Affäre Thaci
Thaci will Serbiens Staatschef treffen

Jetzt wollen sie wieder miteinander sprechen: der kosovarische Ministerpräsident und der serbische Präsident Boris Tadic. Für den unter Dauerbeschuss stehendenThaci kommen die positiven Schlagzeilen wohl nicht ungelegen.

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Kosovos Premier Hashim Thaci (im Bild) geht rechtlich gegen Dick Marty vor

Kosovos Premier Hashim Thaci (im Bild) geht rechtlich gegen Dick Marty vor

Keystone

Bereits am Mittwoch hatte sich der serbische Präsident für ein Treffen mit Kosovo ausgesprochen. Nun lenkt Thaci ein: Eine solche Zusammenkunft sei «im Interesse beider Länder», sagte er in einem Gespräch mit der Tageszeitung «Express».

Serbien wittert neue Möglichkeit zur Annexion

Thacis Regierung hatte im Jahr 2008 offiziell die Unabhängigkeit der Provinz Kosovo von Serbien erklärt. Dies wurde von Belgrad bisher nicht anerkannt.

Belgrad will jedoch nicht auf politischer Ebene verhandeln. Es sieht offenbar eine neue Möglichkeit, die fast nur noch von Albanern bewohnte Region wieder seinem Staatsverband einzugliedern. Das kosovarische Pristina hingegen will zwischenstaatliche Probleme wie Zoll und die Grenzsicherung besprechen.

«Martys Verleumdung ist kein Zufall»

Thaci steht seit Tagen unter internationalem Druck. Nach Vorwürfen aus dem Europarat soll er als «Mafiaboss» den Handel mit Rauschgift, Waffen und mit menschlichen Organen kontrolliert haben. Er wehrt sich mit Händen und Füssen gegen den Report und bezichtigt dessen Verfasser und Europarat-Abgeordneten Dick Marty der Verleumdung. Thaci sagt: «Dick Marty war gegen die Unabhängigkeit des Kosovo. Seine Verleumdung ist kein Zufall, er hat sie mit seinen Anti-Albaner-Freunden geplant.»

Nun fordert der Ministerpräsident Kosovos eine Untersuchung seitens der EU. Vertreter Thacis trafen sich im Hauptsitz des Europarates in Strassburg mit Menschenrechts-Vertretern. Er sieht die internationalen Regierungsvertreter auf seiner Seite. Gegenüber der Tagesschau sagt Thaci: «Ich bin in ständigem Kontakt mit Staats- und Regierungschef in der ganzen Welt. Sie alle bezeichnen Martys Report als der reine Horror.»

Serbien: «Komplett neue Situation»

Der serbische Präsident Tadic hingegen sagte, der Report Martys kreiere eine «komplett neue Situation», die zeige, dass es in Kosovo nicht nur serbische Verbrechen gab, sondern auch albanische. «Serbien wartet seit Jahren auf einen solchen Bericht internationaler Institute», sagte Tadic. Alle Kriegsverbrechen müssten geahndet werden.

In drei Städten Neuwahlen wegen Manipulation

Thaci bleibt weiter unter Beschuss. Neben dem Vorwurf der kriminellen Verbrechen soll seine PDK-Partei auch die Parlamentswahl am 12. Oktober in grossem Stil manipuliert haben. Zahlreiche Parteien wollen die Abstimmung komplett wiederholen.

Die staatliche Wahlkommission hatte in drei Städten Neuwahlen für den 9. Januar angesetzt. Auch das Oberste Gericht und der Generalstaatsanwalt des Landes sind mit den Vorwürfen befasst.

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