Japan
Täuschen und tricksen hat bei Tepco Tradition

Sogar der japanische Premier ist unzufrieden mit der Informationspolitik von Tepco. Der Konzern gerät nicht zum ersten Mal in die Kritik. Bereits früher wurden Sicherheitsstandards nicht eingehalten.

Dagmar Heuberger
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Ein Video zeigt die heftige Explosion beim Reaktorgebäude von Fukushima 1.

Ein Video zeigt die heftige Explosion beim Reaktorgebäude von Fukushima 1.

Keystone

Tokio, Japan und die Welt blicken gebannt auf das Atomkraftwerk Fukushima und fragen sich, was nach dem Ausfall der Kühlung, mehreren Explosionen und Verstrahlungsgefahr noch alles passieren wird. Doch auf der internationalen Homepage von Tokyo Electric Power Corporation (Tepco), dem Betreiber des AKW, findet man nur die Mitteilung, dass der Strom «leider» zeitweise abgestellt werden müsse. Dazu eine Reihe von Pressecommuniqués, in denen im Wesentlichen darüber informiert wird, dass alle vier Reaktoren von Fukushima II (Daini) ausgefallen seien. Und dass es um 6 Uhr (Ortszeit) im Reaktor 4 von Fukushima I (Daiichi) eine laute Explosion gegeben habe. Tepco tue sein Bestes, um die Situation unter Kontrolle zu halten; die Umgebung des AKW werde überwacht.

Büro des Premiers nicht informiert

Mehr nicht. Sogar dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan platzte gestern der Kragen: «Das Fernsehen berichtet von einer Explosion. Aber dem Büro des Premiers wird eine Stunde lang nichts gesagt», echauffierte er sich. Regierung und Öffentlichkeit seien mit der Informationspolitik nicht zu frieden. In der Tat gehört offene, transparente und zeitgerechte Kommunikation nicht zu den Stärken des AKW-Betreibers.

Tepco ist nicht nur der grösste Energiekonzern Japans, sondern auch der grösste in Asien und weltweit die Nummer 4. Das 1951 gegründete Unternehmen betreibt drei grosse Kraftwerkkomplexe mit total 17 Reaktorblöcken. Die Geschichte des Konzerns ist reich an Störfällen und Affären. Die beiden schwerwiegendsten Skandale:

Im August 2002 wurde bekannt, dass Tepco über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten Sicherheitsberichte systematisch gefälscht und Schäden in den Reaktoren verschwiegen hatte. Die Konzernspitze musste daraufhin zurücktreten. Alle 17 Reaktoren wurden vom Netz genommen, überprüft und erst 2005 wieder in Betrieb genommen.

Sicherheitsstandards nicht eingehalten

Im Juli 2007 trat nach einem Erdbeben der Stärke 6,6 in der Tepco-Anlage Kashiwazaki-Kariwa an der Westküste radioaktives Wasser aus einem Becken und floss ins Meer. Auch damals beteuerte Tepco zuerst, es bestehe keine Gefahr. Eine Untersuchung ergab, dass Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden waren. Das grösste AKW der Welt musste für fast zwei Jahre vom Netz genommen werden. Erneut wurde Besserung gelobt und der Vorstand gefeuert.

Noch im vergangenen Herbst hatte Tepco hochfliegende Pläne: Der Stromversorger plante eine Kapitalerhöhung von 6,5 Milliarden Franken, die in neue Kraftwerke und Stromnetze investiert werden sollten.