Barcelona/Cambrils
Terror im «sicheren» Reiseland: Warum die Ruhe in Spanien trügerisch war

Seit Madrid 2004 blieb Spanien von islamistischem Terror verschont. Die Behörden aber warnten schon lange, dass neue Anschläge wie nun in Katalonien nur eine Frage der Zeit seien.

Peter Blunschi
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Terror in Barcelona
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Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Trauer nach den Anschlägen in Spanien - Barcelona und Cambrils.
Nach der Attacke auf eine Fussgängerzone in Barcelona kam es weiter südlich im spanischen Badeort Cambrils zu einem zweiten Anschlag. Ein Auto fuhr in eine Menschenmenge.
Thumb for 'Islamistischer Terror: Aufnahmen zeigen das Chaos nach dem Anschlag in Barcelona'
SPAIN BARCELONA VEHICLE ATTACK AFTERMATH epa06149423 Catalonian regional policemen patrol Las Ramblas avenue a day after a deadly van attack in Barcelona, northeasten Spain, 18 August 2017. According to media reports, at least 13 people have died and 80 were injured when a van crashed into pedestrians in Las Ramblas, downtown Barcelona in an incident which Spanish police are treating as a terror attack. Police have stated that the attack in Barcelona and the attack in Cambrils are linked. EPA/QUIQUE GARCIA
Polizei und Passanten tragen nach dem Anschlag in Barcelona eine verletzte Person
Verletzte erhalten nach der Terrorattacke mit einem Lieferwagen auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona Erste Hilfe.David Armengou/EPA/Keystone
Rettungskräfte am Abend in einer der abgesperrten Strassen Barcelonas

Terror in Barcelona

Keystone

Spanien erlebt in diesem Jahr eine Invasion von Touristen. In der Metropole Barcelona sowie in den Badeorten an der Mittelmeerküste und auf den Balearen trampeln sich die Feriengäste gegenseitig auf den Füssen herum. Viele Einheimischen haben diesen Ansturm mehr als satt. In Barcelona sind Aufschriften und Graffiti wie «Tourist go home» keine Seltenheit mehr.

Ein Zufall ist dieser für die Wirtschaft erfreuliche Tourismusboom nicht. Spanien gilt als sicheres Reiseland, im Gegensatz zu Destinationen wie Ägypten, Tunesien und die Türkei. Auf den ersten Blick war diese Annahme nachvollziehbar. Seit den Bombenexplosionen in vier Vorortszügen in Madrid am 11. März 2004 blieb das Land von islamistischem Terror verschont.

Mit 191 Toten ist es bis heute der blutigste Terroranschlag im Europa des 21. Jahrhunderts. Die sozialistische Regierung zog darauf die spanischen Truppen aus dem Irak ab. Damit schienen sich die Iberer vom radikalislamischen Terror «freigekauft» zu haben. Es war eine trügerische Ruhe, wie die Anschläge in Katalonien nun gezeigt haben. Spanien blieb im Visier der Dschihadisten.

1000 Personen auf dem Radar

Dabei ist man keineswegs untätig geblieben. Die Terrorabwehr wurde personell massiv aufgestockt. Mehr als 3000 Personen sind heute in diesem Bereich tätig. Sie haben mehr als 1000 Personen auf dem Radar, die als terrorverdächtig gelten. Gegen 259 Personen wurden laut der Zeitung «El Pais» Verfahren eingeleitet. 150 Kämpfer sollen nach Syrien gereist sein.

Allein 2015 wurden in Spanien 187 Terrorverdächtige verhaftet, die zweithöchste Zahl in Europa hinter Frankreich. Im Mai wurden in Madrid zwei Marokkaner festgenommen, die einen Anschlag mit einem Sattelschlepper nach dem Vorbild von Nizza geplant haben sollen. Ein ähnlicher Attentatsplan wurde im letzten Dezember im Norden des Landes vereitelt.

Es erstaunt daher nicht, dass für die spanischen Behörden ein neuer Anschlag nur eine Frage der Zeit war. Als gefährdet galten gemäss «El Pais» die beiden Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika. Geheimdienstberichte warnten nach dem Anschlag auf das Ariana-Grande-Konzert in Manchester auch vor möglichen Zielen in der Hauptstadt Madrid. Und in Barcelona.

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