – so will er das Land verändern

Die Brasilianer haben den ultrarechten Ex-Militär Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt. Seine Anhänger hoffen auf ein Ende der Korruption. Seine Gegner befürchten einen Angriff auf die noch junge Demokratie und eine Welle von Hassverbrechen.

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Anhänger Jair Bolsonaros feiern seinen Wahlsieg.
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Nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der Rechtspopulist einen klaren Rechtskurs angekündigt.
Jair Bolsonaro ist neuer Präsident Brasiliens.
In der Rede versprach Bolsonaro , "Verfassung, Demokratie und Freiheit" Brasiliens zu verteidigen. Das sei nicht das Versprechen einer Partei oder das Wort eines Mannes, sondern "ein Schwur vor Gott", sagte der 63-jährige Ex-Offizier.
Freudentränen bei Bolsonaros Anhängern.
Ganz anders die Reaktion bei den Verlierern...
Die Wähler des Sozialisten Fernando Haddad müssen eine bittere Niederlage einstecken.
Unterlegen: Haddad und seine Frau Ana Estela.
Siegesfeier von Bolsonaro-Wählern in Sao Paulo.
Auch in Rio wird gefeiert.

Anhänger Jair Bolsonaros feiern seinen Wahlsieg.

Antonio Lacerda

Die Brasilianer haben der traditionellen Politikerkaste des Landes eine schallende Ohrfeige verpasst und den Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten gewählt.

Auf den Ex-Militär entfielen am Sonntag rund 55,5 Prozent der Stimmen, sein Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei erhielt 44,5 Prozent. Das teilte das Wahlamt nach Auszählung von knapp 95 Prozent der Stimmen mit.

Die Wahl des ultrarechten Bolsonaro könnte einen radikalen Politikwechsel in Brasilien nach sich ziehen. Der frühere Fallschirmjäger will den Zugang zu Waffen erleichtern, wichtige Ministerien mit Militärs besetzen und möglicherweise aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen.

Bolsonaro kündigt radikalen Politikwechsel an

Nach seinem Sieg hat Bolsonaro einen klaren Rechtskurs angekündigt. Der "Flirt mit Sozialismus, Kommunismus, Populismus und Linksextremismus" sei vorbei, sagte er in seiner Siegesrede am Sonntag.

In seiner Siegesrede versprach Jair Bolsonaro , "Verfassung, Demokratie und Freiheit" Brasiliens zu verteidigen. Das sei nicht das Versprechen einer Partei oder das Wort eines Mannes, sondern "ein Schwur vor Gott", sagte der 63-jährige Ex-Offizier.

Zugleich kündigte er einen klaren Rechtskurs für Brasilien an: "Wir können nicht länger mit dem Sozialismus, dem Kommunismus, dem Populismus und dem Linksextremismus flirten."

Allerdings zeigte sich der ultrarechte Ex-Militär auch versöhnlich. Er sprach von einem "Brasilien der unterschiedlichen Meinungen, Farben und Orientierungen." In dem mit harten Bandagen geführten Wahlkampf hatte Bolsonaro noch Minderheiten und Linke verunglimpft und von "Säuberungen" schwadroniert.

Noch bis vor Kurzem galt der in Anlehnung an US-Präsident Donald Trump auch "Tropen-Trump" genannte Politiker als skurriler Hinterbänkler im Parlament.

Er provozierte immer wieder mit Ausfällen gegen Frauen, Schwarze und Schwule sowie mit seiner Sympathie für die Militärdiktatur (1964-1985). Einer Abgeordneten bescheinigte er einmal, sie sei es nicht wert, vergewaltigt zu werden, weil sie "sehr hässlich" sei.

Korruption in allen Parteien

Doch das war für die meisten Brasilianer offenbar nachrangig, zu gross war der Wunsch nach einem echten Politikwechsel. Über alle Parteigrenzen hinweg sind die meisten Politiker Schmiergeldaffären verwickelt.

"Lava Jato" (Autowäsche) gilt als der grösste Korruptionsskandal Lateinamerikas und hat auch Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hinter Gitter gebracht, den politischen Ziehvater Haddads. Bolsonaro hingegen gilt als einigermassen sauber.

"Bolsonaro ist der einzige Politiker in diesem Land, der nicht in Korruption verwickelt ist", sagte seine Anhängerin Kelly Barreto vor dem Haus des Politikers in Rio de Janeiro. "Mit Bolsonaro wird sich das Bildungswesen, die Gesundheitsversorgung und die Sicherheitslage verbessern. Nur mit ihm wird sich Brasilien verändern."

Mehr Waffen und harte Strafen

Auch die grassierende Gewalt wollen die meisten Brasilianer nicht länger hinnehmen. Bolsonaro verspricht einfache Lösungen. Er will das Waffenrecht legalisieren, das Strafmündigkeitsalter herabsetzen und die Polizei zu einem härteren Vorgehen gegen Kriminelle ermutigen.

Angesichts von über 63 000 Tötungsdelikten im vergangenen Jahr verfangen seine Rufe nach einer Politik der harten Hand. "Was mir am besten gefällt an Bolsonaro, sind seine Vorschläge zur öffentlichen Sicherheit. In Rio kann man heutzutage nicht mehr vor die Tür gehen, ohne Angst zu haben, überfallen zu werden", sagte die Wählerin Leandra Nascimento.

Angst vor Gewalt gegen Minderheiten

Unter Linken, Menschenrechtlern und Minderheiten geht jetzt die Angst um, Bolsonaros Hasstiraden könnten zu Gewalt gegen Homosexuelle, Schwarze und Indigene führen. Kurz vor der Wahl hatte der schneidige Ex-Militär angekündigt: "Es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben."

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